Ratgeber:

Produkttest – Erste Hilfe-Kästen

23.03.2018

Erste Hilfe kann Leben retten – aber nur, wenn solides Verbandsmaterial bereitsteht. Der ACE hat zehn Erste-Hilfe-Sets auf Qualität und Funktionalität überprüft.

Nach dem Erste-Hilfe-Set gefragt, reagieren Autofahrer oft mit Stirnrunzeln: „Das letzte Mal kontrolliert? – Keine Ahnung. Der Aufbewahrungsort? – Irgendwo unter den Sitzen – oder war es im Kofferraum?“ Was nicht ständig im Einsatz ist, gerät schnell in Vergessenheit. Zu alt, in lückenhaftem Zustand, nicht auffindbar oder nicht vorhanden – und dies kann fatale Folgen haben.

Autofahrer sind zur Ersten Hilfe verpflichtet

Auch wenn sich trotz zunehmender Verkehrsdichte Unfälle mit Personenschäden auf der Straße zum Glück in Grenzen halten, steht fest: Das Gesetz verpflichtet jeden Autofahrer, bei (Verkehrs-)Unfällen Verletzten im Rahmen der Möglichkeiten zu helfen. Und dies aus gutem Grund: Erste Hilfe kann Leben retten – jedoch nur, wenn sie schnell geleistet wird. Gerade bei schweren Verletzungen entscheiden oft die ersten Minuten über Leben und Tod!

Erste-Hilfe-Set muss im Auto sein

Wirklich sinnvoll und effektiv geleistet werden kann Erste Hilfe jedoch nur mit brauchbarem Verbandsmaterial. Deshalb besteht die Pflicht, ein Erste-Hilfe-Set im Auto mitzuführen – in Deutschland geregelt im Paragraf 35h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Die äußere Form der Verpackung, ob fester Kasten oder Kissen bzw. Tasche, schreibt die StVZO nicht vor, ebenso nicht, an welcher Stelle im Fahrzeug es unterzubringen ist. Den Inhalt der Sets legt in Deutschland die DIN 13164 fest. Seit der letzten Aktualisierung der Norm sind andere Verbandsgrößen vorgeschrieben, ebenfalls neu sind Fingerkuppen-Verbände, zugeschnittene Pflasterstrips und Feuchttücher, die sich zur Reinigung unverletzter Haut verwenden lassen.

Große Preisspannen bei Erste-Hilfe-Sets

Obwohl der Inhalt dieser Erste-Hilfe-Sets in der DIN-Norm festgelegt ist, bestehen zwischen den zahlreichen Erste-Hilfe-Kästen und -Kissen, die im Handel oder Internet angeboten werden, große Preisunterschiede: Von 4,99 bis 25 Euro reichte die Spanne der zehn Erste-Hilfe-Sets, die der ACE gemeinsam mit der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) und unserem österreichischen Partnerclub ARBÖ auf Herz und Nieren geprüft hat. Bei der Beurteilung unterstützt hat uns ein Experte des Deutschen Roten Kreuzes: Klaus Schumacher, Schulleiter Rotkreuzdienste und Dozent an der DRK-Landesschule Baden-Württemberg.

Testsieger überzeugt mit klar getrennten Verpackungs-Segmenten

Wirklich „durchgefallen“ ist bei unserem Test kein Erste-Hilfe-Set – bei allen entsprach die Qualität des Verbandsmaterials mittlerem Standard und war zur Notversorgung zu gebrauchen. Unser Testsieger – der Kasten von Pearl – überzeugte unter anderem mit klar getrennten Verpackungs-Segmenten: Auf den ersten Blick ist ersichtlich, welche Teile „unsteril“ bzw. „austauschpflichtig“ sind. Der Preis-Leistungs-Sieger des Tests, das Set von Kalff, wurde von unserem DRK-Experten unter anderem für die übersichtlich gestaltete Innenverpackung, die fest in der Außenhülle sitzt, gelobt. Eine weniger positive Figur in dieser Hinsicht gab die etwas konfus und gegen herausfallende Einzelteile unzureichend gesicherte Innenverpackung der Holthaus-Tasche ab. Die – vermutlich durch Hitzeeinwirkung – sichtbar verzogene Innenverpackung des Verbandkastens vom Typ „Tecar“, ein weiteres Holthaus-Produkt, traf ebenfalls auf wenig Gegenliebe des Notfallsanitäters Klaus Schumacher.

Preiswert muss nicht qualitativ schlecht sein

Grundsätzlich spricht für die Verbandskästen, dass sie stabiler sind und den Inhalt besser gegen Verschmutzungen schützen. Dafür seien Verbandstaschen aufgrund ihrer kompakten und flexibler anzupassenden Form leichter zu verstauen. Mit dem Blick auf die großen Preisunterschiede steht für unseren Erste-Hilfe-Profi jedoch fest: „Angesichts dieser zehn Erste-Hilfe-Sets gilt: Preiswert muss qualitativ nicht schlecht sein.“

So haben wir getestet

Zehn Erste-Hilfe-Sets hat die Redaktion ACE LENKRAD zusammen mit der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) und dem österreichischen Partnerclub ARBÖ unter die Lupe genommen. Bezugsquellen waren unter anderem Apotheken, Baumärkte, Fahrzeug-Niederlassungen, Tankstellen und Internet-Portale. Bei der Beurteilung unterstützt wurde unser Test-Team von DRK-Experte Klaus Schumacher, Schulleiter Rotkreuzdienste und Dozent an der Landesschule Baden-Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes. Alle Sets haben wir einem definierten Prüfprogramm mit zuvor festgelegten Kriterien unterzogen. Darüber hinaus gingen die Außenhüllen, die Anordnung der Materialien sowie die Dokumentationen in die Beurteilung ein. Im Test berücksichtigt sind sowohl Erste-Hilfe-Sets mit fester äußerer Hülle, also Verbandskästen aus Kunststoff, sowie auch Verbandstaschen oder -kissen. Der Einkauf und die Preis-Ermittlung der Sets fand im Zeitraum zwischen Ende Februar und Anfang März 2018 statt.

Test Erste-Hilfe-Sets – unsere Ergebnistabelle (PDF)