Camping:

Reisemobil – Fahren will gelernt sein

01.06.2016

Wer Golf & Co. fährt, steht erst einmal beeindruckt vor einem stattlichen Reisemobil als Urlaubsdomizil. Worauf zu achten ist, damit der Umstieg reibungslos klappt.

Ärgerlich, wenn der Heckträger mit den Fahrrädern in Vergessenheit gerät und beim Rangieren an der Hauswand zerknittert. Wenn das Reisemobil beim Abbiegen mit seinen Weichteilen an einem Poller hängenbleibt. Oder die Oberkante des Alkovens eine unheilige Allianz mit einem sperrigen Ast eingeht. Angesichts von 2,3 Meter Breite plus Außenspiegel, von langen Radständen und ausufernden Überhängen geraten ungeübte Fahrer auf der Urlaubsfahrt schnell ins Schwitzen. Also langsam voran. Und wie erfahrene Fernfahrer vor heiklen Manövern erst die Lage peilen.

Auf die Führerscheinklasse achten

 

Das beginnt mit dem Blick auf den Führerschein. Obacht für Mieter und die Generation der Söhne und Töchter: Wer seit Anfang 1999 ausschließlich die Fahrerlaubnis Klasse B erworben hat, darf keine Fahrzeuge oberhalb von 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fahren. Besitzer der guten alten Klasse drei sind dagegen fein raus, deren Grenze von 7,5 Tonnen entspricht dem aktuellen C1.


Reisemobile dieses Kalibers fallen zudem unter das allgemeine Lkw-Überholverbot, ebenso unter allgemeine Lkw-Durchfahrtsverbote – etwa für Ortschaften. Ebenso gelten andere Geschwindigkeitsbegrenzungen als bei Pkw, in Deutschland zum Beispiel auf der Autobahn 100 km/h. Ein Widerspruch zum Lkw-Überholverbot, den bislang noch kein Verkehrsminister zufriedenstellend aufgelöst hat.

Das Reisemobil richtig beladen

 

Beim Beladen auf das Gewicht achten: Ein etwa sieben Meter langes Reisemobil plus vierköpfige Familie plus Urlaubsgepäck, Vorräte und Fahrräder? Das geht als 3,5-Tonner kaum gut. Wer’s genau wissen will, der fährt bei TÜV oder anderen Institutionen auf die Waage.


Und passt auch beim Stauen auf: Verlockend sind üppige Heckgaragen, doch allzu viel Schwergewichtiges im Heck dreht das in der Regel recht harmlose Fahrverhalten ins Negative. Bei all dem das sichere Verzurren nicht vergessen, dabei nicht nur ans Porzellan denken. Unter schwergewichtigen Reisemobilen können auch die Reifen die Grenze ihrer Tragfähigkeit erreichen, deshalb den korrekten Luftdruck im Auge behalten.

Sitzpostion und Anschnallpflicht für Mitreisende

 

Gewöhnungsbedürftig ist die Sitzposition. Die Höhe ist entspannend, doch speziell bei integrierten Reisemobilen mit ihrem eigenständigen Gesicht sind die Entfernung der Sitze zur Außenwand und das Sichtfeld durch die Windschutzscheibe sehr gewöhnungsbedürftig.


Mitreisende dürfen sich während der Fahrt nur auf den dafür vorgesehenen Plätzen aufhalten. Auch wenn’s verlockend ist: Die Betten oder das stille Örtchen sind während der Fahrt tabu. Angenehm: Kinder, die sonst eher quengeln, fühlen sich in der Aussichtsetage auf dem Beifahrersitz meist pudelwohl, einfach mal ausprobieren.

Navi-Einstellungen auf Reisemobil umstellen

 

Achtung bei mobilen Navigationsgeräten oder Smartphones mit Navi-Funktion: Bei größeren Fahrzeugen ist eine Lkw- oder Reisemobileinstellung, die auf entsprechende Abmessungen und Gewichte Rücksicht nimmt, zu empfehlen. Falls nicht vorhanden, sind Streckenvorschläge abseits von Hauptrouten mit Misstrauen zu betrachten. Vorsicht bei engen Innenstädten: Hier sind Könner am Lenkrad gefragt und die Parkplatzsuche wird zum Glücksspiel.

Das Rangieren üben

 

Ärger und Schäden drohen vor allem beim Rangieren. Ohne Einweiser geht’s meistens nicht, selbst mit Einweiser häufig nicht gut. Deshalb die notwendigen klaren Signale vor Beginn der Reise verabreden und am besten üben. Was manche Helfer vergessen: Sie müssen für den Fahrer im Außenspiegel sichtbar sein. Und noch ein Tipp aus dem Lager der Lkw-Fahrer: immer so parken, dass man später vorwärts wegfahren kann.

Ausgewählte Rastplätze anfahren

 

Wer auf dem Weg zum Ziel übernachtet, sollte sorgsam vorgehen und ausgewiesene Stellplätze aufsuchen. Vermeintlich sichere Autobahnraststätten sind aufgrund des Betriebs und der einfachen Fluchtwege ein Mekka für Diebe. Gleiches gilt für Supermarktparkplätze in Südeuropa, hier das Reisemobil nie unbewacht lassen.


Wer es sich dann zeitlich leisten kann, die heftigsten Reisetage zu vermeiden, und sich statt der Hauptrouten genussvolle Entdeckungsreisen über Nebenstraßen gönnt, der macht alles richtig.