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Autoantriebe in Deutschland

Trends, Kosten und Klimabilanz

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Alternative Antriebe legen zu

Auch wenn Benzin- und Dieselmotoren in Deutschland die Pkw-Zulassungen dominieren, der Anteil von Elektro- und Erdgasfahrzeugen am deutschen Neufahrzeugmarkt steigt kontinuierlich. Laut Dena, der deutschen Energieagentur, knackten die alternativen Antriebe im Jahr 2018 die Fünf-Prozent-Marke.

Nicht nur bei den gewerblichen Haltern, sondern auch im Privatbesitz, finden sich mehr und mehr Hybride, Erdgasfahrzeuge sowie Elektroautos. Die Hybridfahrzeuge sind dabei die Lieblinge (rund 99.000 Neuzulassungen in 2018), dicht gefolgt von den Erdgasfahrzeugen (mehr als 10.8000 Neuzulassungen 2018). Aufgrund der Verlängerung der Energiesteuerermäßigung auf Erdgas bis zum Jahr 2026 boomt der Erdgas-Antrieb (CNG) richtig.

Batterieelektrische Fahrzeuge verzeichnen rund 36.000 Neuzulassungen, das sind 44 Prozent mehr als noch 2017. Brennstoffzellenfahrzeuge (Wasserstoff) hingegen, sind in so geringer Stückzahl in den Markt gekommen, dass sie es nicht in die Statistik geschafft haben.

Vor- und Nachteile der alternativen Antriebe

Welcher Antrieb eignet sich für welche Nutzung? Was passt zu mittleren und langen Distanzen und was für kurze Strecken im urbanen Raum? Wir haben Ihnen die Vor- und Nachteile der alternativen Antriebe von Elektro über Hybrid bis Wasserstoff zusammengestellt.

E-Auto an Ladestation im Wohngebiet
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Das Elektroauto: Alternative für Pendler – die am besten erforschte Alternative

  • Vorteil: Kein Ärger mit Stickstoffoxiden (NOx), weniger Probleme mit Feinstaub und lokalem CO2-Ausstoß sowie höchster Wirkungsgrad von allen alternativen Antriebsformen. Richtig rund wird es, wenn der Strom aus regenerativer Erzeugung kommt. Darüber hinaus fallen die Betriebskosten der Stromer deutlich niedriger aus als bei Verbrennern. Zudem sind Besitzer eines Elektroautos mit Zulassung zwischen dem 18. Mai 2011 bis 31. Dezember 2020 für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit und seit Mittwoch, den 19. Februar 2020 gilt der erhöhte Umweltbonus, bei Kauf eines neuen E-Autos. .
  • Nachteil: Die Autos sind trotz Kaufprämie noch immer teuer, die Batterien derzeit noch sehr platzraubend und die Reichweite ist eingeschränkt. Jedoch das Netz an Ladesäulen für E-Autos wächst schnell, nahezu täglich kommen neue Ladepunkte hinzu. Derzeit gibt es insgesamt fast 11.000 E-Ladesäulen (Stand: 2019).
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Wasserstoffauto: Alternative - die ihren Preis hat

  • Vorteil: Wasserstoff kann innerhalb von drei bis fünf Minuten getankt werden und stellt eine höhere Reichweite bereit als E-Autos: Über 500 Kilometer sind möglich. Es treten zudem keine Emissionen, sondern nur Wasserdampf aus.
  • Nachteil: Hoher Preis für die Fahrzeuge, den Kraftstoff und die Tankstellen. Auch ist die Auswahl an Modellen sehr begrenzt. In Deutschland stehen derzeit landesweit nur 82 Wasserstofftankstellen zur Verfügung (Stand: Januar 2020). Zudem kommt Wasserstoff in der Natur nicht in reiner Form vor. Er muss zunächst teuer aus Wasser und Erdgas hergestellt werden, was, zusätzlich zum Transport und zur Lagerung, einen hohen Energieverbrauch bedeutet (schlechter Wirkungsgrad). Bei der Wasserstoff-Gewinnung werden auch häufig fossile Brennstoffe eingesetzt und CO2 ausgestoßen. Wasserstoffautos sind somit nur sauber, wenn regenerativer Strom zum Einsatz kommt. Für Privatpersonen sind Wasserstoffantriebe in absehbarer Zeit daher keine Alternative. Doch es gibt Anwendungsfälle, bei denen die Brennstoffzelle ihre Vorteile gegenüber rein elektrischen Antrieben perfekt ausspielen kann, zum Beispiel bei Lkw, Bussen und Bahnen.
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Hybridauto: Alternative für den Übergang in die Elektromobilität – die Beliebteste unter den Alternativen

  • Vorteil: Die Hybridtechnik ist ausgereift und bewährt, Anwendung und Bedienung sind simpel, mit klarem Sparpotential vor allem im Stadtverkehr, beim Anfahren und Beschleunigen. Beim Verbrauch sparen Hybrid-Nutzer zehn bis 15 Prozent gegenüber einem Benziner. Hybrid-Fahrzeuge stoßen aufgrund des zusätzlichen Elektromotors zudem weniger Treibhausgas-Emissionen aus als rein fossil betriebene Diesel und Benziner.
  • Nachteil: Seine Effizienzvorteile kann der Hybrid nicht überall ausnutzen. Bei konstant schneller Fahrt, zum Beispiel auf der Autobahn, hat er durch das Mehrgewicht von Batterie und E-Antrieb Nachteile gegenüber einem konventionellen Verbrenner.
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Plug-in-Hybrid: Hybrid mit Steckdosenanschluss

