Ratgeber Ersatzteile Risiko-Sparen - Ihr Automobilclub - ACE Auto Club Europa e.V.
Ratgeber: Ersatzteile

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Große Bescherung? Ersatzteil-Großhändler WM Fahrzeugteile bietet an 90 Standorten in Deutschland eine riesige Teile-Vielfalt

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Der kleine Unterschied? Links die einfachen Bremsscheiben aus dem Internet (44 Euro/Paar) – rechts die korrosionsgeschützten ATE-Scheiben (57,40 Euro/Stück)

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Continental-Tochter ATE lässt ihre hochwertigen Bremsscheiben in Tschechien fertigen. Den Vergleich mit der Originalausrüstung bestehen sie allemal

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Falsche Information führt zur Rücksendung: Diese Bremsscheiben zum Super-Sonderpreis (19 Euro/Paar) passen eben doch nicht an die Golf-Vorderachse – weil sie nicht innenbelüftet sind

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Made in China – die Billigware erkennt man an deutlichen Bearbeitungsspuren und einer einfachen Anleitung. Immerhin sind sie zugelassen

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ATE legt seinen Bremsbelägen (69,70 Euro/Satz) ausführliche Informationen bei. Und der Stecker führt zum Verschleißsensor für die Anzeige im Kombi-Instrument

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Der frappierend ähnliche Markenname gehört einem deutschen Ersatzteil-Händler. Ihre EU-Zulassung haben die Bremsbeläge (14,90 Euro/Satz) in Großbritannien erhalten

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Der Kotflügel vom Großhändler ("made in Taiwan", 169 Euro) unterscheidet sich in der Verarbeitung nur unwesentlich vom No-name-Produkt für 33,99 Euro

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Original-Qualität von Hella – made in Spanien: Für stolze 95,95 Euro gibt es im Fachhandel die linke Rückleuchte ohne Innenleben

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Optik-Tuning aus dem Internet: Für 66,71 Euro fanden wir ein Paar Golf-Rückleuchten im Rauchglas-Look, komplett mit Lampenträgern und Leuchtmitteln

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Der Endtopf aus Deutschland (links, 259,85 Euro) ist aufwändiger gefertigt, doch die Alternative aus Italien kostet lächerliche 28,53 Euro – frei Haus

Je älter ein Auto ist, desto eher drängt sich im Falle eines Unfalls, einer Reparatur oder von Ersatzbedarf infolge des ganz normalen Verschleißes die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf: Verabrede ich einen Termin in der Vertragswerkstatt des Herstellers – und nehme den Schreck angesichts des Rechnungsbetrages bei der Abholung billigend in Kauf? Wende ich mich diesmal an die freie Werkstatt, die mir Freunde und Kollegen schon lange empfehlen – und verlasse mich darauf, dass deren Ersatzteil-Großhändler tatsächlich die versprochene "Erstausrüster-Qualität" liefert? Oder biege ich doch gleich ab ins Internet, fahnde dort mithilfe von Suchmaschinen oder der marktbeherrschenden Auktionsplattform Ebay nach einem unschlagbar günstigen Teile-Angebot – um dann entweder selber die Schraubenschlüssel in die Hände zu nehmen oder nach einer Werkstatt zu suchen, die mein Fahrzeug mithilfe der mitgebrachten Ersatzteile wieder in die Gänge bringt? Zumindest letztere Lösung scheitert immer häufiger am Unwillen der Profischrauber, sich den Erlös durch die Teilebeschaffung vom Kunden abnehmen zu lassen, gleichzeitig aber die Verantwortung für Funktion und Zuverlässigkeit der verbauten Komponenten im Rahmen der Gewährleistung zu übernehmen.

In einer Mitte Mai 2015 veröffentlichten Befragung von privaten Kfz-Teile-Käufern gab jeder vierte Teilnehmer an, mit seinen mitgebrachten Ersatzteilen von der Werkstatt seiner Wahl abgewiesen worden zu sein. Und wenn die Aufträge doch angenommen wurden, dann häufig nur zu Sonderbedingungen – von eingeschränkter Haftung und Garantie bis hin zu erhöhten Stundensätzen für den Einbau.

In der Initiative "Qualität ist Mehrwert" haben sich namhafte Hersteller von Kfz-Ersatzteilen – von Beru bis ZF – zusammengeschlossen, um Werkstätten und Autofahrer genau davon zu überzeugen: Dass es sich letztendlich doch lohnt, sich bei der Autoreparatur für hochwertige Bauteile zu entscheiden und deren Kosten zähneknirschend in Kauf zu nehmen.

Dabei kann das in Zeiten von "Geiz ist geil" eine schwere Gewissensprüfung sein, wie ACE LENKRAD herausfand: Die Kaufpreise der Teile eines von uns zusammengestellten Warenkorbs  – je ein Kotflügel, Auspuff-Endtopf, Rücklicht sowie zwei vordere Bremsscheiben und dazu neue Bremsbeläge – addieren sich für den beispielhaft gewählten VW Golf 4 (Baujahr 2000) mal auf enorme 968,52 Euro (Original-Ersatzteile von VW), mal auf vergleichsweise lächerliche 155,42 Euro, wenn die jeweils billigsten Angebote der Auktionsplattform Ebay herangezogen werden. Immerhin um ein Viertel unter den VW-Originalen liegen die Bauteile, die wir beim bundesweit agierenden Großhändler "WM-Fahrzeugteile" eingekauft haben. Aber bis zu 800 Euro Preisunterschied bedürfen ganz offensichtlich einer stichhaltigen Erklärung.

