Fahrbericht:

Kia Optima Sportswagon Plug-in – Kombi mit Stecker

29.03.2018

Auf dem Papier ist der Kia Optima Sportswagon Plug-in kräftig, lang, sauber und teuer. Doch lässt sich mit ihm Sprit und Geld sparen?

Premiere bei Kia: Nicht nur gibt es die vierte Generation des Optima nun erstmals als Kombi, Kia schickt den Sportswagon genannten Edellaster seit Mitte 2017 auch mit einem Elektromotor ins Rennen. Als Plug-in-Hybrid soll der 4,86 Meter lange Gleiter die Angst vor Fahrverbotszonen nehmen, gleichzeitig weder Reichweitenangst verspüren noch leere Akkus fürchten, dem 55-l-Benzintank sei Dank. Zielgruppe: umweltbewusste Pendler mit Lademöglichkeit zu Hause. Wir wollten wissen, wie sich der Kombi mit Stecker im Alltag so schlägt.

Vierte Generation bei Design und Fahrwerk auf Augenhöhe

Eines vorweg: Welche rasante Entwicklung Kia in den letzten 15 Jahren hingelegt hat, zeigt sich direkt schon von außen. Zwar wussten die Koreaner schon bei der ersten Generation ihrer neuen Mittelklasse, wo sie hin wollten. Doch das Design des damals noch Magentis genannten Fahrzeugs war so schlafmützig, dass zumindest in Europa nur wenige Käufer bereit waren, 33.900 Mark für den Wagen auszugeben. Und allen Unkenrufen zum Trotz, gerade in der Mittelklasse zählen neben Qualität und Verarbeitung weiter klassische Werte wie Prestige und Design. Daran konnte auch der damals niedrige Preis nur wenig ändern.

Hybrid-Variante kostet heftigen Aufpreis

Dem niedrigen Preis ist Kia treu geblieben, ab 25.990 Euro gibt es den 2,0-l-Benziner (163 PS), der 1,7-l-Diesel mit 141 PS kostet mindestens 28.290 Euro. Für den Kombi fordert Kia immerhin 1500 Euro Aufschlag gegenüber der Limousine. Der von uns getestete Hybrid fährt dagegen in einer ganz anderen Preisklasse. Mindestens 41.940 Euro will Kia für die Kombination aus 156 PS Benzinmotor und 68 PS Elektromotor. Dann ist der Optima zwar mit allerlei Assistenzsystemen nahezu vollausgestattet, kostet aber eben auch fast 16.000 Euro mehr als der Einstiegs-Benziner. Den happigen Aufschlag nur durch günstigere Unterhaltskosten herauszufahren, wird dagegen nicht klappen. Denn auch wenn die rein elektrische Reichweite theoretisch 62 Kilometer beträgt, kostenlos kommt der Strom nicht aus der Steckdose. Bis der 11,3-kWh-Akku wieder voll ist, dauert es an der Haushaltssteckdose knapp fünf Stunden und kostet beim heutigen Strompreis etwa 3,20 Euro.

Akku reicht für viele Pendlerstrecken

Doch wie weit kommt ein Pendler damit im Alltag? Um das herauszufinden, haben wir den Optima gezwungen, nur im EV-Modus, also rein elektrisch, zu fahren. Sonst entscheidet der Wagen intelligent selbst, nutzt je nach Bedarf Elektro-, Benzin- oder beide Motoren. Im rein elektrischen Modus hat sich die Reichweite bei etwa 50 Kilometern eingependelt. Das passt zu den offiziellen 62 Kilometern, denn bei etwa 14 Prozent Restakku schaltet der Optima automatisch in den Hybrid-Modus. Ein respektabler Wert, der viele Pendlerstrecken abdeckt. Vor allem dann, wenn der Arbeitgeber noch eine Ladesäule zur Verfügung stellt und vielleicht sogar kostenlos laden lässt.

Sprit- und Benzinkosten auf Diesel-Niveau

Die Überraschung folgte dann an der Tankstelle: Trotz unserer Versuche, möglichst nur elektrisch zu fahren, hat sich der Optima noch 2,9 Liter Benzin auf 100 Kilometern einverleibt. Denn auch wenn wir es versucht haben zu unterbinden, zwischendrin wirft der Optima immer mal wieder den Verbrennungsmotor an. Beim Kaltstart zum Beispiel, um die Batterien zu schonen und die Heizleistung vom Benziner abzugreifen. Insgesamt entstehen so Fahrtkosten von etwa 7,20 Euro pro 100 Kilometer. Kein besonders niedriger Wert. Sparfüchse werden also mit dem Hybrid-Antrieb nicht glücklich. Steht dagegen keine Ladesäule zur Verfügung, braucht der Optima etwa 6,2–6,4 Liter auf 100 Kilometern.

Auch als Plug-in noch kein absoluter Saubermann

Trotzdem: Der Optima kann überzeugen, gerade was Fahrwerk, Antritt, aber auch Design, Verarbeitung und Materialauswahl angeht. In der Mittelklasse spielt er mittlerweile ganz oben mit. Und der selbst beim Plug-in-Hybriden noch riesige Kofferraum lässt keine Wünsche offen. Dazu ist der Optima auch für den Hängerbetrieb zugelassen. Bis zu 1500 Kilogramm dürfen an die Anhängekupplung. Das ist genauso viel wie beim Diesel und ungewöhnlich für ein Hybridfahrzeug. Bei genau diesem Hybrid-Antrieb gibt es jedoch noch Verbesserungsbedarf. Einerseits, was den Preis angeht, andererseits, was die logische Steuerung anbelangt. Denn gerade wenn es kalt ist und deutsche Großstädte unter Abgasproblemen leiden, wirft auch der Plug-in-Hybrid seinen Motor an. Damit verspielt der elegante Gleiter eine große Chance, auch als absoluter Saubermann zu gelten.

Technische Daten Kia Optima Sportswagon 2.0 GDi Plug-in

Hubraum: 1999 cm3, Zylinder/Schadstoffklasse  4/Euro 6b, Systemleistung kW(PS)/min-1  151(205)/2330, max. Drehmoment Nm/min-1  205/0-2330, max. Geschwindigkeit 192 km/h, 0 bis 100 km/h 9,7 s

Mittelklasse-Kombi, L/B/H 4855/1860/1470 mm, Radstand 2805 mm, Spurweite v/h 1602/1609 mm, Leergewicht/Zuladung 1815/455 kg, Anhängelast ung./gebr. 750/1500 kg, Dachlast/Stützlast 100/80 kg, Kofferraum (VDA) 440-1574 l, Reifendimension  235/45 R 18

Tankinhalt 55 l, ACE-Testverbrauch 6,3l/100 km S, Verbrauch EG-Mix 1,4 l/100 km S, Kohlendioxid-Ausstoß 33g/km

Preis ab Werk Euro  41.940, Testwagenpreis Euro 49.090

Typklassen HK/VK/TK 19/25/23