Ratgeber:

Zweirad – Sicher durch den Herbst

01.09.2016

Frühling und Sommer sind die Jahreszeiten für Roller- und Motorradfreunde. Doch auch der Herbst hat seine schönen Seiten und macht genauso viel Lust auf eine Ausfahrt. Worauf man dabei jetzt aber besonders achten sollte, zeigt dieser Ratgeber.

Wenn die Tage wieder kürzer werden und die Sonne tiefer steht, dann wird es bunt. Die Bäume feiern die Farben Rot, Orange und Gelb, bevor sie ihre Blätter fallen lassen. Ein Naturschauspiel, das man wunderbar auf Ausfahrten mit dem Motorrad oder dem Roller genießen kann. Wer zeitlich nicht von Saisonkennzeichen abhängig ist, sollte sich also auch die zweite Jahreshälfte auf zwei Rädern nicht entgehen lassen.

Pflege und Reinigung des Visiers besonders wichtig

 

Bei aller Freude über die schöne Natur und die mittlerweile wieder angenehmeren Temperaturen unter der Schutzkleidung sollte jedoch einiges nicht außer Acht gelassen werden. Die zuvor schon angesprochene tief stehende Sonne zaubert zwar eine wunderbare Lichtstimmung aufs Land, für den Straßenverkehr kann das aber auch gefährlich sein. Fährt man der Sonne entgegen, blendet sie und verwehrt somit eine klare Sicht nach vorn. Entgegenkommender Verkehr oder die vor einem liegende Strecke sind nur schwer zu erkennen. Kommt beim Motorrad- oder Rollerfahrer noch ein verkratztes Visier hinzu, ist die Sicht gleich null. Die Pflege und Reinigung des Visiers ist also immens wichtig.

Sonnenvisier hilft zusätzlich bei tiefstehender Sonne

 

Die Autofahrer bedienen sich bei Gegenlicht einfach einer Sonnenbrille, für Motorradfahrer sind dagegen im Helm integrierte Sonnenvisiere von Vorteil. Sie können bei wechselnden Lichtverhältnissen leichter wieder weggeklappt werden. Wer glaubt, dass das Sonnenvisier durch seine innen liegende Position keiner Pflege bedarf, liegt falsch. Nach geraumer Zeit legt sich oft wie von Geisterhand ein Grauschleier auf das getönte Visier. Somit entsteht fast der gleiche negative Sicht-Effekt wie bei blendendem Gegenlicht. Vor der Fahrt ist es also ratsam, auch das Sonnenvisier zu überprüfen und wenn nötig noch einmal zu reinigen. Für alle Visiere eignet sich ein feuchtes Zellstofftuch. Nach kurzer Einwirkzeit lassen sich Insektenreste und Schmutz ganz leicht entfernen.


Neben der Sonne gibt es aber noch weitere äußere Einflüsse, die die Sicht behindern können. Vor allem morgens und abends ist in dieser Jahreszeit eine erhöhte Luftfeuchtigkeit möglich. Die Folge: Das Visier beschlägt. Mit einem doppelten Scheibensystem kann dem am besten vorgebeugt werden. Die Luftschicht zwischen den Visierscheiben verhindert dann das Beschlagen weitestgehend.

Mit dem Doppelvisier gegen Luftfeuchtigkeit

 

Viele Helme, die nicht ab Werk mit einem Doppelvisier ausgestattet sind, haben das Hauptvisier trotzdem schon für eine Nachrüstung vorbereitet. Im Handel kann dann die passende Erweiterung besorgt werden.


Wer ausgiebige Fahrten genießt, kommt schnell mal in die Abendstunden und das bedeutet im Herbst eine relativ plötzlich einsetzende Dunkelheit. Die Wichtigkeit der Lichtmaschine wird dann offensichtlich.


Für Zweiradfahrer gilt ja sowieso eine permanente Lichtpflicht, doch Hand aufs Herz: Wer schaut schon vor jeder Fahrt nach der korrekten Funktionsfähigkeit aller Einheiten, wie Abblendlicht, Fernlicht, Rücklicht, Bremslicht und Blinker? Ratsam ist es allemal, denn alle zusammen beeinflussen nicht nur die eigene Sicht, sondern auch ganz erheblich die Sichtbarkeit.

