Kauftipps für gebrauchte Wohnmobile


Wohnmobilurlaub ist im Trend: Die Campingbranche boomt und das Interesse an Wohnmobilen ist so groß wie lange nicht mehr. Wer sich für den Kauf eines Reisemobils interessiert, bringt oftmals schon Campingerfahrung mit. Der Drang, nicht mehr in einem nassen Zelt seine Habseligkeiten trocken halten zu müssen, kann ebenso ausschlaggebend sein wie der Wunsch, statt eines Mietmobils auf Zeit nun dauerhaft über ein eigenes Fahrzeug verfügen zu können.

Kastenwagen, Alkoven oder Vollintergrierter?
 

Für welche Bauform man sich bei einem Wohnmobil entscheidet, hängt stark von den persönlichen Bedürfnissen und den Reisegewohnheiten ab.

  • Ausgebaute Kastenwagen bieten ein Fahrverhalten, das dem von Pkw mittlerweile sehr nahekommt. Allerdings geht es sowohl in Kleinbussen als auch in Fahrzeugen auf Transporterbasis mitunter etwas beengt zu.
  • Teilintegrierte sind deutlich komfortabler ausgestattet und bieten das gewisse Mehr an Platz, um sich auch mit mehreren Personen wohlzufühlen. Für Neulinge gewöhnungsbedürftig ist die durch den Aufbau bedingte Breite, die meist zwischen 2,30 und 2,50 Metern liegt.
  • Alkovenfahrzeuge bieten sich für den Urlaub mit der ganzen Familie an. Die zusätzlichen Schlafplätze über der Fahrerkabine entzerren die Platzverhältnisse bei Nacht.
  • Integrierte stellen die Oberklasse des Spektrums dar und bieten genügend Platz und Komfort, um sich heimisch zu fühlen. Der Luxus wird allerdings durch Außenmaße erkauft, die denen eines mittelgroßen Lastwagens entsprechen.
Checkliste Gebrauchtwagenkauf
 

Alter

Wohnmobile haben ein langes und zumeist auch geruhsames Leben. Mit 13,6 Jahren liegt das vom Statistischen Bundesamt ermittelte Durchschnittsalter um fast 50 Prozent höher als das von Personenkraftwagen. Dank guter Pflege und dem schwerpunktmäßigen Einsatz zwischen Frühjahr und Herbst sind viele Wohnmobile auch in fortgeschrittenem Alter noch in einem mehr als ansehnlichen Zustand. Damit verbunden ist eine ausgesprochene Wertbeständigkeit.

Ehemalige Mietfahrzeuge

Als fast neue Fahrzeuge mit erheblichem Preisnachlass präsentieren sich Wohnmobile, die nach der Erstzulassung als Mietfahrzeuge eingesetzt wurden. Spätestens alle zwei Jahre erneuern die großen Vermietketten ihre Flotten, mitunter werden die Kosten für eine vorherige Anmietung auf einen späteren Kauf angerechnet. Dennoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es sich hier nicht um Neufahrzeuge handelt. Niemand weiß, wie die diversen Vornutzer mit dem Fahrzeug umgegangen sind. Entsprechend genau sollte eine Begutachtung  stattfinden. Schäden an den Reifenflanken deuten auf Bordsteinkontakte hin, Scharniere und Auszüge sollten einwandfrei funktionieren. Kfz-Gutachter können eine Hilfe sein.

Umweltkriterien

Die blaue Umweltplakette wurde zwar erst einmal zurückgestellt, doch über 50 deutsche Städte bestehen mittlerweile bei einer Einfahrt auf die 'Grüne Plakette'. Bedacht werden sollte, dass viele Basisfahrzeuge erst seit dem Modelljahrgang 2007 Anspruch auf die grüne Plakette haben. Für ältere Modelle werden im Zubehörhandel Nachrüstmöglichkeiten angeboten. Der Einbau eines Dieselpartikelfilters wird noch bis zum 15.11.2016 vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle BAFA mit einem Einmalbetrag von 260 Euro unterstützt. Nachgerüstet werden müssen die Fahrzeuge allerdings schon bis zum 30.09.2016.

Ersatzteilbeschaffung

Modellwechsel vollziehen sich schneller als bei Pkw, die meisten Änderungen beziehen sich auf die Innenausstattung. Während die Beschaffung von Ersatzteilen für das Basisfahrzeug, zumindest während der ersten zehn Jahre, kaum Probleme aufwirft, muss beim Austausch von Polstern und Armaturen Flexibilität an den Tag gelegt werden. Originale Polsterstoffe werden nur selten länger als zwei bis fünf Jahre vorgehalten, die Suche nach Ersatz führt eher zum Polsterer als zum Fachhändler.

