28.01.2020

Fähren – Übers Wasser gehen

Per Fähre lassen sich lange Autofahrten vermeiden und ganze Meere überqueren – so kommt man entspannt am Urlaubsziel an. Wir geben Tipps zu Buchung und Bordleben und schippern zu den interessanten Destinationen Europas.

Gut gebucht

Mittlerweile bieten alle Reedereien die Möglichkeit, über Buchungsportale Reisen und die damit verbundenen Leistungen auszuwählen. Bei mancher südeuropäischen Reederei muss man sich aber darauf einstellen, dass das Menü nur in englisch, französisch oder spanisch verfügbar ist. Nicht alle Gesellschaften offerierten im Januar die aktuellen Angebote für die Sommerferien, einige wenige zeigten noch ihre Weihnachtsangebote.

Selbst wenn die Zielregion schon grob bestimmt ist kann die Vielzahl von Angeboten, Optionen und Rabatten zu Verwirrung führen. Als sichere Möglichkeit bietet sich die klassische Buchung über ein Reisebüro an. Das ACE-Reisebüro hat direkten Zugriff auf etwa 60 Reedereien, die rund 800 Fährstrecken bedienen.

Einfach Kosten sparen

Gleich, in welchem Teil Europas: Viele Routen werden fast deckungsgleich von mehreren Fährgesellschaften bedient. Da die Preise für die Fährpassage sowohl von Abfahrtstag und -zeit als auch von der Auslastung bestimmt werden, lohnt der direkte Vergleich verschiedener Anbieter, aber auch aller in Frage kommender Abfahrts- und Zielhäfen. Dabei sollte auch auf zeitlich limitierte Offerten geachtet werden. Grundsätzlich gilt, dass Frühbucher günstigere Preise erwarten können als Spätentschlossene. Die gleichzeitige Buchung von Hin- und Rückfahrt senkt ebenso die Kosten wie Kombitickets, die mehrere unterschiedliche Passagen umfassen. Angeboten werden diese Möglichkeiten sowohl im Bereich der griechischen als auch der skandinavischen Fähren.

Wen es häufiger in die gleiche Region zieht, der tut gut an der Beschaffung einer Bonuskarte. Fast alle Reedereien bieten derartige Programme an. Belohnt wird man mit Vergünstigungen auf den Ticketpreis bei folgenden Überfahrten, aber auch mit besseren Konditionen für Kabinen und beim Einkauf an Bord.

Erlebnis Fähre

Den ganzen Tag nur Wasser, so weit das Auge reicht? Aber ja doch. Denn die Möglichkeiten, sich während einer Überfahrt zu beschäftigen, sind vielfältig. Auf Langstreckenrouten steht das Unterhaltungsprogramm dem einer Kreuzfahrt nicht viel nach, in den Kinos laufen aktuelle Filme. Spa-Bereiche laden zum Gang in die Sauna oder in den Wellnesstempel ein, Aktive können sich im Fitnessbereich vergnügen. Für Kinder sind Fähren sowieso ein Abenteuer. Wann ist man schon mal auf einem Traumschiff?

Schlafen und Schlemmen

Während viele Fähren in Südeuropa auch Nachtschwärmern die einfache Deckpassage anbieten, besteht rund um die Ostsee Kabinenpflicht bei Nachtfahrten. Die Räume können sich zumeist sehen lassen und sichern sowohl Schönheitsschlaf als auch Erholung für die kommende Etappe. Für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität stehen grundsätzlich barrierefreie Kabinen zur Verfügung. Nicht zu vergessen die vielfältigen Möglichkeiten zur Verköstigung. Der Snack vom Buffet ist ebenso erhältlich wie das À-la-carte-Menu im Bordrestaurant. Tipp: Wer sein Essen schon bei der Buchung mitbestellt, erhält oftmals einen Preisnachlass auf die Mahlzeit.

Für Camper

Interessant ist das auf manchen Griechenland-Fähren angebotene Camping an Bord, bei dem man im eigenen Fahrzeug übernachten kann. Die zur Verfügung stehenden Plätze sind allerdings rar und oft schon lange im Voraus restlos ausgebucht.

