Touren:

Churfranken – Route der Genüsse

27.04.2018

Wohnmobil-Tour an Main und Tauber durch lebensfrohe Weingegenden mit charmanten alten Bauwerken – am Weg: bemerkenswerte Betriebe mit Herz und Hand.

Der Morgen ist wie in Milchglas gehüllt, irgendwo dröhnen Schiffshörner. Auffrischender Maiwind sorgt dafür, dass sich das Grau über dem Fluss rasch verzieht. Hier vom Reisemobilstellplatz in Miltenberg – am rechten Mainufer zwischen Campingplatz und Jachthafen – genießt man einen prima Blick auf die Altstadt mit ihren roten Fassaden aus Buntsandstein. Diese machen neugierig auf das, was aus der Ferne gesehen im Verborgenen liegt: ein Netz aus kopfsteingepflasterten Gassen mit freundlichem Fachwerk im Schutz der ehrwürdigen Mildenburg. Vielleicht ist es Einbildung, aber hallt nicht Hufgeklapper von dort herüber, wie zu Zeiten der Kurfürsten?

Churfranken – der Name stammt von findigen Touristikexperten

Es war vermutlich ums Jahr 1200, als der Mainzer Erzbischof die Burg als östliche Verteidigungsanlage errichten ließ. Von da an lenkten mehr als 600 Jahre lang die geistlichen und weltlichen Herrscher aus der Rheinmetropole die Geschicke des Ortes und seiner fruchtbaren Umgebung zu Füßen der waldreichen Höhen von Spessart und Odenwald. Einen Namen allerdings hatte der Streifen zwischen dem sogenannten Mainknie und Aschaffenburg bis vor ein paar Jahren nicht. Findige Touristiker tauften ihn 2007 „Churfranken“ – in Anlehnung an die früheren Landesherren und die heutige Zugehörigkeit zu Bayern und dem Frankenland.

Die Route orientiert sich an ganz speziellen Genussorten

Die ertragreichen Böden, das milde Flussklima mit sonnenreichen Hängen und ein fröhlicher Menschenschlag sind wohl die Gründe dafür, dass die Region samt Nachbarn immer mehr ins Blickfeld der Genießer rückt. Um für das steigende Interesse attraktive Angebote zu schaffen, haben sich Chur-, Main- und Tauberfranken zusammengetan, mit dem Ziel, eine touristische Straße auszuweisen. Die „Route der Genüsse“ folgt nicht wie sonst den Sehenswürdigkeiten, sondern den Unternehmen, die in ihrer Branche Außerordentliches leisten. Die Bandbreite der Betriebe reicht von Biohöfen über Cafés und Restaurants bis zu einem großen Verkäufer von Freizeitfahrzeugen. Edle Spirituosen und Biere sowie Möbel und Mode sind weitere Sparten, die vertreten sind. Ein Olivenbauer aus Italien oder ein Tabakhaus sind Beispiele, die zeigen, dass die Rohstoffe nicht unbedingt aus der Gegend stammen müssen. Maßgeblich ist vielmehr die Leidenschaft, welche die Anbieter etwa bei der Verarbeitung an den Tag legen.

Miltenberg gilt als die Perle des Mains

Miltenberg ist seit jeher für sinnlich orientierte Menschen ein Treffpunkt. Ihren früheren Reichtum verdankte die Stadt, die man bis heute als die „Perle des Mains“ bezeichnet, dem im Mittelalter praktizierten Stapelrecht. Es legte fest, dass die durchreisenden Kaufleute ihre Waren in der Stadt für einen bestimmten Zeitraum abladen und anbieten mussten. Oft konnten sie sich jedoch durch Zahlung eines Stapelgeldes von dieser Pflicht freikaufen. Womöglich floss es in den Bau der repräsentativen Häuser, die etwa den Alten Markt zieren mit dem filigran gehauenen Justitia-Brunnen. Ein oft vorkommendes Detail sind die aufwendig gestalteten Doppelstockerker. Wer heute die Hauptstraße passiert, stößt häufig auf den herzhaften Duft von frisch gerösteten schwarzbraunen Bohnen; er entweicht aus der betagten Röstmaschine in der Kaffeerösterei Mika.

Der Fränkische Rotweinwanderweg ist auch für Radfahrer geeignet

Wer gemütlich mit dem Rad oder zu Fuß die Tallandschaft erkunden möchte, wählt am besten den Fränkischen Rotweinwanderweg. Er führt über sechs maximal 17 Kilometer lange Etappen von Großwallstadt nach Bürgstadt an den renommierten Steillagen vorbei. Willkommene Pausenstationen sind die „Häckerwirtschaften“ in den traditionellen Weinbaudörfern mit Aussicht auf die malerischen Winzerhäuschen. Seit einem Erlass von Karl dem Großen servieren diese vorwiegend Selbsterzeugtes.

