26.01.2018

Oldtimerreifen – Reife Auswahl

Für die einen sind Autos nur Mittel zum Zweck. Andere investieren jeden Euro in ihr Schätzchen. Für Oldtimer-Liebhaber gibt es sogar Profile, die aussehen, als kämen sie aus den Anfangstagen der Automobilität.

Breitreifen auf einer Ente oder Weißwandreifen auf einem Porsche 911? Nein, das passt nicht – finden zumindest viele Old- und Youngtimer-Liebhaber. Und suchen deshalb für ihr Auto nach den passenden, also historisch korrekten Reifen. Selbst für manch einen Oldtimerfan klingt das nach einem Luxusproblem. Denn bis vor wenigen Jahren gab es auch für einstige Brot-und-Butter-Oldies wie den VW Käfer oder die oben erwähnte Ente (Citroën 2CV) kaum Auswahl. Doch die Oldtimerei boomt seit Jahren. Das haben auch die Reifenhersteller bemerkt und legen immer wieder neue, alte Serien auf. Sie bieten die Optik eines klassischen Reifens, greifen aber, was die Gummimischung angeht, auf den neuesten Stand der Technik zurück. Heraus kommen Reifen, die ihre historischen Pendants zum Teil deutlich übertreffen.

Angebot an Klassikreifen groß und teuer – bis 500 Euro kosten die Spezialfabrikate

„Ein spezieller Fall sind beispielsweise Reifen von Michelin“, berichtet Marcel Mühlich, Fahrzeugtechnik-Experte beim ACE. Als Citroën noch vor dem Zweiten Weltkrieg Konkurs anmelden musste, übernahm Michelin den Fahrzeughersteller. In der Folge wurden sowohl die Fahrwerke auf die Reifen als auch die Reifen an die Fahrzeuge angepasst. „Das merkt man beim Fahren deutlich“, so Mühlich weiter.

Die Hersteller lassen sich die Spezialreifen entsprechend bezahlen: Ab etwa 140 Euro gibt es Markenreifen, bis zu 500 Euro pro Stück rufen die Hersteller für die Pneus auf – Einzelanfertigungen können noch viel teurer werden. Trotzdem ist der Markt dieser Klassikerreifen in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass fast jeder große Reifenhersteller mittlerweile eine Klassiklinie aufgelegt hat. Und was es da inzwischen wieder alles gibt: Klassische Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen, Diagonal- und natürlich Radialreifen, Reifen mit Schlauch und schlauchlose Reifen, selbst historisch anmutende Offroad-Reifen, 12-Zoll-Reifen für den alten Mini und sogar Hartgummireifen auf Holzspeichen sind wieder erhältlich.

Doch trotz der gerade erwähnten Vielfalt gilt immer noch die Regel: Je älter und seltener das Fahrzeug, je ausgefallener die Bauart, desto schwieriger wird die Suche nach dem passenden Reifen. „Zwar ist die Versorgung insgesamt viel besser geworden“, so Mühlich weiter. „Doch der Oldtimer-Boom galt vor allem Fahrzeugen der späten 50er-, 60er- und frühen 70er-Jahre.“ Zuletzt nahm auch das Interesse an hochpreisigen und sportlichen Youngtimern aus den 80ern zu, beispielsweise dem Audi Ur-Quattro. Entsprechend sucht sich jeder Hersteller seine Nische, Pirelli hat sich beispielsweise auf alte Porsche und Sportwagen spezialisiert, von Vredestein gibt es auch klassische Offroad- und Transporterreifen und Dunlop deckt mit seinem Sport Classic fast die kompletten Top Ten der beliebtesten Oldtimer in Deutschland ab.

Auch Oldtimerreifen müssen regelmäßig gewechselt werden

„Gerade für Vorkriegsklassiker ist es dagegen weiter schwer, entsprechende Neuware zu bekommen“, gibt Mühlich zu bedenken. Doch auch bei diesen Reifen steht alle paar Jahre der Reifenwechsel an – allerdings in den seltensten Fällen wegen der Profiltiefe, sondern meist wegen des Alters. Zwar gibt es bei Reifen kein Verfallsdatum. Die Empfehlung lautet aber, genau wie beim Alltagsauto, spätestens nach zehn Jahren sollten die Reifen gewechselt werden. Natürlich gilt das auch für den Ersatzreifen. Denn egal ob viel gefahren oder viel gestanden: Gummi härtet aus, der Reifen kann dann nicht mehr ausreichend Grip aufbauen – oder er wird spröde und reißt. Entsprechend sind die Prüfer bei der Hauptuntersuchung angehalten, genauestens hinzuschauen. Im schlimmsten Fall heißt es dann: erheblicher Mangel – Prüfplakette nicht erteilt. Bei den Vorkriegsklassikern kann die Suche nach entsprechenden Reifen dann zum Geduldspiel werden. Allerdings sind Ausnahmen möglich. Explizit erlaubt ist beispielsweise die Umrüstung von Diagonal- auf Radial-Reifen, dann jedoch einheitlich bei allen Reifen.

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