Ratgeber:

Kreisverkehr – Alles rund um den Kreisel

01.08.2016

Im Kreisverkehr geht es für Auto-, Zweiradfahrer und Fußgänger manchmal rund, denn nicht jeder weiß, wie man sich richtig verhalten muss. Dieser Ratgeber bietet alles Wissenswerte über die sogenannten Kreisel.

Sie sollen nicht nur Ampeln ersetzen, sondern auch Unfälle vermeiden und den Verkehrsfluss fördern. Der Schlüssel zu den Vorteilen von Kreisverkehren liegt aber letztlich im Wissen jedes Einzelnen über die geltenden Regeln. ACE LENKRAD hat die wichtigsten Fakten zum Thema Kreisverkehr zusammengefasst.

Gilt jede runde Verkehrsführung als Kreisverkehr?

 

Nein, als Kreisverkehr gelten nur solche Verkehrsführungen, die an jeder Zufahrt mit einem runden blauen Schild mit sich folgenden Pfeilen sowie einem "Vorfahrt gewähren"-Schild versehen sind. Eher selten, dann aber häufig in Wohngebieten gibt es runde Verkehrsführungen ohne Beschilderung. Diese kreisförmigen Knotenpunkte gelten demnach nicht als Kreisverkehr.

Welche Arten von Kreisverkehren gibt es in Deutschland?

 

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Kreisverkehren in Deutschland. Sie sind durch ihre Größe zu unterscheiden. Minikreisverkehre haben nur einen Durchmesser von 13 bis 22 Metern. Deshalb gibt es hier keine Bepflanzung der Mittelinsel. Der Bereich ist gepflastert, damit Fahrzeuge wie Lastwagen oder Busse den Kreisel, trotz ihres großen Wendekreises, durchfahren können. Kleine Kreisverkehre mit einem Durchmesser von 26 bis 50 Metern haben dagegen keine befahrbare Mittelinsel. Größere Fahrzeuge können aber meist zusätzlichen Platz nutzen, indem sie die innen abgesetzte, durchgezogene Linie überfahren. Bei großen Kreisverkehren ist das nicht nötig. Sie haben einen Durchmesser von mehr als 40 Metern. Zwei- bis dreispurig angelegt, sind sie vor allem außerhalb geschlossener Ortschaften oder in Großstädten zu finden.

Wie viele Kreisverkehre gibt es in Deutschland?

 

Auf Anfrage gab der Navigations-Kartenhersteller TomTom bekannt, dass Deutschland (Stand Mai 2016) über 13.500 Kreisverkehre verfügt. Im August 2014 waren es hingegen 12.500 Stück. Innerhalb von weniger als zwei Jahren sind also weitere 1000 Kreisel hinzugekommen. Im letzten Jahr rüsteten vor allem die Städte Augsburg (9 Stück), Rostock (8 Stück) und Ahlen (8 Stück) auf. Unter den Städten mit den meisten Kreisverkehren ist Köln mit unglaublichen 125 Kreisverkehren absoluter Spitzenreiter, gefolgt von Stuttgart mit 73 Stück und Hamburg mit 55 Stück. Auch regional sind die runden Verkehrsführungen unterschiedlich vertreten. Einer Recherche des Zeitmagazins zufolge gibt es vor allem im Süden und im Westen Deutschlands besonders viele Exemplare.

Wer hat am Kreisverkehr Vorfahrt?

 

Die Vorfahrtsregeln sind im Paragraf 8 der Straßenverkehrs-Ordnung festgehalten. Vorfahrt haben immer die Verkehrsteilnehmer, die sich bereits im Kreisverkehr befinden. Anders als bei den nicht beschilderten kreisförmigen Knotenpunkten gilt demnach kein "Rechts vor links". Wer in den Kreisverkehr einfahren will, muss also den Fahrzeugen in der Kreisbahn Vorfahrt gewähren. Bei einer Behinderung der Vorfahrtsberechtigten wird ein Verwarngeld von 25 Euro riskiert. Liegt eine Gefährdung vor, kann die Polizei sogar 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg verhängen.

Muss ich auch Radfahrer vorlassen?

 

Die Vorfahrtsregeln gelten für alle Verkehrsteilnehmer. Befindet sich also ein Fahrradfahrer im Kreisverkehr, muss auch diesem die Vorfahrt gewährt werden. Mancherorts gibt es sogenannte begleitende Radwege. Das sind gesonderte Verkehrsführungen in weniger als fünf Metern Entfernung zum Kreisverkehr. Kreuzen sich die Wege eines ausfahrenden Autos und eines Radfahrers auf dem begleitenden Radweg, hat der Zweiradfahrer Vorrang. Doch wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. Hat der Radfahrer auf seiner Spur zum Beispiel ein "Vorfahrt achten"-Schild oder gar einen abgesenkten Bordstein, ist sein Vorfahrtsrecht außer Kraft gesetzt.

Wann muss ich blinken?

 

Bei der Einfahrt in den Kreisverkehr ist das Blinken nicht nötig und auch gar nicht erlaubt, denn so können gefährliche Situationen entstehen. Wer zum Beispiel seinen Blinker nicht rechtzeitig wieder ausstellen würde, würde den Wartenden an der nächsten Einmündung das Verlassen des Kreisels signalisieren. Ein Zusammenstoß wäre vorprogrammiert. Wer den Kreisel tatsächlich wieder verlassen will, ist verpflichtet, rechts zu blinken. Und das rechtzeitig, damit einfahrende Verkehrsteilnehmer frühzeitig informiert sind. Bei Missachtung drohen sonst zehn Euro Verwarngeld.