Auch die Freunde edler Hopfengetränke kommen zu ihrem Recht: unter anderem bei einer Kostprobe in den urigen Kellergewölben der Erlebnisbrauerei Faust im Miltenberger Schwarzviertel, wo seit über 350 Jahren teils sehr besondere Sorten im Holzfass reifen. Das Thema Braukunst begleitet Churfranken-Entdecker auch andernorts, wie etwa ein Rundgang durch das alte Aschaffenburg zeigt. Denn dieser endet fast immer im „Schlappeseppel“, der berühmten Brauereigaststätte.

Mediterranes Flair an der Mainpromenade

Deren Gründung soll auf folgender Begebenheit beruhen: Als 1631 König Gustav von Schweden die Stadt einnahm, stellte man entsetzt fest, dass in den Fässern im Schlosskeller kein Tropfen Bier mehr war. Als Helfer in der Not erwies sich der kriegsversehrte Soldat Joseph Lögler, „lahmer Seppel“ genannt, dem es auf Anhieb gelang, ein königliches Bier zu brauen. Historiker halten diese Schilderung jedoch für unglaubwürdig, was der schönen Geschichte aber keinen Abbruch tut. Am Altstadtrand erhebt sich über dem Main das besagte Schloss Johannisburg; es gilt als eines der schönsten Renaissancebauwerke in Deutschland. Zuerst residierten auch hier die Mainzer Kurfürsten und später König Ludwig I. Der Schöngeist ließ im Schlosspark ein „Pompejanum“ bauen, eine Nachbildung einer Villa aus Pompeji. Sein Import südländischer Pflanzen hat ebenfalls dazu beigetragen, dass man heute zu Recht vom „bayerischen Nizza“ spricht. Einheimische und Gäste genießen gleichermaßen das mediterrane Flair im Park und auf der Mainpromenade.

Die Fachwerk-Kulisse in Wertheim zog Künstler an

Ein zentraler Eckstein in der Genießerregion ist Wertheim, wo Main und Tauber sich vereinen. Über den Dächern und Türmen der Stadt thront eine mächtige Burgruine, einst Sitz der Grafen von Wertheim – zerstört im Dreißigjährigen Krieg; diese zählt zu den größten Steinburgruinen in Süddeutschland. Die Fachwerkperle war in den 1920er Jahren immer wieder Reiseziel des Worpsweder Malerehepaars Modersohn-Breling. Die Künstler verewigten die Altstadt in zahllosen Bildern. In den renovierten, ehemaligen Diensträumen der Fürstlichen Verwaltung zeigt das Atelier Schwab Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst. Rund 100 Glasbetriebe sichern heute Wertheims wirtschaftliche Grundlage. Die ganze Geschichte des Glases und was es im Speziellen mit den Wanderglashütten im Spessart auf sich hat, zeigt das Glasmuseum mit Glasbläservorführung gegenüber der alten Hofhaltung.

Genussreich ist der Besuch im Kloster Bronnbach

Experten zählen das Gut Schlör mit Besenwirtschaft zu den besten Winzerbetrieben in Deutschland. Nach ihrer Ansicht kreiert Konrad Schlör im Ortsteil Reicholzheim besondere Weine für jeden Tag, welche die Vorzüge der Landschaft wunderbar im Glas wiedergeben. Vom Weinberg schweift der Blick zum Kloster Bronnbach. Die ehemalige Zisterzienserabtei (12. Jh.) glänzt mit barockem Chorgestühl und gotischem Kreuzgang. Ein wahrer Schatz ist das Deckengemälde im Bernhardsaal mit Motiven aus dem Leben des heiligen Bernhard von Clairvaux. Höchsten Genuss verspricht auch das alte Cellarium im Kloster, wo die „Vinothek Taubertal“ Weinproben veranstaltet – ein weiterer Glanzpunkt von vielen auf dieser großen Genießer-Route von Aschaffenburg nach Würzburg.

Übersichtskarte der Region Churfranken (pdf)

 

Touristische Informationen

Die Route: Sechs Abschnitte von Aschaffenburg bis Würzburg, von Wertheim durchs Taubertal nach Auernhofen vor den Toren von Rothenburg ob der Tauber.

Camping und Stellplätze: Seecamping Freudenberg, 97896 Freudenberg; Campingpark Wertheim-Bettingen, 97877 Bettingen; Stellplätze: an der Willigisbrücke, 63743 Aschaffenburg; am Jachthafen, 63897 Miltenberg; am Winzerfestplatz, 63927 Bürgstadt.

Schlemmen: Landgasthof Hofstadel mit Eigenprodukten, 63933 Mönchberg; Gasthaus zur Krone, regionale Küche, 63920 Großheubach; Jagdhotel Rose, Sterneküche mit französischer Note, 63897 Miltenberg.

Weitere Auskünfte: Mainland Miltenberg-Churfranken e.V., Telefon 0 93 71/6 60 69 75; Tourismus Wertheim GmbH, 97877 Wertheim, Telefon 0 93 42/93 50 90.