Motorrad:

Motorradsicherheit – ABS und andere Helfer

01.05.2016

Die Knautschzone, wie sie beim Auto vorhanden ist, gibt es beim Motorrad nicht. Welche Sicherheitssysteme den Biker aber unterstützen können, zeigt diese Übersicht.

Antiblockiersystem

 

Das ABS wie man es aus dem Auto kennt, wurde auch in der Motorradwelt schon in den 80er-Jahren eingesetzt. In den neu zugelassenen Motorrädern wird es nun flächendeckend und hersteller-übergreifend verbaut. Ab 2016 ist ABS nämlich gesetzlich vorgeschrieben. Konkret verhindert das System, dass die Räder bei starkem Bremsen blockieren und das Fahrzeug dadurch unkontrolliert rutscht. Beim Motorrad, mit nur zwei Rädern, ist das besonders hilfreich. Auf diese Weise vermindert sich das Risiko schwerer Stürze erheblich.

Dynamisches Bremslicht

 

Das dynamische Bremslicht ist ein vom Hersteller BMW weiterentwickeltes Bremslicht. Der nachfolgende Verkehr wird damit in zwei Stufen vor einer starken Bremsung und vor einer Gefahrbremsung gewarnt.


In Stufe eins blinkt die Bremsleuchte mit einer Frequenz von  fünf Hertz, ausgelöst durch eine Verzögerung aus Geschwindigkeiten von über 50 km/h. Wird mit der Bremsung nahezu Stillstand erreicht, schaltet sich im zweiten Schritt die Warnblinkanlage hinzu. Diese geht erst wieder aus, wenn das Motorrad erneut Geschwindigkeiten von mindestens 20 km/h erreicht. In den folgenden Modellen ist das dynamische Bremslicht ab dem Modelljahr 2016 erhältlich: R 1200 GS, R 1200 GS Adventure und S 1000 XR. In den Luxustourern K 1600 GT, GTL und GTL Exclusive ist die Ergänzung ab diesem Jahr serienmäßig verbaut.

Licht

 

Eine gute Sicht ist in Sachen Sicherheit unerlässlich. Fast alle Hersteller bieten daher auch für Motorräder LED-Lichteinheiten an und das Zubehör-Angebot macht ein Nachrüsten ebenfalls möglich. Außerdem hilfreich sind Kurvenlichter, deren Lichtkegel nicht aus der Kurve "herausfallen", sondern die eigene Fahrlinie ausleuchten. Beim Motorrad kommt es zusätzlich auf das Ausgleichen des Lichtes beim Ein- und Auftauchen der Federgabeln an.


Um im allgemeinen Tagfahrlichtverkehr als Motorradfahrer nicht übersehen zu werden, sind seit einigen Jahren Positionsleuchten, zusätzlich zum Abblendlicht, erlaubt. Diese sind in die Blinker integriert und dürfen auch gelb sein. Ihre Leuchtkraft ist nicht ganz so stark wie die des Blinkers selbst. Dieser wird beim Abbiegen einfach zugeschaltet. Der Hersteller Honda verbaut zum Beispiel diese Form der Positionsleuchten in einigen seiner Modelle, unter anderem in der aktuellen Africa Twin.


In einer Machbarkeitsstudie hat der Hersteller BMW das Model K 1600 GTL mit Laserlicht ausgestattet. Dieses helle und reinweiße Licht ist sehr wartungsarm und erzeugt Fernlichtreichweiten von bis zu 600 Metern. Noch ist die Technologie zu teuer, doch wenn sie erst einmal großflächig in der Automobilbranche vertreten ist, wird sie sicherlich auch für das Motorrad serienreif.

Motorrad-Stabilitätskontrolle

 

Die sogenannte Motorrad-Stabilitätskontrolle, kurz MSC, vereint sämtliche elektronische Fahrhelfer. Sie kann auch als Kurven-ABS bezeichnet werden, denn sie unterstützt zusätzlich beim Bremsen in Schräglage. Entwickelt wurde sie von Bosch, zuerst eingebaut von KTM im Jahr 2014. Mithilfe von Sensoren erfasst das System Fahrdaten wie zum Beispiel die Raddrehzahlen, die Schräglage, den Nickwinkel, die Beschleunigung und den Bremsdruck. Damit kann nicht nur das Blockieren der Räder beim Bremsen verhindert werden, sondern auch das Durchdrehen des Antriebsrads, das Wegrutschen in Kurven sowie das Abheben des Hinterrads beim Bremsen und das Aufsteigen des Vorderrads beim Beschleunigen. In der Kurve wird über die geregelte Verteilung der Bremskraft außerdem das Aufstellmoment, also das ungewollte Aufrichten der Maschine, minimiert.


