Sicher geschnallt – Sicherheit Ihres Kindes im Auto


Liebe Mamas und Papas, liebe Großeltern,


es freut uns, dass Sie sich für die Sicherheit Ihres Kindes/Enkelkindes als Mitfahrer im Auto so engagiert einsetzen. Wir wollen Sie mit den nachfolgenden Tipps zum Kauf und Gebrauch eines Kindersitzes informieren und unterstützen.

Die Anschnallpflicht von Kindern als Mitfahrer im Auto ist wie folgt gesetzlich geregelt:

Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhaltesysteme für Kinder benutzt werden, die amtlich genehmigt und für das Kind geeignet sind (StVO § 21 Personenbeförderung).

Informationen und Tipps zu Kinderrückhaltesystemen
Rückhalteeinrichtungen ECE-R 44 und ECE-R 129 für Kinder

Derzeit gibt es zwei gültige Normen für Rückhalteeinrichtungen. Allerdings soll die Norm ECE-R 44 voraussichtlich 2018 von der Norm ECE-R 129 abgelöst werden.

1.) ECE-Regelung Nr. 44 wird in 4 „Gewichtsgruppen“ eingeteilt:

Gruppe 0+: bis 13 kg; bis ca. 18 Monate Babyschale.

Bitte wechseln Sie erst so spät wie möglich zur nächsten Gruppe I. Der Transport entgegen der Fahrtrichtung ist mit Abstand die sicherste Methode, ein Kind vor einem Frontalaufprall zu schützen. Die Babyschale stützt den Kopf-, Hals- und Rückenbereich großflächig ab und bietet so einen sehr guten Schutz. Der Kopf des Kindes sollte durch die Babyschale noch abgestützt werden und auf keinen Fall herausragen.

Gruppe I: 9 bis 18 kg; ca. 8 Monate bis ca. 4 Jahre Kindersitz mit Fangkörper. Kindersitz mit 5-Punkt-Gurt- und Reboard-System.

Gruppe II: 15 bis 25 kg; ca. 3½ bis 7 Jahre

Gruppe III: 22 bis 36 kg; ca. 6 bis 12 Jahre


2.) ECE-Regelung Nr. 129 ("i-Size") gilt nur für Isofix-Systeme und wird nach Größe des Kindes eingeteilt:

Für die Einteilung nach ECE-R 129 gibt es sechs verschiedene Kategorien, entsprechend der Größe des Kindes: Bis 60 cm, 60-75 cm, 75-87 cm, 87-105 cm, 105-125 cm, ab 125 cm.

Kindersitze nach dieser Zertifizierung dürfen Kinder in den ersten 15 Lebensmonaten nur rückwärts transportieren. Kinderrückhaltesysteme nach der Norm ECE-R 129 gelten in allen EU-Staaten.

Hinweis: Fahrzeug müssen ECE-R 129 kompatibel sein.

Tipps zum Kauf und Gebrauch eines Kindersitzes

Die Wahl des richtigen Kinderrückhaltesystems ist nicht einfach. Testergebnisse unabhängiger Prüfer sind eine Hilfe. Daneben kann eine gute Beratung im Handel entscheidend sein. Im Vorfeld sollten Sie sich über folgende Punkte im Klaren sein:

