15.01.2020

Kompakte Campingbusse – Ein Bus für alle Tage

Reisemobile müssen nicht üppig ausfallen. Die Redaktion hat sich auf der Messe CMT in Stuttgart umgesehen und viele Beispiele für ungewöhnliche Campingbusse entdeckt.

Es geht auch ohne wuchtige weiße Riesen: Spaß am Urlaub vermitteln bereits kompakte Campingbusse. Häufig sogar noch mehr Vergnügen als ihre üppigen Kollegen. Obendrein sind sie alltagstauglich – und faszinierend vielfältig. Die Platzhirsche heißen VW California, Mercedes Marco Polo und Ford Nugget. Sie bevölkern seit Jahren und Jahrzehnten zu tausenden Straßen und Stellplätze in Europa. Es gibt sie beim Autohändler, wer einen Bus dieses Trios wählt, kann wenig falsch machen. Aber vielleicht individuell nicht alles richtig, denn es gibt Alternativen zuhauf – einfallsreich, kompakt und nicht übertrieben teuer.

Die großen Hersteller bieten vielseitige Campingbusse

Schon bei den großen Anbietern werden Camper fündig, die keinen Superbus mit Küche und vielen Schränken benötigen, sondern einen Alleskönner, in dem man am Wochenende problemlos übernachten kann. Bei VW ist das der California Beach, bei Mercedes der Marco Polo Activity. Im Erdgeschoss Sitzgelegenheiten, ein Tisch und eine Schlafgelegenheit, oben ein Aufstelldach mit Bett. So einer ist beileibe nicht billig, kostet aber nicht gleich gewaltige 60.000 oder 70.000 Euro, die für einen klassischen California oder Marco Polo als Neuwagen fällig sind.

Günstigere Alternative: Ausbau eines gebrauchten Transporters

Zu ihnen gibt es jede Menge Alternativen von kleinen und mittelständischen Ausbauern. Da geht’s ab etwa 40 000 Euro los, nach oben sind indes kaum Grenzen gesetzt. Wer deutlich günstiger einsteigen will, liefert zum Ausbau nach Absprache einen gebrauchten Transporter an. Die Ausbauer bieten nicht unbedingt an jeder Stelle automobile Perfektion. Aber Individualität, Wohnlichkeit und sehr praxisgerechte Lösungen. Siehe WSR: Hier wird die Klappsitzbank so gefaltet, dass niemand auf einer unbequem ausgeformten Rückenlehne ruhen muss, sondern auf der ebenen Kehrseite. Hier wie anderswo, zum Beispiel beim Köhler Sunvan, gibt es auch schlanke Möbel, die Platz für eine Rücksitzbank mit drei Plätzen und ein entsprechend breites Bett im Erdgeschoss machen. Beide Vorzüge sind sehr praktisch – und VW und Mercedes bekommen sie in ihren Top-Bussen nicht hin.

Schlafkomfort fast wie zu Hause

Köhler hat sich dem Thema Liegekomfort auch mit einer anderen Idee angenommen: Über die geklappten Rückenlehnen der Einzelsitze im Fond werden Liegeflächen mit einem Lattenrost gelegt. Was Platz für Zusatzpolster im Stauraum kostet, erhöht den Schlafkomfort. Fischer setzt in seinem Octobus auf ein ähnliches System. Auch hier gleiten Einzelsitze in einem Schienensystem in eine Wunschposition, Lattenrost und Matratze werden in diesem Fall ausgerollt. Macht ein zwei Meter langes und 135 Zentimeter breites Bett mit Durchlademöglichkeit darunter.

Ein festes Dach über dem Kopf gibt‘s auch für unterwegs

Auch beim Oberstübchen fehlt es den Ausbauern nicht an Fantasie: Wie wäre es alternativ zum gewohnten Aufstelldach mit einem fest aufgebauten Hochdach? Dann passt der Camper zwar nicht mehr in Garage oder Parkhaus, aber es gibt Stehhöhe, eine bessere Isolierung im Stand und zusätzlichen Stauraum. Auf diese Weise nähern sich Käufer ihrem Campingbus nach Maß. Vielleicht auch mit einer wohnlichen Einrichtung, von Seitenverkleidungen mit knuffiger Rautensteppung bis zum Tisch und der Arbeitsflächen aus massiver Eiche bei Easy Camper.

