Der leichte Weg zum Führerschein ...


Der Preis für den begehrten Führerschein ist nicht von Pappe. Billige und schnelle Fahrschulen entpuppten sich am Ende als teuer und unsolide. Besser ist es, vorher die Bedingungen zu checken und zu klären: Welche Fahrschule verdient das Prädikat gut und preisgünstig?

Alles auf einen Blick: Der leichte Weg zum Führerschein
ACE-Studie: Fahrausbildung
Infos: Neuen Fahrerlaubnisrecht 2013

Neue Führerscheinregeln
Seit 2013 gelten neue Führerscheinregeln

Führerscheine, die nach diesem Datum ausgestellt werden, sind auf 15 Jahre befristet. Nach Ablauf dieser Frist müssen sie umgetauscht werden, allerdings ist der Umtausch mit keiner ärztlichen Untersuchung oder sonstigen Auflagen verbunden. Wer seine Fahrprüfung vor dem Stichtag bestanden hat, kann die alten grauen, rosafarbenen oder Scheckkarten-Führerscheine noch ohne Probleme nutzen – aber nur bis 2033. Spätestens dann müssen alle bisherigen ausgestellten Führerscheine erstmalig umgetauscht werden. Die Gebühr für den Umtausch beträgt 24 Euro, wenn ein graues oder rosa Dokument umgetauscht wird. Der Umtausch eines Scheckkartenführerscheins kostet 8,70 Euro.

Auch bei den einzelnen Führerscheinklassen wird es ab 19. Januar einige Änderungen geben, damit wird die Umsetzung der dritten EG-Führerschein-Richtlinie in nationales Recht abgeschlossen.

  • Die Klassen M und S werden zusammengelegt. AM steht künftig als neue Klasse für Kleinkrafträder. Sie umfasst zwei- und dreirädrige Kleinkrafträder sowie Leichtkraftfahrzeuge wie Quads und Trikes mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h und 50 cm3 Hubraum beziehungsweise vier kW Leistung.
  • Für die Klasse A 1 wird die bisherige Definition – Krafträder mit einem Hubraum von bis zu 125 cm3 und einer Motorleistung von nicht mehr als elf kw – ergänzt: Künftig muss auch ein Verhältnis von Leistung zu Gewicht von höchstens 0,1 kW/kg eingehalten werden.
  • Aus der Klasse A (beschränkt) wird A 2. Diese Motorradklasse wird künftig definiert mit einer Motorleistung von bis zu 35 kW und einem Verhältnis von Leistung/Gewicht von nicht mehr als 0,2 kW/kg. Auch der stufenweise Zugang bei Zweiradklassen wird neu geregelt. Wer zwei Jahre Erfahrung in der Klasse A 1 gesammelt hat, muss für den Zugang zu A 2 nur noch eine praktische, keine theoretische Prüfung mehr ablegen. Damit will das Bundesverkehrsministerium einen Anreiz schaffen, zunächst auf weniger leistungsstarken Zweirädern Erfahrung zu sammeln.
  • Wer direkt den Motorrad-Führerschein in Klasse A machen will, muss mindestens 24 Jahre alt sein.
  • Für das Fahren von Trikes wird mit der Neuregelung ein Führerschein der Klasse A (vorher B) vorgeschrieben, das Mindestalter wird auf 21 angehoben.
  • Krafträder dürfen keine Anhänger mehr mitführen. Auch diese Neuregelung gilt nicht für Altführerscheininhaber.


Die Regeln für Anhänger und Wohnwagen werden einfacher:

  • Klasse B erlaubt Anhänger bis max. 750 kg. Der Anhänger darf dieses Gewicht überschreiten, wenn das gesamte Gespann nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegt.
  • Wer Gespanne fahren will, die insgesamt mehr als 4,25 Tonnen wiegen, muss eine Schulung absolvieren.


Mehr zum neuen Fahrerlaubnisrecht 2013

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie beim Bundesverkehrsministerium.

Interview mit Florian Wolf, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht bei der Kanzlei Urcun, Wolf, Domé - www.uwd-kanzlei.de - Kreisvorsitzender des ACE-Kreis Stuttgart.