  • Größe und Körpergewicht Ihres Kindes feststellen.
  • Fahren weitere Kinder in Ihrem Fahrzeug mit?
    Andere Personen/Kinder sollten noch genug Platz daneben haben.
  • Welchen Pkw haben Sie (Modell, Baujahr, Besonderheiten)?
  • Der Kindersitz muss nach der gültigen Prüfnorm (ECE-R 44 oder R 129)
    zugelassen sein.
  • Wo soll der Sitz in Ihrem Auto montiert werden?
  • Beachten Sie unbedingt die Bedienungsanleitung Ihres Pkws. Machen Sie in Ihrem Fahrzeug auf jeden Fall einen Probeeinbau!
  • Lassen Sie sich den Einbau genau erklären. Der beste Sitz nützt nichts, wenn bei der Handhabung Fehler gemacht werden.
  • Passt der Sitz auch in andere Fahrzeuge (z.B. Zweitwagen oder Fahrzeug der Großeltern)?
  • Lassen Sie Ihr Kind Probe sitzen. Durch Mitbestimmung Ihres Kindes, z.B. über die Farbe des Kindersitzes, können Sie eine positive Einstellung fördern.
  • Der Bezug sollte nach Möglichkeit atmungsaktiv und pflegeleicht sein.
  • Änderungen am Sitz sollten mühelos erledigt werden können.
  • Die Bedienungsanleitung sollte verständlich und gut im oder am
    Sitz angebracht sein.
  • Verlauf der Gurte und Höhe der Kopfstützen von Zeit zu Zeit überprüfen und dem wachsenden Kind anpassen.
Achtung!
  • Rückwärts gerichtete Kindersitze dürfen nur dann auf dem Beifahrersitz verwendet werden, wenn der Beifahrer-Airbag abgeschaltet ist, da im Falle einer Airbag-Auslösung akute Lebensgefahr für das Kind besteht. 
  • Wussten Sie, dass ein Fangkörper im Vergleich zu einem herkömmlichen 5-Punkt-Gurtsystem schwere Halswirbelverletzungen vermeiden kann? Im Falle eines Aufpralls rollt sich der Oberkörper des Kindes auf dem Fangtisch ab und die Kraft wird gleichmäßig absorbiert. Die besonders empfindliche Halswirbelregion wird durch den Fangkörper nicht so stark belastet. 
  • Bitte achten Sie auf eine ordnungsgemäße Ladungssicherung und vermeiden Sie die Mitführung ungeeigneten Spielzeuges (spitz und hart). Sichern Sie den Kindersitz, auch wenn Sie kein Kind transportieren.
Fragen und Antworten
Wie lange muss überhaupt ein Kindersitz benutzt werden?

Kinder müssen entweder 12 Jahre alt sein oder 150 cm groß. Ist eines dieser beiden Kriterien erreicht, muss kein Kindersitz mehr benutzt werden. Bitte achten Sie beim Anschnallen Ihres Kindes jedoch stets auf einen ordnungsgemäßen Gurtverlauf.

Was ist beim Einbau zu beachten?

Der Kindersitz muss sich fest in das Auto installieren lassen und darf dann nicht mehr wackeln oder verrutschen: Je fester, desto besser! (Betriebsanleitung Ihres Pkws beachten).

Darf ich mein Kind auf dem Beifahrersitz mitnehmen?

Kinder unter 12 Jahren, die kleiner als 150 cm sind, müssen in einem Kindersitz gesichert werden. Bei aktivem Beifahrerairbag darf niemals ein Kindersitz entgegen der Fahrtrichtung montiert werden. In Fahrtrichtung kann der Beifahrersitz benutzt werden, er muss jedoch in die hinterste Position gebracht werden. Der Kindersitz muss aufrecht sein (keine Liegeposition). Beachten Sie auf jeden Fall auch die Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs.

Bei meinem Fahrzeug kann ich die Gurte in der Höhe verstellen, brauche ich trotzdem einen Kindersitz?

Ja, Sie dürfen nicht darauf verzichten, denn es ist genauso wichtig, den Beckengurt richtig zu platzieren. Dieser würde ohne Sitzerhöhung zu hoch im Bauchbereich liegen und könnte schwerste Unterleibsverletzungen verursachen.

Mein Kind ist noch nicht 150 cm und noch keine 12 Jahre alt. Es wiegt aber mehr als 36 kg. Was soll ich tun?

Wenn Ihr Kind noch Platz in und auf dem Sitz hat, muss er weiter verwendet werden. Nach unserer Ansicht und nach Meinung vieler Hersteller kann das angegebene Prüfgewicht überschritten werden. Der Kindersitz hat keine eigentliche Haltefunktion. Er dient dazu, den Fahrzeuggurt kindgerecht zu führen. Nur für den Fall, dass der Körperumfang des Kindes so groß ist, dass es in keinen im Handel erhältlichen Kindersitz passt, kann durch die zuständige Straßenverkehrsbehörde (Stadt oder Landratsamt) eine Einzelausnahmegenehmigung erteilt werden.

Was ist Isofix?

Isofix ist eine genormte Schnittstelle zur Befestigung von Kindersitzen im Pkw.

Immer ist von Prüfnormen wie ECE 44-03 und 44-04 die Rede. An was erkenne ich die Prüfnorm?

Jeder Kindersitz muss das abgebildete orangefarbene Etikett aufweisen, auf dem Sie die Prüfnormen erkennen.

Warum wurde die neu Norm ECE-R 129 ("i-Size") eingeführt?

