Versicherung:

Verkehrsunfallopfer – Mehr Gerechtigkeit

01.02.2016

Schwerverletzte Unfallopfer leiden. Oft auch an der Regulierung durch den Versicherer. Wer als Betroffener frühzeitig Fehler vermeidet, erhält in der Regel zumindest eine faire Entschädigung.

"Unfallopfer, die lebenslang im Rollstuhl sitzen, werden mit 20.000 Euro abgespeist. Das ist ein unhaltbarer Zustand", kritisiert Marc Herzog, Fachanwalt für Versicherungs- und Verkehrsrecht aus Rosenheim. Millionensummen, wie sie in den USA gezahlt würden, wird es in Deutschland – wegen des sehr unterschiedlichen Entschädigungsrechts – zwar auch künftig nicht geben. Doch sollten Richter die Schmerzen ihrer Opfer fairer ausgleichen und Anwälte für eine höhere Entschädigung kämpfen, fordert der ACE-Vertrauensanwalt. 

Tendenz zur Verschleppung

 

Momentan gebe es laut Herzog bei den Autoversicherern weiterhin eine Tendenz zur Verschleppung von schweren Personenschäden. Zu einem ähnlichen Ergebnis war im vergangenen Jahr eine forsa-Untersuchung gekommen, bei der Verkehrs- und Versicherungsanwälte aus dem Deutschen Anwaltverein (DAV) befragt wurden. Die Schadenregulierung von Versicherungen ist in den letzten fünf Jahren schlechter geworden, so das Ergebnis der Umfrage, an der 1257 Rechtsanwälte teilnahmen. Besonders betroffen ist der Bereich Verkehrsrecht. Bemängelt werden vor allem längere Bearbeitungszeit, unberechtigte Kürzungen oder Zurückweisungen von Leistungen. "Die Versicherer sitzen einfach am längeren Hebel, haben die Kraft und die Nerven zu prozessieren", so Herzog. Viele Verzögerungstaktiken bewegen sich an der straf- und standesrechtlichen Grenze. "Da werden klare Ansprüche bestritten und kompliziert dargestellt, nur um die Regulierung zu verzögern." 

Expertensuche schwierig

 

Zudem ist es für Schwerverletze oft schwer, einen Anwalt zu finden, der tatsächlich in der komplexen Personenschadenregulierung bewandert ist. Der Gang zum Familienanwalt, den eine gute Bekannte empfohlen hat, ist auf jeden Fall die falsche Entscheidung. Ein Auswahlkriterium ist der sogenannte Fachanwalt. Juristen, die als Fachanwälte für Verkehrs- oder Versicherungsrecht arbeiten, müssen sich regelmäßig schulen.  

Die Rechte der Opfer

 

Anspruch haben die Betroffenen auf Schmerzensgeld, Ausgleich für den Verdienstausfall, Pflege- und Betreuungskosten, den behindertengerechten Umbau des Hauses oder der Wohnung sowie den sogenannten Haushaltsführungsschaden. Vielfach werden laut Juristin Cordula Schah Sedi, die mit ihrer Kanzlei in Tessin bei Rostock,  München, Köln und Berlin tätig ist, medizinisch vorhersehbare Verschlechterungen des Gesundheitszustandes nicht eingepreist. Zudem warnt sie davor, sich Schmerzensgeld teilweise als Rente auszahlen zu lassen. Davon habe lediglich der Versicherer einen Zinsvorteil. Problematisch sei es zudem, dass der sogenannte Haushaltsführungsschaden oft von den Assekuranzen "klein" gerechnet werde. Dabei ginge es oft um sechsstellige Summen. Wer vor seinem Unfall die Familie betreut und weitgehend den Haushalt erledigt hat, muss deutlich entschädigt werden, wenn er dies nicht mehr leisten kann. So kann die Familie notfalls eine Hilfskraft einstellen. 

Langer Kampf um´s Geld

 

Anwälte sollten Schwerverletzen von Anfang an deutlich machen, dass die Schadenregulierung bei Personenschäden eine langwierige Angelegenheit ist. In aller Regel wird eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Ab der Entlassung aus der stationären Behandlung dauert die Regulierung nach Einschätzung von Experten meist noch rund zwei Jahre. Sind Unfallopfer mit ihrem Anwalt unzufrieden, weil die Regulierung stockt, sollten sie ihren Anwalt gezielt nach den Ursache fragen. Wird nur herumgedruckst, könnte ein Anwaltswechsel richtig sein. Sogar im allerletzten Moment kann man noch die Reißleine ziehen – vor der Unterschrift unter der Abfindungserklärung. Dann kann immer noch eine zweite Rechtsmeinung von einem anderen Anwalt eingeholt werden – wenn auch auf eigene Kosten.

 

Opferentschädigung

Unfallopfer müssen ihren Verdienstausfallschaden in aller Regel versteuern. Sie müssen von der gegnerischen Versicherung so gestellt werden, dass die Steuer ein durchlaufender Posten ist. In der Praxis passiert das nicht immer, wie Experten auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar berichteten. Doch Verkehrsopfer dürfen in keiner Weise aufgrund ihrer Entschädigung auf einer Steuerschuld sitzen bleiben. "Hier ist allein der Anwalt gefordert", sagt die Juristin Cordula Schah Sedi. Stellt das Opfer später fest, dass Steuerzahlungen beim Schadenersatz nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt wurden, könne der Anwalt in Regress genommen werden.

 

ACE-Tipp

Für ACE-Mitglieder gibt es den Verkehrs-Rechtsschutz der Advocard zum Sonderpreis. Auch als Fahrer fremder Fahrzeuge, als Fahrgast in öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln, als Fußgänger, Radfahrer oder im Rollstuhl – kurz: bei jeder Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr – sind die ACE-Mitglieder damit geschützt. Den Verkehrsrechtsschutz der Advocard inklusive der ACE-Verkehrsunfallversicherung gibt es für Singles (62,90 Euro) und Familien (83,70 Euro). www.ace.de/verkehrsrechtsschutz

Wenn ACE-Mitglieder einen Anwalt benötigen, ist der nächste ACE-Vertrauensanwalt nicht weit. Die deutschlandweit rund 500 Anwälte wurden sorgfältig ausgesucht und sind auf Verkehrsrecht spezialisiert. Für ACE-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos. www.ace.de/vertrauensanwälte