Camping:

Caravan Salon – Saisonwechsel

25.08.2017

Die Messe in Düsseldorf läutet jedes Jahr im Sommer den Saisonwechsel bei Reisemobilen und Caravans ein. ACE LENKRAD nennt die Trends und hat wichtige Neuheiten aufgepickt.

Beginnen wir mit dem, was vorne drinsteckt und Käufer wie Besitzer zurzeit umtreibt: Am Dieselmotor führt bei Reisemobilen auf absehbare Zeit kein Weg vorbei. Benziner? Kaum im Angebot, für schwere Kaliber zu kurzatmig, Verbrauch und CO2-Emissionen eine Zumutung. Hybrid? Fehlanzeige. Erdgas? Könnte für Campingbusse passen, doch europaweit fehlt Versorgungssicherheit und das Mehrgewicht ist deftig. Elektroantrieb? Bald kommen die E-Transporter von Mercedes und VW, den Daily gibt’s schon. Mit einer Reichweite von gut 100 Kilometern zum Mittelmeer, Atlantik oder Nordkap? Je mehr Reichweite, desto schwerer und teurer das Batteriepaket, von Preisen nicht zu reden. Auch wenn Dethleffs auf dem Caravan-Salon eine E-Studie präsentierte, generell klaffen zwischen Wunsch und Wirklichkeit Abgründe.

Zu Dieselmotoren gibt es bei Reisemobilen noch kein Alternative

Also Dieselmotoren, deren Abgase bei fast allen Basisfahrzeugen mithilfe von SCR-Katalysator und Adblue gereinigt werden. Ausgerechnet Fiat und Iveco kriegen beim leichten Daily Euro 6 das ohne Adblue hin. Geht das? Wie jüngst bei manchen Leichtathleten der WM schwelt der Doping-Verdacht. Aber es tut sich was: Der Citroën Jumper drängt bei Reisemobilen ins Geschäft – baugleich zum Ducato, mit Ausnahme von Motor und Abgasreinigung. Der Dieselskandal wirft einen Schatten auf die Reisemobile, die von Rekord zu Rekord eilen.

Die Nachfrage nach Campingbussen ist groß

Insbesondere Campingbusse galoppieren, das betrifft VW California und Kollegen, aber vor allem die Komfort-Campingbusse mit Bad. Hier fährt Spezialist Pössl mit den Schwestermarken Globecar, Clever und Roadcar in der populären Klasse von plus/minus 40.000 Euro davon. Im Schlepptau all die großen Reisemobilmarken, die jetzt ebenfalls dieses Geschäft forcieren. Keiner ohne Camper: Neu hinzugekommen sind die Zwillinge Carado und Sunlight aus der Hymer-Gruppe. Ob knappe 540er-Länge oder populäre 600er mit mehr Platz und Komfort – die Busse rennen. Karmann zum Beispiel ist längst eine reine Busmarke, La Strada eine feine Busmarke (neuer Avanti H mit Superhochdach), Hymer forciert den Mercedes Sprinter, während Westfalia mit dem neuen Sven Hedin und Knaus mit dem Boxdrive schon den neuen VW Crafter ausbauen. Auch VW selbst hat eine eigene Studie auf Basis Crafter aufgelegt, den California XXL. Hochdach, Winkelküche, variabler Waschraum – daraus wird mehr werden. Und VW will ihn in Eigenregie bauen – jetzt kommt richtig Leben in die Szenerie der Komfort-Campingbusse. Wer Offroader mag, blickt auf den neuen Terracamper Terock T6 mit hohem Aufstelldach. Nicht mehr garagen-, aber jederzeit abenteuertauglich. Weniger spektakulär aber vielseitig ist der Toyota Proace mit Möbelelementen von Ququq.

Alkovenmodelle sind aus der Mode gekommen

Alkovenmobile fristen inzwischen ein Schattendasein. Die typischen Mittelklassemarken halten die Günstigbaureihen hauptsächlich für die Vermietung vor. Dethleffs tickt anders: Für die Liebhaber geräumiger Alkoven gibt es zum Beispiel den neuen Trend A 7877, einen wuchtigen Dreiachser mit Doppelboden. Ein 8,6 Meter langes Reisemobil für 65.000 Euro – das ist doch ein klares Wort.

Teilintegrierte Reisemobile sind im günstig im Preis

Teilintegrierte Reisemobile haben als Stückzahlträger längst die Alkovenmobile verdrängt. Sie sind überwiegend im vergleichsweise günstigen Segment angesiedelt. Knaus Live heißt zum Beispiel das neue Angebot der Bayern mit modernem Interieur für preissensible Käufer. Die Live-Variante erstreckt sich über gleich mehrere Baureihen und Bauformen hinweg. Der Live TI startet bei 50.000 Euro. Hobby liegt mit den beiden T-Baureihen Optima de Luxe und Optima Premium gut 10.000 Euro drüber im gehobenen Bereich – mit markenüblicher Vollausstattung. In dieser Region tummelt sich auch die Carthago-Tochtermarke Malibu, jetzt mit neuer Optik und einem vollwertigen Doppelboden.

