Ratgeber:

Fähren – Kleine Kreuzfahrten im Mittelmeer

11.03.2016

Wer sein Ferienziel am Mittelmeer mit dem eigenen Auto oder Reisemobil ansteuern will, kann die Route mit einer Fährverbindung abkürzen. Das ist oft kostengünstiger als der längere Landweg, und den Spaß einer kleinen Schiffsreise gibts obendrein.

Auf den Markusplatz in Venedig fällt ein Schatten. Wie eine mächtige Wand schiebt sich einen Steinwurf weit entfernt ein Kreuzfahrtschiff auf dem Canal Grande vorbei. Die Passagiere stehen aufgereiht wie die Zinnsoldaten an der Reling. Dieses grandiose Schauspiel wollen sie sich nicht entgehen lassen. Doch dieses Erlebnis ist Vergangenheit: Die italienischen Behörden haben den Fähr- und Kreuzfahrtverkehr durch die Lagune von Venedig endgültig verboten, da die Wellen der mächtigen Ozeanriesen die Stadt in ihren Fundamenten erschüttert haben. Deshalb legen beispielsweise die Schiffe der Venedig-Route von Anek Lines ab sofort auf dem Festland am Fusina-Terminal an.


Ansonsten ist im Mittelmeer Umweltschutz noch kein großes Thema. Im scharfen Gegensatz dazu begann am Westausgang des Englischen Kanals im Januar 2015 die Sulphur Emission Control Area (Seca) und erstreckt sich bis in die Ostsee. Dort dürfen ungefiltert nur noch Treibstoffe mit einem Schwefelgehalt von 0,1 Prozent verbrannt werden. Solche Regelungen sind unter der Sonne des Südens noch in weiter Ferne, weil sich die Länder auf keine Grenzwerte einigen können. Stattdessen wurden die EU-Fördermöglichkeiten der "Motorways of the Sea" genutzt. Dabei handelt es sich um eine Variante des kombinierten Güterverkehrs, der zugunsten von Meereskorridoren Straßen und Schienenwege entlasten soll. Besonders aktiv ist die Grimaldi Group, die nach der Integration der Finnlines und der Minoan Lines ein dichtes Netz von Verbindungen zwischen der Adria, Nordafrika, Italien, Spanien, Nord- und Ostsee gesponnen hat. Doch sind die Zeiten der günstigen Kredite vorbei. Jetzt wird konsolidiert und vorsichtig akquiriert. So hat sich Moby Lines Tirrenia und Toremar einverleibt. Balearia liebäugelt mit Trasmediterranea.

Milde Temperaturen locken schon im Frühjahr


Eine Reise auf dem Mittelmeer hat aber nichts von seiner Faszination verloren. Das liegt schon im Frühjahr an den milden Temperaturen, die auch verantwortlich sind für ein besonderes Angebot: "Camping an Bord", das kostengünstige Übernachten im eigenen Fahrzeug. Allerdings schrumpft das Angebot. Denn Schiffe mit offenem Zwischendeck, das eine Voraussetzung für Camping an Bord ist, kommen aus der Mode. Neue Schiffstypen sind meistens geschlossen und orientieren sich am gehobenen Komfort von Kreuzfahrtschiffen. Auf der Paradestrecke der Open-Air-Seereise nach Griechenland setzt beispielsweise Anek jetzt eine neue Fähre ein, die F/B Kydon, auf der kein Camping an Bord mehr möglich ist.

