Ratgeber:

OBD-Schnittstelle – Fehlerdiagnose selbst gemacht

01.02.2017

Was tun, wenn die Motor-Kontrollleuchte brennt? Einen Blick in den Fehlerspeicher zu werfen ist nicht schwer, kann aber Geld sparen.

An modernen Autos mit der vielen Elektronik kann doch nichts mehr selbst repariert werden – so lautet ein landläufiges Vorurteil, meist mit einer Prise Frust unterlegt. Dabei bietet die Elektronik doch auch eine Chance, denn nicht umsonst schreitet heute auch der Werkstattmeister zunächst mit Kabel und Stecker zur Diagnose.

On Board Diagnose hilft auch Laien

 

OBD (On-Board-Diagnose) heißt das Zauberwort und bezeichnet eine genormte Schnittstelle, über die relevante Fahrzeugdaten und auch Fehlerbeschreibungen abgerufen werden können. Der Hintergrund ist eigentlich ein Beitrag zum Umweltschutz: Weil man besonders in den Anfangstagen der Katalysatoren nicht davon ausgehen konnte, dass die Abgasreinigung immer und überall fehlerfrei arbeiten würde, wurde bereits 1988 im US-Bundesstaat Kalifornien ein integriertes Überwachungssystem für alle Benzinmotoren zur Pflicht.


Das bedeutet: Das Auto überwacht sich und im Besonderen alle abgasrelevanten Funktionen in der Motorsteuerung ständig selbst. Tritt ein Fehler auf, wird dies durch das Aufleuchten der Motor-Kontrollleuchte signalisiert. In Europa wurde dieses System als OBD-2 (auch EOBD genannt) für Benziner zusammen mit der Euro-3-Norm am 1. Januar 2001, und für Diesel-Pkw am 1. Januar 2003 verpflichtend eingeführt.


Seitdem befindet sich im Fahrzeuginneren eine 16-polige Buchse, an der auch Sie als Laie nicht nur abgasrelevante Daten, sondern inzwischen auch alle möglichen anderen Fahrzeugdaten abrufen können. Dazu braucht es nicht viel mehr als einen entsprechenden Adapter und einen Laptop oder auch ein Smartphone mit passender Software beziehungsweise einer App.

Selbst auslesen vermeidet Werkstattärger

 

Die OBD-Buchse befindet sich meistens in der Nähe der Lenksäule, wo genau, steht in der Bedienungsanleitung. Daran wird entweder ein sogenannter Dongle mit Bluetooth-Übertragung oder ein Stecker mit Kabel angeschlossen. Nach dem Einschalten der Zündung und Starten des Programms wird die Verbindung zur Motorsteuerung hergestellt und die Daten können ausgelesen werden. Im Stand ist das gefahrlos möglich, wobei die Möglichkeiten bei den für den Hobby-Bereich angebotenen Geräten eher beschränkt, aber deshalb nicht weniger nützlich sind.

 

Denn leuchtet die Motor-Kontrollleuchte, wurde auch in der Motorsteuerung ein Fehlercode gesetzt. Dabei werden auch die Betriebszustände erfasst, bei denen der Fehler aufgetreten ist. Die sogenannten Freeze-Frame-Daten sind eine wichtige Information für die Werkstatt.


Der Fehlercode selbst besteht laut Norm aus der Kombination von einem Buchstaben und vier Zahlen. Je nach Güte der Software werden diese international vereinheitlichten Fehlercodes als Zahl oder sogar gleich mit zugehöriger Fehlerbeschreibung in Reintext ausgegeben. So bedeutet zum Beispiel der recht häufige Fehlercode P0100 im Volltext: „Massen- oder Volumen-Luftmengenmesser Fehlfunktion“.


Die Werkstatt wird daraufhin den Luftmassenmesser tauschen und die Verkabelung prüfen. Kennen Sie den Fehler bereits, können Sie die Werkstatt im Vorfeld darauf vorbereiten oder aber, bei entsprechendem handwerklichen Geschick, den Fehler vielleicht sogar selbst beheben. Anschließend kann mit der handelsüblichen Software der Fehler auch gelöscht werden.

OBD-Anschluss sollte gut gesichert sein

 

Obwohl die OBD-Schnittstelle ursprünglich nur für die Überwachung der Abgassysteme gedacht war, geht heute mit den genormten Steckern noch viel mehr. Autohersteller nutzen den Anschluss auch für die Codierung und Freischaltung von Zusatzfunktionen. Im Prinzip lassen sich sämtliche Fahrzeugfunktionen, Steuergeräte und Anzeigen anzapfen. Das Senden von Daten über die OBD-Schnittstelle in das Auto hinein ist aber ein kritischer Punkt. Nicht umsonst sind die entsprechenden Protokolle bei kritischen Funktionen in der Regel sehr gut geschützt und nur mit Profi-Geräten beziehungsweise innerhalb der Werksorganisation zugänglich.


Dennoch wird der Zugang in das Innere eines Autos auch von Tunern genutzt, was unter Umständen schon nicht mehr legal sein kann. Auch Tachomanipulationen und sogar das Überlisten der Wegfahrsperre ist über die OBD-Buchse möglich. So ist der im Grunde sehr nützliche Anschluss Fluch und Segen gleichzeitig. Wer sich vor Missbrauch schützen will, kann neuerdings auch Abdeckkappen für die Buchse kaufen, die sich nur mit Gewalt oder dem passenden Schlüssel entfernen lassen.