Reifen

Wohnmobile sind Freizeitfahrzeuge, die vornehmlich in den wärmeren Monaten für Urlaube und Ausflüge an Wochenenden eingesetzt werden. In den meisten Fällen werden sie nur selten für Alltagsfahrten genutzt, entsprechend gering fällt die Jahresfahrleistung aus. Reisemobile mit geringer Laufleistung sind keine Seltenheit, doch hat ein niedriger Tachostand auch seine Tücken. So sollten die langlebigen, aber teuren Reifen nicht nur auf ihre Profiltiefe hin überprüft werden, sondern auch auf ihr Alter. Lange Standzeiten schaden der Karkasse. Es sollte belegt werden, wann der letzte Reifenwechsel stattgefunden hat.

Karosserieschäden

Kratzer an der Stoßstange sind allenfalls ein Schönheitsfehler. Gravierender sind Anzeichen von Schäden am Aufbau. Sinnvoll ist auch eine genaue Begutachtung des oberen Teils des Fahrzeugs. Bei Schrammen am Alkoven sollte der Bereich um die Fenster auf Undichtigkeiten überprüft werden.

Vorsicht ist bei Hagelschäden geboten. Zwar führen diese nicht automatisch zu Undichtigkeiten oder gravierenden Schäden an Dach und Aufbau. Versicherungen gewähren jedoch nur dann einen Kaskoschutz, wenn ein vorheriger Hagelschaden nachweislich repariert wurde.

Dichtigkeit

Für verblechte Kastenwagen und Kleinbusse kein Thema, umso mehr für Wohnmobile mit einem Aufbau. Je nach Konstruktion und Alter kann Feuchtigkeit eingedrungen sein. Regelmäßig durchgeführte Feuchtigkeitsprüfungen sind Bestandteil der Garantievoraussetzungen, Belege darüber geben die Sicherheit, dass alles in trockenen Tüchern ist. Bei Zweifeln sollte eine Feuchtigkeitsprüfung beim Fachhändler durchgeführt werden – der kennt die neuralgischen Punkte.

Gasprüfung

Der Gesetzgeber schreibt eine regelmäßige Überprüfung der bordeigenen Gasanlage auf Undichtigkeiten vor. Spätestens zur Hauptuntersuchung muss ein Beleg der vollzogenen Prüfung vorgelegt werden. Zudem bestehen immer mehr Campingplätze auf die Vorlage eines entsprechenden Nachweises. Lassen Sie sich deshalb die Prüfbescheinigung zeigen.

Innenraum

Ein Blick auf die Polster und in die Schränke vermittelt oft einen genaueren Eindruck von der Pflege, die dem Wohnmobil während der vergangenen Jahre zuteil geworden ist. Muffig riechende Polster deuten darauf hin, dass der Wagen während der Standzeiten im Winter nicht regelmäßig gelüftet wurde. Einen Blick wert ist auch die Leichtgängigkeit von Scharnieren und Feststellern. Verdunkelungen und Fliegengitter vor den Fenstern und den Dachklappen sollten unbeschädigt und nicht eingerissen sein.

Elektrik

Wohnmobile verfügen über eine autarke elektrische Anlage, mit der sich die elektrischen Verbraucher auch dann betreiben lassen, wenn von außen kein Strom zugeführt wird. Grundsätzlich müssen alle Geräte in einem funktionsfähigen Zustand sein. Dies gilt sowohl für Lampen und Kühlschrank, aber auch für eine vorhandene Klimaanlage für den Wohnbereich. Besondere Beachtung ist bei moderneren Fahrzeugen angeraten, wenn die Bordelektrik über ein Zentralpaneel gesteuert wird. Bei Fehlfunktionen sollte vor dem Kauf in einer Fachwerkstatt abgeklärt werden, wie kostenträchtig eine Reparatur ausfallen kann.

Wasseranlage

Während längerer Standzeiten im Winter kann die bordeigene Wasseranlage durch Frost Schaden nehmen. Der Ersatz geplatzter Zuleitungen ist in der Regel arbeitsintensiv. Achten Sie im Bereich der Spüle und der Nasszelle auf Spuren früherer Wasserschäden. Abgeklärt werden muss zudem, ob die Wasseranlage regelmäßig mit Verkeimung verhindernden Mitteln behandelt wurde. Eine störungsfreie Funktion sollte auch bei der Bordtoilette gegeben sein. Undichtigkeiten sind zwar selten, als Schwachpunkt bei älteren Modellen hat sich jedoch die Füllstandsanzeige erwiesen. Der Austausch ist einfach, setzt aber eine gewisse Unempfindlichkeit voraus.

