Deutschland:

Wetteraukreis – Schön Wetter machen

27.05.2019

Vom kältesten zum wärmsten Ort Deutschlands, entlang der Wetter durch den Wetteraukreis. Und auf Spurensuche, warum das Wetter nicht immer so ist, wie vom Wetterbericht vorhergesagt.

Die Schwalben fliegen hoch, der Wetterfrosch sitzt auf der obersten Sprosse seiner Leiter. Beste Chancen für gutes Reisewetter, das bestätigt auch der Wetterbericht. Doch wie kommt es, dass selbst Profis danebenliegen und der angekündigte Hitzesommer doch kalt ist oder Regenschauer den angekündigten Sonnenschein vergessen lassen? Wir gehen auf die Suche nach Antworten, immer auf der Spur des Wetters.

Winterberg – nicht nur im Winter eine Reise wert

Seit Jahren gehört der Wintersportort Winterberg zu den kühlsten Orten Deutschlands. Herrschen am Rhein hitzige 30 Grad, klettert das Thermometer hier kaum über erfrischende 24 Grad. Wo im Winter die Skilifte fahren, reihen sich im Sommer Freizeitattraktionen aneinander. Mountainbiker heben an den Sprunghügeln des Bike-Parks die Schwerkraft auf, Familien sausen die Sommerrodelbahn herunter. Bereits 1918 wurde hier auf dem Kahlen Asten eine der ersten Wetterstationen Deutschlands errichtet. 80 Stufen führen zur Aussichtsplattform des Astenturms, wo sich ein fantastischer Blick über das Sauerland bietet. Die oberhalb befindliche Wetterstation bleibt dem Besucher verborgen, schließlich wird dort gearbeitet.

Von der Bauernregel bis zur High-Tech-Meteorologie

Erst seit knapp 250 Jahren werden meteorologische Daten erfasst, die erste deutsche Wetterkarte entstand 1876. Doch war die Beobachtung des Wetters für die Landwirtschaft bereits zuvor wichtig. Bauernregeln und 100-jährige Kalender gibt es schon ewig, wissenschaftliche Vorhersagekraft haben sie indes nicht. Kaum aus der Stadt heraus ist vom Trubel Winterbergs nichts mehr zu spüren. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Ruhrquelle, die nicht nur Wanderer auf dem Rothaarsteig zu einer Pause einlädt. Von hier aus führen schmale Landstraßen gen Süden. Die Dörfer erinnern an Zeiten, als Häuser in Fachwerk gebaut waren. In Medebach stolpern wir in das jährliche Oldtimertreffen – ein Magnet für die ganze Region.

Ein Museum rund ums Wetter

Pro 100 Meter Höhe nimmt die Temperatur um ein Grad ab. Ganz klar also, dass auf der stetig bergab führenden Straße nach Frankenberg das Thermometer wieder steigt. Ein Zwischenstopp lohnt wegen der pittoresken Altstadt und des historischen Rathauses. Im Ortsteil Schreufa befindet sich ein kleines Wettermuseum, das einmal pro Monat öffnet. Jederzeit begehbar ist der hübsche Wettergarten, in dem die Wolkenformationen und der Klimawandel erklärt werden. Und wie ist die Witterung im Örtchen Wetter? Kaum anders als anderswo. In der Mittagshitze mag nicht einmal ein Wetterhahn krähen. So nehmen wir Kurs auf Marburg, die ewig junge, ewig alte Studentenstadt. Mit dem Aufzug geht es hoch in die Oberstadt. Der Ausgang mündet direkt in die Wettergasse, wo Sonne und sommerliches Treiben die Stimmung heben.

Von Schlössern, schnellen Autos, Vulkanen und Rosen

Wir trennen uns ungern und nehmen Kurs auf Süd-West. Gen Laubach, wo die Quelle des Flüsschens Wetter gut versteckt im Wald liegt. Der Wasserlauf, der dem Wetteraukreis den Namen gab, bietet nun grobe Orientierung. Vorher wurde noch ein Blick auf das Laubacher Schloss geworfen, in dem die im 16. Jahrhundert begründete Bibliothek des Grafen zu Solms-Laubach untergebracht ist.

