Fahrrad:

E-Bikes für den Alltag – Stadt. Land. Strom.

03.05.2019

Elektrofahrräder erobern die Citys, die Peripherie und alles dazwischen. Damit gelingt dem E-Bike der Sprung vom Sport- und Freizeitinstrument hin zur ernst zu nehmenden Alternative für Pendler.

E-Bikes werden hierzulande immer populärer. Allein 2018 verkauften sich 980.000 E-Bikes, 99,5 Prozent davon sind Elektrofahrräder, sogenannte Pedelecs. Ein halbes Prozent sind S-Pedelecs – mehr zum Unterschied ein paar Absätze weiter. Diese offiziellen Zahlen veröffentlichte der Zweirad-Industrieverband Mitte März. Prozentual betrachtet sind das 36 Prozent mehr E-Bikes, die bei uns unterwegs sind, als im Jahr zuvor. Das ist enorm. Die Frage nach dem Warum liegt auf der Hand.

Vom Lifestyle-Produkt zum Alltagsbegleiter

E-Bikes sind attraktiver geworden. Einerseits als Freizeitgerät, andererseits haben sie sich inzwischen zur Alternative zum Auto und dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) entwickelt. Pendler in Ballungszentren nutzen sie zunehmend, um im Frühjahr, Sommer und Herbst verstopfte Straßen oder verspätete Züge und S-Bahnen zu meiden. Manche E-Bikes sind inzwischen so kompakt und leicht, dass sie sich sogar problemlos in die Bahn mitnehmen lassen – vorausgesetzt die gestattet das in den jeweiligen Zügen oder Streckenabschnitten.

Pedelecs und S-Pedelecs – Der kleine Unterschied

Wie unterscheiden sich Pedelec und S-Pedelec? Fast alle E-Bikes sind Pedelecs, das sind Fahrräder mit einem Elektroaggregat, das bis zu 250 Watt Dauerleistung abgibt und ein motorgestütztes Radeln bis maximal 25 km/h ermöglicht. Rechtlich sind Pedelecs Fahrrädern gleichgestellt. S-Pedelecs hingegen zählen zu den Leichtkrafträdern, da der E-Motor wesentlich mehr Kraft hat und sich erst bei Tempo 45 abschaltet. Wie bei E- und Motorrollern muss hier eine Fahrerlaubnis vorliegen, der Fahrer braucht einen Helm, eine Versicherung und bekommt damit auch ein Kennzeichen. Radwege sind für S-Pedelecs tabu. Ebenso das eigene Herumschrauben am Fahrzeug. Hier darf nur der Fachmann einer Werkstatt ran. Äußerlich unterscheiden sich S-Pedelecs hauptsächlich durch das Kennzeichen, den Rückspiegel und die Seitenrückstrahler von den herkömmlichen Pedelecs.

Größerer Speicher + geringeres Gewicht = mehr Reichweite

Pedelecs werden immer leistungsfähiger. Auch was den Speicher der Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie betrifft. Einhergehend damit nimmt auch das Gewicht der Batterien immer weiter ab. Das wirkt sich positiv auf die Reichweitenentwicklung aus. Die ist inzwischen deutlich höher, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Entfernungen von bis zu 100 Kilometern und mehr sind für eine Akkuladung bei moderater Fahrweise und Steigung kein Problem mehr. Übrigens: Im Gegensatz zum Auto schaffen beim Pedelec höhere Drehzahlen mehr Reichweite. Ideal sind so 60 bis 70 Umdrehungen pro Minute.

Akkus frieren nicht gern

Deutlich reduziert wird die Reichweite bei E-Bikes durch Kälte. Sie ist ein Stromfresser. Die Idealtemperatur für einen Akku beläuft sich auf etwa 20 Grad Celsius. Vor der Fahrt den vollen Akku am besten erst in der warmen Wohnung „aufheizen“ und dann kurz vor der Fahrt einbauen. Falls möglich in ein Neoprencover packen, damit er nicht so schnell „auskühlt“. Einige Markenhersteller haben bereits ein gut isoliertes Akkufach, das diese Funktion übernimmt.

Der Bremse sollte man beim E-Bike-Kauf besondere Beachtung schenken

Das Bremssystem sollte bei der Auswahl eines E-Bikes eine zentrale Rolle spielen. Da E-Bikes durch die Motorelektronik schwerer sind als herkömmliche Fahrräder, empfiehlt sich die Investition in ein Fahrzeug mit hochwertigen Bremsen, um eine bestmögliche Sicherheit für sich und andere zu gewährleisten. Drei Systeme sind gängig, alle haben Vor- und Nachteile: Das auch bei Fahrrädern bewährte V-Bremssystem ist preislich günstig, hat aber einen hohen Verschleiß. Hydraulische Felgenbremsen sind effektiver, aber teurer und wartungsintensiver, da Bremsflüssigkeit verwendet wird. Im Trend liegen Scheibenbremsen. Sie besitzen eine hohe Bremskraft, sind relativ witterungsresistent und halten dadurch auch länger. Sie sind vor allem bei Pedelecs gefragt, die mehr Gewicht transportieren müssen. Bosch hat sogar ein ABS für Pedelecs entwickelt, das in einigen Top-Modellen etablierter Hersteller und Marken wie Riese & Müller, Flyer und Kalkhoff zu finden ist. Vor dem Kauf empfiehlt sich eine intensive Beratung im Fachgeschäft. Auch was die Motorplatzierung betrifft.

