Europa:

Spanische Pyrenäen – Türme, die in den Himmel wachsen

27.06.2019

Die Pyrenäen sind reich an großartigen Natur- und Kulturschätzen und ein ideales Terrain für Wanderer, Kletterer und sonstige Genießer.

Die Brücke Fortificat in Besalú verläuft im Winkel über den Ríu Fluvià, da einige Flussfelsen als Fundament dienen. Blühende Bougainvillea-Stauden ranken an den in Würde gealterten Mauern empor. Fröhlich plappernde Passanten schlendern übers sonnenwarme Pflaster, lautes Stühlegeklapper dringt aus den Bars und aus irgendeiner Ecke ertönt Gitarrenmusik.

Besalú – Zeitreise ins Mittelalter

Von hier aus starten wir die Tour, die uns in den Westen der spanischen Pyrenäen führt. Unweit der Brücke befindet sich das Miqvé, das jüdische Badehaus, erbaut im 12. Jahrhundert; es wurde 1964 bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Weitere lohnende Stationen sind der spätmittelalterliche Hauptplatz Llibertat und die Kirche Sant Pere.

Banyoles – Spaziergang von der historischen Altstadt zum See

Wer gerne eine Pause einlegt, sollte bei der Ankunft in Banyoles zur Plaça Major schreiten, wo freundliche Arkadencafés zur Einkehr laden. Danach lockt ein Spaziergang am Ufer des Banyoles-Sees. Warme Quellen speisen das zwei Kilometer lange und 750 Meter breite, blaugrüne Gewässer. Das Strandbad „La Caseta de Fusta“ im Nordosten gewährt freien Zugang. Banyoles war bei den Olympischen Spielen 1992 Austragungsort der Ruderwettkämpfe.

Porqueres – Ein Juwel der Romanik

Den Liebhabern romanischer Architektur sei auf der Weiterfahrt ein Halt in Porqueres empfohlen. In diesem Weiler am Südwestufer erhebt sich gut geschützt die Kirche Santa Maria; sie gilt wegen ihrer ausgewogenen Proportionen als ein Juwel der katalanischen Romanik. Den Portalbogen zieren Medaillons, die Pflanzen und Tiere zeigen. Das Innere gefällt durch seine elegante Schlichtheit. Eine lokale Besonderheit: der Comunidor. Diesen außerhalb stehenden Schrein nutzten die Priester, um alle Himmelsrichtungen zu segnen – und damit die Ernte vor den Unbilden der Natur zu schützen.

Garrotxa-Naturpark – Bizarre Schönheit

Westlich beginnt der Garrotxa-Naturpark. 40 Vulkankegel und Explosionskrater machen ihn auf der Iberischen Halbinsel zum bedeutendsten seiner Art. Die Vegetation ist üppig und artenreich. In den Wäldern dominieren Eichen und Buchen, daneben wachsen Erlen und Kastanienbäume. Durchs Gehölz streifen Steinmarder und Wildschweine, gelegentlich Ginsterkatzen. Am Himmel kreisen Adler und Wanderfalken. Das löchrige Gestein bietet den idealen Lebensraum für Kreuzotter und Glattnatter. Oft huschen Echsen vorbei – darunter die farbenprächtige Smaragdeidechse.

Santa Pau – Dorfidylle zwischen Vulkanen

Santa Pau gehört zu den reizvollsten Orten in diesem Gebiet. Hervorzuheben sind etwa die dreieckige Plaça Major mit ihren auf Säulen gestützten Bogengängen oder die gotische Pfarrkirche. Die Eruptionen der ehemals aktivsten Vulkane liegen schätzungsweise 350.000 Jahre zurück. Das letzte Mal spuckte der Croscat vor rund 11.500 Jahren Feuer und Lava. Der Vulkan gilt gegenwärtig als ruhend, was bedeutet, dass man ihn als noch nicht endgültig erloschen ansieht. Auf dem Radweg zwischen Olot und Les Preses passiert man einen Vulkansteinpark (Parc de Pedra Tosca), der einem in kompakter Form die Schönheit der bizarren Landschaft vor Augen führt.

