Ratgeber:

Starthilfe – Stromspende per Kabel

27.11.2017

Das Auto verweigert den Start, weil die Batterie entladen ist. Ein Starthilfekabel kann aus der Bredouille helfen. Wir zeigen, wie es richtig geht.

Besonders in der kalten Jahreszeit bleibt mancher Autofahrer von der unliebsamen Überraschung nicht verschont: Ein Dreh am Zündschlüssel oder das Betätigen der Starttaste, die Armaturenleuchten erlöschen und aus dem Motorraum ist, wenn überhaupt, nur noch ein „klack, klack“ zu hören – die Batterie hat nicht mehr genügend Saft. Besonders ärgerlich: Das Malheur geschieht meist zu Gelegenheiten, wie sie unpassender nicht sein könnten: Ein wichtiger Termin steht an, es ist draußen dunkel, bitterkalt oder alles zusammen. Die Fachleute des ACE sorgen für Pannenhilfe. Vielleicht bietet sich aber auch ein freundlicher Zeitgenosse an, mit seinem Fahrzeug Starthilfe zu leisten. Oder Sie wollen selbst einem anderen Autofahrer Starthilfe geben. Aber Obacht: Wer das falsche Kabel nimmt oder sich nicht an den richtigen Ablauf hält, kann kapitale Schäden anrichten. Soll die Aktion erfolgreich sein, gilt es einiges zu beachten. ACE LENKRAD und die GTÜ Gesellschaft für technische Überwachung zeigen, wie es geht.

Dass besonders ältere Fahrzeugbatterien in der kalten Jahreszeit in die Knie gehen, hat mehrere Gründe. Generell nimmt die Leistung von Batterien bei Temperaturen deutlich unter null Grad Celsius ab – Grund sind langsamer laufende chemische Prozesse. Zudem ist der Stromhaushalt durch häufigeres Zuschalten von Verbrauchern wie Licht, Gebläse, Scheiben-, Sitz-, aber auch Standheizung in der kalten Jahreszeit stärker belastet als im Sommer. Läuft das Fahrzeug dann noch vorwiegend im Kurzstreckenbetrieb, ist die Batterie durch den Anlasser besonders gefordert.

Das sollten Sie beim Kauf des Überbrückungskabels beachten

Lassen sich andere Fehlerquellen ausschließen, braucht der genervte Fahrer außer einem Helfer, dessen Autobatterie noch genügend Leistung abgibt, ein passendes Starthilfekabel, auch Überbrückungskabel genannt. Für eine Fremdstarthilfe nutzt das Empfängerfahrzeug, also das Auto mit teilentladener Batterie, den Strom aus dem Bordnetz des Spenderfahrzeugs mit geladener Batterie. Das Starthilfekabel besteht aus zwei Leitungen mit meist einer roten und einer schwarzen Kunststoffisolierung. Sie sollte bei Kälte nicht verhärten, sonst besteht Bruchgefahr. An ihren Enden sind die Leitungen mit einer Polzange verbunden. Das rote Kabel ist für die Pluspole, das schwarze für Minuspol und Masse gedacht.

Ein genauer Blick auf die Polzangen lohnt sich. Vorsicht bei nur unzulänglich isolierten Zangen aus Weißblech. Sicherer, stabiler und effizienter sind Polklemmen aus Kupfer oder Stahl mit ausreichend hoher Federkraft und einer stabilen, bruchfesten Anbindung an das jeweilige Kabel. Der Rat von ACE-Experte Marcel Mühlich: „Die Polklemmen sollten vollisoliert sein. Die Kunststoff-Isolierung muss die Zangen so umschließen, dass nur die Spitzen frei bleiben und sie auch abgeklemmt nicht unbeabsichtigt in Kontakt mit elektrisch leitenden Flächen wie Karosserieteilen oder dem Motorblock kommen können.“

An der falschen Stelle spart, wer sich auf ein Billig-Kabel aus Fernost verlässt. „Wir raten ausdrücklich von Kabeln ohne einschlägige Norm-Kennzeichnung ab“, warnt Mühlich. Sichere Starthilfekabel entsprechen grundsätzlich den Normen DIN 72551, DIN 72553 oder der ISO-Norm 6722–1. Außerdem sollten sie das GS-Sicherheitszeichen tragen. Sie geben die richtigen Anforderungen, Prüfverfahren sowie farbliche Kennzeichnung vor und stehen in der Regel auf der Verpackung. Ein in das Kabel integrierter Schutz gegen Spannungsspitzen kann auch nicht schaden. Im Fachhandel, in Baumärkten und im Internet kosten solide Kabel zwischen etwa 14 und 40 Euro. Einschlägige Anbieter sind unter anderem AEG, Autonik, Alpin oder Mannesmann.

