Sicherer Schulweg – Information für Eltern und Großeltern


Liebe Mamas und Papas, liebe Großeltern,

wir freuen uns, dass Sie sich für die Sicherheit Ihres Kindes/Enkelkindes auf dem Weg zur Schule einsetzen. Mit diesem Ratgeber möchten wir Sie darüber informieren, was Ihr Kind schon kann und wo es eventuell noch Hilfe benötigt. Dabei ist es egal, ob es seinen Weg zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto zurücklegt.

ACE-Flyer: Schulwegratgeber – alles auf einem Blick
ACE LENKRAD-Artikel: Spielerisch lernen

Kinder im Straßenverkehr
 

Ist man mit Kindern im Straßenverkehr unterwegs, sollte man wissen, dass Kinder den Straßenverkehr anders wahrnehmen als Erwachsene:

  • Mit 6 Jahren verfügen Kinder über ein akutes Gefahrenbewusstsein, das heißt, sie erkennen eine gefährliche Situation erst, wenn sie eingetreten ist. Zeit zum Handeln bleibt kaum mehr.
  • Erstklässler verbinden Gefahren mit konkreten Orten. Was ein Kind an einer Kreuzung lernt, kann es noch nicht auf eine andere übertragen. Deshalb sollte der Schulweg ganz konkret vor Ort geübt werden.
  • Kinder nehmen alles aus ihrem eigenen Blickwinkel wahr und können die Perspektive von anderen – etwa in Verkehrssituationen – nicht einnehmen. Gehen Sie doch einmal in die Hocke und sehen Sie so, was Ihr Kind überhaupt sehen kann.
  • Kinder verarbeiten Sinneseindrücke langsamer als Erwachsene.
  • Kinder lassen sich von äußeren Reizen und Emotionen leicht ablenken.
  • Das Hörvermögen ist mit 6 Jahren vollständig ausgebildet, allerdings können Kinder die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, mit 6 oder 7 Jahren meist noch nicht erkennen.
  • Mit 6 Jahren können Kinder Entfernungen nicht richtig einschätzen, da ihr Tiefenschärfesehen sich erst mit etwa 9 Jahren entwickelt.
  • Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen ist für Kinder nicht möglich. Die Fähigkeit, zwischen schnell und langsam zu unterscheiden, ist auch mit 14 Jahren noch nicht voll entwickelt. Entsprechend unpräzise schätzen sie Bremswege ein.
  • Das Blickfeld der Kinder ist deutlich enger. Daher sehen sie  Gefahren oft erst sehr spät.
14 Tipps für den sicheren Schulweg
 
  • Im Verkehr sicher unterwegs sein, muss geübt werden. Nehmen Sie sich Zeit und bringen Sie Ihr Kind zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad zur Schule. Kinder mit dem Auto zur Grundschule zu bringen, sollte die Ausnahme sein, denn das „Verkehr üben“ geht so verloren und vor der Schule kommt es oft zu gefährlichen Situationen, wenn zu Schulbeginn plötzlich die Straße voller Autos ist. 

  • An der Schule oder von der Gemeinde erhalten Sie häufig Schuwegpläne, die den optimalen Schulweg Ihres Kindes darstellen bzw. Ihnen bei der Erstellung eines Schulwegplans helfen.

  • Suchen Sie mit Ihrem Kind einen sicheren Schulweg aus. Ampeln, Zebrastreifen und Verkehrsinseln erleichtern das Überqueren von Straßen. Bedenken Sie: Der kürzeste Schulweg ist nicht immer auch der sicherste.

  • Informieren Sie sich über Baustellen o. Ä. auf dem Schulweg.

  • Üben Sie mit Ihrem Kind den Schulweg im Vorhinein und begleiten Sie es. Lassen Sie sich doch einmal von Ihrem Kind zur Schule bringen und die Gefahrenstellen erklären. Bedenken Sie, dass Kinder einen anderen Blickwinkel haben. Gehen Sie ruhig einmal in die Hocke. Was sehe ich dann noch?

  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind auch den sicheren Rückweg.

  • Der ACE empfiehlt dass Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr den Schulweg in Begleitung eines erfahrenen Verkehrsteilnehmers absolvieren. Sprechen Sie mit anderen Eltern, dass man sich als Begleiter abwechselt, und organisieren Sie einen „Walking Bus“ als Gehgemeinschaft auf dem Weg zur Schule.

  • Auch wenn Ihr Kind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommt, muss das eingeübt werden.

  • Achten Sie auf rechtzeitiges Losgehen, so verringert sich die Gefahr eines Unfalls aufgrund von Zeitnot.

  • Ihr Kind sollte etwas Kleines gefrühstückt haben. Auch ein knurrender Magen lässt Ihr Kind unkonzentriert werden.

  • Denken Sie in der dunkler werdenden Jahreszeit an helle / refletierende Kleidung und achten Sie auch bei der Anschaffung des Ranzens auf gute Sichtbarkeit im Dunkeln. 

  • Wenn Sie Ihr Kind mit dem Fahrrad zur Schule bringen: Überprüfen Sie das Fahrrad regelmäßig. Erfahrungsgemäß ist gerade die Beleuchtung schnell defekt, wenn das Fahrrad beim Spielen einmal hinfällt.

  • Denken Sie daran, dass Kinder anders reagieren: Der Freund auf der anderen Straßenseite ist für Kinder wichtiger als der Straßenverkehr. Kinder lassen sich leicht ablenken, das gehört  zum Kindsein dazu und Ermahnungen helfen nur wenig. 