Aus Sicht der Werkstatt, die sowohl für die Arbeitsqualität als auch für die Zuverlässigkeit und Sicherheit der für die Reparatur verwendeten Ersatzteile geradestehen muss, lautet diese: Wer die Produkthaftung übernimmt, muss sich zu 100 Prozent auf die Produkte verlassen können, die er verwendet. Im Schadensfall muss der Teilehersteller greifbar sein – sonst gehen etwaige Regressansprüche des Kunden eben zulasten der Werkstatt.

Da die Arbeitskosten nur wenig Spielraum für Preissenkungen zulassen, wäre es auch für die Profis reizvoll, beim Teilekauf zu sparen. Weil aber neun von zehn befragten Werkstätten bereits Probleme beim Einbau von Billig-Ersatzteilen hatten (laut einer von Dez. 2014 bis Feb. 2015 durchgeführten Online-Umfrage unter 1700 Werkstätten auf www.qualitaet-ist-mehrwert.de), gaben diese auch zu 85 Prozent an, weiterhin im Fachhandel einzukaufen.

Beim renommierten Ersatzteil-Großhändler WM Fahrzeugteile (Osnabrück) sind die Beschaffungskriterien mindestens so streng: "Zu 95 Prozent kaufen wir bei deutschen Herstellern ein, denn wir wollen unsere Lieferanten kennen", berichtet Firmensprecher Volker Ruddigkeit. "Die Kupplung für Ihren Golf ist dann eben nicht im VW-Karton verpackt, sondern es steht Fichtel&Sachs darauf. Und sicherheitsrelevante Bauteile beziehen wir ausschließlich bei Markenherstellern wie ATE, Bosch, Continental ..."

Im Ergebnis versprechen die Großhändler und ihre Lieferanten glaubhaft eine Ersatzteil-Qualität, die sich vor den ursprünglich verbauten Komponenten keinesfalls zu verstecken braucht. Von den circa 25 Prozent Preisvorteil gegenüber der Erstausrüstung war ja bereits die Rede. Möglicherweise lohnt es sich aber dennoch, beim Autohaus selber nach Sparmöglichkeiten zu fragen. Bei VW gibt es beispielsweise für Fahrzeuge, die über fünf Jahre Laufzeit aufweisen, viele Ersatzteile alternativ in sogenannter "Eco"-Version. Diese Teile werden mit anderen Werkzeugen oder aus geringfügig anderen Materialien hergestellt – sie sind dann zwar ebenfalls "Made in Germany" und entsprechen den Qualitätskriterien des Herstellers, weisen aber womöglich eine etwas geringere Lebensdauer auf, weil zum Beispiel die Eco-Bremsbeläge etwas dünner sind. Preislich liegen sie auf dem Niveau des hochwertigen Fachhandels.

Haben die so verführerischen Internet-Angebote also überhaupt keine Daseinsberechtigung? Für die wesentlichen Bauteile, vor allem in Sachen aktiver und passiver Sicherheit, ist ein klares "Nein" die angemessene Antwort. Aber so manche Reparatur betrifft ja auch Teile und Funktionen, die weit weniger kritisch sind. Und es gibt sogar Fälle, in denen das Fahrzeug auf absolut preiswerte Art und Weise aufgewertet werden kann.

Exemplarisch dafür haben wir für unseren Muster-Golf einen Satz Rückleuchten in Rauchglas-Optik bestellt. Auch hier war der Preisunterschied zu Original- und Fachhandels-Ware beträchtlich, denn im Preis waren nicht nur die Lampenhalter sondern auch sämtliche Glühbirnen und Kabel bereits enthalten. Weil so ein Optik-Tuning ja nicht einseitig erfolgen darf, gehörte auch das rechte Rücklicht zum erfreulichen Lieferumfang. Und das obligatorische ECE-Prüfzeichen, das die Konformität mit EU-Richtlinien bestätigt, war ebenfalls eingeprägt.

Apropos ECE-Prüfzeichen: Der Buchstabe "E" und die Ziffer dahinter, beide in einem Kreis oder Viereck, sagen aus, dass dieses Fahrzeugteil den Bestimmungen der Typgenehmigung entspricht. Die Ziffer gibt dabei an, in welchem EU-Mitgliedsland diese Genehmigung ausgestellt wurde – und nicht etwa das Ursprungsland.

Wer anhand eines solchen Kennzeichens einem Ersatzteil auf die Spur kommen möchte, tut dies am besten online, wo er – etwa bei Wikipedia – eine Liste der genehmigenden Länder findet. Fehlt das E-Prüfzeichen, ist übrigens nicht nur die Verwendung am Fahrzeug illegal, sondern es ist sogar auch der Handel mit solchen Teilen untersagt. Und dann verlässt der sparwütige Autofahrer die rauchgraue Zone endgültig in Richtung tiefschwarz.