Spritverbrauch bei Neuwagen

Wenn das Auto mehr verbraucht als beim Kauf angegeben

können sich Verbraucher wehren. 10 Fragen und Antworten.


Erneut belegt eine Studie, dass der Verbrauch neuer Pkw weit über dem liegt, was die Hersteller beim Verkauf angeben. Um durchschnittlich 42 Prozent klaffen der reale Spritverbrauch und die Herstellerangaben bei neuen Autos in Europa auseinander, so das International Council on Clean Transportation (ICCT). Können sich Verbraucher dagegen wehren? Ja! Doch wie viel ist zu viel und was können Verbraucher tun? Der ACE gibt Rat.

Wo stehen die verbindlichen Verbrauchsangaben des Neuwagens?
 

Alle relevanten Angaben stehen im Kaufvertrag. Gibt es zusätzlich Prospektangaben des Herstellers, welche Kaufvertragsbestandteil geworden sind, gelten auch diese Angaben. Ebenso kann die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs herangezogen werden.

Ab wann ist ein Mehrverbrauch als zu hoch zu bewerten?
 

Der tatsächliche Mehrverbrauch darf den vereinbarten Verbrauch nicht um mehr als 10 Prozent übersteigen. Ansonsten liegt ein Mangel vor, der dazu berechtigt den Kauf eines Neuwagens rückabzuwickeln, das wurde von richterlichen Entscheidungen untermauert.

Sind die vom Bordcomputer angezeigten Verbrauchswerte »gerichtsrelevant«?
 

Nein, sind sie nicht. Die im Auto-Alltag ermittelten oder vom Bordcomputer angezeigten Verbrauchswerte bilden lediglich ein »Indiz« und sind vor Gericht nicht relevant.

Verbrauchsmessung selbst vornehmen? Geht das und was ist zu beachten?
 

Wenn der Verdacht besteht, dass das neue Auto zu viel verbraucht, sollten Verbraucher zunächst bei einer längeren Fahrt – beispielsweise bei einem Wochenendausflug – eine Verbrauchsmessung durchführen. Wichtig ist, dass diese an den Fahrzyklus des Herstellers angelehnt ist. Das heißt: Tank randvoll machen, 100 bis 200 km gemischte Strecke fahren, ohne viel Staus oder Stop-and-go. Auf dem Großteil der gefahrenen Strecke sollte möglichst sparsam und vorausschauend auf Landstraßen gefahren werden, auf Autobahnen nicht schneller als 120 km/h. Danach Tank wieder vollmachen und den tatsächlichen Verbrauch errechnen. Dies ist allerdings nur ein Indiz. Aber ein erster wichtiger Schritt.

Wie lässt sich der Verbrauch ganz genau ermitteln?
 

Die einfache Formel lautet: getankte Liter mal 100 geteilt durch gefahrene Kilometer.

Falls der Verbrauch die Toleranzgrenze von 10 Prozent überschreitet, was ist zu tun?
 

Liegt der ermittelte Verbrauchswert deutlich über der Hersteller-Angabe, ist als Erstes die Reklamation beim Verkäufer erforderlich. Der Besitzer des Pkw kann in diesem Fall eine Nachbesserung verlangen, wenn dies technisch möglich ist. Ebenso kann die Rückabwicklung des Kaufvertrags verlangt werden. Ansprechpartner ist immer der Verkäufer des Fahrzeugs. 

Wenn die Nachbesserung durch den Hersteller den Verbrauch nicht reduziert?
 

Zeigt die Nachbesserung am Fahrzeug keine Wirkung oder verweigert der Verkäufer diese, folgt das Gespräch mit einem Anwalt, um das weitere Vorgehen zu beraten. Ratsam ist in der Regel, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das die überhöhten Verbrauchswerte zusätzlich dokumentiert. Empfehlenswert ist hier ein amtlich bestellter und vereidigter Sachverständiger.

Wer kommt für die Kosten der Mehrverbrauchsmessungen bzw. des Rechtsstreits auf?
 

Rechtsstreitigkeiten über Spritverbrauchswerte sind sehr aufwendig, allein schon aufgrund der zu erwartenden Kosten für Sachverständige bei den Nachmessungen. Wer ohne Rechtsschutz klagt, geht ein hohes Prozess- und Kostenrisiko ein. Ein Anwalt oder Rechtsschutzversicherer ist von Vorteil. 

Kann ich mit der Bestätigung des Gutachtens rechtliche Schritte einleiten?
 

Bestätigt das Gutachten die zu hohen Verbrauchswerte, sollte man den Händler nochmals mit diesem Ergebnis konfrontieren und zur Nachbesserung beziehungsweise – wenn bereits zwei Versuche erfolglos waren – zur Rückgängigmachung des Kaufvertrages auffordern. Wird dies abgelehnt, wäre eine Klage vor Gericht der nächste Schritt. Im Laufe des Prozesses ist es durchaus möglich, dass das Gericht nochmals ein eigens Gutachten in Auftrag gibt. Ist die Klage letztlich erfolgreich, muss der Autohändler nicht nur die Gerichtskosten, sondern auch die des selbstständigen Beweisverfahrens zahlen.

Wird der Kaufvertrag rückgängig gemacht, mit wie viel Rückerstattung ist zu rechnen?
 

Wird der Neuwagen aufgrund des nicht rechtlichen Mehrverbrauchs zurückgegeben, wird in der Regel der Kaufpreis abzüglich der gefahrenen Kilometer erstattet. Hinzu kommen Versicherungsbeiträge, Steuern und Kosten der Anmeldung. 

Für Rückfragen:

ACE Pressestelle

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Tel.: 030 278 725-18
Mail: anja.smetanin(at)ace.de