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Fahrradspiegel – Freie Sicht zurück

01.08.2016

In den 70ern galten Spiegel am Fahrrad noch als schick. Heute sieht man sie kaum noch, obwohl der schnelle Blick nach hinten für Sicherheit sorgt.

Radwege können so gemein sein. Eben noch munter strampelnd den eigenen Rhythmus gefunden, stolz auf jeden errungenen Kilometer. Dann der Anstieg, der einem mit dem Auto nie aufgefallen wäre. Höhenmeter bedeuten nicht nur Anstrengung, sondern auch die Entdeckung der Langsamkeit. Die eben noch weite Aussicht verengt sich zum Tunnelblick – Zentralmassiv, ich werde dich bezwingen. Da rauscht, wie aus dem Nichts, ein Schatten vorbei. Kein Phantom, nur ein schnellerer Radfahrer, der mit wenigen Zentimetern Abstand überholt. Zum Adrenalinschub kommt das Erschrecken, ihn vorab nicht wahrgenommen zu haben. Im Auto, auf dem Motorrad – ja, da hätte man ab und zu in den Rückspiegel geschaut und den nachfolgenden Verkehr taxiert. Aber auf dem Fahrrad? Da gibt es doch gar keine Spiegel. Oder?

 

Anzahl der aktiven Radfahrer steigt

 

In den vergangenen Jahren hat die Anzahl der aktiven Fahrradfahrer merklich zugenommen. Gefahren wird mit allem, was zwei Räder und eine Klingel hat. Mit dem City-Bike zum Einkaufen, per Touren-Rad auf die Kurzreise am Wochenende. Nicht zu vergessen die Rennradfraktion und natürlich der steigende Anteil von Pedelecs. Letztere erleben in jüngster Vergangenheit einen wahren Boom. Vor allem die Generation "Man müsste mal was für die Gesundheit tun" nutzt die Chance, in Bewegung zu kommen, ohne sich zu verausgaben. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit im günstigen Fall nicht so sehr von dem Tempo abweicht, das auch einfache Räder erzielen, kommen E-Bikes auf höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten. Jedoch: Man hört sie nicht, wenn sie hinter einem auftauchen. Überholvorgänge sind an der Tagesordnung, doch wie erfährt der Vorausfahrende, dass hinterrücks jemand kommt, der vorbei will?

Radler fahren oft nach Gehör

 

Perspektivenwechsel: Der Wagen rollt die Straße entlang, in geringer werdender Entfernung zuckelt ein Radfahrer. Die Abschätzung, ob ein gefahrloses Überholen möglich ist, erübrigt sich, als der Radler unversehens einen Haken nach links schlägt und eine Lücke im Gegenverkehr nutzt, um ein Geschäft auf der linken Straßenseite anzusteuern. Schulterblick? Fehlanzeige.
Was für andere Räder und Pedelecs gilt, trifft auch auf von hinten nahende Autos zu. Vorbei die Zeiten, als man ein Auto schon hörte, noch bevor es in Sichtweite kam. Nicht nur Elektroautos, sondern auch Hybride und leise Benziner sind mitunter nur schwer akustisch auszumachen. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, orientiert sich mit anderen Sinnen. Ist von hinten kein Fahrgeräusch zu hören, wird vielfach auch der Schulterblick unterlassen. Die Drehung von Kopf und Oberkörper könnte ja einen unerwünschten Schlenker in die Blickrichtung bewirken. Abgesehen davon, dass die Drehbewegung des Kopfes während der Fahrt ab einem gewissen Alter nicht mehr so einfach ist, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen.


Lastwagen werden mit sieben Spiegeln ausgestattet, Pkw bringen es zumindest auf drei. Selbst Motorräder müssen seit 1990 mit zwei Spiegeln am Lenker bestückt sein. Wenn nicht, sind 15 Euro Verwarnungsgeld fällig. Fahrräder brauchen keine Rückspiegel. Dafür zählt der Paragraf 67 der StVZO in zwölf Unterpunkten auf, wie eine bessere Erkennbarkeit von Radfahrern erzielt werden soll.

 

Mehr Sicherheit für wenig Geld

 

Kann man die Verantwortung für die eigene Unversehrtheit einfach dem Glück überlassen, von anderen rechtzeitig gesehen zu werden? Schon ein Spiegel am Lenker vergrößert die Chance, den rückwärtigen Verkehr besser einschätzen zu können. Ob auf dem Radweg oder auf der Straße. Für nur zehn bis 15 Euro werden Fahrradspiegel zur einfachen Montage am Lenker angeboten. Wer das Doppelte investiert, bekommt ein Modell, das für den Transport einzuklappen ist und per Fingerdruck wieder in der ursprünglichen Position einrastet. Dem Berg nimmt der Spiegel zwar nicht seine Steigung, doch neben der bereits bewältigten Strecke sieht man auch den, der gerade zum Überholen ansetzt.