Ratgeber:

Fähren – Bereit zum Entern

28.01.2019

Eine Fährpassage ist mehr als eine willkommene Alternative zur langwierigen Anfahrt auf oftmals vollen Autobahnen. Komfort und maritimes Flair lassen die Überfahrt zum Erlebnis werden.

Spiegelglatt erstreckt sich das Meer bis zum Horizont. In der Ferne ist die Silhouette eines Frachters erkennbar, das tiefblaue Wasser wirkt in Kombination mit dem monotonen Stampfen des Schiffsmotors entspannend. Ein Tag auf See ist ein geschenkter Tag. Die Passagiere genießen auf dem Sonnendeck die leichte Brise und kommen dabei ihrem Reiseziel immer näher. Wo es sich anbietet, lohnt es, die Anfahrt in den Urlaub mit einer Fährpassage zu verknüpfen. Die Entscheidung für das Schiff spart Kraftstoff ebenso wie Straßen- und Brückenmaut. Auf längeren Strecken entfallen zudem die Kosten für eine Hotelübernachtung.

Gute Erholung in der Kabine

Vor allem längere Passagen bieten sich dazu an, schon den Aufenthalt auf dem Schiff zum Erlebnis zu gestalten. Nichts gegen einen Aufenthalt in der bordeigenen Cafeteria, doch niemand will dort über Stunden am Stuhl kleben. Auf Nachtfahrten stellen Pullmansitze meist die günstigste Übernachtungsgelegenheit dar. Es lohnt allerdings den Vergleich mit den Tarifen für eine Kabine, die oft in der einfachsten Version nur unwesentlich teurer zu Buche schlägt. Bedenkt man, dass durch eine nächtliche Passage eine Hotelübernachtung eingespart wird, liegt überdies der Gedanke an eine besser ausgestattete Kabine nicht fern. Durchs Bullauge andere Schiffe zu beobachten oder in einer Frontkabine die Aussicht aufs freie Meer zu genießen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Speziell gestaltete Kabinen werden in aller Regel für Familien, Allergiker und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität angeboten. Soll das vierbeinige Familienmitglied mit in den Urlaub, ist die Fähre oft eine willkommene Möglichkeit, die Anfahrt zu verkürzen. Nur selten jedoch dürfen Hunde im Fahrzeug bleiben. Stattdessen gibt es deklarierte Aufenthaltszonen und sogar Haustierkabinen. Vor Reisen ins Ausland sollte jedoch an die erforderlichen Impfungen und Papiere gedacht werden.

Check-In am Automaten

Schon in der Vergangenheit reichte der Ausdruck des Tickets als Eintrittskarte in die maritime Welt aus. Mittlerweile richten sich verschiedene Gesellschaften auf die Nutzung neuer Technik ein. Dazu gehört sowohl, sich das Ticket auf sein Smartphone schicken zu lassen, als auch das eigenständige Boarding am Automaten im Fährhafen. Nach Eingabe der Buchungsnummer werden hier auch die Bordkarten ausgedruckt.

Bei der Wahl der Route lohnt sich ein Preisvergleich

Ob kreuz und quer über das Mittelmeer, ob über den Ärmelkanal oder die Ostsee: Hunderte von Fährrouten bieten die Möglichkeit, Straßenkilometer zu vermeiden oder Ferieninseln zu erreichen. Auf der Suche nach der passenden Route spielen die Kosten eine nicht unwesentliche Rolle. So ist Venedig für Reisende in Richtung Griechenland der nächstgelegene Abfahrtshafen, die lange Überfahrt verursacht jedoch im Vergleich zu den Ports von Ancona oder Bari Mehrkosten. Wer die Passage als kleine Kreuzfahrt genießt, wird sich für den Seeweg entscheiden. Für den Trip von Italien nach Griechenland verzichtet Minoan Lines 2019 auf den Abfahrtshafen Ravenna. Patras und Igoumenitsa sind somit nur noch von Venedig und Ancona aus erreichbar; Anek und Superfast legen weiterhin auch in Bari ab. Ventouris Ferries verkehrt nur noch zwischen Bari und dem albanischen Hafen Durrës, was durchaus eine Alternative für den Weg nach Griechenland darstellt.

Reif für die Insel?

Die Mittelmeerinseln erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit – das lässt sich an den Aktivitäten der Reedereien feststellen. So bietet Moby Lines zwischen Mitte Juni und Ende September eine neue Verbindung zwischen Piombino in der Toskana und Bastia auf Korsika an. Die Fahrzeit beträgt 3,5 Stunden am Tage, die Nachtfähre benötigt 7,5 Stunden. Bei Corsica Ferries entfallen zwar die Abfahrten von Genua und Pisa nach Korsika. Dafür wird Porto Vecchio sowohl von Nizza als auch von Toulon aus angesteuert.

Sardinien-Urlaubern steht in der Sommersaison eine weitere Destination zur Verfügung: Die Reederei Grandi Navi Veloci fährt von Genua aus zusätzlich zu Porto Torres auch den Hafen von Olbia an. Sardinia Ferries richtet gleich zwei neue Verbindungen nach Sardinien ein: Von Toulon aus geht es nach Porto Torres, Golfo Aranci wird von Nizza aus angefahren. Schlechte Nachrichten dagegen gibt es für Camper: Tirrenia bietet kein Camping an Bord mehr an und offeriert stattdessen Sondertarife für Reisemobile und Caravangespanne.

Die Balearen mit dem eigenen Fahrzeug zu erkunden liegt bereits seit einigen Jahren im Trend. In Kooperation mit Trasmapi bietet Trasmediterrania Durchgangstickets vom spanischen Festland über Ibiza nach Formentera an. Autofähren nach Formentera werden allerdings nur in den Sommermonaten eingesetzt.

