E-Mobilität:

Nissan Leaf – der mit dem großen Absatz

24.10.2018

Das weltweit meistverkaufte Elektro-Auto gibt es mittlerweile in der zweiten Generation. Was macht er anders als die Konkurrenz? Fahrbericht des Nissan Leaf mit 40-kWh-Akku.

Geht es um Elektroautos, stehen zwei Autos häufig im Rampenlicht: Der Renault Zoe und der Nissan Leaf, beide aus dem Hause Renault-Nissan, beide Verkaufsschlager. Der Franzose verkauft sich in Deutschland am besten, der Nissan Leaf hat weltweit gesehen die Nase vorn. Pro Quartal verkaufen die Japaner mittlerweile über 25.000 ihres E-Autos.

Die zweite Generation des Elektroautos in klarem Nissan-Design

Seit Anfang des Jahres gibt es nun die zweite Generation. Sie ist viel gefälliger gestaltet. Während der Vorgänger eine gewöhnungsbedürftige Stupsnase und ein etwas schwulstiges Heck mit auf den Weg bekam, haben die Designer der zweiten Generation bekannte Elemente von Micra, Juke und Co. neu und gekonnt kombiniert. So ist jedem klar, hier kommt ein Nissan. Dass es sich um ein Elektroauto handelt, sieht man von außen dagegen eher nicht. Dabei sind Länge, Breite und Höhe nahezu gleich geblieben. Geändert haben sich aber wichtige Details unter dem Blechkleid. So ist der Akku jetzt 30 Prozent größer, fasst 40 kWh. Eine durchaus marktübliche Größe, die den Leaf nach WLTP 270 Kilometer weit bringen soll. In unserem Test waren es zumindest immer über 200 Kilometer.

Das hohe Drehmoment sorgt für eine zügige Beschleunigung

Auch beim Motor gibt es keine Überraschungen: Der Wechselstrom-Synchronmotor bietet 150 PS ab knapp 3300 Umdrehungen. Doch das sind Angaben aus Verbrenner-Zeiten. Tatsächlich liegen noch vor der ersten Umdrehung 320 Newtonmeter Drehmoment an. Ein Maximal-Wert, der in den 90er Jahren noch auf Sportwagen-Niveau lag. So beschleunigt der Leaf zügig in 7,9 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 144 km/h. Im Alltag genügt das vollkommen, nie fanden wir uns untermotorisiert, Zwischensprints für Überholmanöver sind immer drin und auch das Höchsttempo reicht locker. Es wird von den meisten Leaf-Besitzern wohl ohnehin nur selten ausgereizt, denn dann steigt der Stromverbrauch deutlich.

Verbrauch entspricht dem Energiegehalt von 1,5 Litern Diesel

Bei zurückhaltendem Fahrstil waren wir dagegen vom Verbrauch begeistert: In der Stadt gönnte sich der Leaf etwa 12,5 kWh pro 100 km aus dem Akku. Auf der Langstrecke mit großem Autobahnanteil waren es 14,5. Sensationelle Werte, entspricht das doch dem Energiegehalt von 1,5 Litern Diesel.

Das Bremspedal ist nur noch für Notbremsungen wichtig

Die größte Neuerung beim Fahren findet sich allerdings im sogenannten „e-Pedal“. Wer den Knopf in der Mittelkonsole drückt, kann den Leaf fast vollständig ohne Bremspedal fahren. Sobald der Fahrer den Fuß nämlich vom Gaspedal nimmt, rekuperiert – also bremst – der Leaf ziemlich kräftig. Das geschieht so vorhersehbar und gut dosiert, dass selbst E-Auto-Einsteiger innerhalb weniger Kilometer die neuen Tanzschritte auf dem Gaspedal draufhaben.

Die Wohlfühlatmosphäre leidet angesichts des Hartplastik-Looks

Im Innenraum überrascht die etwas hohe Sitzposition, was wohl an den im Fahrzeugboden verbauten Akkus liegt. Für groß gewachsene Menschen reicht auch die Sitzverstellung nicht. Darunter und unter den etwas billiger wirkenden Materialien leidet die Wohlfühlatmosphäre. Kritik gibt es für das veraltete Infotainment-System mit wenig Infos zu Verbrauch, Ladezustand (nur bei Zündung an) und verfügbaren Ladestationen. Überhaupt nichts auszusetzen gibt es dagegen beim Fahrverhalten. Die nun etwas schwereren Akkus sorgen dafür, dass der Leaf jederzeit satt auf der Straße liegt. Die straffe Federung passt zum direkten Lenkverhalten, nichts wirkt dabei synthetisch. So liegt das Erfolgsrezept des Nissan Leaf vielleicht darin, dass er aussieht wie ein konventionelles Auto und doch durch und durch E-Auto ist.

Nissan Leaf – Technische Daten (pdf)