EnBW: Wir sind fest von der Zukunft der Elektromobilität überzeugt

EnBW setzt sich seit über 40 Jahren intensiv mit der Elektromobilität auseinander. Dass in ihr die Zukunft liegt, davon sind die EnBW-Mitarbeiter Thomas Stebich, Projektleiter Innovationsprojekt time2charge, und Thomas Burger, Leiter Flottenmanagement überzeugt. Viele der hauseigenen Betriebsfahrzeuge sind bereits vollelektrisch unterwegs. Für die Dienstwagen braucht es jedoch verlässliche Reichweiten von mehreren hundert Kilometern. Bis die Hersteller soweit sind, dreht das Unternehmen an anderen Stellschrauben und bringt E-Mobilität in deutschlandweit in die Betriebe.

 

Herr Stebich, Herr Burger, mit dem Innovationsprojekt time2charge unterstützt die EnBW andere Unternehmen dabei, Elektromobilität in den Fuhrpark zu integrieren. Wie sieht es denn in Ihrem hauseigenen Fuhrpark aus? Wie viele Ihrer Fahrzeuge sind bereits elektrisch unterwegs?

 

Thomas Burger: Wir haben, Stand heute, rund 100 vollelektrische Fahrzeuge im täglichen Einsatz. Die meisten bei den Betriebsfahrzeugen, also Autos, die ausschließlich für betriebliche Zwecke eingesetzt werden. Hier funktioniert Elektromobilität besonders gut, weil wir im Vorfeld die Mobilitätsbedarfe der Kollegen exakt erhoben haben und Fahrzeuge einsetzen, die genau auf diesen Bedarf passen. Alle unsere Nutzer sind sehr zufrieden!

 

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Welche Ziele hat sich EnBW in Bezug auf die eigene Fahrzeugflotte für die nächsten vier Jahre gesetzt?

 

Thomas Burger: Wir stehen mit allen Herstellern im intensiven Austausch. Gerne würden wir auch bei den Dienstwagen, das heißt Fahrzeuge mit Privatnutzung und ein Prozent-Pauschalversteuerung, noch stärker auf Elektromobilität setzen. Dazu brauchen wir aber dienstwagentaugliche Fahrzeuge. Das bedeutet für uns, dass der Wagen vier Sitze, ein vernünftiges Gepäckabteil und eine im Alltagsbetrieb unter allen Umständen erzielbare Reichweite von 400 Kilometer haben muss. Die Hersteller haben uns versichert, dass es in den nächsten vier Jahren eine Vielzahl entsprechender Angebote geben wird. Dann ist unser Ziel, 25 Prozent unserer Dienstwagen im vollelektrischen Betrieb zu haben.

 

Als drittgrößtes Energieversorgungsunternehmen Deutschlands gehören Dienstreisen zu Ihrem Tagesgeschäft. Wie verbessern Sie die Umweltbilanz Ihrer Reisetätigkeiten ganz konkret?

 

Thomas Burger: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht und auch im Sinne der CO2-Vermeidung gibt es besonders gute Dienstreisen: Das sind die, die vermieden werden. Dazu haben wir in den letzten Jahren unternehmensweit circa 80 Videokonferenzanlagen installiert. Diese werden über ein Buchungssystem verwaltet und stehen damit für eine möglichst große Zahl von Konferenzen zur Verfügung.

Wenn dennoch ein Präsenzmeeting erforderlich ist, können unsere Mitarbeiter aus dem Fahrzeugpool oder bei Bedarf über Mietwagenfirmen entsprechende Mobilitätslösungen buchen. Im Intranet-Portal des Mobilitätsmanagements ist außerdem eine Anwendung für das Suchen und Finden von Mitfahrgelegenheiten implementiert.

 

Die Elektromobilität kommt nur langsam ins Rollen. Oft überwiegt die Skepsis hinsichtlich der Reichweite – und damit einem unzureichenden Netz an Ladestationen. Wie überzeugt die EnBW ihre Beschäftigten von E-Autos und deren Nutzung?

 

Thomas Stebich: Bei der EnBW sind wir fest von der Zukunft der Elektromobilität überzeugt! Nach wie vor ist die Reichweite das am häufigsten diskutierte Defizit. Unserer Erfahrung nach eignen sich aber schon die heutigen Reichweiten sehr gut, um zum Beispiel Poolfahrzeuge in Unternehmen zu elektrifizieren. Hier werden oft unter 100 Kilometer am Tag zurückgelegt, und die Fahrten lassen sich gut planen. Von einer Vielzahl von Kunden wird mir aber gespiegelt, dass eine Grenze von ganzjährig 200 Kilometer mit einer Akkuladung eine auch psychologisch wichtige Marke wäre, um in die Elektromobilität einzusteigen.