Camping an Bord oder "all inclusive"


Minoan Lines bietet auf der Route nach Griechenland schon länger das Konzept "Camping all inclusive" an, bedeutet: Die Kunden zahlen den günstigen Camping-an-Bord-Preis, schlafen aber nicht in ihrem Freizeitfahrzeug, sondern in einer Gratis-Innenkabine. Treuer Verfechter des echten Campertarifs mit Übernachtung im Freizeitfahrzeug ist immer noch Moby Lines, die zusammen mit Tirrenia auf den Nachtfahrten Richtung Sardinien das Angebot eher noch ausbauen. Durch die Akquise neu im Portfolio ist etwa die Passage von Cagliari auf Sardinien nach Palermo; nach Sizilien steuert von Neapel außerdem TTT-Lines – die letztgenannten Passagen alle mit Camping an Bord. Für Camping auf dem Autodeck gelten ein paar Regeln. Es ist auf den Überfahrten nur von Anfang April bis Ende Oktober erlaubt, wenn es die Witterungsbedingungen erlauben. Es funktioniert nur mit offiziell registrierten Freizeitfahrzeugen, nicht mit konventionellen Autos oder Minibussen. Passagiere, die mit einem Wohnwagen oder Wohnmobil reisen, sollten spätestens drei Stunden vor der planmäßigen Abfahrt einchecken. Bei verspäteter Anreise kann die Verladung auf dem offenen Deck nicht garantiert werden. Wegen begrenzter Verfügbarkeit der Stellplätze ist eine besonders frühzeitige Buchung zu empfehlen. Aus Sicherheitsgründen sind das Kochen sowie sonstiger Gebrauch von Gas und Feuer verboten. Haustiere dürfen in den Freizeitfahrzeugen transportiert werden.

Reiseziele westliches Mittelmeer


Corsica Ferries betreibt regelmäßige Verbindungen zwischen Korsika, Sardinien, Elba einerseits und dem italienischen und französischen Festland andererseits. Die Flotte der Corsica Ferries & Sardinia Ferries besteht derzeit aus 13 Schiffen, alle im charakteristischen Gelb lackiert. Neu sind in der Saison zwei Linien ab Frankreich nach Sardinien: ab Toulon direkt nach Porto Torres auf Sardinien sowie ab Nizza mit Zwischenstopp in Porto Vecchio auf Korsika nach Golfo Aranci. Abhängig vom Schiff gibt es an Bord Kinderspielecken, Hüpfburgen oder Videospielbereiche. Die Restaurants haben spezielle Gerichte für die Kleinen. Kinder unter vier Jahren reisen kostenlos, bis zum Alter von zwölf Jahren für die Hälfte.


Grandi Navi Veloci (GNV)
unterhält mit sieben Schiffen Fährverbindungen zwischen Italien, Frankreich, Spanien und Albanien, Sizilien, Sardinien und Nordafrika. Die Reederei hat ein spezielles Serviceangebot für Kinder, das auf einigen Schiffen Spielecken umfasst mit Zeichentrickfilmen und Maltischen. In den Sommermonaten organisiert ein Animationsteam die Unterhaltung. Auf den meisten Fähren reisen Kinder bis zum vollendeten vierten Lebensjahr kostenlos, bis zum Alter von zwölf Jahren gibt es Rabatte.


Grimaldi Lines
operiert in mehreren Ländern mit dem Schwerpunkt auf dem Frachtverkehr. Die Fährschiff-Flotte besteht aus elf Einheiten und deckt von Italien Routen nach Sardinen, Sizilien, Spanien und Nordafrika ab. Auf den Fähren gehört ein Spielzimmer für Kinder zum Standard. Die Kleinen reisen bis zum Alter von zwei Jahren umsonst und bis zu zwölf Jahren zum halben Preis. Auf einigen Passagen müssen der dritte und vierte Passagier nichts bezahlen, an bestimmten Tagen ist auch der Transport von Pkw oder Motorrad kostenlos. Unter bestimmten Bedingungen reduziert sich der Tarif für Wohnmobile bis neun Meter Länge auf der Passage nach Spanien und Sardinien um 20 Prozent.