Fifis Fährfahrt

Bei Reisen mit Hunden gilt es, auch deren Bedürfnisse zu berücksichtigen. In der Regel kommen die besten Freunde der Familie gut mit Schiffsreisen zurecht. Allerdings wird auch für ihre Mitreise ein Obolus erhoben und es gelten gewisse Beschränkungen: So haben sie in öffentlichen Bereichen wie dem Restaurant keinen Zutritt. Dafür wird meist auf einem der Außendecks ein Hundebereich ausgewiesen, wo etwas Auflauf und die Möglichkeit des kleinen oder großen Geschäfts möglich ist. Für längere Passagen stehen zudem spezielle Haustierkabinen zur Verfügung.

Der Umwelt zuliebe

Bis zu 500 Autos werden mit jeder Fähre transportiert, je weiter die Strecke, um geringer fallen die durch Fahrzeuge verursachten Emissionen aus. Für die Schiffe gelten seit dem 1. Januar 2020 deutlich schärfere Umweltgrenzwerte. Nach einem Beschluss der International Maritime Organization IMO darf auf hoher See nur noch Schweröl mit einem Grenzwert von 0,5 Prozent Schwefel verfeuert werden. In den Schutzgebieten Nord- und Ostsee darf der Treibstoff sogar nur 0,1 Prozent Schwefel enthalten.

Darüber hinaus wächst die Bereitschaft vieler Reedereien, ihre Schiffe umweltfreundlicher auszulegen. Vermehrt ersetzt Flüssigerdgas das bislang genutzte Schweröl als Treibstoff, die ersten Hybrid-Fähren schippern bereits über die Ostsee, zur Energieversorgung der Schiffe in den Häfen wird zunehmend Landstrom statt der bordeigenen Dieselaggregate genutzt. Ziel ist, binnen weniger Jahre rein elektrisch in See zu stechen. Gleichzeitig wird der Verbrauch von Einwegplastik drastisch reduziert und auf die Recylingfähigkeit von Verbrauchsmaterialien geachtet.

Elektrofahrzeuge können problemlos transportiert werden. Noch ist es aus Sicherheitsgründen selten, diese während der Überfahrt aufzuladen, doch auch hier ändern sich die Zeiten: Der demnächst von Fjordline auf der Strecke Hirtshals – Kristiansand eingesetzte Katamaran bietet Ladebuchsen für 16 E-Fahrzeuge. Bei manchen Reedereien muss bereits bei der Buchung angegeben werden, ob das Auto mit Erdgas oder Flüssiggas betrieben wird.

Britische Inseln

Trotz des kommenden Austritts Groß Britanniens aus der EU bleiben die Britischen Inseln ein lohnenswertes und vielfältiges Reiseziel. Der Weg dorthin führt jedoch zwangsläufig über den Ärmelkanal oder die Nordsee. Bei der Wahl der Route spielen Wohnort und Zielgebiet eine gewichtige Rolle. Die kürzeste Verbindung über das Meer ist die bewährte Strecke vom französischen Calais nach Dover. Binnen eineinhalb Stunden ist die Strecke überwunden, die Fähren legen eng getaktet Tag und Nacht ab. Alternativ kommt die Bahnverladung durch den Eurotunnel in Frage, die allerdings je nach Reisetag um 50 Prozent teurer zu Buche schlägt.

Wen es eher in den Norden oder nach Schottland zieht, der sollte die Passagen ab Holland oder Belgien nach Hull oder Newcastle in Betracht ziehen. Auf den Tagfähren besteht keine Kabinenpflicht. Reisende, die ihren Schwerpunkt auf Irland legen, haben die Möglichkeit einer Durchbuchung aller Fährstrecken. Der Paketpreis ist auf jeden Fall günstiger als der Kauf von Einzeltickets. Als Alternative bietet sich eine der Direktfähren ab Frankreich an. Die Anfahrt bis zum französischen Hafen Cherbourg ist zwar länger, doch spart man sich zum einen die Strecke durch England sowie die zusätzliche Passage durch die Irische See.

Harter Brexit – weiche Folgen

Auch nach einem Brexit fahren die Fähren weiter. Bis etwa Ende 2020 gilt eine Übergangszeit, während der die bisherigen Einreisebestimmungen weiterhin Gültigkeit haben. Mittelfristig ist absehbar, dass zur Einreise der Personalausweis nicht mehr ausreicht und ein Reisepass erforderlich sein wird. Der nationale Führerschein wird weiterhin anerkannt, nicht aber die europäische Gesundheitskarte EHIC. Es empfiehlt sich der Abschluss einer Reise-Krankenversicherung. Für das Fahrzeug benötigt man eine Grüne Versicherungskarte.

