Wohnmobilurlaub


Raus in die Natur und den Hausstand immer dabei: Urlaub mit dem Wohnmobil – gerne auch mit dem eigenen Reisemobil – gewinnt immer mehr Anhänger. Die große Freiheit auf vier Rädern bietet sich für jede Familiengröße und alle Altersgruppen an. Der ACE Auto Club Europa gibt Tipps, wie der Campingurlaub zum vollen Erfolg wird.

Fahrzeugwahl
 

Rund 390.000 vollwertige Reisemobile sind in Deutschland zugelassen, dazu kommen unzählige Kleinbusse und Mini-Vans, die für den Urlaub mit einer temporären Campingausrüstung bestückt werden. Wofür man sich für die Reise entscheidet, hängt von den persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben ab.

Dabei muss man noch nicht einmal ein eigenes Wohnmobil besitzen, um in den Campingurlaub zu starten. Der Campinghandel bietet eine ganze Flotte von Mietmobilen an, die allen Ansprüchen gerecht wird. Darüber hinaus verleihen heute auch immer mehr Privatleute ihre Wohnmobile: Inserate finden sich in den Kleinanzeigen oder auf Internet-Plattformen. Die Preise unterscheiden sich deutlich, egal wo – das Angebot wird von Juni bis August sowie in den Schulferien knapp: Wer dann unterwegs sein möchte, sollte rechtzeitig reservieren.

Bei der Wahl der Größe sollte darauf geachtet werden, dass sowohl beim Fahren, als auch bei mehrtägigen Aufenthalten der Platz nicht zu knapp bemessen ist. Auf der anderen Seite sollte beachtet werden, dass Fahrzeuge mit ungewohnt ausladenden Maßen eine Herausforderung darstellen können. Bei einer Fahrzeugbreite von bis zu 2,50 Metern bedeuten enge Gassen einer malerischen Altstadt Stress, das Befahren enger Kurvenstrecken kann zur Herausforderung werden. Das Gleiche gilt für Autobahnbaustellen: Die linke Spur ist dann tabu! Vorsicht bei hohen Aufbauten von Alkovenfahrzeugen: Hier muss bei Ortsdurchfahrten nicht nur auf hervorstehende Erker geachtet werden – selbst hängende Tankstellenschilder können in gefährlicher Höhe befestigt sein.

Streckenplanung
 

Auch wenn Bett, Küche und teils sogar eine Toilette oder Dusche an Bord sind, sollten Reiseetappen nicht zu lang ausfallen. Autobahnen schrecken gerade zu Ferienbeginn durch Kolonnen und Staus ab. In vielen Fällen bieten sich Landstraßen als nervenschonende Alternativstrecken an.

Beladung
 

Reisemobile werden unabhängig von der Bauart in aller Regel auf dem Fahrgestell eines Transporters gebaut. Von den teils imposanten Ausmaßen sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen: Die Zulade-Möglichkeiten sind oftmals nicht so üppig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Viele Fahrzeuge sind nur für 2,8 oder 3,5 Tonnen zugelassen und sind komplett leer nur wenige hundert Kilo leichter. Ein Blick in die Zulassungsbescheinigung zeigt, wie stark der Wagen mit Passagieren und Reisegepäck belastet werden darf.

Neben dem zulässigen Gesamtgewicht ist die maximale Achslast zu beachten. Ein sinnvolles Verteilen des Gepäcks sorgt dafür, dass das Fahrzeug nicht in Schieflage gerät. Schweres Gepäck gehört immer nach unten, um den Schwerpunkt nicht zu sehr nach oben zu verschieben.

Grundsätzlich ist es möglich, auf speziellen Radträgern auch Fahrräder mit in den Urlaub zu nehmen. Zu bedenken ist, dass im Kastenwagen-Segment die Scharniere der Hecktüren nur begrenzt belastbar sind. An den Türen angeflanschte Heckträger sollten deshalb nicht mit dem gesamten Fuhrpark einer Familie beladen werden. Als Alternative bieten sich Fahrradträger aus dem Pkw-Bereich an, die auf der Anhängerkupplung befestigt werden. Allerdings sollte man auch hier vorab die Belastungsgrenzen der Träger überprüfen.

Überladung kann mit Bußgeld geahndet werden. Auf der sicheren Seite sind Camping-Urlauber, wenn das Reisemobil mit allem Gepäck und sämtlichen Mitfahrern vor Antritt der Fahrt gewogen wird. Möglichkeiten dazu gibt es bei öffentlichen und privaten Waagen, die es zum Beispiel an Entsorgungsdeponien und Bauhöfen, aber auch an Kfz-Prüfstellen gibt. Stellt sich heraus, dass zu viel Gewicht an Bord ist, sollte mit dem Bunkern des Frischwassers bis zur Ankunft auf dem Campingplatz gewartet werden.