Auf das müssen sie beim Messekauf achten
 

Zweimal pro Jahr – Ende August auf dem Düsseldorfer Caravan-Salon sowie auf der CMT im Januar in Stuttgart – werden auf den größten Caravan-Messen die Neuheiten der Saison vorgestellt. Prächtig in Szene gesetzte Reisemobile laden zum Losfahren in den Campingurlaub ein, sie müssen nur noch käuflich erworben werden. Auf Messen wird oftmals mit deutlichen Rabatten und Nachlässen geworben, Vorführmodelle sind im Preis herabgesetzt. Allerdings ist die Möglichkeit, den Umfang des Zubehörs selbst auszuwählen, bei bereits gefertigten Fahrzeugen gering.
Vor einer endgültigen Entscheidung für einen Kauf sollte man sich eine Bedenkfrist einräumen lassen, nicht wenige Händler halten den vereinbarten Preis über die nächsten zwei Wochen. Hingewiesen sei auch auf die nach den großen Ausstellungen stattfindenden Hausmessen vieler Händler, auf denen mit mehr Ruhe geprüft werden kann, ob es sich bei dem angebotenen Fahrzeug wirklich um das Wunsch-Wohnmobilmodell handelt.

Standort des Verkäufers

Während die Ausstellungsstände auf Messen unter den Namen der Hersteller zu finden sind, sind für Beratung und Geschäftsabschlüsse Händler zuständig. Gleiches gilt für die Kaufabwicklung. Allen Messerabatten zum Trotz sollten sich Interessenten vergewissern, dass der Händler später auch in erreichbarer Nähe beheimatet ist. Schließlich ist er der erste Ansprechpartner für eventuelle Nachbesserungen und Reparaturen. Inspektionen können zwar auch beim Händler um die Ecke durchgeführt werden – es ist jedoch kein Geheimnis, dass eigene Kundschaft auch mal außer der Reihe bedient wird, Fremdkunden dagegen auf der Warteliste landen.

Widerruf des Kaufvertrages

Der Kauf auf einer Messe ist kein Haustürgeschäft und kann somit auch nicht einfach rückgängig gemacht werden. Selbst wenn der Händler im Rahmen der Kulanz einer Auflösung des Vertrages zustimmt, kann er bis zu 40 Prozent des Wertes als Schadenersatz einfordern. Einen Sonderfall stellt ein Kauf auf Kredit dar. So können durch einen Verbraucherdarlehensvertrag finanzierte Kaufverträge rückgängig gemacht werden. Durch den Widerruf der Finanzierung ist der Käufer auch nicht mehr an den daran gekoppelten Kaufvertrag gebunden. Unter gewissen Voraussetzungen können zudem Teilzahlungsverträge widerrufen werden.

Zubehör

Üppige Ausstattungspakete zum Sonderpreis sind bei Neufahrzeugen oft ein nicht zu verachtender Kaufanreiz. Dennoch sollte überlegt werden, ob alle angebotenen Bausteine wirklich benötigt werden. Beim Gebrauchtkauf eines Wohnmobils schlägt Sonderzubehör nur unwesentlich zu Buche. Weder beim Neukauf noch bei der Suche nach einem Gebrauchten sollte auf ein oftmals nur als Sonderausstattung erhältliches Sicherheitsniveau geachtet werden. Auf Beifahrerairbag und ESP, im Bedarfsfall auch Isofix-Kindersicherungen sollte nicht verzichtet werden.

Garantie

Die gesetzliche Gewährleistungsfrist beträgt bei einem Kauf vom Händler zwei Jahre, Privatverkäufer können die Gewährleistung im Vertrag ausschließen. Tritt ein Mangel auf, ist der Verkäufer für die Behebung des Schadens zuständig, eine Herstellergarantie lässt sich dagegen über das gesamte Netz der Vertragshändler geltend machen.

Als Kniff zu Ungunsten des Käufers gilt, wenn Fahrzeuge zwar von einem Händler angeboten, aber im Kundenauftrag verkauft werden sollen. Der Händler muss in diesem Fall nicht für entstehende Schäden aufkommen. Wird eine Gebrauchtwagengarantie offeriert, sollte überprüft werden, ob sich diese nur auf Karosserie und Motor bezieht oder auch das Interieur einschließt.