Haben Fußgänger beim Ein- und Ausfahren in den Kreisel Vorrang?

 

Solange Fußgänger keinen gesonderten Übergang, zum Beispiel in Form eines Zebrastreifens, haben, gilt nur in eine Richtung Vorrang für sie. Nämlich dann, wenn ein Fahrzeug den Kreisverkehr verlässt. Auf den Kreisverkehr zufahrende Fahrzeuge müssen Fußgänger nicht unbedingt vorlassen. Sie haben jedoch eine besondere Sorgfaltspflicht und sollten lieber Rücksicht nehmen, anstatt auf ihrem Recht zu beharren.

Darf ich im Kreisverkehr halten oder parken?

 

Im Kreisverkehr anzuhalten oder zu parken ist grundsätzlich nicht erlaubt. Bei unnötigem Halten kann ein Verwarngeld 10 bis 15 Euro betragen. Ein verbotenes Parken im Kreisverkehr kann hingegen, bei einer Behinderung des Verkehrs, mit bis zu 25 Euro bestraft werden.

Wie verhalte ich mich in mehrspurigen Kreiseln richtig?

 

In mehrspurigen Kreisverkehren darf jeder seine Fahrspur frei wählen. Wer den Kreisel an der nächsten Ausfahrt schon wieder verlassen will, sollte sich sinnvollerweise schon zu Beginn an der äußeren Spur einfädeln. Wer erst später wieder rauswill, sollte ruhig die innere Spur wählen.


Hier muss jedoch immer beachtet werden, dass die äußere Spur Vorrang hat. Auch wenn ein mehrfaches Rundendrehen im Kreisel an sich nicht erlaubt ist: Kann der Spurwechsel nur mit einer Behinderung oder Gefährdung geschehen, sollte lieber noch eine Ehrenrunde gedreht werden. Beim Spurwechsel von innen nach außen muss dann ebenfalls der Blinker betätigt werden. Zusätzlich, aber in Deutschland bisher eher selten, gibt es die sogenannten Turbokreisverkehre. Sie sind in der Mitte nicht kreisrund, sondern eher oval angelegt. Bei diesen mehrspurigen Verkehrsführungen muss sich jeder bereits vor der Einfahrt richtig einordnen. Auf diese Weise werden die Spurwechsel überflüssig.

Gelten die gleichen Regeln auch im Ausland?

 

Gerade im europäischen Ausland gibt es ebenfalls viele Kreisverkehre. Aber nicht überall gelten die gleichen Regeln. Während in Ländern wie der Schweiz, Spanien, Portugal und Polen auch die im Kreisverkehr befindlichen Fahrzeuge Vorfahrt haben, gilt in Ländern wie Frankreich und Italien rechts vor links. Die Verkehrsschilder zu beachten ist hier ganz wichtig, denn teilweise werden die Regeln wieder aufgehoben.


Vor allem in Großbritannien ist höchste Konzentration geboten. Aufgrund des Linksverkehrs fährt man dort im Uhrzeigersinn in den Kreisel. Auch die Blinkregeln sind leicht abgewandelt: Wer an der ersten Ausfahrt wieder abfahren will, blinkt von Anfang an links. Wer die zweite Ausfahrt nehmen will, blinkt erst kurz davor links. Wer die dritte Ausfahrt nimmt, blinkt rechts, ordnet sich innen ein und blinkt dann beim Ausfahren links.


Großbritannien ist überdies für seine sogenannten "Magic Roundabouts" bekannt. Diese magischen Kreisverkehre sind Konstrukte, bestehend aus einem großen Kreisel und daran angeschlossenen kleinen Kreisverkehren. In Swindon, im Süden Englands, wird auf diese Weise zum Beispiel der Verkehrsfluss von insgesamt fünf aufeinandertreffenden Straßen geregelt.


Grundsätzlich ist es in jedem Fall ratsam, sich vor der Einreise über die jeweiligen Vorschriften im Ausland zu informieren. Und in unsicheren Situationen hilft nur eins: defensiv fahren.

Sind Kreisverkehre wirklich sicherer und vermeiden Unfälle?

 

Ja, sowohl inner- als auch außerorts gelegene Kreisverkehre bieten ein Sicherheitsplus gegenüber den üblichen Ampelkreuzungen. Untersuchungen im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV) haben das nachweislich ergeben.


Durch die im Kreisverkehr nur eine geltende Fahrtrichtung und die automatisch geringeren Geschwindigkeiten entstehen im Vergleich mit einer Kreuzung deutlich weniger Konfliktpunkte. Auto- und Zweiradfahrer müssen nicht den restlichen Verkehr, Fußgänger und Radfahrer gleichzeitig beachten, sondern immer nur nacheinander.


Laut der Studie gibt es jedoch eine Gruppe, für die das Sicherheitsplus nicht immer gilt – Radfahrer. Vor allem dann, wenn diese auf umlaufenden Wegen unterwegs sind und ihre Vorfahrtssituation nicht klar geregelt ist. Deshalb empfehlen die Unfallforscher einen Mischverkehr im Kreisel als sicherste Radverkehrsführung.