 

Thomas Burger: Das vollelektrische Fahren begeistert die Leute. Beim Einsatz von Elektrofahrzeugen kommt es allerding in besonderer Weise darauf an, den (tatsächlichen) Mobilitätsbedarf und die (tatsächliche) Reichweite des Fahrzeugs  abzugleichen. Wo es passt, bekommen wir ausschließlich positive Rückmeldung der Fahrzeugnutzer.

 

Welche CO2-Obergrenzen hat sich EnBW bei der Beschaffung neuer Dienstwagen und Betriebsfahrzeuge gesetzt?

 

Thomas Burger: Zurzeit gilt die CO2-Obergrenze von 130 Gramm für Dienstfahrzeuge. Unsere Poolfahrzeuge für das interne Vermietungsgeschäft weisen eine CO2-Bilanz von unter 90 Gramm aus.

 

Mit dem Innovationsprojekt time2charge bringen Sie Elektromobilität in Betriebe. Was sind die Hauptbeweggründe Ihrer Kunden, den Fuhrpark zu optimieren? Und wo liegen die größten Bedenken?

 

Thomas Stebich: Einer der stärksten Beweggründe für die Optimierung des Fuhrparks ist der Wunsch, sich in Sachen Nachhaltigkeit zu verbessern. Außerdem ist die E-Mobilität ein innovatives Feld, das einen positiven Abstrahleffekt auf das Image der Firma haben kann. Und nicht zuletzt sind Elektrofahrzeuge bei den Betriebskosten sehr wirtschaftlich. Aufgrund des geringeren Verschleißes fallen für Dienstwagen im vollelektrischen Betrieb geringere Wartungskosten an. Bei der EnBW wollen wir Elektromobilität möglich machen, sei es für Flottenkunden oder für Privatleute: Die Menschen sollen mit dem E-Auto losfahren, ohne sich Gedanken über Reichweite und Lademöglichkeiten machen zu müssen – so, wie heute bei Autos mit Verbrennungsmotor.

 

Nichtsdestotrotz werden in Verbindung mit Elektromobilität einige Bedenken geäußert, insbesondere bezüglich der Reichweite und damit einhergehend wegen der Praxistauglichkeit von Dienst- und Geschäftswagen, die auch privat genutzt werden dürfen. Und natürlich sorgt der Investitionsbedarf, für das Fahrzeug selbst, aber auch für die Ladeinfrastruktur, die erst einmal angeschafft werden muss, noch für Skepsis.

 

Sind Elektroautos aus Ihrer Sicht schon ausgereift oder sehen Sie persönlich Verbesserungsbedarf?

 

Thomas Stebich:  Meiner Ansicht und Erfahrung nach ist der Komfort eines Elektrofahrzeugs ungeschlagen. Jeder, der eine Probefahrt mit einem Elektrofahrzeug macht, steigt mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht aus. Das geht mir selbst immer noch so, und das erfahre ich auch bei Kunden. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen von Akkus mit vielen Ladezyklen, dass diese deutlich haltbarer sind als ursprünglich angenommen.

 

Damit Elektrofahrzeuge richtig nachhaltig sind, ist es meiner Meinung nach entscheidend, dass sie auch mit regenerativ erzeugter Energie geladen und produziert werden. Darüber hinaus macht es Sinn, dass bei den Fahrzeugen wirtschaftlich der komplette Akkupack getauscht werden kann, damit das Fahrzeug kein wirtschaftlicher Totalschaden ist, falls der Akku doch einmal den Geist aufgeben sollte.

 

Wenn jetzt noch die Kosten bei der Fahrzeuganschaffung sinken, steht meiner Meinung nach dem Erfolg der Elektrofahrzeuge nichts mehr im Weg. Denn dann bekommt man gleichzeitig mehr Spaß und Komfort, eine höhere Nachhaltigkeit und geringere Wartungs- und Betriebskosten!

 

[Stand: November 2016]

Steckbrief Energie Baden-Württemberg AG

Unternehmen:Energie Baden-Württemberg AG
Branche:Energieversorgung
Standort:                                  Karlsruhe, Stuttgart u.a.
Mitarbeiterzahl (gesamt):>20.000
Durchgeführte Maßnahmen:

Fahrrad-Förderung, ÖPNV-Förderung, Fuhrparkmanagement, Fahrgemeinschaftsförderung, Dienstreisemanagement, Carsharing, Telearbeit/Telefonkonferenzen

Engagement:

Fuhrparkmanagement >20 Jahre;
Business Travel Management >10 Jahre;
Elektromobilität >40 Jahre