Skandinavien

Der entspannteste Weg nach Skandinavien beginnt mit einer kleinen Schiffsreise. Die Fähren nach Norwegen, Schweden und Finnland zeichnen sich durch ihre Kinderfreundlichkeit aus, in der Saison gehört Kinderanimation auf den meisten Schiffen zum festen Bestandteil des Bordprogramms.

Mit einer Fähre lässt sich Strecke machen, ohne Sprit zu vergeuden. Um so sinnvoller ist es, bereits bei der Reiseplanung abzuwägen, wie weit nördlich das anvisierte Ziel liegt und wie es am ressourcenschonendsten zu erreichen ist. Der Mehrpreis für eine Schiffspassage nach Westnorwegen oder in den schwedischen Botten relativiert sich schnell durch eingesparte Tankfüllungen und Hotelübernachtungen. Wer sich beispielsweise in Richtung Nordkap aufmacht, spart bei der Anfahrt über Helsinki satte 600 Kilometer gegenüber der Norwegen-Route ab Oslo. Im Hinterkopf präsent sollte auch die Vielzahl von deutschen Fährhäfen sein. Eine Passage ab Rostock oder Sassnitz kommt teilweise billiger als von den weiter westlich gelegenen Ports – von vielen Regionen Deutschlands aus also überlegenswerte Alternativen.

Endgültig Geschichte ist ab Februar die Verbindung vom dänischen Grenaa nach Varberg in Schweden. Stena Line fährt künftig den Hafen von Halmstad an. Ob sich die kürzere Strecke auch in günstigeren Ticketpreisen niederschlägt, ist derzeit noch nicht bekannt. Aufgegeben wird nach nur einem Jahr auch die von TT-Line betriebene Route von Swinemünde, direkt hinter der polnischen Grenze, nach Rønne auf der dänischen Insel Bornholm.

Baltikum

Immer größeren Interesses erfreuen sich die Baltischen Staaten Litauen, Estland und Litauen als Urlaubsziele. Liepaja in Lettland wird von Stena Line direkt angesteuert, von Travemünde und Rostock aus geht es mit TT Line nach Klaipeda in Litauen. DFDS fährt Klaipeda von Kiel aus an. Überlegenswert ist, die kleine Ostseerunde auf Finnland und Schweden auszudehnen. Mehrere Reedereien bieten Verbindungen vom Baltikum an, z. B. nach Helsinki, Turku oder Stockholm.

Mittelmeer

Kaum Wünsche offen lässt die Streckendichte auf dem Mittelmeer. Für das Inselspringen vor Kroatien oder in griechischen Gewässern reicht es in der Regel aus, rechtzeitig am Hafen zu sein und ein Ticket zu kaufen. Die Hauptlinien von Italien nach Griechenland eröffnen die Möglichkeit einer längeren und genussreichen Seereise ab Venedig, mit der sich mancher Kilometer auf der Autostrada ersparen lässt. Wer lieber Auto fährt als schippert muss 400 Kilometer bis Ancona oder gut 800 bis 1000 Kilometer bis Bari oder Brindisi absolvieren, um zu günstigeren Tarifen nach Griechenland überzusetzen. Abzuwägen ist, ob der Zielhafen Durres in Albanien nicht auch in Frage kommt.

Fähren zu den Balearen, Korsika und die italienischen Inseln können und sollten in der Hauptsaison vorgebucht werden. Corsica & Sardinia Ferries hat die Schlagzahl seiner Verbindung zu mehreren Destinationen für dieses Jahr deutlich erhöht. Bei Moby Lines entfallen die Routen von Livorno nach Bastia und von Catania nach Malta. Für die Anfahrt zum Mittelmeer bieten sich mehrere Strecken an: Von Süddeutschland aus dürfte die Route über die Schweiz trotz erforderlicher Vignette die erste Wahl darstellen. Ist man dagegen in Nord- oder Westdeutschland beheimatet, stellt die Route über Frankreich einen überlegenswerten Schlenker dar. Dies gilt erst recht für Motorradreisende, die in der Nebensaison ihr Schiff erreichen wollen. Im milden Klima entlang der Rhone kann auf den Pullover verzichtet werden, der in den Schweizer Bergen erforderlich wäre.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Fährverbindungen im Überblick finden Sie auf unseren Übersichtskarten zum Mittelmeer sowie zu Nord- und Ostsee. Außerdem haben wir die Reedereien und ihre Routen sowie Kontaktdaten in einer Liste für Sie zusammengestellt.

Vergleichen Sie unsere Preise und Leistungen zur Pannenhilfe mit denen des ADAC.

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