Verkehrssicherheit:

Automatischer Rettungs-Notruf mit ACE myGO

27.05.2019

Der eCall gehört seit April 2018 europaweit zur Pflichtausstattung in neu zugelassenen Pkw. Die meisten Fahrzeuge haben ihn jedoch nicht. Dafür können Autofahrer den automatischen Notruf selbst nachrüsten. Etwa mit dem neuen ACE myGo-Stick. Der kann Leben retten.

Links ist frei. Ein Audifahrer setzt den Blinker und überholt einen älteren Renault Clio. Vor diesem ein Lkw. Plötzlich schert der Clio nach links aus – ohne den Blinker zu setzen. Der Fahrer des Audi kann nicht mehr reagieren. Ein Knall und die Airbags gehen auf. Der Audi, soeben noch fest in der Spur, ist erheblich getroffen und schlingert nun mit totem Motor bei hohem Tempo unkontrolliert gefährlich über den Asphalt. Ein traumatisches Erlebnis: „Ich hab nichts mehr gesehen. Überall Rauch und Staub, verursacht durch das Auslösen der Airbags.“ Fahrer Bernhard Steinegger war binnen Sekunden in eine äußert lebensbedrohliche Situation geraten. Die A 71 etwa 30 Kilometer vor Bad Kissingen ist ein beliebtes Pflaster für Schnellfahrer, schwere Auffahrunfälle in Folge sind hier keine Seltenheit. „Für mich war es nur wichtig, dass ich schnell von der Straße runterkomme.“ Das Lenkrad fest umklammernd und durch ein Loch in der beschädigten Karosserie spickend, schaffte es Bernhard Steinegger gerade noch so auf den Standstreifen.

Digitaler Ersthelfer an Bord

Der ACE myGO-Stick war sein „Ersthelfer“. Als er den Standstreifen erreichte, war die Rettung schon alarmiert, denn Bernd Steinegger hatte den ACE myGO-Stick an Bord. Der hatte schon während der Kollision einen Unfall festgestellt und den automatischen Notruf aktiviert. „Während des Unfalls habe ich schon realisiert, dass der Notruf aufgebaut wird, und dann hat es auch sehr schnell funktioniert.“ Bernhard Steinegger hatte Glück, denn der automatische Notruf organisierte Feuerwehr und Rettungsdienst von ganz allein. Er musste gar nichts mehr machen, nicht einmal ins Smartphone sprechen. Nach knapp 15 Minuten waren die Retter schon bei ihm. Bernhard Steinegger war froh, dass er das ACE myGO-System schon im Auto hatte. Er kam durch seine Werkstatt, den ACE-Partnerbetrieb KFZ Stephan im fränkischen Poppenhausen, im Rahmen eines Feldversuchs des ACE an eine Testversion. Mit einem echten Unfall hätte er nie gerechnet.

Die meisten zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland haben noch keinen eCall

Der automatische Notruf, kurz eCall, ist seit April 2018 EU-weit verpflichtend in allen Neuwagen vorgeschrieben und wird seitdem auch in Serie ausgeliefert. Zwar finden sich auch schon vereinzelt ähnliche Systeme eines intelligenten Notrufs bei „jüngeren älteren“ Autos, das sind dann aber meist nur Modelle von Premiumherstellern. Der Notruf war dann bisher oft nur optional als ergänzende Ausstattung gegen Aufpreis erhältlich. Etwa bei Daimler seit 2012 mit dem Multimedia-System COMAND Online oder bei BMW mit dem Telematik-Dienst Connected Drive. Bei Volvo gab es sogar erstmals ein „eCall“-System seit 2001. Fakt ist aber, dass die meisten der knapp 45 Millionen in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge noch ohne einen Fahrassistenten ausgerüstet sind, der schneller für Hilfe sorgt.

Automatische Notrufe könnten „Vision Zero“ schneller verwirklichen

Die Europäische Union (EU) arbeitet schon lange daran, Lösungen zu finden, um die Zahl der Verkehrsopfer zu senken. Der eCall ist ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. Doch die Vision Zero – keine Toten und Verletzten im Straßenverkehr –, so wie sie die EU bis 2050 und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schon seit 2007 fordern, ist noch in weiter Ferne. Allein in Deutschland gab es 2018 bei Autounfällen immer noch mehr als 3200 Tote und fast 68.000 Schwerverletzte. Das sind alarmierende Zahlen! Der Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) prognostizierte im März 2018, kurz vor der verpflichtenden Einführung in Neuwagen, dass es gut ein Jahrzehnt dauern würde, bis gerade mal knapp 50 Prozent aller Autos in Deutschland mit einem eCall ausgerüstet sind, und etwa bis 2035, bis alle Fahrzeuge in Deutschland einen automatischen Notruf besitzen.

Der ACE myGO eignet sich für fast alle Pkw ab Baujahr 1996

Dass „große“ Fahrassistenzsysteme, wie Notbremsfunktionen, das Unfallrisiko deutlich reduzieren können, ist schon seit langem bekannt. Assistenzsysteme zum Nachrüsten, wie der neue ACE myGO, der unter anderem einen automatischen Rettungs-Notruf mit direkter Rettungsdienst-Verständigung umfasst, erhöhen die Chance auf schnellere Rettung. Der ACE kooperiert hier mit dem Hersteller PACE Telematics, mit dem das auf den ACE zugeschnittene ACE myGO-System realisiert wurde. Fast alle Pkw ab 1996 können damit ausgerüstet werden.