Wo einst Motorrad- und Autorennen stattfanden, ist Stille eingekehrt. Der legendäre Schottenring dient nur noch als normale Straße. In der Ortsmitte befindet sich das Vulkaneum, ein Museum zum Mitmachen. Vulkanische Aktivitäten haben Auswirkungen auf das Wetter. Nach einem Ausbruch können Staubwolken das Klima weltweit beeinflussen. Ganz im Zeichen der Rose steht hingegen die Region rund um Steinfurth. Auf zahllosen Feldern leuchtet die edelste Blume in allen Farbschattierungen. Mitten im Ort lädt das Rosenmuseum zum Besuch ein.

Eine gesunde Erfrischung unterwegs

Grün die Wälder, die Weiden, der frische Mais. Gelblich-weiß die Kornfelder. Ein golden-grünes Panorama, gespickt mit Dörfern, die schon von Weitem an ihren schwarzen Schindeldächern erkennbar sind. Einen Abstecher wert sind der Schwalheimer Sauerbrunnen und die Löwenquelle, die im Stil der Jahrhundertwende errichtet wurden. Das Heilwasser darf verkostet werden. In Niddatal-Assenheim mündet die Wetter in die Nidda. Nach wochenlanger Trockenheit eher ein Flüsschen als ein Strom, doch soll sie sich nach manch heftigen Regenfällen bereits von der reißenden Seite gezeigt haben.

Zeitreise von den Kelten nach „Mainhattan“

In sanften Bögen führt die Straße durch die dichten Wälder, das Blätterdach der Bäume spendet Kühle. Berge, Wälder und Wasserläufe sind Wetterscheiden, die auf Apps und Wetterkarten kaum Beachtung finden. In mehreren Orten wurden Überreste des römischen Limes nachgewiesen, weshalb die Region als Unesco-Welterbe geadelt wurde. Die Kelten, einst Bewohner dieses Landstrichs, haben dagegen nur wenige Zeugnisse hinterlassen. Ihrer rätselhaften Geschichte widmet sich die „Keltenwelt am Glauberg“. Das Frankfurter Westend zählt seit Jahren zu den wärmsten Orten Deutschlands, die meisten Sonnenstunden inklusive. Von der Mainkur aus hat man einen schönen Blick auf die vorbeiziehenden Schiffe, auch die Skyline der Bankenmetropole ist gut erkennbar.

Wo die „Wetterfrösche“ arbeiten

Nur einen Katzensprung entfernt ist Offenbach, wo der Deutsche Wetterdienst beheimatet ist. Im nahen Wetterpark lässt sich endlich dem Wetter auf die Spur kommen. Dort gibt es nicht nur eine Wetterwarte, sondern auch ein Besucherzentrum und mehrere Stationen, an denen Messtechniken und Wetterphänomene erklärt werden. Warum also liegt manche Wetterprognose so daneben? Die Messergebnisse müssen interpretiert werden, das Flug- oder Seewetter setzt andere Prioritäten als der Wetterdienst für die Landwirtschaft. Die Erfolgsquote für den Folgetag liegt bei bis zu 95 Prozent, je kleiner das Gebiet, umso genauer die Vorhersage. Bei unbeständiger Witterungslage aber ähneln über vier Tage hinausgehende Prognosen eher dem Rat einer Kristallkugel. Was hilft, ist ein Blick aus dem Fenster. Dort scheint zuweilen die Sonne, obwohl der Wetterfrosch Regen prognostiziert hat. Ja, wer sich auf den verlässt ...

Reise-Info – Rundum Wetter

Lage: Zwischen dem Sauerland und Hessens Metropole Frankfurt liegt der Wetteraukreis, der für Kurzurlauber aus den beiden großen Einzugsgebieten Rhein-Ruhr und Rhein-Main gut erreichbar ist.

Tipp: Das Vulkaneum in Schotten ist eines der größten Vulkanmuseen in Deutschland. Die Faszination Vulkan wird hier lebendig und familiengerecht nahegebracht.

Wetter: Darüber bietet der Wetterpark in Offenbach Infos und Erklärungen. Während der Sommerzeit werden regelmäßig Führungen zu verschiedenen Themen angeboten.

Weitere Informationen zu den Etappenzielen findet man auf den Internetseiten von Winterberg und Marburg. Einen guten Überblick bietet die Website des Wetteraukreises.