Europa:

Irland – Rund um den Lough Corrib

01.07.2016

Irland hat seine touristischen Brennpunkte: Dublin, Ring of Kerry, Cliffs of Moher, Connemaras Küste. Aber es verzaubert auch mit einer großen Stille und magischen Orten – so wie rund um den gewaltigen Lough Corrib.

Jetzt reisen sie wieder, die Schafe des Bauern Davoren! Sie werden im flachen Boot von Inishmacatreer auf eine kleine Insel gefahren. Am Kai gibt es einen Treibgang, auf dass die Wollknäuel das Boot geordnet verlassen mögen. Davoren ist der letzte Landwirt im Ort, der seinen Schafen diesen Inselurlaub als Landschaftspfleger ermöglicht.

Schade, früher hat man sogar Kühe und Pferde schwimmend auf die Inseln gebracht, heute verbuschen die Eilande zusehends. 365 davon liegen im 200 Quadratkilometer großen Lough Corrib, "alle sind westseitig vom Wind rasiert", sagt Burkhard Hobler. "Die Hälfte der Inseln kenne ich", lacht er, "gut, einige sind auch nur wie ein großer Kohlkopf, der aus dem Wasser ragt." Hobler ist Deutscher, es zog ihn nach Inishmacatreer, was selbst eine Insel ist, aber über einen abenteuerlich engen Steindamm mit dem Festland verbunden. Er kaufte ein altes Cottage mit Ställen, das heute Gäste beherbergt, die vor allem eins wollen: Angeln und raus auf den See!


Es ist ein ungewöhnlicher Tag, nahezu windstill, ein schwerer grauer Himmel liegt wie Blei darüber, eine eigentümliche Stimmung voller Melancholie. Heute können die speziellen Lakeboote mit dem stabilen Kiel, der die in diesem See typischen langen Wellen abfängt, ihre Zuverlässigkeit gar nicht unter Beweis stellen; keine einzige Welle kräuselt den See.

Inchagoill ist seit 1852 im Besitz der Guinnessfamilie

 

Das Boot schnürlt durchs Wasser und landet auf der Insel Inchagoill. Manchmal legen hier Ausflugsboote von Cong oder Oughterard an, heute ist es ein exklusives Erlebnis, auf Urwaldpfaden ins Innere zu schlendern, zu den Klosterruinen und den verfallenen Cottages. Irland ist voll von Orten der Kraft, die umso mehr betören, je stiller sie sind. Der Stone of Lugnad trägt nach Ansicht vieler Archäologen eine der ältesten christlichen Inschriften der Welt – eingehauen in Altgälisch. Wikinger überfielen das Eiland im 13. Jahrhundert und dann kam ein Name ins Spiel, der untrennbar zu Irland gehört: Die Insel kam 1852 in den Besitz der Guinnessfamilie. Dort gab es den legendären Verwalter Tommie Nevin, der bis 1948 allein auf der Insel wachte, aber einen Hund und ein Radio besaß. Und bis heute steht ein Turm, wo die feinen Herren mit weniger feinen Damen "feierten" …

Auf eine Tasse Tee nach Ashford Castle

 

Ashford Castle ist auch ein Streich der Stout-Brauer. Sie kauften das Gebäude, das im Kern aus 1228 datiert, und bauten üppige viktorianische Flügel an. Tea Time im Schloss gehört zu den Erlebnissen, die man sich einmal gegönnt haben sollte. Feine Tees auf edlen Services, dazu Scones von erlesener Qualität, Clotted Cream, tiefe Fauteuils – Schlossherrenherrlichkeit auf Zeit. Man muss aber kein Hausgast sein, um die heiligen Hallen zum Tee betreten zu dürfen. Zwei Irish Wolfhounds liegen behäbig vor der Rezeption und blicken aus unergründlichen Augen auf das internationale Treiben.

Ireland's School of Falconry

 

Apropos Augen: Lima sieht einen so an, dass der Blick durch einen hindurchgeht. Sie legt den Kopf schief und es ist, als könne sie in Seelen sehen. Dann hebt sie ab. Und kommt retour, landet und bekommt – nun ja, darin liegt eine gewisse Entzauberung – einen Hühnerfuß. Lima ist eine wunderschöne Harris-Hawk-Dame; neben anderen Greifvögeln hat die Ireland´s School of Falconry die meisten Harris Hawks in Europa. Die Falknerei liegt am Rande des gewaltigen Landschaftsparks von Ashford.
Auch Gästen ist es erlaubt, mit den Falken zu arbeiten. Jedes Mal, wenn man den Arm mit dem Handschuh hebt – erst zögerlich, dann mutiger – schwebt sie ein, die stolze Falkendame Lima!


