Camping:

Snowbirds – Camper überwintern im Süden

01.11.2016

In den USA werden sie Snowbirds genannt: Camper mit Reisemobil oder Caravangespann, die der kalten Jahreszeit und dem Schmuddelwetter wie die Zugvögel entfliehen. Es gibt sie zunehmend auch in Europa, ihr Hauptziel heißt Spanien.

Zum Thema Überwintern in der Sonne gehört zunächst der Blick über den großen Teich: In einem Nest namens Quartz-site im US-Staat Arizona treffen sich jedes Jahr im Winter über Monate hinweg Zehntausende von Reisemobilurlaubern. Der Ort hat gerade mal um die 3500 Einwohner und liegt in der Wüste nahe der mexikanischen Grenze, die Tageshöchsttemperatur fällt nur im Januar unter 20 Grad Celsius. Es gibt rund um Quartzsite 60 Campingplätze. Davon fünf Plätze, auf denen Besucher jeweils zwei Wochen lang kostenlos stehen dürfen, sowie ein Areal für Langzeitgäste, ein halbes Jahr kostet dort umgerechnet etwa 160 Euro. Bei Bedarf kommen Tankwagen zur Ver- und Entsorgung vorbei. Quartzsite ist ein Snowbird-Phänomen.

Spanien ist sehr beliebt bei Langzeitcampern

 

Auch in Europa gibt es immer mehr Sonnenhungrige, die fernab von zu Hause im Süden überwintern wollen. Eicke Schüürmann, Campingexperte und Geschäftsführer der Organisation "Leading Campings", schätzt die Zahl der deutschen Snowbirds auf etwa 50.000 Langzeitcamper. Zu den europäischen Flüchtlingen vor dem Winter zählen traditionell auch die Briten. Das Hauptziel der Snowbirds heißt Spanien, aber auch die Algarveküste in Portugal sowie Marokko stehen hoch im Kurs. Süditalien wird weniger angefahren, speziell Sizilien gilt als Geheimtipp. In Kroatien wird das Thema inzwischen entdeckt.


Vor allem spanische Campingplätze an der südlichen Mittelmeerküste haben sich auf die Winterurlauber in Reisemobil und Caravan eingestellt. Beileibe nicht alle Campingplätze haben durchgehend geöffnet. Engagieren sich die Plätze, sind sie in der Regel sehr gut besucht, deshalb empfiehlt sich eine rechtzeitige Reservierung. Es gibt attraktive Langzeittarife, zum Teil auch ein passendes Animationsprogramm für die sogenannten Saisoncamper, aufgrund der langen Aufenthaltszeit durchweg Senioren. Auch die Orte im Süden haben ihre Infrastruktur auf die besonderen Gäste ausgerichtet. Die meisten Urlauber campen stationär und verzichten auf Rundreisen, sie bleiben zum Teil von November bis April.

Via Internet und Sat-TV immer in Kontakt mit der Heimat

 

Die Verbindung nach Hause ist durch Skype, Online-Banking und Nachrichtendienste wie WhatsApp längst kein Problem mehr, die Satellitenschüssel auf dem Dach zum Empfang von Tages- und Sportschau üblich. Die elektronische Krankenkarte gilt auch in Spanien und Portugal. Wer das gleiche identische Versorgungsniveau wie zu Hause erzielen will, sollte indes eine Auslandskrankenversicherung zusätzlich abschließen, die der ACE für Mitglieder günstig anbietet. Für Marokko ist dies ohnehin notwendig.


Während Nordafrika generell ein unsicheres Pflaster geworden ist, stuft das Auswärtige Amt Marokko als "politisch stabiles Land mit guter touristischer Infrastruktur" ein. Gewarnt wird vor Reisen in entlegene Gebiete der Sahara.

Snowbirds sollten die Reise gut planen

 

An- und Abreise in den Süden wollen gut geplant sein: Die meisten französischen Campingplätze sind in der kalten Jahreszeit geschlossen, eine Zwischenübernachtung an Raststätten ist wegen des Lärms, aber auch aus Sicherheitsgründen nicht empfehlenswert. Tipp: geöffnete Übernachtungsplätze frühzeitig heraussuchen. Oder, dies gilt für Reisemobile, kleine Ortschaften abseits der Autobahn aufsuchen und nach Absprache an Tankstellen oder Restaurants übernachten.

Mobilheime oder Bungalows sind Alternativen

 

Wer der langen Anreise überdrüssig ist, fliegt in den Süden und mietet sich auf Campingplätzen ein Mobilheim oder einen Bungalow. Experte Eicke Schüürmann empfiehlt Langzeiturlaubern gut ausgestattete Plätze. Dies hat nicht nur mit den höchst gediegenen Plätzen La Marina an der Costa Blanca und Turiscampo an der Algarve seiner Organisation zu tun. Saisoncamper sind mehr als andere auf eine komfortable Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Waschmaschinen, Trocknern und anderem mehr angewiesen. Zwei Wochen improvisieren klappt im Urlaub – aber nicht mehrere Monate.


Trotzdem packt so manchen Snowbird im Dezember das Heimweh: Über die Weihnachtsfeiertage geht es dann sonnengebräunt mit dem Flugzeug nach Hause. Um danach postwendend wieder dem Schmuddelwetter und der Kälte in den Süden zu entfliehen – Reisemobil oder Caravan warten schon.