Ratgeber:

Autokauf – Trugbilder

01.02.2016

Weltweit werden Millionen von Autos zum Verkauf angeboten. Darunter auch so manches Super-Schnäppchen. Oft stecken dahinter betrügerische Absichten.

Thomas B. liebt Autos, besonders die alten. In seiner Garage stehen bereits einige Oldies, sorgsam gepflegt und in Top-Zustand. Nur für eine Pagode hat es bisher noch nicht gereicht. Die Zeiten, in denen ein Mercedes aus der Baureihe W 113 günstig zu bekommen war, sind längst vorbei – gute Exemplare kosten von 50.000 Euro an aufwärts, der Markt ist längst abgegrast.

Oft dasselbe Schema: Auto im Ausland, Zeit drängt

 

Oder vielleicht doch nicht? Ausgerechnet in seiner lokalen Tageszeitung entdeckt Thomas B. (Name ist der Redaktion bekannt) eine Annonce: ein SL 250, Baujahr 1967, scheckheftgepflegt, in angeblich perfektem Zustand für nur 24.500 Euro. Zu schön, um wahr zu sein, trotzdem erwacht der Jagdinstinkt. Eine Nachricht an die genannte E-Mail-Adresse zu schreiben, kostet schließlich nichts. Die Antwort eines gewissen Markus K. lässt nicht lange auf sich warten, mit dabei sind ein paar Bilder des Wagens: mit deutschen Schildern und augenscheinlich in sehr gutem Zustand. Derzeit befinde sich das Auto allerdings in Schweden, berichtet der Verkäufer. Eile scheint geboten, denn natürlich sei das Auto auch anderweitig inseriert, die Zahl der potenziellen Käufer inzwischen riesig. Auf die Frage nach dem Grund des Verkaufs wird eine Geschichte von Scheidung und plötzlicher Rückkehr in die Heimat Schweden nachgereicht. Doch warum wird das Auto in Deutschland angeboten und nicht in Schweden? Und warum taucht die Pagode nicht auf den Online-Gebrauchtwagenbörsen Mobile.de und Autoscout24.de auf? Schon etwas seltsam für einen Verkäufer in Not.

Die Masche ist geläufig: Das Auto befindet sich im Ausland, kann also nicht spontan besichtigt werden. Dazu wird der Druck, sich angesichts des sensationell günstigen Preises sofort zu entscheiden, weiter verschärft. Der Verkäufer scheint zudem sympathisch und befindet sich in einer Art Zwangslage. Wer kann da noch nein sagen?

Fahrzeugpapiere lassen sich leicht manipulieren

 

Thomas B. sagt zumindest nicht sofort ja, lässt sich lieber per E-Mail weitere Unterlagen zum Fahrzeug schicken. Diese bestehen aus einem Scan von Fahrzeugbrief und -schein, dazu einem Scan des Personalausweises von Markus K. Von TÜV-Berichten oder dem erwähnten Scheckheft keine Spur.

Auf den ersten Blick erscheint das alles noch halbwegs seriös. Doch beim genaueren Hinsehen stellt sich heraus, dass der Name des Verkäufers möglicherweise nachträglich in die Papiere eingefügt wurde. Die Schrift steht leicht im falschen Winkel und ist eindeutig schärfer als der Rest des Dokuments. Selbst für Laien ist es heute am heimischen PC möglich, Bilder nachträglich zu verändern. Die amtlichen Unterlagen sind somit für den Käufer nicht mehr als Bilder, genau wie das Auto – gesendet von einer beliebig erscheinenden E-Mail-Adresse von einem Rechner, irgendwo auf der Welt.

Zuverlässige Infos sind nur schwer zu bekommen 

Thomas B. versucht dennoch, weitere Informationen zu sammeln. Zum Beispiel bei Mercedes-Benz. Dieser und andere Hersteller erteilen Auskünfte zum Auslieferungszustand des Wagens. So kann sichergestellt werden, dass Fahrgestellnummer, Farbe und Motorisierung zusammenpassen – sprich das Auto im Originalzustand ist und Bilder und Papiere zusammenpassen.

Wurde das Fahrzeug jemals in der Händlerorganisation gewartet, ist auch das nachvollziehbar. Allerdings darf die Wartungshistorie aus Datenschutzgründen eigentlich nicht an Dritte herausgegeben werden.

