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Wirtschaft: Innovation im Parkhaus

Im Parkhaus ist immer wieder aufs Neue Geduld gefragt: Warten vor der Schranke, Schlangestehen an den Kassenautomaten, Kramen nach Kleingeld oder gar der Ticketverlust. Ein selbstklebender Chip an der Frontscheibe macht Schluss damit. Kaum fährt das Auto auf die Schranke des Parkhauses zu, öffnet sie sich vollautomatisch, ohne dass der Fahrer die Fenster öffnen und ein Parkticket ziehen muss.

Ein RFID-Chip (Radio Frequency IDentification) hinter der Windschutzscheibe macht das Auto zu einer rollenden Kreditkarte. In dem 1,5 x 10 Zentimeter großen Aufkleber wird ein weltweit einmaliger Code gespeichert, der dem Fahrzeug speziell zugeordnet ist. Der Code wird von einem Lesegerät an der Decke über der Ein-/Ausfahrt innerhalb einer halben Sekunde erkannt und das Fahrzeug somit identifiziert. Auf diese Weise können viele Autos hintereinander, ohne zu stocken, ins Parkhaus ein- und wieder ausfahren. Der Nutzer muss sich nur einmalig im Internet registrieren, dann hat er an allen angeschlossenen Parkhäusern "freie Fahrt".

Forscher des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund haben zusammen mit der Münchner Firma Motion ID Technologies diesen RFID-Chip entwickelt, der Autofahrern das Leben in der City erleichtern soll. Viatag heißt dieses RFID-System. Eine Technik, die auch bei Fernbedienungen und Autoschlüsseln eingesetzt wird. "Der Autofahrer spart Zeit und gewinnt an Komfort", erläutert Arnd Ciprina, Hauptprojektleiter am Fraunhofer IML, die Vorzüge des Systems. Aber auch die Parkhausbetreiber profitieren: Zum einen lassen sich die Kosten zum Erfassen und Abrechnen der Parkzeiten verringern. Andererseits können sie ihre bestehenden Systeme parallel zur neuen Lösung weiterhin nutzen.

Die Idee und vor allem ihre Umsetzung fasziniert auch erfahrene Entwickler: "Ich habe anfangs nicht geglaubt, dass das so perfekt funktioniert", sagt Ciprina. Dabei war der Anfang mühsam, die Parkhausbranche nicht so leicht von Innovationen zu überzeugen. Aber mittlerweile sind Parkhäuser in verschiedenen Bundesländern und Städten mit der Technik ausgerüstet. In Essen, Duisburg und München beispielsweise hat sie den Praxistest erfolgreich bestanden. Die Forscher von IML und motionID hoffen nun, dass möglichst viele Parkhausbetreiber dieses System nutzen.

Die angefallenen Parkgebühren werden monatlich per Sammelbuchung über die angegebene Bankverbindung abgerechnet. Alle angefallenen Gebühren können jederzeit via Internet kon-trolliert und als Teil- oder Gesamtrechnung ausgedruckt werden. Die Nutzung des Systems ist kostenfrei, allerdings fällt eine einmalige Aktivierungsgebühr von 15 Euro an.

Bedenken, dass jemand die Daten ausliest, hat Caprina nicht. "Auf dem Chip werden keine persönlichen Daten gespeichert. Der zwölfstellige Code ist verschlüsselt, so dass Dritte die Identifikationsnummer keinem Nutzer zuordnen können. Auch ein Diebstahl des Folientransponders lohnt sich nicht: Beim Ablösen des Aufklebers von der Scheibe zerstört er sich selbst und ist nicht wiederverwendbar."

Doch es steckt auch abseits der Parkhäuser Potenzial in dem automatischen Bezahlsystem. Für die nächsten fünf bis sieben Jahre könnte Viatag eine "Brückenfunktion" übernehmen: So schnell wird schon aus Kostengründen nicht jedes Auto einen Internetanschluss haben. Flottenmanagement, Anwohnerparken und die Nutzung gebührenpflichtiger Parkplätze bieten sich für das System an. Auch die Rückgabe von Mietwagen würde sich so einfacher gestalten und den Personaleinsatz erheblich reduzieren. Auf Flughäfen, Messe- und Firmengeländen, an Autobahnraststätten, Tankstellen, Waschanlagen, Drive-in-Kinos und -Restaurants könnte Viatag für eine bessere Verkehrssteuerung sorgen