Mobilität:

Elektrokleinstfahrzeuge – Erst treten, dann stromern

27.05.2019

Der Bundesrat hat den Weg für E-Scooter frei gemacht, ab Mitte Juni dürfen sie auf deutschen Straßen rollen. Zwei Modelle sogar schon vorher – wir haben sie ausprobiert.

Nach einigem Hin und Her war es Mitte Mai so weit: Der Bundesrat hat zugestimmt, auch in Deutschland dürfen die surrenden Zweiräder mit Trittbrett und Lenkstange bald rollen. Die entsprechende Verordnung wird ab Mitte Juni gelten. Zwei Roller mit Elektromotor haben allerdings schon seit Frühjahr eine Sondergenehmigung: der BMW X2City und der Metz Moover.

BMW und Metz wollen durch Qualität überzeugen

Beide Modelle wollen sich von kleineren Billigrollern durch robuste Bauweise, gute Verarbeitung und Topausstattung mit hochwertigen Komponenten abgrenzen. Der X2City, den BMW zusammen mit dem Alurad-Spezialisten Kettler entwickelt hat, ist mit dickem Alu-Gitterrohrrahmen eine wuchtige Erscheinung. Der Metz Moover ist mit knapp 1,2 Metern etwas kürzer und rollt auf kleineren Rädern – 12 Zoll statt 16 Zoll. Das hat Einfluss auf den Fahrkomfort – der BMW rollt satter, Kopfsteinpflaster und Unebenheiten steckt er eher weg. Doch beide Flitzer haben das gleiche Ziel: Sie sollen den Stadtverkehr besser machen.

Praktische Lösung für die „letzte Meile“

Nach den Vorstellungen der Hersteller geht die Rechnung vor allem im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsmitteln auf, Stichwort intermodal: Autopendler parken dazu bei Parkplatzknappheit und dichtem Stadtverkehr außerhalb, holen den Roller aus dem Kofferraum und stromern die restliche Kurzstrecke emissionsfrei zur Arbeit. Mit Bus und Bahn soll der berüchtigten letzten Meile zum Büro oder der Haustür der Schrecken genommen werden. Da sich beide Geräte zusammenklappen lassen, dürften viele Verkehrsbetriebe die kostenfreie Mitnahme wie bei Falträdern gewähren.

Der Metz Moover lässt sich kompakter zusammenfalten

Der BMW könnte aber auch als „fahrradähnlich“ eingestuft werden, dann müsste ein Zusatzticket gelöst werden. Denn bei ihm lässt sich nur die Lenkstange einknicken, bei der Länge von 1,50 Metern bleibt es. Der Metz lässt sich kompakter und variabler zusammenlegen und dürfte anders als der BMW in die meisten Pkw-Kofferräume passen. Die LED-Beleuchtung wird in beiden Fällen aus dem Akku gespeist und genügt den rechtlichen Vorgaben zur Teilnahme im öffentlichen Verkehr.

Am BMW X2City kann der Akku abgenommen und separat geladen werden

Die Antriebsbatterie ist jeweils unter dem Trittbrett verstaut und verleiht den Fahrzeugen durch ihr Gewicht einen tiefen Schwerpunkt, der sich positiv auf die Fahreigenschaften auswirkt. Geladen wird sie am Fahrzeug selbst. Nur am BMW lässt sie sich dazu auch entnehmen, damit man den 21 Kilo schweren Roller nicht zur Steckdose tragen muss.

Für beide E-Scooter gelten die bekannten Regelungen

Legal auf Radwege und Straßen dürfen beide E-Scooter. Voraussetzung ist, dass der Fahrer mindestens 14 Jahre alt ist. Die Roller gelten als Kraftfahrzeuge: Ihre E-Motoren in der Hinterradnabe geben durchschnittlich 250 Watt ab, geht es bergauf, auch mal 500 Watt, die aber nicht bei jeder Steigung für das volle Tempo genügen. Weitere Voraussetzung ist ein Versicherungskennzeichen. Als Nachweis für die Haftpflicht, die jährlich 35,70 Euro kostet, dient ein Kennzeichenaufkleber am hinteren Schutzblech. Eine Helmpflicht besteht nicht.

BMW und Metz bieten eine alltagstaugliche Reichweite

Maximal dürfen die beiden Modelle auf bis zu 20 km/h beschleunigen. Damit der Motor los surren kann, muss man sich einmal mit dem Fuß vom Boden abstoßen, um auf das dafür notwendige Mindesttempo zu kommen – 2 km/h beim Moover, 6 km/h beim BMW. Das Handpedal am Lenker des Metz lässt sich intuitiver und bequemer bedienen als das Fußpedal des BMW. Erst bei weiteren Pedaltritten werden die einprogrammierten Geschwindigkeitsstufen von 8, 12, 16, 18 und 20 km/h aktiviert. Der Metz surrt dagegen stufenlos. Dessen Reichweite liegt trotz kleinerer Batterie mit maximal 25 Kilometern fast auf dem Niveau des schwereren BMWs. Doch beiden dürfte der Saft an Bord im angedachten Alltagsbetrieb mindestens ein paar Tage genügen.

BMW X2City – Technische Daten

  • Akku: Lithium-Ionen, Kapazität: 408 Wh; Ladezeit: bis zu 2,5 Stunden
  • Reichweite: 20 bis 30 Kilometer
  • Gewicht: 21 Kilo; maximales Gesamtgewicht: 150 kg
  • Preis: 2399 Euro

Metz moover – Technische Daten

  • Akku: Lithium-Ionen, Kapazität: 210 Wh; Ladezeit: bis zu 4 Stunden
  • Reichweite: 15 bis 20 Kilometer
  • Gewicht: 16 Kilo; maximales Gesamtgewicht: 110 kg
  • Preis: 1998 Euro