Auf den richtigen Querschnitt kommt es an

Unerlässlich ist ebenso ein ausreichender Querschnitt. Er bezieht sich immer auf das Kabel ohne entsprechende Isolierung, also nur auf das stromleitende Material, und hängt von mehreren Faktoren ab. Ausschlaggebend ist mitunter das Material des Leiters: Handelt es sich um reines Kupfer (teurer aufgrund hoher Kupferpreise), um mit Kupferdraht umflochtenes Aluminium oder einen reinen Alu-Leiter? Kupfer besitzt eine bessere Leitfähigkeit, kann Ströme schneller übertragen und bietet weniger Widerstand. „Der Widerstand steigt aber wiederum mit der Länge des Starthilfekabels. Es sollte um die drei Meter messen, einfacher gestaltet sich der Fremdstart mit vier Meter langem Kabel“, sagt der GTÜ-Sachverständige Hermann Schenk.

Maßgebende Größe für den Kabelquerschnitt ist zudem der vom Anlasser benötigte Kaltstartstrom, der sich hauptsächlich nach Hubraum und Art des Motors richtet. Für einen kleinen Benziner mit 1,2-Liter braucht es keine armdicken Strippen, nach Meinung Schenks genügen um die 20 Quadratmillimeter Querschnitt. Für Benziner ab zwei Liter und Dieselmotoren bis drei Liter Hubraum empfehlen sich Kupfer-Kabel von mindestens 25 und Alu-Kabel mit wenigstens 40 Quadratmillimetern. Bei großen Ami-Schlitten oder Dieselaggregaten über drei Liter Hubraum ist man mit 35 (Kupfer) respektive 55 Quadratmillimetern (Aluminium) auf der sicheren Seite.

„Auf keinen Fall darf der Querschnitt für die zu übertragenden Ströme zu klein dimensioniert sein. Die Kabel neigen dann zum Überhitzen – es besteht Brand- und Kurzschlussgefahr“, erklärt Fahrzeugelektronik-Experte Jürgen Neutzner aus Schorndorf bei Stuttgart. „Außerdem dauert die Energieübertragung auf das Empfängerfahrzeug bei kleineren Querschnitten wesentlich länger“, ergänzt Neutzner. Zu groß könne der Querschnitt hingegen selbst bei kleinen Motoren nicht sein, hier spielten lediglich Gewicht, Platzbedarf und Preis eine Rolle.

„Strom über die Dose“, sprich die Zigarettenanzünder-Anschlüsse im Innenraum, hört sich nach einer eleganten Lösung an: kein Öffnen der Motorhaube, keine schmutzigen Hände und ein Kabel, das zur Not auch noch im Handschuhfach Platz findet. Die Verbindung von Spender- zu Empfänger-Fahrzeug stellt ein zweiadriges Kabel mit den passenden Steckern her. ACE-Fachmann Mühlich hält von solchen „Indoor-Lösungen“ nichts: „Die Querschnitte sind deutlich zu klein, die Gefahr, dass sich die Leitungen bei der Stromübertragung erhitzen, durchschmoren und einen Brand auslösen, zu groß.“ Vorsicht geboten ist aber auch mit konventionellem Starthilfekabel bei extremer Kälte, wenn die Batterie komplett entladen ist. Denn Akkus können einfrieren, ein Fremdstart ist dann tabu. Es besteht Explosionsgefahr!

Auch Hybridfahrzeuge und Autos mit Start-Stopp-Automatik lassen sich überbrücken

Bei teilentladenem Akku lassen sich indessen auch Autos mit Start-Stopp-Automatik wieder flottbekommen. Wobei die Hersteller aufgrund der höheren Belastung mit leistungsfähigeren Batterien und Generatoren grundsätzlich Vorsorge treffen. Einen Sonderfall stellen Hybridfahrzeuge dar. Ein verhältnismäßig schmalbrüstig ausgelegter 12-Volt-Akku versorgt in der Regel nur den Bordcomputer und die 12-Volt-Bordelektronik. Wesentlich stärkere Lithium-Ionen- oder Nickel-Metallhydrid-Akkus mit höherer Spannung speisen die für den eigentlichen elektrischen Vortrieb zuständigen Elektromotoren, die auch als Generatoren arbeiten und über einen Inverter die 12-Volt-Batterie laden.

„Da Hybridfahrzeuge keinen Anlasser haben, ist der Startstrom bedeutend niedriger. Die elektrische Anlage ist daher als Stromspender für herkömmliche Fahrzeuge nicht geeignet“, erklärt Toyota-Sprecher Dirk Breuer. Umgekehrt lasse sich aber ein Hybrid-System bei entladener 12-Volt-„Hilfs“-Batterie von einem konventionellen Spender per Starthilfe starten, wobei der Verbrennungsmotor des Hybrids nicht unbedingt anspringen müsse. „Auch von Hybrid zu Hybrid ist die Starthilfe bedenkenlos möglich“, sagt Breuer. Das Hybridsystem sollte allerdings nach Aktivierung sehr lange eingeschaltet bleiben, bis die „Hilfs“-Batterie wieder geladen ist.

Sehen Sie unseren Film zum Ratgeber Starthilfe (4:13 Min.)

Hier zum Download:Eine Anleitung zur Stromspende mit dem Kabel (PDF)