Camping:

Knappe Wohnmobil-Stellplätze - Grenzen des Wachstums

27.02.2019

Ein Großteil der Reisemobilurlauber nutzt zur Übernachtung freie Stellplätze. Die aber sind zunehmend überlaufen – was tun?

Nun heißt es zusammenrücken: Innerhalb von wenigen Jahren ist die Zahl der Reisemobile in Deutschland um ein Drittel auf etwa eine halbe Million Exemplare gestiegen, die Zulassungszahlen eilen von Rekord zu Rekord. Die Stellplatz-Infrastruktur aber hinkt hinterher, denn Platzmangel, Baurecht, auch kostspielige Investitionen stehen dem entgegen. Prompt wächst die Enttäuschung zahlreicher Urlauber: Im Sommerhalbjahr auf die Wettervorhersage schauen, Freitagmittag losziehen und einen freien Platz mit Blick auf Nord- und Ostsee oder Bodensee erwarten, das funktioniert nicht mehr. Die in der Werbung versprochene große Freiheit, es gibt sie nicht.

Langfristige Planung und Reservierungen sorgen für Camper-Frust

Jedenfalls nicht in den 1A-Lagen, auf den Stellplätzen am Meer oder anderen Gewässern. Die Situation erinnert an Hotels oder Ferienwohnungen, dort heißt es spätestens im Frühjahr für den Sommerurlaub reservieren. Das aber wäre ein Graus für Reisemobilbesitzer, die gerne spontan dem guten Wetter hinterherfahren. Auch widerspricht langfristige Planung der Idee des Entdeckerurlaubs. Prompt stehen in kühlen Regenzeiten Plätze leer. Reservierungen sind keine Lösung, Jürgen Dieckert von der Stellplatzgemeinschaft Top-Platz kennt das Dilemma: „Mancher bucht mehrfach und lässt dann Reservierungen verfallen.“ Dann fahren sogar bei schönem Wetter Reisemobile vergebens zu einem zwar ausgebuchten, aber nicht gefüllten Stellplatz und der Ärger wächst.

Außerhalb der Hochsaison kann man noch die große Freiheit genießen

Dieckert: „Mein Rat heißt: antizyklisch fahren. Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt und den Hochsommer vermeiden.“ Auf Entdeckungsreise lässt sich in diesen Phasen viel besser in Regionen gehen, die nicht überlaufen sind. Doch auch Spitzenplätze kennen freie Zeiten, ob in der Nebensaison oder während der Woche – ein Fall für die reisenden Senioren: an den Wochentagen ans Wasser, am Wochenende ins Hinterland.

Wenn’s nicht mit Überlegung funktioniert, wird es irgendwann der Preis regeln, dann folgen auf Stellplätzen Wochenend- und Feiertagszuschläge sowie Wochentags-Ermäßigungen.