Umwelt:

Upcycling – Zweites Leben als Designobjekt

27.11.2017

Produkte aus recycelten Autoteilen sind originelle Geschenke, die auch der Umwelt Gutes tun.

Wenn Autos mehr in der Werkstatt stehen als auf der Straße fahren, dauert es meist nicht mehr lang, bis die letzte Fahrt zum Schrottplatz ansteht. Und genau dort werden junge Designer immer häufiger fündig, wenn sie auf der Suche nach neuen Materialien sind, aus denen dann Taschen, Kleidung, Möbel oder Haushaltsgegenstände gefertigt werden. Nicht die ersten, aber sicher die bekanntesten Upcycler, die sich in der Automobilbranche bedienen, sind die Brüder Freitag aus der Schweiz. Ihre Taschen aus alten Lkw-Planen haben es sogar bis ins Museum of Modern Art in New York geschafft. Wer ein bisschen im Internet stöbert oder sich auf Design- und speziellen Upcycling-Messen umschaut, findet noch viele weitere Produkte, denen man auf den ersten Blick gar nicht mehr unbedingt ansieht, dass sie mal ein Reifen, ein Airbag, ein Sicherheitsgurt oder ein Teil des Armaturenbretts waren. ACE LENKRAD hat mal ein bisschen gestöbert und jede Menge spannende Produkte aus alten Autoteilen gefunden.

Rucksäcke aus alten Airbags

Airpaq wurde vor rund zwei Jahren auf einem Schrottplatz entwickelt. Die beiden Gründer Adrian Goosses aus Köln und Michael Widmann aus Südtirol holen aus alten Rostlauben noch einiges raus, genauer gesagt Airbags, Sicherheitsgurte und Gurtschlösser. Aus jeweils zwei Airbags, vier Sicherheitsgurten und einem Gurtschloss entstehen bunte, strapazierfähige Rucksäcke. Gefertigt werden die Airpaqs in Rumänien, die Produktionspartner sind zertifiziert und versprechen so unter anderem die Einhaltung von fairen und sozial vertretbaren Arbeitsbedingungen. Die Rucksäcke kosten 129 Euro (ab 2018 149 Euro), außerdem gibt es Portemonnaies aus alten Schnittresten für 15 Euro (ab 2018 21).

Schmuck und Taschen aus Industrieabfall

Industrierelikt hat sich die Abfallreduzierung – und wiederverwertung zum Ziel gesetzt. Hochwertiger Produktionsausschuss der Industrie wird mit geringem Aufwand für neue Produkte verwendet. So nehmen die Designer Karen Häcker und Michael Treiber beispielsweise Hölzer, die aus der Armaturenbrettfertigung übrig bleiben, und stellen daraus Taschen und Schmuck her. Die fair produzierten Taschen werden in einer Täschnerei in Weimar genäht, die einzelnen Schritte der Holzverarbeitung erfolgen in einem Betrieb im Schwarzwald. Die Accessoires werden von den Designern in Handarbeit selbst hergestellt. Die Taschen kosten zwischen 195 und 265 Euro, der Schmuck zwischen 13 und 55 Euro.

Blumentöpfe und Aufbewahrungsboxen aus Altreifen

Muubs produziert unter dem Label Dacarr Blumentöpfe und Aufbewahrungsboxen aus recycelten Autoreifen. Weltweit landen jährlich etwa 280 Millionen alte Autoreifen auf dem Müll, das dänische Unternehmen möchte mit seiner Gummikorb-Kollektion ein Zeichen für ökologisches Bewusstsein setzen. Hergestellt werden die robusten Töpfe und Körbe in Handarbeit in einer sozialen Kooperative in Vietnam. Die Blumentöpfe gibt es ab 14,90 Euro, die Aufbewahrungsboxen ab 27,90 Euro.

Gürtel aus Fahrradreifen

QR-Bomb hat der Architekt und Designer Jürgen Schulze sein Label genannt, unter dem er unter anderem Gürtel aus alten Fahrradreifen vertreibt. Die Altreifen erhält er von lokalen Händlern aus seiner Heimatstadt Ingolstadt, in seiner Werkstatt werden die Reifen in ihre einzelnen Teile zerlegt, zugeschnitten, geschliffen und gereinigt. Schulze stellt sowohl Gürtel in Kleinserien sowie Einzelanfertigungen auf Bestellung her. Die Gürtel gibt es ab 25,90 Euro.

Autoreifen werden zu Taschen

Reciclage bietet „fairrückte Geschenkideen“, wie die gebürtige Brasilianerin Claudia Dürr sagt. Sie hat sich auf Re- und Upcycling-Produkte mit hohem Design-anspruch spezialisiert. Dafür arbeitet sie mit Partnern weltweit zusammen. So kommen die ausgefallenen Taschen aus alten Autoschildern und Sicherheitsgurten (ab 23 Euro) von einem Frauen-Projekt aus Südafrika, die Taschen aus alten Reifen und Fahrradschläuchen (ab 29,95 Euro) werden von behinderten Menschen in Nepal hergestellt.

Airbags leben als Möbel und Kissen weiter

Studio Knuyist das Ergebnis eines Upcycling-Wettbewerbs vor zwei Jahren. Die Designerinnen Anne-Sophie Schwarz und Christine Herold verwenden für ihre Möbel wegen Materialfehlern aussortierte Airbags, daraus werden beispielsweise Sitzkissen (ab 39 Euro), Hocker (ab 99 Euro) oder auch Taschen (ab 39 Euro). Herold und Schwarz kooperieren mit Reha-Werkstätten in Frankfurt, die überwiegend psychisch kranke Menschen beschäftigen.

Strapazierfähige Taschen und Regenmäntel aus Airbags

Upcycling Deluxe vertreibt im Online-Shop mehr als 500 Produkte in 1500 verschiedenen Varianten. Im Angebot sind beispielsweise ausgefallene Stücke wie eine Handtasche aus einem alten Taxi-Schild (69,90 Euro), das von einer Frauenkooperative in Indonesien hergestellt wird, aber auch Rucksäcke und Taschen (ab 69,90 Euro ) und sogar Regenmäntel für Kinder (69,90 Euro) aus alten Airbags, die in Berlin designt und in einem Partnerbetrieb in Polen produziert werden.