Europa:

Mittelkärnten – Historie und Genuss

25.04.2017

Wunderschöne Oldtimer, Burgen und Museen – die Region Mittelkärnten lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein und verwöhnt mit ganz besonderen kulinarischen Köstlichkeiten.

Der Blick aus dem Autofenster ist atemberaubend. Während der Fahrt nach Österreich ziehen die Alpen, herrliche Täler und Seen an uns vorbei. Schnell macht sich ein Gefühl von Leichtigkeit und Erholung breit. Unser Weg führt, vorbei an beeindruckenden Naturgewalten, in die Region Mittelkärnten.

Unser Ausgangspunkt ist das idyllische Metnitztal. Wer hierher kommt, genießt seinen Urlaub mit allen Sinnen. Denn neben einer intakten Naturlandschaft, die zum Wandern und Mountainbiken einlädt, unternimmt der Gast eine Zeitreise in historische Orte, die sich noch viel von ihrem mittelalterlichen Charme bewahrt haben. Und natürlich trumpft Mittelkärnten mit kulinarischen Spezialitäten auf, denn es wird sehr großen Wert auf regionale Produkte gelegt.

Friesach ist die älteste Stadt in Kärnten

Als Oldtimerliebhaber führt unser erster Ausflug ins beschauliche Sankt Salvator, dort gibt es, angeschlossen an das Landhotel Seppenbauer, ein Automuseum. Hier kann die private Fahrzeugsammlung von Gerhard Porsche bestaunt werden. Der Enkel des Porsche-Firmengründers Ferdinand Porsche ist zwar selbst seit vielen Jahren Landwirt in Österreich, doch in den mittlerweile zwei Museumsgebäuden lebt seine Leidenschaft für motorisierte Gefährte weiter. Unter den Schmuckstücken der Oldtimer-Sammlung von Gerhard Porsche befinden sich, vom mit Swarovski-Kristallen veredelten Käfer bis hin zum Rolls Royce samt Whiskey-Bar, Autos der unterschiedlichsten Marken aus den Jahren 1900 bis 1970. Auch eine einzigartige Sammlung von Vespa-Rollern, Motorrädern und Traktoren regen zu einer technischen Zeitreise an. Nur zehn Minuten entfernt, geht es noch weiter zurück in der Geschichte, nämlich bis in das Mittelalter. Die älteste Stadt Kärntens, Friesach, hat nicht nur drei Burgen aus alten Zeiten. Ganz aktuell wird dort noch eine weitere Burg gebaut. Seit dem Jahr 2009 arbeiten rund 30 Handwerker an dem auf 40 Jahre ausgelegten Erlebnis-Projekt.

Eine Baustelle, auf der man vergebens nach modernen Gerüsten und Geräten sucht. Hier leben die alten handwerklichen Berufe weiter und machen diesen ungewöhnlichen Bauplatz von April bis Ende Oktober zu einem wahren Touristenmagneten. Da gibt es Steinmetze, Steinsetzer, Mörtelmischer und Korbflechter. Zimmermänner sorgen zudem für die Versorgung mit Wasser, indem sie hohe Gerüste und Wasserleitungen aus Holzstämmen anlegen. Im Takt klingen die Geräusche ihrer Werkzeuge und der Duft von Rauch liegt in der Luft, denn auch Schmiede verrichten hier ihre mühselige Arbeit.

Wachs war im Mittelalter ein teures Gut

Allein der harten Arbeit zuzusehen, macht schon hungrig. Im gemütlichen Wachsstub`n Café bei Isabella Marx locken Jausen oder die berühmten Kärntner Kasnudeln, mit Quark und brauner Minze gefüllte Teigtaschen. Und das alles in mittelalterlichem Ambiente. Früher diente das Gebäude als Getreidespeicher der Stadt, heute ist hier, neben dem Café, eine Museumswerkstatt zum Thema Wachs beheimatet. So lernen Besucher vom als Blutrichter verkleideten Museumsführer, dass der mittelalterliche Beruf des Imkers Zeidler hieß und die Bienen dafür in ausgehöhlten Bäumen angesiedelt wurden. Wachs – heute für jeden erschwinglich, war im Mittelalter sehr wertvoll. Bis zu 300 Jahre alte Exponate lassen sich hier bestaunen und gleichzeitig gibt die Vorführung des Wachsziehens eine Vorstellung davon, wie diese wertvollen Wachsstöcke entstanden.

Friesacher Honig wird auch in Eis und Schkolade verarbeitet

Friesacher Honig auf ganz delikate Art zubereitet ist in der Schokoladenmanufaktur Craigher zu probieren – in den handgefertigten Schokoladen, Torten und Eissorten. Und auch hier gibt es den Bezug zur Geschichte, denn den Friesacher Pfennig, das Zahlungsmittel des 13. Jahrhunderts, bieten Barbara und Dieter Craigher als Schokoladenversion an. Die Familie blickt bereits auf eine hundertjährige Tradition zurück. Neues ist aber kein Fremdwort. Seit wenigen Monaten können Besucher in die Erlebniswelt der süßen Köstlichkeit eintauchen und zuschauen wie die Schokolade entsteht oder Seminare zur Herstellung besuchen.