Fahrschulauswahl
Erreichbarkeit

Mehr als 20 Minuten sollten für den Weg zur Fahrschule nicht draufgehen. Bequem und kostengünstig sind kurze Wege zu Fuß, per Mofa, Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Qualität

Wichtig ist die verständliche Vermittlung der Ausbildungsinhalte, sowie eine optimale Vorbereitung auf die praktische und theoretische Prüfung. Pflicht sind 12 Doppelstunden in der Theorie, aber auch 16 Doppelstunden sind möglich, wenn der Fahrlehrer es für sinnvoll hält. Flexibilität bei Terminvereinbarungen für Fahrstunden, Theorieunterricht zu verschiedenen Zeiten mit Auswahlmöglichkeiten, moderne Ausbildungskonzepte, lebendige Diskussionsrunden – weniger Frontalunterricht; Einsatz neuer Medien – weniger Fragebögen.

Unser Tip: Fahrschulen am besten selbst testen. Gelegentlich werden dazu kostenlose Schnupperkurse angeboten. Informationen sammeln bei Freunden und frischen Fahrschulabsolventen. Erkundigen: Ist die Fahrschule zuverlässig, z. B. in punkto Terminvereinbarungen? Wird der Theorieunterricht mindestens zweimal in der Woche angeboten. Ist der Fahrlehrer auch in kniffligen Situationen souverän und freundlich oder ist er genervt, hektisch und übermüdet? Werden in den Fahrstunden die Fahrzeugtypen häufig gewechselt – das erfordert Umstellung und verursacht so ggfs. zusätzliche Fahrstunden? Gibt es Nichtraucher-Fahrzeuge? Stehen zum Beispiel für Frauen auf Wunsch Fahrlehrerinnen zur Verfügung? Welchen allgemeinen Eindruck hat die Fahrschule hinterlassen – muffig, verstaubt und veraltet, oder freundlich, modern und aufgeschlossen?

Vergleich vor Ort

Für das Kennenlern- und Anmeldegespräch sollte der Fahrlehrer persönlich zur Verfügung stehen. Alle Fragen ohne Zeitdruck beantworten lassen, z.B.: Wie hoch ist in Ihrer Fahrschule der Anteil jener Fahrschulabsolventen, die ihre Führerscheinprüfung im ersten Anlauf bestanden haben? (Bundesdurchschnitt: 77,3 Prozent; wünschenswerte Quote: über 90 Prozent).

Wie viele Fahrstunden waren im Jahresdurchschnitt pro Fahrschüler erforderlich? Übrigens: Die Pflichten des Fahrlehrers sind in der Fahrschülerausbildungsordnung (FahrschAusbO) festgelegt. Gute Fahrschulen stellen ihren Fahrschülern diese Ausbildungsordnung unaufgefordert zur Verfügung.

Fahrstunden
Faustregel

Wie viel ein Führerschein kostet hängt zum Großteil vom Fahrschüler selbst ab. Wer sich anstrengt, wird belohnt. Eine Umfrage des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg hat ergeben: Junge Frauen brauchen im Durchschnitt 35, junge Männer 32 Fahrstunden. Eine Insider-Formel lautet: Lebensalter x 1,3. Für einen 18-Jährigen bedeutet dies 24 Fahrstunden. Klar: Billiger ist es, diese Zahlen zu unterschreiten. Das darf aber niemals auf Kosten der Verkehrssicherheit gehen. Merke: Zu wenig Fahrstunden = zu viel Prüfungs- und Unfallrisiko. Außerdem: Eine Festlegung der Stundenzahl des praktischen Fahrunterrichts gibt es - mit Ausnahme der Sonderfahrten - nicht. Erst wenn der Fahrschüler die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, darf der Fahrlehrer die Ausbildung abschließen.