Kontrolle der Lichtanlage und Reflektoren an der Kleidung

 

Frei nach dem Motto "Sehen und gesehen werden" sollte demnach auch die Kleidung so auffällig wie möglich sein, denn viele Unfälle passieren durch ein Übersehenwerden. Sowohl Reflektoren als auch besondere Farben können dabei helfen, schon früh von den anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen zu werden. Auch wenn man damit keinen Schönheitswettbewerb gewinnt, das Tragen einer Warnweste ist besonders in der dunklen Jahreszeit von Vorteil. Wer sie nicht gerne trägt, sollte für den Fall der Fälle zumindest eine dabei haben, denn die Vorstellung, womöglich mit einer Panne unbeleuchtet am dunklen Straßenrand zu stehen, bereitet nicht gerade ein behagliches Gefühl. Neongelbe Helmbeutel mit Aufdruck machen es deshalb auch Zweiradfahrern möglich, immer eine Form von Warndreieck dabeizuhaben.


Da der Sonnenuntergang, neben dem schwindenden Licht, auch fallende Temperaturen bedeutet, ist es jetzt mal wieder an der Zeit, in die Untiefen des Schrankes einzutauchen und das warme Innenfutter der Motorradkluft herauszusuchen. Den Jackpot hat, wessen Kombi auch wasserdicht ist, denn jeder, der schon einmal unvorbereitet von einem Regenschauer überrascht wurde, weiß, wie unangenehm feuchte Kleidung bei Fahrtwind sein kann. Damit schwindet die hundertprozentige Konzentration, die auf nassen und rutschigen Fahrbahnen dringend notwendig ist. Aber auch auf vermeintlich trockenen Fahrbahnen ist Vorsicht geboten. Heruntergefallene Blätter können Feuchtigkeit länger speichern und bilden einen rutschigen Untergrund. Aber auch der Dreck von Feldern kann diesen Effekt haben.

Längerer Bremsweg, Erntemaschinen und Wildwechsel beachten

 

Ja, der Herbst ist für die Landwirte Erntezeit. Als deutlich schnellerer Verkehrsteilnehmer muss man daher vermehrt mit langsamen Erntemaschinen rechnen, die von Feldwegen auf die Straße abbiegen. In der Konsequenz sollte jeder Zweiradfreund geringere Geschwindigkeiten und eine permanente Bremsbereitschaft an den Tag legen. Wegen der Wildwechsel ist eine solche Fahrweise ohnehin sehr sinnvoll, denn Bremszeiten und -wege können länger ausfallen als sonst. Ursache sind die niedrigeren Temperaturen, durch die die Reifen langsamer auf ihre Betriebstemperatur kommen und unter Umständen weniger gut auf der Straße haften. Deshalb sollten jetzt auch die geliebten Schräglagen eher moderat ausfallen. Alles in allem bedarf der Herbst also einer größeren Aufmerksamkeit, er belohnt aber auch mit seinem einzigartigen Charme.

 

Technik-Check

Das ganze Jahr über ist es notwendig, sein Motorrad in technisch einwandfreiem Zustand zu halten. In der dunklen Jahreshälfte ist das Überprüfen aber besonders wichtig. Folgende Fragen sollten vor jeder Ausfahrt unbedingt mit einem Ja beantwortet werden können:

  • Funktioniert die Lichteinheit, bestehend aus Abblendlicht, Fernlicht und Rücklicht, einwandfrei?
  • Ist das Licht richtig eingestellt?
  • Funktioniert auch das Bremslicht, betätigt durch Vorderrad- und Hinterradbremse?
  • Funktionieren meine Blinker,vorne sowie hinten?
  • Haben meine Reifen noch genügend Profil?
  • Stimmt der Luftdruck in den Reifen mit den empfohlenen Werten überein?
  • Hat die Sommersaison noch genügend Bremsbelag übrig gelassen?
  • Stimmt die Kettenspannung?
  • Sind alle Flüssigkeitsstände (Öl, Kühlflüssigkeit, Kupplungsflüssigkeit, Bremsflüssigkeit) im grünen Bereich?
  • Ist die Batterie noch stark genug?

Ausstattungs-Check

Im Herbst und Winter spielt auch die sonstige Ausstattung des Zweiradfahrers eine wichtige Rolle. Sie ist Sicherheitsfaktor und Komfortbringer zugleich. Diese Fragen sollten Sie sich deshalb vor herbstlichen Ausfahrten stellen:

  • Ist meine Schutzkleidung noch intakt oder fehlen Protektoren, Nähte, Innenfutter etc.?
  • Verfügt die Kluft über Reflektoren und ist sie auffallend genug?
  • Hält mich meine Kleidung auch noch warm, wenn ich in die Abendstunden komme?
  • Funktionieren meine Heizgriffe, wenn vorhanden?
  • Bin ich für eventuell auftretenden Regen gewappnet?
  • Ist mein Helm-Visier kratzerfrei und sauber?
  • Funktioniert mein Sonnenvisier und ist es auch sauber?
  • Habe ich, für den Fall der Fälle, eine Warnweste dabei?