E-Mobilität:

BMW 330e – starker Stromer

16.01.2020

Der Hybrid mit Heckantrieb aus München vereint Spaß und Sparsamkeit. Der Elektromotor gibt dem Vierzylinder zusätzliche Kraft. Die elektrische Reichweite liegt bei rund 50 Kilometern, dann ist Nachladen angesagt.

Im kraftvoll, sportlichen Blechkleid eines BMW M schlägt ein grünes Herz. Denn eigentlich steht bei dem bayerischen Hersteller das „M“ für Motorsport und für leistungsstarke Motoren. Bei der 330e Limousine befindet sich das „M“-Logo ausgerechnet über einer Klappe an linken Kotflügel. Wer diese Klappe öffnet, dem strömen jedoch keine Benzinaromen um die Nase, er blickt vielmehr er auf einen Anschluss für Elektro-Stecker. Der 330e ist ein Plug-In-Hybrid, BMW macht kein großes Aufheben darum. Ein dezentes e im Emblem am Heck und diese unscheinbare Klappe unterscheiden die Hybrid-Variante des Dreier-BMW von seinen Brüdern, in denen ausschließlich ein Verbrennungsmotor arbeitet. Sonst gibt es rein äußerlich nichts Abweichendes.

Die Komponenten für den E-Antrieb wiegen 270 Kilogramm

Die Besonderheiten des teilelektrifizierten Modells offenbaren sich erst auf einer Waage. Denn die Komponenten für den Elektroantrieb summieren sich auf 270 Kilo zusätzlich. Die stecken in den Akkus und im Elektro-Synchron-Motor, der im automatischen Achtgang-Getriebe sitzt und 113 PS Leistung erbringt. Wohlgemerkt, eine Leistung, die sich zu den 184 PS hinzuaddiert, die der Zweiliter-Ottomotor mit Twin-Turbo-Technik vorhält. Dieser Motor ist aus dem 320 i bekannt. Einen Leistungsmangel erlebt der BMW-Fahrer, der von einem anderen Dreier umsteigt, erst einmal nicht. Mit einer kombinierten Systemleistung von 292 Pferdestärken ist somit auch das zusätzliche Gewicht des Hybrids kompensiert.

Bis Tempo 130 kann der BMW 330e rein elektrisch fahren

Aber verdient sich dieser Kraftprotz den E-Buchstaben auf dem Kfz-Kennzeichen? Durchaus! Denn mit einer elektrischen Reichweite von circa 50 Kilometern gewährleistet er den täglichen Arbeitsweg der allermeisten Pendler. Abends kann wieder an der Wallbox oder sogar an der Haushaltssteckdose geladen werden. Nach circa 2,5 Stunden Verbindung zu einer Wallbox sind die Akkus wieder zu 80 Prozent gefüllt, Vollladen dauert eine Stunde länger. Übrigens: Auch auf Autobahnen darf der Auspuff, wenn gewünscht, rauchfrei bleiben – selbst bei Fahrten bis Tempo 130 versorgt das E-Werk die Limousine mit Energie.

Tasten an der Mittelkonsole verraten den Plug-In-Hybriden

BMW-affine Fahrer bekommen garantiert keinen Stromschock, wenn sie hinterm Lenkrad Platz nehmen. Die Plug-In-Variante kommt in der typischen Innenraum-Architektur des bayerischen Herstellers daher. Nur an der Mittelkonsole sind ein paar Tasten zu finden, die den Hybriden von seinen Brüdern absondern. Dies sind die Schalter zur Auswahl der möglichen Fahrmodi. Im Sportmodus dominiert der Verbrenner, der Elektromotor kann auf Wunsch des Fahrers als Extra-Boost gewählt werden. Beim Kickdown aufs Gaspedal leistet der Elektroantrieb für zehn Sekunden eine zusätzliche Leistung von 40 PS.

Elektrische Fahrt durch Ortschaften dank Navigation

Der Ottomotor ist auch im Einsatz, wenn im Modus Batteriekontrolle ein definierter Ladezustand gehalten wird. Das kann sinnvoll sein, um die Energiemenge der Akkus für eine Strecke durch bewohnte Gebiete zu bevorraten. Ideal ist jedoch der Fahrmodus Hybrid, vor allem dann, wenn er mit dem Navigationsgerät gekoppelt ist. Das System arbeitet dann strategisch: Durch Ortschaften flüstert sich der 330e effizient im E-Betrieb und sammelt auf Landstraßen mit Hilfe des Verbrenners wieder neue Energie.

Kofferraum und Benzintank sind kleiner als bei den Verbrennern

Übrigens: Einen Unterschied zum herkömmlichen Dreier zeigt der Plug-In, wenn die Klappe zum Kofferraum offensteht. Die Akkus nehmen rund 100 Liter Ladevolumen weg. Nicht sichtbar ist ein weiterer Kompromiss: Der Benzintank ist kleiner, statt 59 Litern wie beim Basis-Dreier ist im Hybrid ein 40-Liter-Tank verstaut.

Bei unseren Testfahrten, die im November bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt stattfanden, versuchten wir das Pendler-Hybrid-Profil abzubilden. Das heißt: den Arbeits- und Heimweg jeweils elektrisch zu bewältigen. Nur, wenn es wegen Terminen notwendig war, größere Distanzen zu überwinden, haben wir den Hybrid-Modus gewählt und den Vierzylinder aktiviert. Unsere Bilanz: Auf 398,9 Kilometern Testdistanz sind wird 243,9 Kilometer rein elektrisch gefahren. Das freut einen beim Benzinzapfen – der Verbrauch des Kraftstoffs belief sich auf 3,9 Liter (pro 100 Kilometer). Natürlich addieren sich dazu rund 49 kW/h Strom, den wir geladen haben. Aber unterm Strich ist diese Mischrechnung ist eine preiswerte Alternative, auch wenn das Auto täglich an die Steckdose muss und dies eine gewisse Disziplin erfordert.

Als Gebrauchtwagen für private Käufer interessant

Eine preiswerte Alternative ist der nagelneue BMW 330e allerdings – wenn überhaupt – für den Leiter eines Firmenfuhrparks. Da kann der Kaufpreis von 51.500 Euro abgeschrieben werden, und die neue Dienstwagenbesteuerung macht den Plug In-Hybrid auch für Mitarbeiter interessant. Privatkäufer sollten mit wachem Auge den Gebrauchtwagenmarkt im Blick haben – denn nach einem oder zwei Jahren beim Erstbesitzer nagt der Wertverlust am Preis.

BMW 330e Limousine – Technische Daten:

  • Viertürige, fünfsitzige Limousine der Mittelklasse, Länge: 4,71 Meter, Breite: 1,83 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,07 Meter), Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,85 Meter, Kofferraumvolumen: 375 Liter
  • 330e: 2,0-Liter-Turbo-Benziner, 135 kW/184 PS, maximales Drehmoment: 300 Nm bei 5000-6500 U/min, Elektro-Motor: 83 kW/113 PS, maximales Drehmoment: 265 Nm bei 0–3170 U/min, Systemleistung: 185 kW/252 PS (mit XtraBoost: 215 kW/292 PS), 420 Nm, Heckantrieb, Achtgang-Automatik, 0-100 km/h: 5,9 s, Vmax: 230 km/h (elektrisch 130 km/h), Verbrauch: 1,9-1,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 43-37 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: B, elektrische Reichweite: 59-66 km, Ladedauer: 3,4 Stunden (3,7 kW)
  • Preis: ab 51.550 Euro