Motorrad:

Motorradsaison 2018 – Motorräder im Wandel

26.02.2018

Moderne Technologien kommen verstärkt auch bei Motorrädern zum Einsatz. Ein Ausblick auf neue Modelle und zukunftsweisende Entwicklungen.

Talfahrt auf dem Motorradmarkt? Weit gefehlt. Sicher ist die Anzahl der 2017 neu zugelassenen Motorräder um 14 Prozent gesunken, Leichtkrafträder und Roller gaben sogar um etwa ein Drittel nach. Doch haben sich damit die Motorradverkäufe eher wieder auf das Niveau von 2015 eingependelt. Die Anfang 2017 eingeführten Voraussetzungen der Euro-4-Norm hatten gegen Ende des Vorjahres zu massiven Abverkäufen geführt, so mancher nutzte Gelegenheit und Schnäppchen. Verbunden mit der Umstellung auf umweltfreundlichere Motoren und ABS war allerdings auch ein umfangreicher Modellwechsel. Für 2018 hält sich die Zahl der wirklichen Neuerscheinungen deshalb in Grenzen, stattdessen wird über alle Markengrenzen hinweg Modellpflege betrieben.

Geringeres Gewicht gleicht die fehlende Leistung aus

Trends und neue Hingucker gibt es dennoch. Hatte man in den vergangenen Jahren den Eindruck, dass selbst Einsteigermodelle mit mindestens 750 Kubik befeuert werden müssen, wächst inzwischen ein sichtbarer Markt an kleinvolumigen Modellen heran. Die fehlende Leistung aber wird durch das eingesparte Gewicht mehr als aufgehoben. So bringt Kawasaki mit der 400er Ninja eine Maschine in die Läden, die fahrfertig mit nur 168 Kilo angegeben ist. 45 PS stark und 100 Kubik größer als ihre Vorgängerin verspricht der kleine Zweizylinder Fahrspaß, der nicht nur Kraftanstrengung wird. Zudem die Sitzhöhe bei schwerpunktfreundlichen 785 Millimetern liegt.

Klein und stark kann auch Husqvarna mit seiner Vitpilen-Reihe. 44 PS leistet der Einzylinder der 401, das Leergewicht wird mit 148 Kilo angegeben. Für 6295 Euro ist die futuristisch gestylte Maschine zu erwerben. Die nur neun Kilo schwerere große Schwester 701 setzt ebenfalls auf einen Viertakt-Single, leistet 75 PS und muss nur alle 10.000 Kilometer zum Service in die Werkstatt. Der Preis wird bei 9895 Euro liegen.

Neue Modelle von Honda und Harley Davidson auf dem deutschen Markt

Die Honda Super Cub ist mit 100 Millionen Einheiten das meistverkaufte Motorfahrzeug der Welt. 2018 soll der simple Roller nun auch nach Deutschland kommen. Nachdem er seine Belastbarkeit in vielen Teilen der Welt unter Beweis gestellt hat, soll er im ursprünglichen Retrodesign, aber mit moderner Technik, als günstiger Allrounder für den Stadtverkehr offeriert werden. Das andere Ende der Skala markieren die großen Luxustourer, die übrigens als Einzige im vergangenen Jahr Verkaufszuwächse verbuchen konnten. Der Leitsatz „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen außer durch mehr Hubraum“ findet hier seine Umsetzung. Erst einmal in limitierter Auflage bringt Harley-Davidson den Tourer CVO Street Glide auf den deutschen Markt. Der bislang hubraumstärkste Harley-Motor wurde von Screamin’ Eagle entwickelt und bringt es auf 1923 Kubik sowieauf ein Drehmoment von 166 Nm. Mit 39.595 Euro liegt allerdings auch der Preis auf hohem Niveau.

Fahrassistenzsysteme setzen sich in allen Segmenten durch

Im Segment der Supersportler wartet Ducati einmal mehr mit Überraschungen auf: Die Panigale V4 holt 214 PS aus 1103 Kubik Hubraum, dazu finden sich mannigfaltige elektronische Helfer. Serienmäßig finden sich neben verschiedenen Fahrmodi, Kurven-ABS und Traktionskontrolle auch Slide und Wheelie Control sowie einiges mehr. Das alles bei 24.000 Kilometer auseinanderliegenden Serviceintervallen und einem Preis von ab 21.990 Euro.

Fanden sich bislang Fahrassistenten hauptsächlich bei Modellen aus dem Sportbereich, setzen sie sich mittlerweile auch in anderen Segmenten durch. Allen voran erweisen sich hier die großen Tourenmaschinen als Trendsetter. Triumph stattet die neue Speedmaster mit verschiedenen Fahrmodi, Tempomat und abschaltbarer Traktionskontrolle aus. BMW bietet für mehrere Modelle Fahrassistenzsysteme an.

Unterwegs auf drei Rädern

Schon seit zwölf Jahren stellt Piaggio mit dem MP3 unter Beweis, dass Kraftroller auch gut auf drei Räder unterwegs sein können. Inzwischen setzt auch Peugeot mit dem Metropolis 400 auf die Konfiguration von einem Hinterrad und zwei Vorderrädern. Jetzt schickt sich Yamaha an, das Konzept der Neigetechnik auch im Motorradbereich zu etablieren. Noch 2018 soll die 850er Niken kommen, ausgestattet mit einem 115 PS starken Dreizylinder, voll einstellbarem Fahrwerk und doppelter Upside-down-Vorderradgabel.

Noch nicht serienreif, aber bereits in einem Prototyp vorgestellt ist der „Moto Riding Assist” von Honda, der dazu führt, dass das Motorrad nicht umkippen kann. Darüber hinaus ist das Fahrzeug in der Lage, selbstgesteuert einer vorausgehenden Person im Schritttempo zu folgen. Die Studie wird kein Abbild kommender Modelle sein, zeigt aber die Möglichkeiten künftiger Technologien auf.

Assistenzsysteme sorgen für mehr Sicherheit

Im Pkw-Bereich werden die Möglichkeiten der Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation (V2V) von vielen Herstellern intensiv erforscht, die elektronische Deichsel für Lkw befindet sich bereits im Versuchsstadium. Befürchtungen, Motorräder könnten bei dieser Entwicklung übersehen werden, erweisen sich jedoch als unbegründet. Schon im Jahr 2016 gründeten BMW, Honda und Yamaha ein Konsortium, um herstellerübergreifend Standards zur Anwendung kooperativer Sicherheitssysteme zu schaffen. Wie nah die V2V-Technologie an der Serienreife ist, stellt nun BMW mit der Studie der R 1200 RS Connected-Ride unter Beweis. An Bord sind unter anderem Kreuzungs- und Linksabbiegeassistenten zur Unfallvermeidung zwischen einem Motorrad und einem Pkw. Bei einer voraussichtlichen Vorfahrtsmissachtung werden dabei sowohl der Motorradfahrer als auch andere Verkehrsteilnehmer gewarnt.