Ein weiteres Kärntner Traditionsprodukt begeistert Liebhaber von Hopfen und Malz, denn die kommen bei einer Führung durch die Hirter Privatbrauerei auf ihre Kosten. Im Jahr 1270 wurde in Hirt das erste Bier gebraut. Ganze 24 eigene Quellen mit weichem Wasser unterstützen den Brauvorgang der insgesamt 16 Sorten. Zum Schluss folgt dann natürlich die heiß ersehnte Probierrunde im angeschlossenen Biergarten und weil die Brauerei auch alkoholfreie Getränke wie das Malzmandl herstellt, dürfen selbst die Kinder mit gutem Gewissen genießen.

Burg Hochosterwitz im Kärntner Glantal ist niemals erobert worden

Kulinarisch gestärkt zieht es uns Zeitreisende weiter in Richtung Süden, denn im Glantal wartet im wahrsten Sinne des Wortes ein Höhepunkt. Aus der flachen Ebene erhebt sich ein 150 Meter hoher, massiver Felskegel. Rund herum und vor allem hoch oben thront die Burg Hochosterwitz. Ein Witz ist diese Festung aber keinesfalls. Das beeindruckende Anwesen wurde im Jahr 860 erstmals urkundlich erwähnt und verzeichnet eine Bauzeit von lediglich 16 Jahren. Das lässt erahnen, wie viele Arbeiter an diesem Bau tätig gewesen sein müssen. Auf dem mühsamen Weg zum Gipfel ist die Burg durch sage und schreibe 14 Tore, samt eigenen Verteidigungsanlagen, gesichert. Sie machen schon den Aufstieg zu einem Erlebnis und bewirkten, dass die Festung in ihrer langen Vergangenheit nicht ein einziges Mal erobert werden konnte – auch nicht während der Angriffe der türkischen Völker im 15. Jahrhundert. Wer es nach ganz oben schafft, wird mit einem atemberaubenden Ausblick, weit über das Tal hinaus, belohnt. Eine Führung vorbei an der Sammlung alter Waffen und der Armada von Ritterrüstungen lässt die alten Zeiten noch einmal aufleben und es wird klar: Viele Sprichwörter wie „Das könnte ins Auge gehen“ haben ihren Ursprung bereits im Mittelalter. Nur mit dem Unterschied, dass der Speer damals tatsächlich durch die praktische, aber gefährliche Helmöffnung ins Auge gehen konnte.

Der Speckbirnen Schaumwein ist eine regionale Spezialität

Nach trockener historischer Kost melden unsere Gaumen erneut Appetit an. Kein Problem, denn der Rückweg führt an Sankt Georgen, der größten Weinbauregion Kärntens, vorbei. Der Speckbirnen Schaumwein, der Burgunder Cuvée, der Chardonnay, der Pinot Noir – am besten kombiniert man die feinen Tropfen mit einem Menü im Restaurant Rathhaus. Das mit zwei Gault & Millau-Hauben ausgezeichnete Gasthaus verwendet nur frischeste Zutaten aus dem eigenen Garten und von umliegenden Bauern. Ein guter Ort, den Geschmack von Mittelkärnten noch einmal mit allen Sinnen zu genießen – bevor uns der Weg vorbei an Alpen, Tälern und Seen wieder zurück nach Deutschland führt.

Touristische Informationen

Anreise: Über die A8 bis zum Grenzübergang Bad-Reichenhall. Weiter über die A1 und die A10 bis St. Michael im Lungau. Auf Autobahnen in Österreich sind Vignetten vorgeschrieben. Weiter über die Bundesstraßen 96, 95 und 97 bis Stadl an der Murr, weiter über Landstraßen.

Unterkünfte:Landhotel Seppenbauer, Comfort Doppelzimmer ab 110 Euro die Nacht inklusive Frühstück sowie Eintritt in den Fitness- und Wellnessbereich. Parkplätze und E-Tankstelle vorhanden. Oder: Winzerzimmer im Weingut Georgium direkt am Längsee ab 75 Euro pro Person und Nacht (Hauptsaison) inklusive Frühstück.

Sehenswert:Automuseum Seppenbauer, Burgbauplatz und Wachsstub`n Museum Friesach, Burg Hochosterwitz, St. Georgen am Längsee

Kulinarisches:Hirter Braukeller,Schokolatier Craigher, Restaurant Rathhaus im Georgium

Informationen: Tourismusregion Mittelkärnten, Hauptplatz 23, 9300 St. Veit an der Glan, Tel. 0043 4212 45608, Mail: office.tourismus@kaernten-mitte.at, Webseite: www.Kaernten-mitte.at