Am Ende des Parks liegt das entzückende Städtchen Cong, das vor allem wegen des Oskar-gekrönten Films "The Quiet Man" berühmt wurde. 1952 gedreht, besetzt mit John Wayne und Maureen O’Hara, der temperamentvollen Rothaarigen, die mit stolzen 95 Jahren letztes Jahr in Idaho starb. Neben der Abbey aus dem 12. Jahrhundert ist es das Museum zum Film, das Touristen anzieht. Der eilige Gast ist dann auch gleich wieder verschwunden, Insider hingegen entdecken am Sträßchen in Richtung Ballinrobe einen prähistorischen Steinkreis inmitten von Farmland. Bei Headford liegt Ross Abbey behäbig in den Wiesen. Wunderschön und doch wenig besucht, kann man hier durch die imposante Ruine klettern – sogar das Wasserbecken für den Frischfisch, den die Franziskaner-Mönche im Black River fingen, ist noch zu sehen.

Bodhran-Bauer am Meer besuchen

 

Keine Frage, ein Ausflug ans Meer ist Pflicht! Schon um Malachy Kearns, den Bodhran-Bauer, zu besuchen. Seine Freunde von der legendären irischen Band "The Chieftains" bestärkten ihn und inzwischen ist Malachy eine Institution, auch Riverdance kauft bei ihm. Bodhranbau ist das älteste irische Handwerk, die Haut für das Instrument stammt im Idealfall von Ziegen. Die Haut wird mit einer Kalklösung behandelt und mit Zusätzen – aber das ist Malachys gut gehütetes Geheimnis. Jeder Schritt ist Handarbeit, nur so erhält das Instrument seinen unikalen Klang!


Und natürlich muss man durch die Maamturk Mountains fahren, wo die Licht- und Schattenspiele auf den kahlen Bergen tanzen, man muss durch das bunte Küstenstädtchen Clifden schlendern, aber ein einsames Vergnügen ist die touristische Rennstrecke der Coast Road und der Sky Road nicht gerade!

Wanderung am Mount Gable

 

Zurück am Lough Corrib ist Stille und Burkhard Hobler hat noch etwas ganz Spezielles im Sinn. Eine Wanderung am Fuße des Mount Gable auf einem Pfad zum Lough Coolin, der in einer kahlen und stillen Landschaft liegt, an seinen Gestaden verfallene Cottages. Sie sind Zeugen der großen Hungersnot zwischen 1845 und 1852, als die Kartoffelfäule die Ernten vernichtete. Da die armen Bauern aber fast ausschließlich auf den Anbau der Kartoffel gesetzt hatten und eine durchgehende Monokultur nun mal anfällig ist, starben rund eine Million Menschen, eineinhalb Millionen konnten nach Übersee flüchten. An den steilen Hängen sieht man noch die Terrassen, wo die Menschen dem Berg Anbaufläche für Kartoffeln abgerungen hatten. Überall ragen die Wurzeln der Vergangenheit ins Hier und Heute und überall holt sich die Natur stoisch und stetig das Ihre zurück. Und von irgendwoher kommen Schafe und beginnen in den überwucherten Häusern zu fressen …

Touristische Informationen

 

Anreise: Flüge nach Dublin und Shannon mit Aer Lingus, www.aerlingus.com;
Fähren verkehren von den Niederlanden, Belgien und Frankreich, eine Direktfähre verkehrt über Nacht von Roscoff in Frankreich nach Rosslare mit Irish Ferries, www.irishferries.de; unter www.ireland.com kann man alle Anreisevarianten durchspielen.


Übernachten: Inishmac Outdoors, einfache Cottages bei Burkhard Hobler,
www.inishmac.com; Nymphsfield House, nettes B&B außerhalb von Cong, www.nymphsfieldhouse.com; Ashford Castle, opulenter Luxus in sensationeller Lage, www.ashfordcastle.com; The Lodge at Ashford Castle, feines Hotel, gute Küche www.thelodgeac.com; Dooroy Lodge, Ferienhaus für Selbstversorger am See bei Clonbur www.selfcateringcong.com;


Erlebnisse: Ireland‘s School of Falconry, www.falconry.ie; The Bodhran, Firma, Shop und Café www.bodhran.com; Heritage Trail in Cong: Guide Booklet bei dortigem Tourist Office erhältlich; die mystische Insel Inchagoill erleben: www.congtourism.com/inchgll


Infos: Tourism Ireland, Gutleutstr. 32, 60329 Frankfurt/Main, Infotelefon: 069 66  8 0 09 50, www.ireland.com; regionale Infos:www.clonbur.galway-ireland.ie und www.congtourism.com


Info-Grafik:Landkarte vom Westen Irlands (PDF)