So wird ACE myGO installiert

ACE myGO mit dem automatischen Rettungs-Notruf und direkter Rettungsdienst-Verständigung ist gleichermaßen für Benzin- und Diesel-Fahrzeuge geeignet und passt an jede sogenannte OBD2-Schnittstelle für On-Board-Diagnosen, wie sie in den meisten Pkw ab 1996 zu finden ist. Für die Installation werden der ACE myGo-Stick und ein gängiges Smartphone (Apple iOS oder Android) mit Bluetooth LE benötigt. Das Auto selbst muss nicht mit Bluetooth ausgerüstet sein. Die App gibt es ab 1. Juni 2019 zum Download hier. Die Installation kann jeder Autofahrer selbst vornehmen. Der ACE myGO-Stick wird einfach in die OBD2-Schnittstelle gesteckt, die sich in der Regel unterhalb des Lenkrads befindet, aber auch in der Mittelkonsole oder im Rahmen der Fahrertür vorhanden sein kann. Durch die geringen Baumaße von 46 x 27 x 26 mm nimmt der Stick kaum Platz weg und ragt nach dem Einbau maximal 12 bis 15 mm heraus. Nach dem Stecken wird die App konfiguriert. Ein Menü führt Schritt für Schritt durch die Installation. Mit der ersten Anmeldung ist das System sofort einsatzbereit, alle Funktionen können uneingeschränkt genutzt werden.

ACE myGo ist ein mehrfach geprüftes System. Es besitzt eine Bluetooth-, e-Mark-Zertifizierung sowie eine CE-Kennzeichnung und darf gemäß Straßenverkehrsordnung (StVO) eingesetzt werden. Das Steuergerät wird durch die Nutzung nicht beeinträchtigt. Etwa 2,5 Minuten, nachdem das Auto verlassen wird, wechselt ACE myGO in den Schlafmodus. Dann benötigt es keinen Strom. Registriert es, dass jemand ins Auto steigt, nimmt es wieder die Arbeit auf.

Einfache Installation und Hightech machen den ACE myGO zum Lebensretter

Via Geschwindigkeitssensoren, die während der Fahrt Tempo und Fahrphysik messen, stellt der ACE myGO-Stick in brenzligen Situationen von selbst fest, ob ein Unfall vorliegt und wie schwer dieser ist. In der OBD2-Schnittstelle steckend, liest er die benötigten Daten aus. Konkret misst der Stick 100 Mal pro Sekunde Beschleunigung und Drehbewegungen des Autos. Er kommuniziert permanent und digital via Bluetooth mit der Smartphone-App. Im Falle eines Crashs aktiviert sich die direkte Rettungsdienst-Verständigung: Unfallmeldung sowie Standortdaten werden über Satelliten via GPS an die Notrufzentrale weitergeleitet.

Automatischer Notruf und schnelle Hilfe je nach Bedarf

Auf dem Smartphone erscheint dann umgehend ein roter Unfallscreen und ein 30-sekündiger Countdown beginnt. Der kann mit einem Touch auf einen Button durch den Fahrer unterbrochen werden. Ist das nicht der Fall, findet nach Ablauf der Zeit ein Rufaufbau zur Notrufzentrale statt. Reagiert der Fahrer nicht auf ein Ansprechen, rückt sofort Hilfe aus. Je nach Schwere des Unfalls kann das auch das komplette Paket sein, konkret: Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Kann der Fahrer sprechen, wird durch das Gespräch mit der Notrufzentrale geklärt, welche Art Hilfe er benötigt. Bei weniger schweren Unfällen kann das dann auch mal nur der Abschleppdienst sein. Unsere Infografik (pdf) erläutert die Rettungskette anschaulich.

ACE myGO macht Ihr Auto mit weiteren Funktionen zum sicheren Smartcar

ACE myGo kann noch einiges mehr. Neben dem automatischen Rettungs-Notruf bietet die App ein Paket an digitalen Funktionen, die die Sicherheit für den Autofahrer erhöhen und ihm bei der Fahrt mehr Kontrolle über sein Fahrzeug geben. Der ACE will das System kontinuierlich ausbauen, so dass es in Zukunft weitere Anwendungen für Autofahrer geben wird.

  • Automatischer Rettungs-Notruf: Holt im Falle eines Unfalls mithilfe GPS automatisch den Rettungsdienst an den Unfallort. Funktioniert in ganz Deutschland.
  • Performance Monitor: Zeigt Autodaten auf der App in Echtzeit an. Damit hat der Fahrer die Kontrolle über Benzinverbrauch, Öltemperatur, Turbodruck etc.
  • Fehlercode-Analyse: Zeigt Fehler an und erklärt Ursachen, so dass Autofahrerinnen und Autofahrer wissen, was dem Auto fehlt, und handeln können.
  • Traffic Monitor: Zeigt Staus und Verkehrsbehinderungen auf der Strecke und in der Umgebung an und hilft so, Staus zu vermeiden.
  • Elektronisches Fahrtenbuch: Dokumentiert private und dienstliche Fahrstrecken Finanzamt-konform. Die lassen sich als PDF exportieren.
  • Find-My-Car-Funktion: Findet das Auto wieder und sucht den Weg dorthin. Vor allem in Großstädten und im Urlaub eine große Hilfe.
  • Tankstellen-Finder: Zeigt alle Tankstellen in der näheren Umgebung an, dazu die aktuellen Kraftstoffpreise und Öffnungszeiten.
  • Benzinkosten-Tracking: Dokumentiert Tankvorgänge und liefert einen Kostenüberblick der Tankvorgänge. Tankbelege lassen sich archivieren.
  • Spritspar-Trainer: Hilft den Fahrstil zu verbessern und Kraftstoff zu sparen, um die Umwelt und den Geldbeutel zu schonen.

ACE-Tipp

Mehr Informationen zu ACE myGo gibt es auf der ACE-Internetseite. Im ACE-Fernsehen auf Youtube finden Sie einen Test von Notrufassistenten, den der ACE 2018 durchgeführt hat.