Die Position des Motors beeinflusst die Fahrphysik und den Fahrstil

Der Mittelmotor ist am häufigsten verbaut. An der Tretkurbel platziert, kommt hier das Fahrgefühl dem Fahrrad sehr nahe, da sich der Schwerpunkt hier weiterhin unter dem Fahrer befindet. Da wirkt sich das etwas Mehr an Gewicht nur marginal auf das Handling aus. Durch die Platzierung können auch alle gängigen Nabenschaltungen verwendet werden. Kettenschaltungen benötigen oft noch ein Kettenblatt. Der Akku ist im Hauptdreieck des Rahmens, im Gepäckträger oder, bei vielen neuen E-Bikes, im Rahmen untergebracht.

Nabenmotor vorne: Am Vorderrad platziert, können dadurch am Hinterrad sämtliche Schaltungen angebracht werden. Dafür wird das Vorderrad durch das Gewicht stärker belastet: Die Fahrdynamik kann darunter leiden, das Vorderrad die Bodenhaftung verlieren, wenn der Untergrund sehr nass oder lose ist.

Nabenmotor hinten: Das E-Bike lässt sich so fast wie ein gewöhnliches Fahrrad handhaben, da auch hier der Antrieb über das Hinterrad erfolgt. Ein Nachteil ist das hohe Gewicht, das gefühlt „mitgeschleppt“ wird. Für sportliche Geräte wie E-Mountainbikes ist das eher bedingt geeignet.

Wer beabsichtigt, sich ein Pedelec zu kaufen, der sollte abwägen, für welchen Einsatz er hier Geld ausgeben will. Vom „Baumarktrad“ um 1000 Euro bis zum High-End-Produkt für 8000 Euro und noch mehr findet sich alles. Der Zubehörmarkt wächst kontinuierlich. Selbst Smartphones oder Smartwatches lassen sich inzwischen via App mit manchem E-Bike verbinden, um Mobilitätsdaten zu analysieren, die eigene Fitness zu protokollieren oder das Fahrzeug in der City zu orten. Es gibt so viele Ausführungen und Einsatzgebiete, dass wir kurz die aus unserer Sicht wichtigsten E-Bike-Kategorien vorstellen.

Die wichtigsten E-Bike-Kategorien im Überblick

E-Citybikes sind am weitesten verbreitet. Sie bieten eine aufrechte Sitzposition, Fahrkomfort und sind meist mit einer wartungsarmen Nabenschaltung, mit Federgabeln, Federsattelstütze und mit leicht zugänglichen Gepäckträgern ausgestattet.

Touren-Pedelecs sind das elektrische Äquivalent zum Trekkingrad. Sie haben meist eine Kettenschaltung mit mehr Gängen, eine sportlichere Ergonomie und können viel Gepäck aufnehmen. Für größere Reisen bieten sie oft ein gut durchdachtes Akku-Management und vollgefederte Räder an.

Kompakt-E-Bikes sind die handlichen Elektro-Pendants zu klassischen Falträdern. Sie sind leicht und einige Modelle besitzen sogar höhenverstellbare und einfach drehbare Lenker sowie Sattelstützen mit großem Verstellbereich. Ideal für kleine Stadtwohnungen und den Bahntransport. Es gibt übrigens auch E-Faltbikes, doch das sind eher noch Exoten.

E-Lastenräder sind wahre Alleskönner. Egal ob für die Familienfahrt oder den City-Transport, die Elektrounterstützung spielt ihre Vorteile hier voll aus. Es gibt die E-Bikes als dreirädrige Schwerlasträder oder als einfach zu steuernde Zweiräder, oft mit tiefer Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad (Anm. d. R.:einen Lastenrad-Test lesen Sie ab dem 1. Juni hier).

E-Mountainbikes vergrößern den Aktionsradius auf der Piste wie im Training. Gerade auch den Neulingen auf diesem Terrain bietet ein „Offroader“ mit Akku die Möglichkeit, bisher Ungewagtes anzugehen. Ob vollgefederte Allrounder, Touren-Hardtrail, Enduro-E-Bike oder Downhill-Spezialist. Für jeden Gelände-Einsatz gibt es das richtige E-Bike. Und wer es sportlicher mag, den belohnt eine E-Mittelmotor-Variante mit ausgewogenem Handling.

E-Rennräder stehen ihren rein durch Körperkraft betriebenen „Kollegen“ in nichts nach. Sie sind Spitzensportler, die ihren Vorteil gerade an Hanglagen ausspielen. Oder auch als Ausgleichsfahrzeug, wenn unterschiedlich starke Fahrer in einer Gruppe zusammen unterwegs sind. Auch sind E-Rennräder ein gutes Trainingsgerät, da sich die Belastung präzise dosieren lässt.

E-Liegeräder sind eine eigene Philosophie. Das Fahren empfinden viele als sehr entspannt und angenehm. Durch ihre Konstruktion mit dem tiefen Schwerpunkt macht sich das Gewicht des E-Motors als Zusatzgewicht beim Fahren kaum bemerkbar. Es gibt auch Varianten mit zwei Motoren, um die Reichweite zu erhöhen oder sogar E-Trikes als Tandem für zwei.

Egal, welches E-Bike begeistert, eine ausführliche und individuelle Beratung beim Händler sowie eine Testfahrt sind zu empfehlen. Vor allem, wenn man noch keine klare Vorstellung oder Erfahrung mit E-Bikes hat..

ACE-Infos für „Radler unter Strom“

Der ACE bietet im COMFORT-Tarif einen Fahrradschutzbrief mit Pannenhilfe für alle Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs der Familie. Der Schutzbrief gilt in ganz Europa und allen Mittelmeer-Anrainerstaaten.

Weitere wichtige Informationen finden Sie auch im ACE-Filmbeitrag „Sicher Pedelec fahren“.