  • Vorteil: Je nach Batteriegröße können Plug-in-Hybride bestimmte Strecken auch rein elektrisch fahren, was konventionelle Hybride nur bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten, oft nur bis 20 km/h können. Die rein-elektrische Reichweite ist in den vergangenen Jahren gestiegen und liegt heute in der Regel um die 50 Kilometer. Der Fahrer kann zumeist eigenständig den Modus zum rein elektrischen Fahren aktivieren und so lokale Emissionen, beispielsweise im Wohngebiet, vollständig vermeiden. Zudem bietet der Doppelantrieb aus E-Motor und Verbrenner oft sehr dynamische Fahrleistungen.
  • Nachteil: Plug-in-Hybride haben, wie alle Hybridautos, im Grunde immer einen Motor zu viel an Bord. Ihre optimistischen Normverbrauchswerte gelten nicht nur deswegen als unrealistisch. Zudem sind die Anschaffungskosten in Relation zu dem in der Praxis geringen Einsparpotenzial sehr hoch.
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Erdgasauto: Alternative für regelmäßig Fahrende – das boomende Segment

  • Vorteil: Erdgasmotoren vereinen die Vorteile von Diesel und Benziner. Sie stoßen durchschnittlich 18 Prozent weniger CO2 aus als Benziner und 90 Prozent weniger Stickoxide als Diesel. Zudem ist Erdgas steuerbegünstigt und das sicher bis zum Jahr 2026. Und neben den günstigen Betriebskosten glänzt der Erdgasantrieb vor allem mit seiner Umweltbilanz.
  • Nachteil: Mit Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte müssen Erdgasfahrzeuge effizienter werden, ansonsten könnten sie langfristig zum Problem für die Hersteller werden. In Deutschland gibt es leider nicht sehr viele Erdgas-Tankstellen, derzeit sind es 856, auch wenn die Erdgaswirtschaft betont, das Tanknetz ausbauen zu wollen. Zukünftig soll jede zehnte konventionelle Tankstelle den Kraftstoff Erdgas (CNG) anbieten.
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Autogas: Alternative für Vielfahrer – die Zukunft ist offen

  • Vorteil: Autogas (LPG) ist günstig und vielerorts verfügbar. Es gibt mehr Tankstellen, die Autogas anbieten als solche, die auf Erdgas (CNG) setzen. Bundesweit bieten rund 6.600 Tankstellen Autogas an (Stand 2019). Damit ist Autogas etwa an jeder zweiten Tankstelle in Deutschland verfügbar – darunter sind auch reine Autogas-Tankstellen. Europaweit kann an mehr als 40.000 Stationen Autogas gezapft werden, jedoch mit abnehmender Tendenz. CO2- und NOx-Ausstoß sind im Vergleich niedrig: Der CO2-Vorteil fällt im Vergleich zum Benziner mit ca. 15 Prozent ins Gewicht. Stickoxide sinken gegenüber einem Benziner um 20 Prozent und im Vergleich zu einem Dieselmotor um über 95 Prozent. Allerdings ist die Gesamtumweltbilanz aufgrund der LPG-Produktionsbedingungen umstritten. So sinkt der Marktanteil in dem Maße wie die anderen Alternativen zunehmen.
  • Nachteil: Nicht jeder Motor lässt sich umrüsten – bei Diesel ist es sehr aufwändig, moderne Benziner machen ebenfalls Probleme. Dazu kommen geringfügige Leistungseinbußen im Gas-Betrieb und der Platzbedarf für den zusätzlichen Tank, der meist die Reserveradmulde füllt. Der Kraftstoff LPG fällt als Nebenprodukt bei der Förderung und Verarbeitung von Rohöl an.

Was ist eigentlich C.a.r.e. Diesel?

Bei "Care-Diesel" handelt es sich um einen aus Rest- und Abfallstoffen sowie Altspeiseölen und Fettresten hergestellten Kraftstoff, der zu 100 Prozent regenerativ hergestellt werden könnte.

Die Bezeichnung Care steht demnach für CO2-Reduktion/CO2-Reduzierung), Arctic Grade (= Kältebeständigkeit), Renewable (= Erneuerbarkeit), Emission Reduction (= Emissionsreduzierung).

Eine Zulassung für diesen Kraftstoff gibt es jedoch nicht. Hintergrund: ein einzelner Kraftstoff kann nicht zugelassen werden. Es müssten zusammen mit C.a.r.e.-Diesel alle paraffinischen Kraftstoffe freigegeben werden. Dazu würde dann auch z.B. Kohle gehören, was aus Umweltgründen nicht zielführend wäre. Darüber hinaus gibt es bereits effizientere Alternativen auf dem Markt.

CO2-Emissionen

Die EU hat als Klimaziel die CO2-Emissionen aller neu zugelassenen Pkw bis zum Jahr 2021 auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken. Alternative Antriebe können dieses Ziel unterstützen.