Die früher vom Kraftfahrt-Bundesamt erhältliche Unbedenklichkeitsbescheinigung, die gegen Gebühr beurkundete, dass das Fahrzeug nicht als gestohlen gemeldet ist, gibt es leider nicht mehr. Heute übernehmen die Zulassungsstellen online diese Anfrage, in der Regel jedoch erst im Rahmen einer Zulassung.

Finger weg von treuhänderischen Kaufabwicklungen

 

Als letzte Möglichkeit bietet sich noch der Gang zur Polizei an. Auch diese Behörde darf keine Pauschalauskünfte geben, kann aber bei einem begründeten Verdacht in die Liste der als gestohlen gemeldeten Fahrzeuge Einblick nehmen und nicken oder den Kopf schütteln. Das alles braucht Zeit,  die der Käufer angeblich nicht hat. Thomas B. ist die Sache ohnehin schon zu heiß geworden. Spätestens als der Verkäufer die treuhänderische Abwicklung über eine ihm bekannte Spedition empfiehlt. Zwar existiert zu diesem Zeitpunkt noch eine Homepage der angebotenen Firma, das Logo war jedoch von einem anderen Unternehmen kopiert, wie eine Google-Suche ergab. Wer dorthin oder an Treuhandbanken Geld vorab überweist, steht am Ende mit ziemlicher Sicherheit ohne Geld und ohne Auto da.

Echtheit der Personalien überprüfen

 

Den Schlussstrich zieht dann doch eine Behörde: Auf der Rückseite des schwedischen Personalausweises ist eine Telefonnummer aufgedruckt, mit der die Echtheit des Dokuments überprüft werden kann. Ein Anruf genügt und siehe da: Ein Markus K. ist mit dieser Ausweisnummer nicht registriert! Der Ausweis ist ebenfalls nicht mehr als ein am Computer modifiziertes Bild. Hat der Betrüger sich zu sehr auf die Gier und Ungeduld der Schnäppchenjäger verlassen? Das Risiko für den Kriminellen ist überschaubar:  Eine falsche Identität, eine bar bezahlte Anzeige bei der Tageszeitung, ein Prepaid-Handy im Ausland und eine (inzwischen gelöschte) E-Mail-Adresse und Homepage bieten kaum Ansatzpunkte für Ermittlungen.

Bleibt noch das Fahrzeug mit den deutschen Kennzeichen: Das existiert mit Sicherheit irgendwo, wird aber wohl kaum zu so einem Superschnäppchen-Preis verkauft. Zumindest nicht, wenn es sich bei dem echten Besitzer um einen ebenso pfiffigen wie echten Liebhaber handelt, wie Thomas B. einer ist.

Die Grundregeln beim Autokauf

  • Nicht blind kaufen! Ein Auto aufgrund von Bildern und Beschreibungen zu kaufen ist gefährlich. Manchmal existieren die Autos nicht oder mit gefälschten Identitäten. Selbst im Ausland kann man Gutachter beauftragen.
  • Kein Druck! Der Zwang, sich schnell entscheiden zu müssen, lässt in der Regel keine Zeit, das Fahrzeug und die Unterlagen sorgfältig zu prüfen. Darauf bauen Betrüger.
  • Alle Unterlagen prüfen! Je weniger Unterlagen der Verkäufer hat, umso misstrauischer sollte man sein. Denn Serviceheft, TÜV-Berichte und Rechnungen geben die Gelegenheit, sich bei diesen Stellen zu erkundigen.
  • Dem Tachostand misstrauen! Vor allem bei  Autos mit digitalen Kilometerzählern ist die Laufleistung leicht zu manipulieren. Hinweise gibt nur die lückenlose Dokumentation der Vorgeschichte.
  • Persönlichen Kontakt suchen! Nie auf Handy-Nummern im Ausland zurückrufen. Dahinter kann sich eine teure Rufnummer oder ein gestohlenes Handy verbergen. Festnetznummern sind besser. Telefonnummern in einer Suchmaschine eingeben. Stimmt die Identität des Verkäufers?
  • Keine Anzahlung! Vorab-Überweisungen sind brandgefährlich. Auch und gerade bei einem Bargeldtransfer-Service wie "Western Union". Auch von der Zahlung an eine Spedition, die treuhänderisch tätig sein soll, ist abzuraten. Oft sind die auf den ersten Blick seriös erscheinenden Webseiten gefälscht.
  • Mit Bargeld nie allein! Geld erst gegen Ware, so lautet die Devise. Mit größeren Summen nie allein zur Geldübergabe! Als Treffpunkt eine Bank oder Zulassungsstelle wählen!