Während der Fahrt
 

Wenn sich der gesamte Urlaubshausstand auf engsten Raum verteilt, fällt eine sichere Unterbringung mitunter schwer. Dennoch sollten Utensilien, Gepäck und scharfkantige Kleinigkeiten nicht lose angelegt werden. Bei scharfem Bremsen, erst recht bei einem Unfall, können unbefestigte Gegenstände zu gefährlichen Geschossen werden. Vorhandene Schränke sollten deshalb auch genutzt werden, alle Möbelschlösser sind vor der Weiterfahrt darauf zu überprüfen, ob sie verriegelt sind.

Ladungssicherheit gilt nicht nur für das einfache Gepäck, sondern auch für mitgeführte Tiere. Keinesfalls sollten die vierbeinigen Reisebegleiter ungesichert sein. Mittlerweile bietet der Campinghandel eine ganze Reihe von Möglichkeiten an, eine sichere Mitfahrt für große und kleine Tiere zu gewährleisten.

Gerade bei Fahrten mit Kindern wird der vorhandene Tisch gerne zum Spielplatz umfunktioniert. Viele Reisemobilhersteller geben allerdings vor, den Tisch während der Fahrt abzunehmen und an einem sicheren Platz zu verstauen, wo dieser ist, lässt sich meist in der Bedienungsanleitung nachlesen. Aus Sicherheitsgründen sollte dies beachtet werden.

Anschnallpflicht
 

Seit Mai 2006 gilt innerhalb der gesamten EU die Anschnallpflicht auf allen Sitzplätzen. Auch Wohnmobile sind davon nicht ausgenommen. Die Anzahl der möglichen Mitfahrer richtet sich also nach der Zahl der Sitzplätze, die mit Sicherheitsgurten ausgerüstet sind.

Diese Regelung gilt zwar für Fahrzeuge mit einer Erstzulassung vor Mai 2006 noch nicht, in Deutschland legt aber die Straßenverkehrsordnung fest, dass vorgeschriebene Sicherheitsgurte während der Fahrt angelegt sein müssen. Mit Bußgeldern von 30 bis 70 Euro und einem Punkt in Flensburg muss gerechnet werden. Bei Unfällen droht gar eine Mithaftung von 20, 30 oder 50 Prozent.

Auch wenn die Anfahrt lang ist und Nachtfahrten eingelegt werden, dürfen sich Mitfahrer nicht einfach ins vorhandene Bett legen und dort schlafen. Schon im Falle eines heftigen Bremsmanövers drohen schwere Verletzungen.

Was fürs Schlafen gilt, hat auch für das Herumlaufen im Wagen seine Gültigkeit. Sowohl die Zubereitung von Essen als auch der Gang zur Bordtoilette sollten auf die nächste Rast verschoben werden.

Übernachtungen
 

Auf eigene Faust die schönsten Regionen bereisen. Anhalten, wo man will. Für die Übernachtung bieten sich verschiedene Alternativen an, zudem müssen Regeln beachtet werden.

Die beste Infrastruktur für Camper findet sich auf Campingplätzen. Etwa 1.900 gibt es davon allein in Deutschland. Ausgestattet mit Sanitäranlagen und Möglichkeiten der Ver- und Entsorgung garantieren sie ungestörte Nachtruhe und oft sogar einen Brötchenservice am Morgen.

Als Alternative stehen hierzulande etwa 2.350 Wohnmobil-Stellplätze zur Verfügung. Dazu kommen immer mehr Bauernhöfe und Weingüter, die ebenfalls Stellplätze anbieten – zum Teil sogar kostenlos. Zu beachten ist, dass viele Plätze gastronomischen Einrichtungen angeschlossen sind; dort gehen die Wirte davon aus, dass die Übernachtungsgäste auch etwas konsumieren. Eine Pflicht besteht allerdings nicht. Achten sollte man darauf, ob der jeweilige Stellplatz für alle Fahrzeuge nutzbar ist oder ob er nur autarken Fahrzeugen zur Verfügung steht. In diesem Fall sollte das Reisemobil auf jeden Fall über eine eigenständige Energieversorgung verfügen und eine Toilette an Bord haben.

Frei zu stehen ist zwar der Traum vieler Camper. Es ist jedoch durch Beschränkungen vieler Kommunalvorschriften in Deutschland und auch in vielen Ländern im Ausland unzulässig. Mehr Informationen dazu finden sich in den ACE-Länderinformationen.

