Mobilität:

Seilbahnen, Flugtaxis & Co. – Der Traum vom Fliegen

28.11.2018

Je dichter der Verkehr auf dem Boden wird, umso intensiver schauen Verkehrsplaner in die Luft. Seilbahnen werden für viele Metropolen bereits Realität, die ersten Flugautos stehen kurz vor der Zulassung.

In Science-Fiction-Filmen gehört es seit Jahrzehnten zur Standardausstattung. Ob in „Zurück in die Zukunft“ oder „Das fünfte Element“ – das Auto der Zukunft braucht keine Straßen mehr, es fliegt! Und je voller die Straßen in der Gegenwart werden, je mehr Zeit Autofahrer stehen statt fahren, desto hoffnungsvoller schauen immer mehr Menschen in den Himmel. Liegt dort die Lösung aller Verkehrsprobleme staugeplagter Großstädte?

Per Seilbahn in den Freizeitpark?

Dass nicht nur die Städte ein Problem mit immer mehr Fahrzeugen haben, zeigt aktuell der Europapark Rust. Immer mehr Besucher kommen in den Vergnügungspark bei Freiburg, die Anwohner stöhnen über den Verkehr und auch die Parkflächen werden knapp. Vor wenigen Tagen hat der Europapark die unkonventionelle Lösung präsentiert, ein Teil der Besucher soll künftig einfach durch die Luft anreisen. Der Europapark will nach Frankreich expandieren, dort sollen die französischen Besucher künftig parken und per Seilbahn über den Rhein in den Freizeitpark schweben – so soll schon die Anreise zur Attraktion werden. Bis es aber so weit sein kann, werden wohl noch Jahre vergehen. Machbarkeitsstudien für einen genauen Trassenverlauf müssen erstellt werden. Größtes Hindernis könnte sein, dass die Seilbahn wohl mitten durch ein Naturschutzgebiet gebaut werden müsste. Gleichwohl stehen Politiker sowohl aus Frankreich wie aus Deutschland den Plänen wohlwollend gegenüber. „Solche Visionen sind klasse. Beim Thema Verkehr muss man ausgetretene Pfade verlassen“, sagte etwa der Bürgermeister von Rust, Kai-Achim Klare, in einem Interview mit der Badischen Zeitung.

Einfach über den Stau schweben

In Deutschland gibt es momentan zwei Seilbahnen außerhalb der Bergregionen. In Koblenz und Berlin wurden die Bahnen zur Bundesgartenschau 2011 beziehungsweise zur Internationalen Gartenschau 2017 gebaut und sollten danach auch eigentlich wieder abgebaut werden. Doch da die neuen Transportmittel so gut angenommen wurden, wurde der Betrieb weiter genehmigt. In Berlin erst mal für drei Jahre, in Koblenz hat die UNESCO sogar zugestimmt, dass die Seilbahn bis zum Ende ihrer technisch längstmöglichen Betriebsdauer im Jahr 2026 betrieben werden kann, ohne dass der Welterbe-Status für das Obere Mittelrheintal gefährdet ist. Auch in anderen Metropolen weltweit haben Stadtplaner die Seilbahn als schnelles, platzsparendes, kostengünstiges und ökologisches Transportmittel ohne Staugefahr entdeckt. Ob in La Paz in Bolivien, Ankara oder Portland – immer mehr Metropolen verlegen den Verkehr in die Luft.

Autonomes Fliegen als Zukunftsvision

Doch es sind keine Seilbahnen, an die Science-Fiction-Autoren beim Verkehr der Zukunft denken. Es ist der Individualverkehr, der ebenfalls nach oben strebt. Baden-Württemberg ist eines der Testfelder für das unbemannte autonome Fliegen. Prof. Rolf-Jürgen Ahlers, Vorsitzender des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg, sieht in der Mobilität in der dritten Dimension eine Lösung für viele heutige Verkehrsprobleme: „Abgasfrei, energieeffizient, leise und umweltfreundlich – so funktioniert neue urbane Mobilität.“ Allerdings müssen auf dem Weg dorthin noch einige heute ungelöste Fragen beantwortet werden. Die wichtigste: „Wie kann sichergestellt werden, dass fliegende Objekte sicher sind?“

Telekommunikationsverbindung mit mindestens 4G ist notwendig

Partner im Landesprojekt ist unter anderem das Unternehmen Volocopter mit einem autonomen, elektrischen Flugtaxi. Bis es aber in die heiße Phase der Tests geht, sind noch einige logistische Probleme zu lösen. So muss beispielsweise eine flächendeckende Telekommunikations-Verbindung mit mindestens 4G gewährleistet sein. Wer schon einmal mit seinem Smartphone in weniger dicht besiedelten Gebieten verzweifelt nach Empfang gesucht hat, weiß, dass das wohl doch eine nicht zu unterschätzende Hürde darstellt. Und nicht nur in Baden-Württemberg glaubt man an die Zukunft der Flugtaxis. Bayern hat kürzlich erst fünf Millionen Euro für Entwicklung und Bau von Flugtaxis zur Verfügung gestellt, Nordrhein-Westfalen hat vier Millionen für das Testgelände an der RWTH Aachen bewilligt.

Den heutigen Elektromotoren fehlt es noch an Reichweite

Eines ist für die Experten allerdings klar: Diese Flugtaxis müssen autonom unterwegs sein, da die sonst benötigte Anzahl an Piloten unmöglich zu bekommen sei. Denn schon die konventionelle Luftfahrt hat heute massive Probleme, genügend fliegendes Personal zu rekrutieren. Geht es aber in einigen Jahren wirklich los mit den fliegenden Taxis, wird – wie heute bei den autonom fahrenden Bussen – mit Sicherheit noch ein Pilot mit an Bord sein, der im Notfall eingreifen kann. Das Auto der Zukunft fliegt also autonom und elektrisch? Theoretisch ja, praktisch gibt es aber noch einige hohe Hürden. Um eine Zulassung zu bekommen, müssten Elektroflugzeuge eine Reichweitenreserve von 30 Minuten nach der Landung aufweisen. Für Elektromotoren ist dies momentan noch nicht leistbar.

Zwischenlösung: Starten und landen mit Elektromotor, in der Luft mit Verbrenner

John Brown, Gründer der Carplane GmbH in Braunschweig, setzt deshalb auf eine Hybrid-Lösung für den luftbasierten Individualverkehr. Das „Flugauto“ nutzt auf der Straße sowie bei Starts und Landungen einen Elektromotor, in der Luft einen Verbrenner. „Oben stört der Lärm nicht, Abgase und Feinstaub sind auch in erster Linie ein Problem in Straßenschluchten“, sagt Brown, dessen Carplane nach eigenen Angaben kurz vor der Zulassung steht.

Dieselbe Nische besetzt auch das Unternehmen Pal-V, das Flugauto nutzt die bestehende Infrastruktur aus Straßen und Flugfeldern, von denen es in Deutschland flächendeckend einige hundert gibt. So spannend das Konzept ist, die Flugautos werden auch nur eine Nische bleiben – nicht nur, weil man neben dem Autoführerschein auch einen Pilotenschein benötigt. Die ersten Pal-V, die 2019 auf den Markt kommen sollen, werden voraussichtlich 500.000 Euro kosten.