Das Körperwachstum der Kinder hat sich in den letzten Jahren verändert. Darauf wurde reagiert, um einen schnellen Wechsel in die nächst höhere Sitzgruppe zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen. Die ECE-R 129 schreibt vor, dass Kinder bis 15 Monate immer rückwärts transportiert werden müssen. Somit wird die Verletzungsgefahr verringert. Mit der neuen Prüfnorm ECE-R 129 werden Kindersitze nicht mehr nach Gewichtsklassen eingeteilt, sondern die Größe des Kindes ist ausschlaggebend. Außerdem muss ein Kindersitz mit der Norm ECE-R 129 einen Seitencrashtest bestehen, sonst darf er nicht das Prüfsiegel tragen.

Was ist von gebrauchten Kindersitzen zu halten?

Wir empfehlen dringend, keine Kindersitze zu benutzen, von denen Sie die Vorgeschichte nicht kennen. (Vorsicht: versteckte Mängel!)

Ich habe gehört, dass dicke Kleidung gefährlich sein kann, stimmt das?

Dicke Kleidung trägt auf und verhindert, dass die Gurte eng am Körper anliegen. Oft, besonders in Babyschalen oder Sitzen der Gruppe I, ist gar kein korrekter Gurtverlauf möglich, da die Gurte von der Schulter rutschen. Dies bedeutet, dass es bei einem Unfall zu einer großen Vorverlagerung mit entsprechend höherer Belastung kommt. Daher: Wenn möglich bitte auf dicke Kleidung verzichten und lieber eine Wolldecke über das Kind legen!

Wo ist der sicherste Platz für Kinder im Fahrzeug?

Hinten in der Mitte. Dort ist Ihr Kind so weit wie möglich von allen Kollisionspunkten entfernt (beachten Sie unbedingt die Einbauanleitung des Sitzherstellers). Die zweitbeste Sitzposition ist auf der Rückbank hinter dem Beifahrersitz. Beim Aussteigen befinden sich Eltern/Kind auf der Gehwegseite und nicht auf der Fahrbahn. Die Kindersicherungen an den Türen sollten in jedem Fall aktiviert sein.

Autounfall – und was ist mit dem Kindersitz?

Bereits ab einer Aufprallgeschwindigkeit von 10 km/h kann der Kindersitz Beschädigungen aufweisen. Diese sind oftmals mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Zur Sicherheit des Kindes empfehlen wir deshalb, den Sitz nach einem Unfall gegen einen neuen auszutauschen.

Kinder im Flugzeug

Auch im Flugzeug ist die Verwendung eines Kinderrückhaltesystems zu empfehlen. Fragen Sie bei Ihrer Fluggesellschaft nach, welche Kindersitze auf Ihren Maschinen erlaubt sind. Es gibt Kindersitzmodelle, die eine sog. Flugzeugqualifikation aufweisen.

Was Sie nicht machen sollten
Lebensgefährlich für Ihr Kind im Auto
  • Kind ist ungesichert.
  • Rückwärts gerichtete Babyschalen auf dem Beifahrersitz,
    wenn der Airbag nicht deaktiviert ist.
  • Babyschale in Fahrtrichtung montiert.
  • Auf dem Schoß von Erwachsenen sitzend.
  • Auf dem Schoß des Erwachsenen mitgesichert.
  • Zwischen den Vordersitzen stehend.
  • Liegend auf dem Rücksitz.
  • Im Rückhaltesystem gesichert, der Kindersitz ist jedoch lose im
    Fahrzeug abgestellt.
  • Kind im Laderaum, z.B. Kombi.
Sicherheitstraining | Beratungen | Seminare
Sicherheitstraining für Fahrerinnen und Fahrer
  • von Personenkraftwagen
  • von Caravan und Anhänger
  • von Motorrädern
  • von Transportern
  • von Lastkraftwagen
  • von Bussen
  • von Geländewagen
  • Öko-Sicherheitstraining
Sicherheitsberatung
  • Planung, Organisation und Durchführung betrieblicher Verkehrssicherheitsaktionen
  • Analysen und Beratung zum Unfallgeschehen auf innerbetrieblichen Wegen
Schulungsprogramme
  • Kind und Verkehr
  • Mobililli unterwegs
  • Sicher mobil im Straßenverkehr
  • Ü60 | Bleib mobil
Simulatoren
  • Fahr- und Unfallsimulator
  • Kinderrückhalte-Systeme
  • Transporter (mit Stützrädern) zur Ladungssicherung
Seminare für
  • Auszubildende "jung-clever-sicher"
  • Vielfahrer "gesund & sicher"
  • Berufskraftfahrer Weiterbildung
  • mobil? Aber klar! für mobilitätseingeschränkte Unfallverletzte
  • mobil? Aber klar! als Weiterbilungsangebot für Reha-Manager und Berufshelfer

Nähere Informationen: Alle Kurse und Trainings