Von Übernachtungen auf Autobahnparkplätzen sollte Abstand genommen werden. Vor allem die sowieso schon überbeanspruchten Lkw-Sektionen gelten als unsicher. Immer wieder werden Wohnmobile geknackt und Handys, Laptops oder Geldbeutel geklaut.

Auf dem Campingplatz
 

Auf jedem Campingplatz gibt es eine verbindliche Platz- oder Hausordnung. Nicht nur die Zeiten der Nacht- und Mittagsruhe sollten eingehalten werden, auch auf die übermäßige Beschallung der Nachbarn durch Radio oder Fernseher sollte verzichtet werden. Langes Feiern in den Abendstunden wird nicht gern gesehen, wenn es zu laut zugeht.

Während der Betrieb von Gasgrills zulässig ist, verbieten viele Plätze offenes Feuer oder die Errichtung eines Holzkohlegrills. Sicherheitsbestimmungen sollten unbedingt beachtet werden.

Kleinere Kinder dürfen die Sanitäranlagen oftmals nur in Begleitung Erwachsener betreten.

Wer sichergehen möchte, dass er am nächsten Morgen duschen kann, sollte gleich beim Einchecken in Erfahrung bringen, ob dafür Duschmarken erforderlich sind.

Hochwertige Plätze bieten nicht nur ein Kinderprogramm in den Ferien. Häufig lassen sich gegen Gebühr auch Waschmaschinen und Trockner nutzen.

Die Kosten für die Übernachtung lassen sich in der Nebensaison, teils auch in den Ferienzeiten, durch die Vorlage einer CampingCard reduzieren. Eine aktuelle Camping Card kann über den ACE bezogen werden.

Ver- und Entsorgung
 

Camping- und Stellplätze sind in aller Regel auf die Bedürfnisse der Wohnmobilisten eingerichtet. Dazu gehören nicht nur Stromanschlüsse, sondern auch Ver- und Entsorgungsstationen, an denen Frischwasser gebunkert und der Abwassertank in die entsprechende Kanalisation entleert werden kann. Der Fäkalienausguss befindet sich meist in direkter Nähe der Sanitäranlagen.

Bietet der Campingplatz keinen eigenen Gasflaschentausch an, lässt sich über die Rezeption der nächstgelegene Gashändler ausfindig machen. Achtung: Einheitliche Gasflaschen und Adapter gibt es auch innerhalb Europas nicht, je nach Urlaubsland gibt es verschiedene Anschlusssysteme. Der ACE rät deshalb, vor allem bei längeren Reisen, zur Mitnahme von entsprechenden Adaptern.

Keinesfalls dürfen Grauwasser oder Fäkalien wild in die öffentliche Kanalisation gegossen werden. Sowohl in Deutschland als auch im Ausland sind bei Zuwiderhandlung saftige Geldbußen zu erwarten.

Energieversorgung
 

Gas, Wasser und Strom gelten als Garantie für ein selbstbestimmtes Camper-Leben. Umso wichtiger ist es, dafür zu sorgen, dass die Energie nicht zu knapp wird.

Die elektrische Anlage des Wohnraums wird entweder über eine 12-Volt-Zweitbatterie gespeist oder mittels eines 230-Volt-Anschlusses auf einem Camping- oder Stellplatz gesichert. Gerade Urlauber, die mit einem Mietmobil auf Tour gehen und die Ausrüstung noch nicht kennen, sollten nicht auf den Test des blauen Stromkabels (CEE-Anschlusskabel) verzichten.

Gasreserven sollten bereits vor dem Urlaub aufgefüllt werden. Zu beachten ist, dass es innerhalb Europas kaum möglich ist, deutsche Gasflaschen gegen neue zu tauschen. Hilfreich ist ein Adapter, der zumindest ein Nachfüllen gestattet. Übrigens: Der Anschluss für die Gasflasche weist ein Linksgewinde auf und sollte niemals mit einer Zange festgezogen werden.

Bei älteren Wohnmobilen darf häufig während der Fahrt die Gaszufuhr nicht geöffnet sein. Ein Blick in die Bedienungsanleitung schafft Klarheit. Ansonsten kann ein Fachmann weiterhelfen.

Unbedingt mitnehmen
 

Ob man sich für die Übernachtung im Wagen für Bettdecken oder für Schlafsäcke entscheidet, unterliegt eher dem persönlichen Geschmack. Nicht verzichten sollte man auf einen Satz Unterlegkeile, mit denen beim Abstellen Bodenunebenheiten ausgeglichen werden können. Leichte Sitzmöbel und zusammenklappbarer Campingtisch sind die Grundvoraussetzung für angenehme Stunden im Freien. Und natürlich sollten weder Taschenlampe noch Campinglaterne für die dunklen Abendstunden fehlen.