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Spritpreise – Folgen des Billigöls

01.04.2016

Was Verbraucher freut, stürzt Förderer in Verzweiflung. Der Preisrutsch beim Öl ist Konjunkturmotor für Industrieländer und Treibstoff für mehr Konsum. Doch den Preis für das Billigöl könnte unter anderem der Klimaschutz zahlen.

Billiges Öl treibt die Wirtschaft an, vor allem Europas Verbraucher sind in Kauflaune. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Vor allem der Einzelhandel profitiert von diesem deutlichen Plus im Geldbeutel. Aber auch die Industrie freut sich, je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung beim Einkauf. Doch weltweit gesehen ist nicht alles so rosig. Bis Ende des Jahres werden schätzungsweise 10.000 Jobs bei Shell wegfallen, bis Ende 2017 bei BP noch einmal rund 7000. Auch die Förderländer leiden. "Der niedrige Ölpreis ist großartig für Europa, nicht für die Welt", bilanzierte der Chefökonom der US-Bank
Citigroup, Willem Buiter, im Handelsblatt.

Längerfristig steigen die Preise wieder

 

Ewig wird der Ölpreis auch nicht auf diesem niedrigen Niveau verharren. "Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen", glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Denn wenn es den mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. "Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören", warnt Faith Birol, Chef der Internationalen Energieagentur.

Verluste für Aktienbesitzer

 

Auch für Aktienbesitzer ist der niedrige Ölpreis kein uneingeschränkter Grund zur Freude. Sie haben zum Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen, neben der befürchteten schwachen Weltkonjunktur ist das Ölpreis-Tief ein häufig genannter Grund. Denn dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage. Und wie lange werden Förderer Kredite voll bedienen können? "Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben", warnt die Ratingagentur Moody’s. Sie prüft derzeit eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien.

Energiewende wird ausgebremst

 

Ein großer Verlierer des Billig-Öl-Booms könnte das Weltklima werden. Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Das Ölpreis-Tief verschleppt aber die Energiewende, sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Denn wenn es keinen finanziellen Druck gibt, auf erneuerbare Energien umzusteigen, werden sowohl Verbraucher wie Wirtschaft lieber weiterhin zu den fossilen Brennstoffen greifen.

Nachteile auch für Elektroautos

 

"Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden", sagt der Gründer des US-Elektrobauers Tesla, Elon Musk. Es gibt viele Faktoren, die dem Elektroauto noch das Leben schwer machen. So sind sie gegenüber Benzinern teurer, die Reichweite ist geringer, das Aufladen dauert lang und ist nicht überall gewährleistet. In der Auto-Nation USA aber schiebt das billige Öl den Absatz von Sprit-schluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks zwischen 2000 und 2015 von 50 auf 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Grund: der billige Spritpreis.