Deutschland:

Lüneburger Heide – Mühlen und Schnucken

29.03.2018

Wo friedlich die Heideschafe grasen und die Erika blüht, mag man es sich gut gehen lassen: eine Entdeckungsreise durch den Süden der Heide.

Ohne jede Regung liegt der See unter dem Morgendunst. Lichten sich für einen Moment die Nebelschwaden, spiegeln sich die Bäume am gegenüberliegenden Ufer auf der Wasseroberfläche. Enten nisten im Schilf. „Wo es wimmelt vom Heiderauche“ – wenn die Gedichtzeile von Annette von Droste-Hülshoff irgendwo Gestalt annimmt, dann hier. Wacholderbüsche wechseln mit Sonnenblumenfeldern, rot leuchten die Ebereschen. Seit langem zählt die Südheide zu den beliebtesten Ferienzielen. Wanderer streifen durch die Natur, Radfahrer nutzen das großflächig angelegte Wegenetz. Nur einen Katzensprung von Hannover und Braunschweig entfernt hat sich die Heide die Abgeschiedenheit des einstigen Zonenrandgebietes bewahrt.

Das Mühlenmuseum in Gifhorn zeigt Mühlen aus aller Welt

Unzählige Mühlen üben einen besonderen Reiz entlang der weit verzweigten Mühlenstraße aus. Zum Teil können sie besichtigt werden. Auf jeden Fall sollte man das Internationale Mühlenmuseum in Gifhorn besuchen, wo Nachbauten von 14 Mühlen aus elf Ländern zu entdecken sind. Dabei wurden Mühlen nicht des schönen Aussehens wegen errichtet. Ob zum Mahlen von Mehl, Schrot und Grütze oder zum Be- und Entwässern des umliegenden Landes – über Jahrhunderte wurden so die Kräfte der Natur in Energie umgewandelt.

Der Heilige Hain ist eine unberührte Heidelandschaft

Einen Eindruck von der Ursprünglichkeit, aber auch von den Tücken der sumpfigen Landschaft bekommen wir im Weißen Moor, das naturbelassen wie ein verwunschener Ort wirkt. Friedlich wirkende Stille dagegen umfängt uns rund um Betzhorn, eines der wenigen als Rundling angelegten Dörfer Norddeutschlands. Ganz in der Nähe bittet der Heilige Hain zum andächtigen Genuss der unberührten Heidelandschaft. Die endlosen Sandwege sind auch mit dem Rad zu bewältigen, Eilige entscheiden sich für eine der häufig angebotenen Kutschfahrten. Nicht fehlen darf natürlich ein Blick auf das Denkmal für den Heidedichter Hermann Löns, der die Heide so stimmungsvoll in Worte fasste, dessen deutsch-nationale Gedanken aber im Dritten Reich für Propagandazwecke vereinnahmt wurden.

Otter, Dachse und Marder tummeln sich in Hankensbüttel

Wald und Ackerland wechseln in schneller Abfolge, lang gestrecktes Buschwerk trennt die Felder. Dicht und grün bildet das Blätterdach der Bäume kilometerlange Laubengänge – wo gibt es noch schönere Alleen? Naturverbundenen Mobilisten hüpft hier das Herz. Kunstliebhaber hingegen kommen in Isenhagen auf ihre Kosten. Das dortige Kloster beherbergt neben dem sehenswerten Klostergarten mittelalterliches Mobiliar und zwei Flügelaltäre aus dem 14. Jahrhundert. In unmittelbarer Nachbarschaft wartet das Museum für mittelalterliche Textilkunst mit sehenswerten Exponaten auf. Ganz lebendig dagegen geht es im nahe gelegenen Otterzentrum zu. Im Land der Otter, Dachse und Marder kann man prima mit der Familie auf Entdeckungsreise gehen. Denn im Otterzentrum Hankensbüttel erfahren Groß und Klein vieles über den Lebensraum der possierlichen Tiere. Das sechs Hektar große Freigelände bietet ideale Bedingungen zum Entdecken der Natur und des Lebens vor unserer Haustür. Die Fütterungen der Otter und Marder sind besonders beliebt.

Schau-Bauernhäuser und Museumsdörfer

Die Geschichte des Landstrichs wird großgeschrieben, Bauernhausmuseen laden zum Verweilen ein – ob in Winsen an der Aller, bei Bergen oder in Wietzendorf. Wer für ein paar Stunden aus der Zeit fallen möchte, sollte den Besuch im Museumsdorf Hösseringen nicht missen. Höfe, Scheunen und Werkstätten wurden hier wieder aufgebaut, das älteste Gebäude ist fast 450 Jahre alt. Das Leben von Groß- und Kleinbauern ist ebenso plastisch dokumentiert wie die Entwicklung des landwirtschaftlichen Handels und verschiedener Gewerke. Und auf dem Heideentdeckerpfad blöken die Heidschnucken. Gut eingezäunt übrigens – seit einiger Zeit leben wieder Wölfe in der Region.