Führerschein auf Probe
Nachschulung

Junge Fahranfänger sind erfahrungsgemäß besonders risikobereit und überdurchschnittlich häufig in Unfälle verwickelt. Wer innerhalb der ersten zwei Jahren nach Erwerb seiner Fahrerlaubnis "verkehrsauffällig" wird, muss daher ihm Rahmen des Führerscheins auf Probe noch ein Mal die Schulbank drücken.
Das "Aufbauseminar" ist offiziell keine Sanktionsmaßnahme und es geht auch nicht um Bestehen oder Nicht-Bestehen einer Prüfung. Vielmehr spielen spezielle Maßnahmen der Verkehrspädagogik eine Rolle wie Verhaltensbeobachtung, Gruppengespräche und Fahrproben.
Eine Pflicht zur Teilnahme an einer derartigen Nachschulung besteht dann, wenn der Führerscheinneuling sich einer so genannten Zuwiderhandlung schuldig gemacht hat. Dazu zählt beispielsweise das Überfahren einer roten Ampel oder das Überschreiten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von mehr als 21 km/h. Bei zwei weniger schwerwiegenden Verstößen muss ein Fahranfänger ebenfalls zur Nachschulung, etwa dann, wenn er mit abgefahrene Reifen unterwegs ist oder es versäumt, bei starkem Regen das Licht einzuschalten.

Ein Seminar kostet durchschnittlich 330 Euro und besteht aus 4 Sitzungen, die jeweils 135 Minuten dauern. Hinzu kommt eine 30-minütige Fahrprobe. In längstens vier Wochen muss der Kurs absolviert sein. Der gesamte Aufwand wird noch dadurch gekrönt, dass die Probezeit um weitere 2 Jahre verlängert wird.

Nachschulung versäumt

Wer nicht zur angeordneten Nachschulen erscheint, verliert die Fahrerlaubnis. Wird das versäumte Aufbauseminar nachgeholt, ist alles in Ordnung. Erfolgt die Entziehung aber wegen erneuter Verkehrsverstöße, muss drei Monate mit der Wiedererteilung gewartet werden. Normalerweise ist auch noch ein verkehrspsychologisches Gutachten notwendig, wenn im Rahmen der wiedererteilten Fahrerlaubnis weitere Verstöße aktenkundig geworden sind.

Wenn der Führerschein erst mal weg ist, setzt auch die Probezeit aus. Erst wenn der Neuling das amtliche Dokument wieder in Händen hält, fängt die Probezeit im Umfang der Restdauer wieder an zu laufen. Ist erst einmal die Teilnahme an einem Aufbauseminar angeordnet, verlängert sich die Probezeit automatisch um zwei weitere Jahre. Wer in dieser Zeit erneut wegen Missachtung von Verkehrsvorschriften auffällt, wird mit einer gesonderten schriftlichen Verwarnung belegt und bekommt die Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung nahe gelegt. Deshalb ist es besser, wenn Führerscheinneulinge gleich zu Beginn ihrer Fahrerkarriere Disziplin einüben und ihr jugendliches Temperament zu zügeln verstehen.

Restriktionen für Fahranfänger

Fahranfänger, die mit dem Führerschein auf Probe unterwegs sind, müssen als Verkehrssünder nicht nur Bußgeld, Fahrverbot und Strafpunkte fürchten. Falls sie unangenehm auffallen, müssen sie sich auch einem sogenannten Pflichtaufbauseminar unterziehen oder sogar den vorzeitigen Verlust der Fahrerlaubnis in Kauf nehmen.
Die Behörden weisen allerdings in ihren Bußgeldbescheiden nicht gesondert darauf hin, das der Führerscheinneuling zur Nachschulung muss. Das böse Erwachen kommt für sie erst oft Monate später. Dies führt immer wieder dazu, dass möglicherweise aussichtsreiche Rechtsmittel nicht eingelegt werden im Vertrauen darauf, dass mit der Zahlung der Geldbuße alles erledigt ist.

Bei Bußgeldern und Verwarnungen über 35 Euro treten Sanktionen in Kraft und zwar selbst dann, wenn die Probezeit inzwischen abgelaufen ist, der Verstoß aber während der Probezeit begangen wurde. Was der Führerscheinneuling nach einem Verkehrsverstoß im einzelnen zu erwarten hat, richtet sich danach, ob der Verstoß der sogenannten A- oder B-Kategorie zugeordnet wird.

