Camping:

Campingfahrzeuge – Mutterkonzerne und Töchter

04.05.2018

Mehr als 100 Reisemobil- und Caravanmarken tummeln sich in Deutschland. Etwa die Hälfte konzentriert sich auf eine Handvoll Branchenkonzerne. Wer gehört zu wem?

Etrusker hießen die Ureinwohner in der Toskana, weiß man aus dem Geschichtsunterricht. Aber Etrusco? Die junge Reisemobilmarke ist eine Tochter des italienischen Fabrikats Laika, das wiederum zur Hymer-Gruppe zählt. Etrusco-Reisemobile sind konstruktiv verwandt mit Carado und Sunlight, beide ebenfalls Bestandteile der Gruppe und als Günstigmarken die Beiboote von Hymer (Carado) und Dethleffs (Sunlight). Der Konzern im oberschwäbischen Bad Waldsee firmiert inzwischen als Erwin Hymer Group. Zu ihr zählen außerdem die Caravanmarke Eriba als Keimzelle des Konzerns, dann Bürstner, LMC, Niesmann + Bischoff sowie britische Marken und Roadtrek in Nordamerika, dazu 3Dog Camping für Dachzelte und Zeltanhänger. Nicht zu vergessen Zubehörhändler Movera und Vermieter McRent.

Das Markenleben der Freizeitbranche

Das Markenleben der Freizeitfahrzeugbranche lässt schwindeln. Da verleiben sich große Anbieter kleinere ein. Werden bei Bedarf flugs neue Marken gegründet. Manche Baureihen unterschiedlicher Fabrikate differieren nur minimal.

Für die Markenschwemme bei Caravans und vor allem Reisemobilen gibt es mehrere Ursachen: Mit national bekannten Namen lassen sich wichtige Exportmärkte abdecken. Und mit neuen Namen zusätzliche Händler gewinnen, ohne angestammte Gebiete zu verkleinern. Vor allem aber decken Unternehmen weitere Segmente ab, ohne das Profil der Kernmarken zu verwässern. Siehe Etrusco, Carado und Sunlight im unteren Preissegment. Oder auch Malibu als günstigere Neugründung der Top-Marke Carthago und Weinsberg als billigerer Wegbegleiter von Knaus. Campingbusspezialist Pössl hält sich schon lange die Zweitmarke Globecar mit nahezu identischem Programm. In jüngster Vergangenheit sind Roadcar und Clever hinzugestoßen. Somit deckt die Gruppe die Busse flächendeckend ab. Eura Mobil ist traditionell in der Reisemobil-Mittelklasse und dem gehobenen Segment beheimatet. Inzwischen hat man sich mit der Günstigmarke Forster verstärkt. Ein Kunstbegriff, gefertigt werden die Reisemobile bei Konzernkollegen in Italien. Und alles zusammen gehört zur französischen Trigano-Gruppe, dem größten Markensammler der Branche. Camper kennen Trigano höchstens als Hersteller von Zeltcaravans und Zelten. Als Konzern aber stecken darin neben den Genannten unter anderem Adria, Arca, Autostar, Benimar, Challenger und Chausson (baugleich), Ci, Elnagh, Karmann Mobil, Kentucky-Camp, McLouis, Miller, Mobilvetta, Rimor, Roller Team, Sunliving und X-Go. Viele der Marken werden über ganz unterschiedliche Wege in Deutschland angeboten. Das gilt ebenfalls für die Caravans von Adria, Caravelair oder Sterckeman. Alle zusammen steuert der Konzern als großer Gegenspieler von Hymer zentral aus Paris.

Bei Bedarf gibt es einen neuen Markennamen

Da kann die Knaus-Tabbert- Gruppe mit Knaus, Weinsberg, T@b und Tabbert sowie Morelo nicht mithalten, ebenso wenig die Kombination aus Hobby und Fendt. Doch beide treten kräftig auf, vor allem das bodenständige Familienunternehmen Hobby. Auch zwei weitere französische Gruppen sind international mit mehreren Marken aktiv. Zu Pilote gehören neben der Hausmarke unter anderem Frankia und RMB. Zunehmend internationaler agiert Rapido. Neben der Muttermarke zählen zur Gruppe die in Deutschland eher unbekannten Campingbushersteller Campérève und Dreamer. Schon namhafter sind Itineo und PLA. Ein weiteres Fabrikat der Rapido-Gruppe muss man niemandem erklären: die Traditionsmarke Westfalia, inzwischen offiziell als Westfalen Mobil firmierend.