Friedensreich Hundertwasser schuf den Bahnhof in Uelzen

Nicht weit entfernt lässt sich eine der bemerkenswertesten Bahnstationen der Welt entdecken. Im von Friedensreich Hundertwasser umgestalteten Hauptbahnhof von Uelzen sind gerade Linien gegen rundes Mauerwerk im Einklang mit der Natur getauscht. Apropos Natur: Dem kargen Land ist heute kaum anzusehen, dass das schwarze Gold unter dem Gifhorner Trog einst ein regelrechtes Ölfieber auslöste. 80 Prozent des deutschen Öls wurden um 1910 am Rande der Heide gefördert. In Wietze erinnert das Deutsche Erdölmuseum an den Abbau des ölhaltigen Sandes.

Auch an anderen Orten wird Geschichte lebendig gehalten. Vom heutigen Fliegerhorst Faßberg aus starteten während der Berlin-Blockade alle 90 Sekunden die Rosinenbomber und brachten täglich den Inhalt von bis zu 400 Güterwaggons in die Westsektoren. Ein Stopp am Luftbrückenmuseum lohnt. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte rückt in der Gedenkstätte von Bergen-Belsen ins Bewusstsein. Eine mahnende Erinnerung an Hunderttausende Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, die hier unter fürchterlichen Bedingungen lebten und starben.

Gedenkstätte für das Zugunglück in Eschede

Mitten in der Südheide liegt Eschede. Aus der Johanniskirche, die für ihren hölzernen Glockenturm bekannt ist, dringt Orgelmusik. Am Ortsrand erinnert eine Gedenkstätte an das ICE-Unglück von 1998, im Bahnhof informiert ein Infozentrum über den Naturpark Südheide. Nicht weit entfernt liegt die einstige Garnisonsstadt Celle, die nicht nur wegen der vielfältigen Fassadengestaltung beeindruckt. Der Pranger vor dem Alten Rathaus ist Kunst und erinnert an die restriktiven Methoden, die einst gang und gäbe waren.

In Munster klappert die Mühle am rauschenden Bach

Selbst wenn die alten Mühlen längst nicht mehr in Betrieb sind, bleiben sie fester Bestandteil im Orts- oder Landschaftsbild. Mitten in Munster gehört die klappernde Mühle am rauschenden Bach tatsächlich noch zum Alltag. Gemahlen wird allerdings nur noch zu besonderen Anlässen. Winsen an der Aller hat die urkundlich erstmals 1589 erwähnte Bockmühle zum Wahrzeichen des Ortes erklärt. Und in Müden findet um die Wassermühle, die inzwischen als Touristeninformation dient, alljährlich ein Mühlenfest statt.

Sanft streicht der Wind durch das rot leuchtende Heidekraut. Ein Wegweiser gibt die Richtung zum nächsten Landgasthof vor. Am Abend legt sich Dunst über das weite Land, Heiderauch wimmelt zwischen dem Ginster. Ein schönes Fleckchen Erde für Genießer – und Entdecker.

Touristische Informationen

Anreise: Die Südheide ist von Norden kommend über die A7 erreichbar. Von Süden und Osten bietet sich die A2 an. Die Fernbahnhöfe Celle und Uelzen haben IC-Anschluss.

Schlemmen: Empfehlenswert ist ein Braten von der Heidschnucke, der mit Speck- oder Butterbohnen gereicht wird. Wildgerichte stehen ebenso wie Sauerfleisch auf der Speisekarte. Für zwischendurch bieten sich Griebenschmalzbrote und die vielfältigen Wurstspezialitäten an. Heidelbeeren kommen bei Desserts und auf Pfannkuchen zu Ehren. Wer beim Kuchen auf die Sahne verzichten kann, sollte vom Butterkuchen kosten.

Schlafen: Zimmerangebote gibt es in allen Preiskategorien. Campern steht ein dichtes Netz an Camping- und Wohnmobilstellplätzen zur Verfügung.

Informationen:Tourist-Information in Gifhorn, Marktplatz 1, Tel. 0 53 71/93 78 80; Tourist-Information in Uelzen, Herzogenplatz 2, Tel. 05 81/8 00 61 72; Tourist-Information in Celle, Markt 14–16, Tel. 0 51 41/90 90 80