Fernreise:

Trinidad – Karibische Rumkugel

01.06.2016

Ein Lied der Andrews Sisters war in den USA vor über 70 Jahren ein Skandal, bescherte aber der Karibikinsel eine Popularität, die bis heute anhält.

Hören Sie sich unsere Audiodatei zum Reisebericht an (8:14 Min.).

 

 


"If you ever go down Trinidad, they make you feel so very glad …" So beginnt der größte Hit der Andrews Sisters. Der Calypso "Rum and Coca-Cola" war 1945 in den USA die erfolgreichste Single des Jahres. Inzwischen ist der Song ein Stück Zeitgeschichte Trinidads, und die besungenen Orte sind auf der Karibikinsel zu Kultstätten geworden.

Der Welthit entstand in einem Rum-Shop

 

Noch heute ist Cola-Rum bei Trinidad-Urlaubern ein beliebter Party-Drink. Aus den Beach Bars dringen karibischer Calypso-Sound und immer wieder der eingängige Refrain: "Drinkin‘ rum and Coca-Cola, go down Point Cumana …" Doch nur wenige Touristen wissen, dass der historische Welthit in dem Dörfchen Point Cumana entstanden ist. "Welcome to Rum Corner, Pt Cumana" steht auf einem zerbeulten schwarzen Stahltor an einer heruntergekommenen Straßenecke. In dem Rum Shop, der innen eher wie eine Kneipe wirkt, sitzt Fremdenführerin Cheri-Ann Pascall an einem kleinen abgenutzten Tisch.


"Genau hier hat der einheimische Calypso-Musiker Lord Invader während des Zweiten Weltkriegs 'Rum and Coca-Cola' geschrieben", erzählt sie. "Er hatte am Strand von Point Cumana beobachtet, wie amerikanische Soldaten karibischen Rum mit Cola mischten." Nachdenklich wickelt die junge Frau aus Trinidad einen ihrer hüftlangen Rasta-Zöpfe um den Finger. "Doch dann hat ein Amerikaner den Song einfach genommen und ihn den Andrews Sisters gegeben." In einem Urheberrechtsstreit konnte Lord Invader zwar später Schadensersatz geltend machen, der Amerikaner Morey Amsterdam behielt jedoch das Copyright.

Aus dem Paradies entstanden US-Stützpunkte

 

Im Songtext kommen noch viele andere Orte vor, wie etwa die Inseln Monos und Chacachacare, die vor der westlichen Halbinsel Trinidads liegen. Die paradiesischen Inseln dienten im Zweiten Weltkrieg als amerikanische Stützpunkte. "Die Bewohner mussten ihre Dörfer verlassen", berichtet Cheri-Ann. "Sie durften ihre Inseln nicht mehr betreten, noch nicht einmal die beliebten Strände."


Auch nach dem Abzug der Amerikaner wurden die beiden Inseln nicht mehr besiedelt. In den Buchten liegen vereinzelt Ferienhäuser; ansonsten sind die hügeligen Landschaften völlig von dichtem Urwald überzogen. Ähnlich muss es Ende des 15. Jahrhunderts ausgesehen haben, als spanische Entdecker erstmals an den Kleinen Antillen vorbeisegelten. "Der Inselname Monos bedeutet Affen", erklärt Cheri-Ann. "Christoph Columbus hat die Insel so genannt, weil er glaubte, dort Affenlaute zu hören. Es gibt aber auf Trinidad keine Affen."


Ein weiterer US-Stützpunkt befand sich am palmengesäumten Manzanilla Beach im Osten Trinidads. Doch was die Andrews Sisters als Liebesnest der G.I.s besingen, war in Wirklichkeit die Kampfschule der Amerikaner. Von den Urlaubern, die hier in der Sonne liegen, weiß das niemand.

Heute ist das Lied ein Stück Zeitgeschichte

 

Den Calypso Bands, die in den Hotels und Bars auftreten, ist es nicht so wichtig, ob die Zuschauer die Botschaft des berühmten Liedes verstehen. "Das war für die Menschen von damals gedacht", zuckt Johann Chuckaree, Leiter einer Steel Drum Band in Trinidad, mit den Schultern. "'Rum & Coca-Cola' ist kein Protestsong, sondern eher ein Stück Zeitgeschichte. Er beschreibt die sozialen Umstände und was damals auf der Insel passiert ist."


Dennoch sorgte die Veröffentlichung der Single 1945 in den USA für einen handfesten Skandal. Schließlich warb die Platte für ein alkoholisches Getränk, führte einen Markennamen in der Titelzeile, handelte von Prostitution und nagte am Bild des heldenhaften G.I.s. Den Erzählungen ihrer Eltern nach glaubt Cheri-Ann Pascall, die auf Trinidad aufgewachsen ist, dass der Song ein weitgehend realistisches Bild der damaligen Verhältnisse auf Trinidad zeichnet. "Wo die Soldaten waren, da waren auch die Ladies", weiß sie.


Seit die Andrews Sisters in den Charts waren, hat sich auf der Insel viel verändert. Heute kommen die Amerikaner, wie Besucher aus der ganzen Welt, um an den ursprünglichen Traumstränden Trinidads Urlaub zu machen.


Der Rum ist aber bis heute das Nationalgetränk des Zwei-Insel-Staates Trinidad & Tobago geblieben und wird längst nicht nur mit Cola gemischt. "Heutzutage mixen wir Rum meist mit Kokoswasser", berichtet die Miss World 1986, Giselle La Ronde, die jetzt in der Angostura-Destillerie arbeitet. "Aber die jungen Leute, die Rum zum ersten Mal probieren, trinken ihn immer noch am liebsten mit Coca-Cola."

Touristische Informationen

 

Flüge: Direktflug mit Condor ab Frankfurt nach Tobago mit Anschlussflug 20 Minuten nach Port of Spain, Trinidad ab 950 Euro, www.condor.com


Preisbeispiel: Elf Tage Rundreise inklusive Flug, Trinidad & Tobago – das karibische Duett, Meiers-Weltreisen, ab 2199 Euro p.P., weitere Infos: ACE Reisebüro, Tel. 0711 530 36 78.


Beste Reisezeit: Januar bis Mai (Trockenzeit), Juni bis Dezember herrscht Regenzeit mit kurzen Regenschauern am Nachmittag.


Sehenswert: Altstadt Port of Spain, Angostura Distillery, Maracas Beach, Rum Corner in Point Cumana


Weitere Informationen:www.gotrinidadandtobago.com