Raffinierte Raumlösungen, eine Lounge auf Rädern und Campingbusse nach Maß

Ganz aus dem Rahmen fällt Spacecamper, allerdings auch beim Preis: Hier wird nach Lust und Laune geklappt und gefaltet, ist jeder Kubikzentimeter perfekt ausgenutzt. Kein Wunder, denn der Chef Ben Wawra hat sogar längere Zeit im Spacecamper gelebt, da sammeln sich Ideen an. Ebenso bei Terracamper, hier haben die Ausbauten einen unkaputtbaren Expeditionscharakter. Oder bei Campmobil Schwerin, dort hat man die Küche ins Heck verlegt, getrennt vom Wohnraum. Hinten siedelt Westfalia beim Club Joker Küche und Toilette an. Der vordere Bereich hat Van-Charakter. Oder er entfaltet sich bei Westfalia Kepler und Jules Verne mit großer Sitzgruppe zur Lounge. Verheddern können sich Interessenten dann im Dickicht des üppigen Programms des zweiten Traditionsausbauers Reimo. Individualisten landen vielleicht bei Nordvan, denn dort gibt es den Bus nach Maß, produziert nach individuellen Vorstellungen. Inhaber Patric Helk hat den klassischen Weg gewählt: Erst hat er Busse für sich gebaut, jetzt fertigt er aus dieser Erfahrung heraus für viele andere.

Holz, Farben und flexible Möbel machen die Campingbusse wohnlich

Und dann wäre da noch das Kontrastprogramm zu all dem von Flowcamper. Frieda heißt der Ausbau im Orange der Flower-Power-Ära. Viel Fichtenholz vom Boden über die Möbel bis zu den Wänden, viel Filz – ein liebevoll ausstaffierter Bus, schlicht, aber kuschelig und zum Wohlfühlen. Darf es etwas weniger sein? Um in der Begriffswelt des Marktführers VW zu bleiben: Vielleicht irgendwo zwischen Multivan, California Beach und einem Vollwert-Camper? Möbelmodule schaffen die Verbindung zwischen Van und Campingbus. Zum Beispiel Schrank- oder Küchenmodule von Maxxcamp. Es gibt sie in dezentem Silbergrau oder auch mit flotten Streifendekoren. Vergleichbar ist das Angebot von Busboxx, ergänzt von herausnehmbaren Küchenblöcken, montiert zwischen Vorder- und Rücksitzen. Hinzu kommen Heckauszüge mit Küchen und Bettverlängerungen, etwa zur Ergänzung eines VW Transporter Kombi. Bettsysteme sowie schmucke Stauboxen mit unterschiedlicher Ausstattung für das Heck von VW und Mercedes liefern ebenfalls Qubiq oder Vanessa.

VW und Mercedes bekommen starke Konkurrenz bei den Basisfahrzeugen

Die typische Plattform kompakter Campingbusse ist unverändert der VW Transporter in allen seinen Varianten, flankiert von Mercedes Vito und V-Klasse. Doch der Wettbewerb wächst. So fußen die vielseitigen Campster und Vanster aus der Pössl-Gruppe auf dem Citroën Jumpy, Wettbewerber Crosscamp aus der Hymer-Gruppe greift zu den damit baugleichen Baureihen Toyota Proace Verso und Opel Vivaro Life. Auch der Renault Trafic und seine Kollegen setzen Duftmarken. Der Renault ist bei den kompakten Campern von Adria, Ahorn und Kompanja anzutreffen, der identische Nissan NV300 dient als Basis des Westfalia Michelangelo. Sie setzen durchweg auf den typischen Grundriss mit Küchen- und Schrankzeile links in Fahrtrichtung. Außer der wohnliche Kompanja: Hier gibt es auch rechterhand einen Schrank und die Küche nimmt gleich an der Schiebetür Platz. Vorteil von Renault Trafic und Kollegen sind neben dem niedrigeren Preis die nahezu senkrecht aufragenden Wände. Daraus resultiert ein deutlich breiteres Bett unter dem Aufstelldach als im schlank zulaufenden VW.

Auch aus Hochdachkombis lässt sich eine rollende Unterkunft machen

Darf’s etwas weniger sein? Dann passt vielleicht der Caddy Beach als Hochdachkombi mit Liegeeinrichtung, Stofftaschen in Höhe der hinteren Seitenfenster und Verdunkelung. Den knappen Wohnraum erweitert auf Wunsch ein Zelt, angebracht an der geöffneten Heckklappe. Was sich aus dem Konzept herausholen lässt, zeigt der Reimo Camp auf Basis Caddy Maxi: Im Erdgeschoss eine Sitzgruppe sowie eine Schrankzeile mit Küche, oben ein Aufstelldach. Ähnlich ist das Rezept des MFC, des Multifunctional Car eines ukrainischen Aufbauers auf Fiat Doblò Maxi: Sitze, Bett und Küche auf einem Schienensystem, darüber ein Aufstelldach – mehr geht nun wirklich nicht.

Raum ist auch im kleinsten Reisemobil

Aber weniger: Das Dachzelt iKamper Skycamp entfaltet sich in Windeseile zu einem verblüffenden Schlafraum mit vier Quadratmeter Grundfläche. Wer dann noch ein Anbauzelt spendiert oder ein Sonnensegel, errichtet eine ansehnliche Wohnlandschaft irgendwo zwischen Zelt und Campingbus. Und sofern es die Dachlast zulässt und sportliche Nutzer Kletterkünste nicht scheuen, passen obendrauf noch Mountainbike oder Kanu. Keine Frage: Der Reisespaß hängt nicht von der Größe des Reisemobils ab.