Integrierte Reisemobile kommen in Omnibus-Optik daher

Integrierte Reisemobile treten zunehmend fürs gleiche Geld an, das sind die Reisemobile mit dem eigenständigen Gesicht und der Omnibus-Optik. Beispiel für die neue Generation ist der Bürstner Lyseo Time I. In dieser Region siedelt sich auch das Markenduo Carado und Sunlight an, erstmals gibt es hier integrierte Reisemobile. Viel Mobil fürs Geld heißt jeweils die Devise, ein Konter auch gegen günstige Importe. Währenddessen zieht Hymer seine Bahn im angestammten mittleren und gehobenen Segment. Der neue, bereits im Frühjahr vorgestellte schlanke Exsis-i kommt mit einem gefälligen Äußeren mit eindeutigen Anklängen an Autodesign daher, er ist außerdem auf niedriges Gewicht getrimmt. Das lässt den Erzrivalen Carthago nicht ruhen, er hält mit aufgewerteten Varianten von C-Compactline und C-Tourer dagegen, hat beim Bestseller Chic C-Line neue Varianten und Ideen umgesetzt. Im gehobenen Segment will sich auch der erneuerte Eura Mobil Integra ausbreiten. Auch bei ihm ist ein Trend zur Gestaltung im Automobildesign zu beobachten.

In der Traumschiffklasse spielt der Preis keine große Rolle

Die Traumschiffklasse ist über die Balgereien im fünf- und knapp sechsstelligen Preisbereich erhaben. Wie wär’s mit dem neuen Concorde Centurion, bis zu zwölf Meter lang? Platzhirsch Vario Mobil fährt den neuen Signature vor, im Heck des Reisemobils steckt ein Mercedes SLC für Ausflüge. Die Plattform der Supermobile bildet jeweils ein schwerer Lkw vom Schlage des dreiachsigen Mercedes Actros. Rollende Villen, deren Preis grob zwischen einer viertel und einer Million Euro anzusiedeln ist. Zuzüglich Beiboot, versteht sich. Für dieses Geld könnte man einen Campingplatz mit Caravans füllen.

Moderne Zeiten auch bei den Wohnwagen

Ein gediegener Wohnwagen der Mittelklasse kostet um die 20.000 Euro. Der kompakte und leichte Hobby Ontour liegt noch ein ganzes Stück darunter. Hersteller Hobby hat den 2,20 Meter schlanken Caravan innen wie außen den größeren Modellen angepasst. Viel Platz auf wenig Raum bietet der neue Hobby De Luxe mit einem Hubbett. Stichwort Pfunde: Nachdem bei Knaus das Caravan-Leichtgewicht namens Travelino jetzt in Serie geht, kontert Dethleffs mit dem Coco: Aufbaulänge 4,35 Meter, multifunktionelle Einrichtung, das Leergewicht kaum mehr als 600 Kilogramm. Aber Dethleffs kann auch anderes: Die Spitzenmodelle namens Exclusiv fahren frisch renoviert vor und haben die traditionelle Beduin-Baureihe aufgesaugt. Ist ein vielseitiger Caravan gefragt, empfiehlt sich ein Blick auf den neuen Knaus Deseo. Einst eine praktische Kiste auf Rädern, hat Knaus den Deseo nun prächtig in Form gebracht. Hinter der Heckklappe ist Platz für Räder oder Motorräder, ein Hubbett spart viel Platz. Neu ist allerdings auch das Preisniveau ab 20.000 Euro. Für Tabbert ist das erst die finanzielle Startrampe. Der umfassend ausgestattete Vivaldi Finest Edition liegt deutlich drüber. Mit dem Tabbert Pep will sich die Marke verjüngen – jetzt auch innen und außen mit Schmuck in roter Farbe. Fendt verzichtet auf solche Sprünge und entwickelt seine Baureihen kontinuierlich weiter. Beispiel ist der Tendenza, bei Fendt stets Vorreiter für Neuheitenschübe. Er trägt im aktuellen Modelljahr wie alle Fendt ein neues Heck und zeigt drinnen eine neue Beleuchtung bis hin zur hinterleuchteten Küchenrückwand in Glasoptik – modern, aber nicht modisch. In Caravans ziehen auch technisch moderne Zeiten ein, das zeigt Fendt mit einem CAN-Datenbussystem, also einer Vernetzung der Bordtechnik über ein gemeinsames System. Vorteil der Caravans: Mit dem Thema Abgasreinigung muss sich kein Hersteller plagen – dieses Ärgerthema bleibt den Zugwagen vorbehalten.