E-Mobilität:

Kia Niro - Der Unscheinbare

26.01.2018

Seit September ergänzt der Kia Niro unseren Fuhrpark. Dabei macht der kompakte SUV seinen Job so gut, dass er bisher kaum jemandem aufgefallen ist.

Robert de Niro sagt Ihnen was, aber vom Kia Niro haben Sie noch nie etwas gehört? Kein Wunder, denn im Gegensatz zum alternden Hollywoodstar ist der kompakte Koreaner unscheinbar. Weder hat er Kanten, noch eckt er irgendwo an. Gerade in „Deep Cerulean Metallic“ schmiegt er sich stattdessen ganz unauffällig in unseren Fuhrpark. Nur bei der Stimme, da ist der koreanische Niro seinem US-amerikanischen Namensvetter sehr ähnlich. Denn ärgert man den Motor, dann kann er auch mal laut und rau werden.

Kia Niro nur als Hybrid

Damit sind wir auch schon bei den inneren Werten angekommen: Egal ob konventioneller oder Plug-in-Hybrid: Den Niro gibt es nur mit einer Motorvariante. Er verfügt immer über eine Kombination aus 1,6-l-Benzin-Motor mit 105 PS und einem Elektro-Motor mit 44 PS (beim Plug-in 61 PS); zusammen ergibt das eine Systemleistung von 141 PS. Das reicht zwar für recht ordentliche Fahrleistungen. Wunder darf man freilich nicht erwarten: Trotz Unterstützung vom Elektro-Motor – der sitzt übrigens direkt im Getriebe: Der kompakte SUV ist kein Sprinter. Für den Stadtverkehr reicht es trotzdem locker. Die Autobahn ist dagegen nicht sein Revier: Ab etwa 120 km/h gibt der Motor seinem Fahrer mit deutlichem Gebrumm zu verstehen, dass ihm die Luft langsam ausgeht. Bei 162 km/h ist dann auch Schluss. Das ist ungewöhnlich und zeigt doch zweierlei: Erstens, dass der Niro nicht primär für den deutschen Markt konzipiert wurde, und zweitens, dass das Entwicklungsziel eher auf einem möglichst niedrigen Verbrauch lag. Bei unseren ersten Testfahrten pendelte sich dieser dann auch zwischen sechs und sieben Litern ein. Wer es gelassen angeht, schafft auch 5,5 Liter. Das ist zwar ebenfalls keine Sensation, passt aber zum soliden Eindruck.

Dieser bestätigt sich auch im Innenraum: Die Sitze sind komfortabel, die Verarbeitung sehr gut. Auch bei der Materialauswahl haben die Koreaner ein gutes Händchen bewiesen. Längere Strecken sind damit kein Problem, auch auf der Rücksitzbank sind die Mitfahrer zufrieden.

Plug-In-Hybrid mit saftigem Aufpreis

Mindestens 24.990 Euro müssen Interessenten dafür investieren. Für einen Stromanschluss, also den Plug-in-Hybrid, verlangt der Hersteller über 7000 Euro Aufschlag. Dazu gibt Kia eine siebenjährige Garantie – auch auf den Lithium-Ionen-Polymer-Akku. Wer allerdings Wert auf ein Navigationsgerät legt, muss 3200 Euro in die Ausstattungsvariante „Vision 7“ investieren. Noch besser ist das große Infotainment-Paket in der höchsten Ausstattungsvariante „Spirit“ (5900 Euro Aufpreis). Dann ist der Kia fast komplett ausgestattet, unter anderem mit acht Zoll großem Display, das sich gut ablesen lässt. Kia setzt glücklicherweise nicht nur auf einen Touchscreen, sondern kombiniert diesen mit Drehknöpfen. So lässt sich das Radio intuitiv bedienen und die Navigation klappt problemlos. Mit Android Auto und Apple CarPlay bietet der Niro außerdem die aktuellen Standards im Bereich Connectivity. Dazu gibt es ein paar nette Extras, die bisher nicht zum Standard gehören: zum Beispiel Sitzheizung rundum sowie eine Belüftung der Vordersitze.

Wer das Auto regelmäßig in der Innenstadt bewegen möchte, sollte mindestens zur Vision-Ausstattung greifen. Erst dann ist die gute Rückfahrkamera enthalten. In der Einstiegsvariante ist sie dagegen weder für Geld noch für gute Worte zu haben. Ärgerlich, vor allem weil die Sicht unter dem nach hinten abfallenden Dach leidet. Genau diese Dachkonstruktion lässt den Fronttriebler irgendwo zwischen SUV und Kombi landen. Unter dem Design leidet allerdings auch der Kofferraum, der ohnehin nicht ganz praktisch ist. Zwar bietet er laut Herstellerangaben ordentliche 382 Liter. Doch im Alltag passt gerade so ein Kinderwagen in den Kofferraum.

Fazit: Wer einen starken Charakter(-Schauspieler) sucht, ist beim Kia Niro an der falschen Adresse. Denn der kompakte SUV hängt nichts an die große Glocke: Weder sein Design fällt auf, noch merkt man ihm an, dass er mit dem Hybrid-System auf die Kraft der zwei Herzen setzt. Stattdessen ist er typisch Kia: ein ausgereifter, unaufgeregter Alltags-Begleiter.

Technische Daten

Kia Niro Hybrid

Hubraum cm3

1580

Zylinder/Schadstoffklasse

4/Euro 6b

Leistung kW(PS)/min-1

104(141)/5700

max. Drehmoment Nm/min-1

265/1000

max. Geschwindigkeit km/h

162

0 bis 100 km/h s

11,5

Karosserie

Kompakt-SUV

Länge/Breite/Höhe mm

4335/1805/1545

Radstand mm

2700

Spurweite v/h mm

1555/1569

Leergewicht/Zuladung kg

1500/430

Anhängelast ung./gebr. kg

1300/600

Dachlast/Stützlast kg

100

Kofferraum (VDA) l

382

Reifendimension

225/45 R 18

Tankinhalt/Reichweite l/km

45/1022

ACE-Testverbrauch l/100 km

6,6

Verbrauch EG-Mix l/100 km

4,4

Kohlendioxid-Ausstoß g/km

101

Testwagenpreis Euro

34.020

Grundpreis ab Werk Euro

24.990

Typklassen HK/VK/TK

18/23/18