Alles in allem ein echter Sicherheitsgewinn. Ein Freifahrtschein für überhöhte Geschwindigkeiten ist dieses Sicherheitssystem jedoch nicht, denn physikalische Grenzen kann auch das nicht außer Kraft setzen.

Reifendruck-Kontroll-System

 

Wie heißt es so schön: Die Reifen sind die einzige Verbindung zur Straße. Deshalb sollte auch regelmäßig kontrolliert werden, ob der Luftdruck stimmt. Zu viel oder auch zu wenig Luftdruck kann fatale Folgen für die Fahrstabilität und die Sicherheit haben. Pkw und Wohnmobile ab Erstzulassung November 2014 müssen deshalb über ein Reifendruck-Kontroll-System (RDKS) verfügen.
Für Motorräder ist das bisher nicht verpflichtend, im Handel gibt es aber RDK-Systeme zum Nachrüsten. Manche Hersteller, wie zum Beispiel BMW, haben solche Systeme auch selbst im Programm. Dabei werden Sensoren an den Ventilen befestigt, die dann die Reifendruck-Informationen an ein Display oder direkt ins Cockpit senden. Ein praktisches System für die, die nicht alle zwei Wochen manuell den Luftdruck prüfen möchten. 

Sicherheitsausrüstung

 

Für den Fall der Fälle gibt es einige Zubehörartikel. Das Wichtigste ist natürlich die Schutzbekleidung. Ob Leder- oder Textilkluft, eine zusätzliche Haut verhindert oder vermindert zumindest schwere Verletzungen. Für den besonderen Schutz des Oberkörpers gibt es zusätzlich sogenannte Biker-Airbags im Handel. Diese Westen sind aufblasbar, werden über die Motorradjacke gezogen und entweder per Reißleine oder per Funk ausgelöst.


Für Letzteres muss ein Steuergerät fest am Motorrad montiert sein. Häufig passieren Unfälle, weil Motorradfahrer übersehen werden. Auf deutschen Straßen ist das Tragen einer Warnweste zwar keine Pflicht, für eine bessere Sichtbarkeit kann sie aber trotzdem von Vorteil sein.


Noch nicht serienreif, aber in der Entwicklung befindet sich außerdem ein Motorradhelm mit Head-up-Display. Vor dem rechten Auge hat dieser Helm von BMW eine Projektionsfläche, auf der individuell gewünschte Fahrdaten eingeblendet werden können. Über die Verbindung mit anderen Fahrzeugen sollen dann auch Gefahrenstellen über das Display aufgezeigt werden.

Totwinkel-Assistent

 

Nicht nur bei großen Fahrzeugen, wie Autos, Bussen und Lkw, ist der tote Winkel beim Spurwechsel ein Thema. Auch beim Motorradfahren ist der Schulterblick daher enorm wichtig, aber nicht immer so leicht zu machen. Ganz unterschiedliche Sitzpositionen und Einflüsse wie der Helm und das Halten des Lenkers können ihn erschweren. Der Totwinkel-Assistent ist eine von Bosch entwickelte Hilfe, die den Fahrer mit einem optischen Signal im Spiegel warnt, sobald sich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel befindet. Vier Sensoren, versteckt unter der Verkleidung, erfassen mit Ultraschalltechnik das Umfeld in bis zu fünf Metern Entfernung zum Motorrad. Aktiv ist der Totwinkel-Assistent bei Geschwindigkeiten zwischen 25 und 80 Stundenkilometern. Damit macht er vor allem den häufigeren Spurwechsel innerhalb von Städten sicherer.

 

ACE-Tipp

ACE-Sicherheitstraining: Für noch mehr Sicherheit beim Fahren bietet der ACE Fahrsicherheitstrainings speziell für Motorradfahrer an. ACE-Mitglieder zahlen, anstatt der regulären Trainingsgebühr von 100 Euro, nur 60 Euro.