  • In den Stoßzeiten besteht erhöhter Verkehr vor den Schulen.
    Mitunter halten Autos in der zweiten Reihe, um Kinder abzusetzen. Auch sind mehr Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs.


Unser Tipp:
Versuchen Sie in der Schule zu erreichen, dass zum Beispiel durch Verkehrshelfer gefährliche Situationen entschärft werden. Sie sollten auch Plätze finden an denen Ihr Kind ungefährdet aussteigen kann, ohne dass Ihr Auto direkt vor der Schule andere Kinder gefährdet.

Zu Fuß / mit dem Fahrrad zur Schule
 

Wenn Ihr Kind den Schulweg zu Fuß bewältigt, dann ...

  • Organisieren Sie im Optimalfall eine Abholkette im ersten Schuljahr / bei neuen Wegen mit anderen Eltern.  
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind so selten wie möglich allein  im Straßenverkehr unterwegs ist.

Wenn Ihr Kind mit dem Fahrrad zur Schule fährt, dann beachten Sie bitte Folgendes ...

  • Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen, ältere Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen (StVO §2). Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen.
  • Zwar gibt es in Deutschland keine gesetzliche Helmpflicht doch empfiehlt der ACE bei Kindern das Tragen eines Helms. Hierbei sollte auf den korrekten Sitz des Helms geachtet werden.
  • Beachten Sie vor allem in den dunklen Jahreszeiten, dass das Verhalten und die Sicherheit im Straßenverkehr durch Dunkelheit, Blätter auf den Wegen und Nässe bzw. Glätte immens beeinträchtigt werden.
  • Achten Sie darauf, dass das Fahrrad Ihres Kindes verkehrssicher ist.
  • Bitte beachten Sie, dass eine bestandene Radfahrprüfung (in der Regel in Klassenstufe 4) keine Garantie für verkehrssicheres und vorausschauendes Verhalten im Straßenverkehr ist.
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule
 

Wenn Ihr Kind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fährt ...

  • Begleiten Sie Ihr Kind auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Üben Sie mit Ihrem Kind auch einen alternativen Weg, falls es eine Haltestelle verpassen oder der Bus ausfallen sollte.
  • Achten Sie darauf, dass die Haltestellen gut und sicher zu erreichen sind.
  • Kalkulieren Sie die eventuellen Warte- und Umsteigezeiten mit ein. 
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind die Abfahrtzeiten der öffentlichen  
    Verkehrsmittel. So verringern Sie die Gefahr, dass das Kind aus Angst, den Bus zu verpassen, unüberlegt über die Straße läuft.
  • Kalkulieren Sie vor allem im Winter mehr Zeit ein, da Busse dann langsamer vorankommen.
Mit dem Auto zur Schule
 

Bringen Sie Ihr Kind mit dem Auto zur Schule, dann beachten Sie bitte Folgendes ...

  • Kinder müssen bis einschließlich zwölf Jahre, solange sie nicht größer als 1,50 m sind, im Auto in einem Rückhaltesystem (Kindersitz) sitzen. 
  • Kindersitze Gruppe II/III (Sitzerhöhung mit integrierter Rückenlehne und Seitenaufprall-Schutz) sind für diese Altersgruppe am sichersten. Gesetzlich sind auch alleinige Sitzerhöhungen erlaubt und zulässig.
  • Am sichersten fahren Kinder auf dem Rücksitz. Bei einer Mitfahrt auf dem Beifahrersitz sollte der Sitz auf der hintersten Position eingestellt sein. Informieren Sie sich bitte zuvor bei Ihrem Autohersteller über die Richtlinien für den Transport von Kindern auf dem Beifahrersitz. 
  • Bitte denken Sie bei Fahrgemeinschaften daran, dass alle Kinder im Auto ausreichend (wenn nötig in Kindersitzen) gesichert sind.
Verkehrssicherheitsprojekt des ACE
 

Der ACE Auto Club Europa bietet neben dem Kita-Projekt „Mobileo“ drei Grundschulprojekte an, in deren Rahmen sich die Kinder oder auch die Eltern intensiv mit Themen  der Verkehrssicherheit, Mobilität und Nachhaltigkeit  beschäftigen.

Mobileo
Mit Vorschulkindern wird verkehrssicheres Verhalten sowohl mit Spielen zur Körperbeherrschung und Wahrnehmung als auch im realen Straßenverkehr erprobt.

Mobililli unterwegs
Mit interaktiven und neuartigen Spielideen macht der ACE Themen der Mobilität und Verkehrssicherheit für Kinder erlebbar.

abgefahren
Mit 5. und 6. Klassen werden Themen der Mobilität, Verkehrserziehung und Nachhaltigkeit lebensnah besprochen und praktisch erfahrbar gemacht. An drei Tagen betreut ein ACE-Moderator eine Klasse.

Der Schulwegdoktor
Mithilfe einer Checkliste werden Schulwege vor Ort in den ACE-Kreisen geprüft.
Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • die Geschwindigkeitsregelungen im Umfeld der Schule
  • die Nutzung von Beschilderungen, Aufpflasterung und Verschwenkungen
  • die Sichtbarkeit und Übersichtlichkeit der Fußwege
  • die Formen der Querungshilfen das Parkraummanagement vor der Schule
  • die Bushaltestellen-Situationen und die Entwicklung der Radwege
  • die Überprüfung der bereits vorhandenen Regelungen