E-Mobilität:

Kia e-Niro – Ganz ohne Kampfansage

28.01.2019

Kia zeigt mit dem e-Niro alte deutsche Tugenden: Nicht schwätzen, sondern einfach machen. Gut möglich, dass Kia mit dem e-Niro einen echten „e-Volkswagen“ auf die Beine gestellt hat.

Rund 35.000 Dollar, das sollte das Model 3 von Tesla kosten, viele haben schon von einem Elektro-Volkswagen für knapp 30.000 Euro geträumt. Nun kann man ihn auch in Deutschland bestellen – jedoch für mindestens 55.400 Euro. Das Großserien-Elektro-Auto mit ordentlichem Komfort, Leistung und Reichweite für 30.000 Euro gibt es dagegen tatsächlich. Allerdings nicht von Tesla, sondern von Kia. Denn heimlich, still und leise mausert sich der Mutter-Konzern Hyundai zum Komplettanbieter von alternativen Antrieben. Nach den beiden Krachern Kona Elektro und Nexo (mit Brennstoffzelle) darf nun die Tochter Kia wieder nachlegen. Dort zieht der e-Niro in den Fuhrpark. Die Variante mit 39,2-kWh-Akku und 136 PS startet bei 34.290 Euro. Abzüglich Umweltprämie sind das knapp 30.000 Euro.

Der e-Niro fährt weiter und lädt schneller als die meisten anderen

Etwa 250 rein elektrische Kilometer schafft der Batterie-Niro mit dem kleinen Akku (WLTP: 289 km). Doch Kia geht davon aus, dass die meisten Kunden direkt die größere Variante mit 64-kWh-Akku, 204 PS und über 400 Kilometern Reichweite bestellen werden (ab 38.090 Euro). Weil es ein vergleichbares Angebot von deutschen Herstellern nicht gibt, erhofft sich Kia den Einstieg in das Geschäft mit Firmenautos. Wenn das klappt, könnte es in ein paar Jahren vergleichsweise günstige e-Niros auf dem Gebrauchtmarkt geben. Bis dahin lockt Kia Neuwagenkäufer unter anderem mit umfangreicher Ausstattung und einer wirklichen Schnellladefunktion (bis 100 kW). Der Akku ist dann in 42 Minuten wieder voll. Einziges Problem: So richtig viele Ladesäulen, die das können, gibt es in Deutschland noch nicht. Bis es sie gibt, nimmt er den Strom auch von den verbreiteten 50-kW-Säulen. Weil Schnellladen die Akkus besonders stresst, sollte man ohnehin nicht immer mit voller Leistung laden. Zumindest war das bisher so.

Umfangreiche Garantie auch auf den Akku

Kia scheint da weniger Bedenken zu haben und bietet die 7-Jahres-Garantie auch für den Akku – unabhängig davon, wie oft er mit Hochgeschwindigkeit geladen wurde. Langstrecken verlieren so ihren Schrecken, über 700 Kilometer gelingen mit nur einem kurzen Zwischenstopp. Wenn der Akku nicht wäre, aus Komfortgründen wäre der Stopp gar nicht nötig: Die Sitze sind bequem, der Niro federt und fährt sich so komfortabel wie unser Dauertest-Wagen. Und das bärenstarke Drehmoment von 395 Nm lässt vergessen, dass der e-Niro kein Tesla ist.