Camprodon und Beget - Sommerfrische und Kirchenpracht

Nächstes Ziel ist Camprodon. Die geschätzte Sommerfrische befindet sich auf knapp 1000 Meter Meereshöhe. Wahrzeichen der Stadt ist die malerische Bogenbrücke Pont Nou; sie überspannt den Fluss Ter. Hinter dem Ort Camprodon zweigt eine enge Straße nach Beget ab. Sie ist unter Motorradfahrern sehr beliebt und entsprechend frequentiert. Der von Wäldern umrahmte Ort mit seinen rustikalen Steinhäusern gilt als eines der schönsten Pyrenäen-Dörfer. Der zentrale Sakralbau Sant Cristòfol (12. Jahrhundert) wartet mit einem wuchtigen Glockenturm im Stil der lombardischen Romanik auf. Im Kirchenschiff besticht das fein gearbeitete und mit farbenfrohen Bildern geschmückte Kruzifix Majestat de Beget.

Abtei Santa Maria – Beeindruckendes Kloster am Fluss

Wilfried der Haarige (Guifré el Pilós), einer der Urväter Kataloniens, gründete Ende des neunten Jahrhunderts am Zusammenfluss von Ter und Freser die Abtei Santa Maria in Ripoll. Deren Macht und Einfluss wuchsen rasch – angetrieben durch seine Mönche, die bienenfleißig opulent bebilderte Handschriften erstellten. Das prächtige Portal des ehemaligen Benediktinerklosters beeindruckt mit einer Fülle von Skulpturen, die biblische Szenen zeigen, unter anderem mit Petrus und Paulus und Jonas mit dem Wal.

Boí-Tal – Kulturschätze und Canyons

Das Boí-Tal ist berühmt für seine neun frühromanischen Kirchen, deren kunsthistorischer Wert in der Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe zum Ausdruck kommt. Den Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido halten viele für den schönsten Nationalpark in Spanien; an den Hängen rund um den Perdido-Gipfel (3252 Meter über dem Meer) blüht das Edelweiß zwischen plätschernden Kaskaden. Hier leben das seltene Schneerebhuhn und die Pyrenäen-Bergziege. Zu den eindringlichsten Erlebnissen im Park zählt eine Wanderung durch den Añisclo-Canyon.

Hecho- und Roncal-Tal – Traditionen und Türme

Die Bewohner westlich davon, etwa im Hecho- oder Roncal-Tal, pflegen stolz ihre alten Traditionen. Dazu zählen ihre Dialekte, ihre aufwendig gestalteten Trachten und ihre archaisch anmutenden Feste. Zwei Höhepunkte im Süden der Pyrenäen sind architektonische Meisterwerke von Mensch und Natur: die Klosterburg Loarre und die Mallos de Riglos – eindrucksvolle tonfarbene Felstürme.

Reise Info – Immer an der Grenze zu Frankreich entlang

Die Route: Entlang der N 260, von Besalú nach Huesca – über Banyoles und Garrotxa-Naturpark ins Vall de Boí, dann über den Ordesa-Nationalpark in die Täler von Hecho, Ansó und Roncal und zu den Mallos de Riglos.

Schlafen: Wohnliche Zimmer in einem liebevoll renovierten Altstadtgebäude, in direkter Nachbarschaft zu den drei namengebenden Torbögen, bietet das Hotel 3Arcs, 17850 Besalú. Eingebettet in einen schönen Garten liegt die im Landhausstil gestaltete Herberge Santa Maria, 25528 Taüll. Umgeben von Wäldern kann man im charmanten Hotel Casa de San Martín, 22372 San Martín de la Solana, in historischem Gemäuer übernachten. Zur blumengeschmückten Pension Casa Blasquico, 2720 Hecho, gehört auch ein gutes Restaurant. Im historischen Stadtzentrum liegt das liebenswerte, günstige Designhotel La Posada de la Luna, 22003 Huesca

Schlemmen: Im seit 130 Jahren familiengeführten Restaurant La Deu, 17800 Olot, genießt man herzhafte regionale Küche. Hausspezialität im Restaurant Les Tres Portes (Do. bis So. geöffnet), 25700 La Seu d´Urgell, sind Grillkaninchen. Im direkt am Hauptplatz gelegenen Restaurant Juquim, 25597 Espot, wird deftige Küche serviert. Im Restaurant Tapia, Barrio Bormapea, 23, 31417 Isaba, gibt es gute Hausmannskost. Im Restaurant Las Bodegas de Aínsa, 22330 Aínsa, sollte man unbedingt „ternasco“ (Schmorlamm mit Pilzen) probieren.

Weitere Auskünfte bieten die Internetseiten des Spanischen Fremdenverkehrsamtes und das Reiseportal „Rund um Spanien“.

Eine Übersichtskarte (pdf) der Region finden Sie hier.