Prof. Kurt Bodewig, Schirmherr der ACE-Aktion Smartphone im Verkehr: Finger weg!, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und Bundesminister a.D.

Mythos Multtasking

"Ablenkung ist eines der wichtigsten Querschnittsthemen. Das Problem der Ablenkung betrifft alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen."

Aktion 2017: Finger weg! Smartphone im Verkehr

 

Jahrelang war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Zahl der Unfalltoten sank. Damit ist es leider vorbei. Jeden Tag sterben in Deutschland neun Menschen bei Verkehrsunfällen. Betroffen sind immer häufiger auch die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Fahrradfahrer und Fußgänger sind bei Unfällen innerorts 60 Prozent aller Todesopfer! 

Traurige Trendwende in der Verkehrssicherheit

Ablenkung durch Smartphones spielt hierbei eine immer größere Rolle. Dabei geht es längst nicht mehr nur ums Telefonieren. Nachrichten werden geschrieben und gelesen, soziale Netzwerke besucht, Spiele gespielt. Dabei ist der Blick fest auf das Display geheftet. Der Verkehr und seine Gefahren werden nicht mehr wahrgenommen. Das gilt für Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger gleichermaßen! Eine aktuelle Studie der DEKRA stellt fest, dass 17 Prozent aller Fußgänger in großen europäischen Städten ihr Smartphone nutzen, während sie unterwegs sind. Auch beim Überqueren von Straßen.

 

In Köln und Augsburg gibt es bereits erste Feldversuche mit Bodenampeln. Auch Warnsender an risikoreichen Querungen werden getestet. Bodenbeschriftungen und Leuchtleisten sind weitere Möglichkeiten, den Smombie* auf Gefahren aufmerksam zu machen.

 

Neben allen, teils skurrilen, technischen Ansätzen möchten wir mit unserer
diesjährigen Aktion an die Vernunft appellieren. Niemand ist multitaskingfähig
– aber jeder ist verantwortlich für seine Sicherheit.

* „Smombie“ ist ein Kofferwort aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombie“.
Laut Langenscheidt sind damit Menschen gemeint, die durch den ständigen Blick auf ihr
Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.
Smombie war das Jugendwort des Jahres 2015.

Die häufigsten Unfallgründe bei Fußgängern: Verhaltensdefizite!

  • Rotlicht-Missachtung der Fußgänger (40%)
  • Fahrbahnüberquerung abseits der Querungshilfen
  • Keine akustische Wahrnehmung durch Kopfhörer
  • Keine visuelle/auditive Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens aufgurnd von Smartphone-Nutzung

Smartphone-Nutzung bei Fußgängern nach Städten

WhatsApp, Facebook, News und Games … Augen, Ohren und Gedanken sind bei nahezu jedem sechsten Fußgänger in der Großstadt nicht bei der Sache, wenn eine Straße überquert wird. Dies ist das erschreckende Ergebnis einer Dekra-Studie aus 2016.

Der Smombie ist eine Gefahr für sich selbst. Und auch für andere.  

Kopf hoch! Augen auf! Hirn an!

In Köln, Augsburg und München werden erste Feldversuche mit neuen Verkehrswarnanlagen gemacht: Bodenampeln, Lichtleisten, Bodenbeschriftungen und Gefahren-Sender an Kreuzungen und Querungen. Den besten Schutz aber bieten Vernunft, Verantwortung und ein intelligentes Verhalten.

Deshalb: Finger weg vom Smartphone!

Fußgänger sind erhöhten Gefahren ausgesetzt

  • Alle 16 Stunden ein getöteter Fußgänger
  • Allle 68 Minuten ein schwer verletzter Fußgänger
  • Alle 23 Minuten ein leicht verletzter Fußgänger
  • 534 getötete Fußgänger = 11 % aller Getöteten
  • 7.788 Schwerverletzte = 12 % aller Schwerverletzten
  • 23.267 Leichtverletzte = 7 % aller Leichtverletzten

Gigantische Zahlen

Die Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland ist in den letzten 6 Jahren förmlich explodiert. Von 8,4 Millionen Anfang 2010 auf mittlerweile rund 50 Millionen. Tendenz steigend.

Rekord: Über 500 Millionen Mal wurde Pokèmon Go weltweit auf Smartphones installiert. Eine App, bei der man Bälle auf Monster wirft. Und manchmal auch gegen Autos läuft.

 

Hohe Ablenkung durch Handynutzung

„2,4 Millionen Verkehrsunfälle gibt es pro Jahr in Deutschland, etwa
ein Drittel wurde durch Ablenkung verursacht und wiederum ein
Drittel dieser Unfälle gehe auf die Handynutzung* zurück, rechnet der
Fachverband Fußverkehr Deutschland vor.“

StVO-Paragraf 1: Grundregel

  • (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.
  • (2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.