Regelmäßig per Schiff erreichbar sind die meisten Inselparadiese von der kroatischen und der griechischen Küste. Die Anzahl der Verbindungen und der eingesetzten Fähren ist saisonal unterschiedlich, gebucht werden kann meist nur vor Ort. Es empfiehlt sich also, rechtzeitig am Terminal zu erscheinen. Ist das Schiff voll, legt es ab.

Oder lieber hoch in den Norden?

Einschneidende Veränderungen der Routen über die Ostsee sind in diesem Jahr nicht zu erwarten. Ab dem zweiten Halbjahr 2019 wird allerdings die schnelle Verbindung über das Kattegat abgeändert. Vom dänischen Greena aus geht es mit Stena Line dann nicht mehr nach Varberg, sondern zum Hafen des 70 Kilometer südlich gelegenen Ortes Halmstad in Schweden. Umso interessanter sind Angebote, die Preisvorteile bei der Nutzung mehrerer Fährrouten bieten. Der Traum von einer Umrundung der Ostsee mit Abkürzungen kann so leicht und günstig erfüllt werden. Scandlines bietet Durchgangstickets an, die sowohl die Routen von Puttgarden nach Rødby bzw. Rostock–Gedser als auch von Helsingør nach Helsingborg umfassen.

Wie der mögliche Brexit Großbritanniens sich auf den Fährverkehr auswirken wird, ist derzeit noch offen. Die Reedereien arbeiten mit Hochdruck daran, die zu erwartenden Behinderungen im Frachtverkehr abzupuffern. Für den Passagierbereich ist mit mehr Direktverbindungen zwischen Frankreich und Irland zu rechnen. Vorgesehen sind derzeit 50 Prozent mehr Abfahrten und zusätzliche Zielhäfen. Zur Beruhigung: England-Fähren können fest gebucht werden und bis zum Beginn der Hauptsaison dürfte sich die Lage für Privatreisende weitgehend geklärt haben.

Das Umweltbewusstsein wächst

Zumindest in Skandinavien gewinnt die Umweltfreundlichkeit der eingesetzten Schiffe eine immer größere Bedeutung. So setzt Stena Line zwischen Kiel und Göteborg eine mit Methanol betriebene Fähre ein, die 60 Prozent weniger NOx ausstößt. Die Strecke von Frederikshavn nach Göteborg soll in wenigen Jahren rein elektrisch bewältigt werden.

Bereits jetzt laufen die beiden Schiffe, die von Scandlines ForSea zwischen dem dänischen Helsingør und Helsingborg in Schweden eingesetzt werden, auf Landstrom. Die Energieversorgung mit Landstrom findet in den Häfen statt.

Auf Erdgas setzt Fjord Line auf den Fährstrecken zwischen Dänemark und Norwegen. Auch zwischen dem schwedischen Festland und der Insel Gotland kommt eine neue Fähre mit LNG-Antrieb (Flüssiggas) zum Einsatz, die 20 Prozent weniger Treibhausgase ausstößt.

Ein Blick in die Zukunft ist der geplante Neubau des Fährhafens im norwegischen Sandefjord, der die Umweltbelastungen für die Stadt deutlich senken soll.

Gute Ansätze gibt es auch bei den Reedereien im Mittelmeer: Corsica Sardinia Ferries drosselt bei ihren Nachtfähren das Tempo, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Schnäppchenjäger achten auf Frühbucherrabatte, Nebensaisonpreise und Kombi-Tickets

Wie teuer das Übersetzen per Fähre wird, lässt sich im Vorfeld kaum noch exakt beziffern. Teuer wird es in den großen Ferien, wenn die Nachfrage hoch ist. Doch variieren die Tarife auch hier je nach Abfahrtsdatum und -zeit. Wer seine Reise geschickt plant und Abfahrtszeiten zu nächtlicher Stunde in Kauf nimmt, kann bares Geld sparen. Noch bis Ende Februar gewähren viele Reedereien Frühbucherrabatte, generell gilt eine frühzeitige Buchung als Garant für günstige Preise. Keine Chance also für Spontanreisende? Nicht zwangsläufig: Da die Tarife von der tatsächlichen Ausnutzung bestimmt werden, gibt es gerade in der Früh- und Nachsaison immer wieder Sonderangebote.

Dazu lohnt es, eine Rück- oder Weiterfahrt gleich mitzubuchen. Finnlines räumt ab der zweiten Fahrt einen Rabatt von 20 Prozent ein. ANEK erlässt bei gleichzeitiger Buchung 30 Prozent der Rückfahrtkosten. Grimaldi Lines reduziert den Preis um 20 Prozent, sofern die Rückfahrt in der Nebensaison liegt. Auf den innergriechischen Verbindungen von Grimaldi gibt es in der Nebensaison 30 Prozent Rabatt, wenn die Adriastrecke mit Minoan Lines gebucht wurde. Buchen lassen sich alle Passagen über Onlineportale, die Internetseiten der Reedereien oder über Reisebüros.

ACE-Mitglieder sollten sich beim ACE-Reisebüro informieren. Zur Wahl stehen etwa 800 Fährstrecken von 60 Reedereien. Und oft sind mit der ACE-Clubkarte Rabatte zu bekommen, die es bei Online-Buchung auf den Webseiten der Fährgesellschaften nicht gibt.

Übersichtskarte der Fährverbindungen über Nord- und Ostsee (pdf)

Übersichtskarte der Fährverbindungen über das Mittelmeer (pdf)