A-Verstöße mit schwerwiegenden Zuwiderhandlungen führen automatisch zu einer weiteren Sanktion während bei bei B-Verstößen mit weniger schwerwiegenden Zuwiderhandlungen es erst im Wiederholungsfall zu Sanktionen kommt.
Nach einem A-Verstoß oder zwei B-Verstößen kann die Führerscheinstelle folgende Maßnahmen anordnen:

  • Obligatorische Teilnahme an einem Aufbauseminar bzw. einem besonderem Aufbauseminar bei Alkohol und Drogenverstößen
  • Schriftliche Verwarnung mit Empfehlung der Teilnahme an einer freiwilligen verkehrspsychologischen Beratung innerhalb von zwei Monaten. Dies führt automatisch zu zwei Punkten Rabatt im Flensburger Zentralregister.
  • Entzug der Fahrerlaubnis bei erneuten Verstößen nach Ablauf einer zweimonatigen Frist.
Kosten
Durchschnittspreise

Preise für Fahrerlaubnisklasse B, Pkw
Fahrschulen in Großstädten sind im Unterschied zu Fahrschulen in ländlichen Gebieten in der Regel etwas preisgünstiger – andererseits neigen städtische Fahrschulen dazu, ihren Schülern mehr Fahrstunden zu verordnen.

Grundgebühr (Durchschnittspreise)
50-350 Euro
In diesen Preisen enthalten sind die Kosten für den theoretischen Unterricht, z.B. zwölf Doppelstunden (2 x 45 Min.) sowie allgemeine Verwaltungskosten der Fahrschule.

Lehrmaterial (Durchschnittspreise)
30-60 Euro

Fahrstunden à 45 Min. (Durchschnittspreise)
23-38 Euro
Hier sollten 20 bis 30 Fahrstunden einkalkuliert werden.

Sonderfahrten à 45 Min. (Durchschnittspreise)
30-50 Euro
Vorgeschrieben sind drei Nachtfahrten, fünf Überlandfahrten und vier Autobahnfahrten.

Hinzu kommen unterschiedliche Kosten für Gebühren der Verkehrsbehörde (ca. 45 Euro), Erste-Hilfe-Kurs (ca. 20-30 Euro) und für einen Sehtest (rund 6 Euro).

Der TÜV (theoretische und praktische Prüfung) kostet bis zu 110 Euro.

Diese Durchschnittspreise bieten nur einen allgemeinen Anhaltspunkt; die tatsächlichen Preise können weit darüber oder darunter liegen. Da es keine einheitliche Gebührenordnung gibt, können Deutschlands Fahrschulen ihre Preise am Markt selbst bestimmen. Nur Behörden und Prüforganisationen müssen sich an festgelegte Gebührensätze halten.

Gesamtpreis maßgeblich

Entscheidend ist der Gesamtpreis. Der ergibt sich aus der Addition fixer Kosten, z.B. für Lehrmaterial sowie zum Teil flexibler Kosten wie Fahrstunden. Derzeit müssen Fahrschüler für 45 Minuten fahrpraktischen Unterricht durchschnittlich etwa 35 Euro entrichten. Mit allen Anmelde-, Unterrichts- und Prüfungsgebühren sowie den Kosten für Lernmittel und Sehtest, müssen in einen Führerschein der Klasse B (Pkw) heute etwa zwischen 1.500 und 1.800 Euro investiert werden. Die Zahl der erforderlichen Fahrstunden schwankt erfahrungsgemäß zwischen 20 und 30.

Vor Ausbildungsbeginn sollten alle Konditionen schriftlich, d.h. verbindlich festgelegt werden. In den Preisen der Fahrschule muss die Mehrwertsteuer enthalten sein. Nicht täuschen lassen: Der Niedrig-Preis für eine Fahrstunde gibt noch keine Auskunft darüber, wie teuer der Führerschein am Ende wird. Riskant sind "schnelle" Fahrschulen, die ihre Fahrschüler zu früh in die Prüfung schicken. Folge: Alles verpatzt und durchgefallen. Beim nächsten Anlauf kassiert die Fahrschule erneut die Vorstellungsgebühr und lässt sich auch die zusätzlich notwendigen Fahrstunden teuer bezahlen.