Moby Lines
hat Tirrenia übernommen, was unter anderem mehr Abfahrten über das ganze Jahr hinweg bedeutet. So wird jetzt die Route Livorno–Bastia bis zu sechsmal am Tag bedient. Außerdem sind neue Strecken wie etwa Nizza–Bastia, Neapel/Civitavecchia–Cagliari, Genua–Porto Torres, Neapel– Palermo oder Palermo–Cagliari im Angebot. Alle Passagen sollen in der Reisesaison 2016 über die Homepages von Moby Lines und Tirrenia zu buchen sein. An Bord der Fähren von Moby Lines warten die "Children Worlds" auf die kleinen Passagiere und im Selbstbedienungsrestaurant spezielle Gerichte. Moby Lines bietet abhängig von der Strecke, dem Schiff und den Abfahrtszeiten eine Fülle an Sonderangeboten in allen möglichen Kategorien: Best Offer, Spezialtarife für Freizeitfahrzeuge oder Camping an Bord. Interessant ist auch "Moby Night": Wer von Livorno nach Bastia reist, kann bereits am Abend vor der morgendlichen Abfahrt einchecken und gegen Gebühr an Bord übernachten.


Die sieben Fähren von SNCM unterhalten zurzeit Verbindungen zwischen Frankreich sowie Korsika und Nordafrika. Die Reederei hat schon 2014 Konkurs angemeldet. Sie firmiert jetzt unter der Marke Maritima. Der laufende Fährbetrieb soll davon nicht beeinträchtigt sein. Auch auf der Homepage lassen sich keine entsprechenden Hinweise finden. Maritima bietet verschiedene Vergünstigungen an: Spezialpreise, Nachlässe für Familien oder Senioren. Die Restaurants haben Kindermenüs auf der Speisekarte.


TTT-Lines
schippert mit zwei Fähren zwischen Neapel und Sizilien. Die Reederei offeriert von April bis Oktober am Wochenende in beiden Richtungen Camping an Bord zum Preis der Deckpassage. Für Kinder gibt es Spielzimmer.

Reiseziel östliches Mittelmeer


Anek Lines
kooperiert auf der Route von Italien nach Griechenland mit den Marken der Attika Group: Superfast- und Bluestar-Ferries. Camping an Bord ist auf den Venedig-Ancona-Bari-Routen für Reisende mit einem Wohnmobil oder Pkw mit Wohnwagen je nach Verfügbarkeit erlaubt. Kinder verkürzen sich ihren Aufenthalt in Spielzimmern. Die Reedereien halten ein ganzes Füllhorn an Ermäßigungen parat: Rabatte für Kinder, Familien, Senioren oder Auto- und Campingclubs.


Camping an Bord ist auch ein Thema bei Grimaldi Lines mit ihrer Marke Minoan Lines auf der Route nach Griechenland. Dieses Konzept sieht allerdings eine obligatorische Übernachtung in einer Innenkabine vor. Kinder unter vier Jahren ohne Anspruch auf ein eigenes Bett reisen kostenlos. Kinder bis 16 Jahre erhalten eine Ermäßigung von 50 Prozent auf den Fahrplanpreis für alle Unterbringungskategorien.


Fährlinien auf einen Blick

Wo Straßen enden, beginnt das Reich der Fähren. Ihr Atlas ist die Broschüre "Fähren, Routen, Reedereien". Von der Ostsee über die Nord- und Irische See bis hin zum Mittelmeer verzeichnet sie rund 200 Fährrouten, auf denen 28 Reedereien operieren. Herausgegeben wird das Werk vom Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik (VFF). Im praktischen Taschenformat ist es für die Planung von Urlaubs- und Geschäftsreisen eine wertvolle Hilfe: Mit übersichtlichen Routenkarten und kompakten Tabellen sowie Adressen der Reedereien zählt das Werk zu den umfangreichsten Übersichten über Fährverbindungen in Europa. Neben den kürzesten Wegen über die Meere beschreibt der Fährverband auch den schnellsten Weg zum Fähr-ticket und bietet weitere wichtige Informationen.


Die kostenlose Broschüre kann per E-Mail bestellt werden: folder@faehrverband.org oder auch im PDF-Format als Download runtergeladen werden.

 

Weiterführende Informationen

Auflistung der wichtigsten Routen im Mittelmeer (PDF)

Die wichtigsten Fährverbindungen in der Übersichtskarte (PDF)