Technische Fragen sind kompliziert ...


"Aus den Augen, aus dem Sinn" gilt für viele Autofahrer, wenn es um Fahrzeugtechnik geht. Warum sich ihre vier Reifen drehen, interessiert sie nicht. Doch das muss nicht so bleiben. Lüften Sie hier die Motorhaube.

Dämpfertest
Was Sie beim Dämpfertest beachten sollten

Nahezu jedes siebte Auto auf deutschen Straßen fährt mit mindestens einem defekten Stoßdämpfer umher. Das ist riskant.

Denn neben Bremsen, Reifen oder Airbags zählen Stoßdämpfer zu den wichtigsten sicherheitsrelevanten Bauteilen an einem Auto. Sie sorgen dafür, dass sich die schwingenden Federn schnell beruhigen und dafür, dass die Räder den Fahrbahnkontakt behalten. Dämpfer mit voller Leistung können so in Notsituationen einen möglichen Unfall vermeiden helfen. Beim Ausweichen übertragen sie höhere Seitenkräfte und sorgen dafür, dass der PKW den Lenkbefehlen gehorcht. Bei mangelhaften, müden Dämpfern hingegen kann der Bodenkontakt abreißen, sodass sich die kurveninneren Räder kurzzeitig in der Luft befinden, denn abgenutzte Stoßdämpfer schaffen es einfach nicht mehr, das Rad auf der Straße zu halten. Dann besteht höchste Gefahr, die Kontrolle über den Wagen zu verlieren. Wichtig zu wissen ist auch, dass mit mangelhaften Stoßdämpfern neben den angesprochenen Negativ-Einflüssen auf die Fahrsicherheit auch ein vorzeitiger Verschleiß im Stoßdämpfer-Umfeld mit einhergeht. Neben ausgeschlagenen Radlagern, Spurstangenköpfen und -gelenken sowie Traggelenken der Achsen gehören verschlissene Lenkungsteile und Antriebswellen zu den häufigsten Folgeschäden, die sich in teuren und unnötigen Reparaturkosten niederschlagen. Allein die Reifen verschleißen um bis zu 50 Prozent schneller.

Wenn das Auto beim Überfahren von Bodenwellen mehrfach nachschwingt, stark auf Seitenwind reagiert und die Fahrzeugfront bei Kurvenfahrten oder beim Bremsen stark eintaucht sind das untrügliche Anzeichen für verschlissene Dämpfer. Aber auch bei klappernden Geräuschen auf schlechten Straßen, wenn die Reifen ungleichmäßig abgefahren sind (Auswaschungen im Profil), die Lenkung flattert oder sich das Fahrzeug in Kurven schwammig verhält, sollte eine Kfz-Fachwerkstatt aufgesucht werden. Alarmstufe rot gilt, wenn der Stoßdämpfer Öl verliert oder das Reifenprofil Auswaschungen aufweist.

Die Vorstellung, ABS und ESP könnten die Schwächen betagter Dämpfer ausgleichen, erweist sich leider als Täuschung. Das Gegenteil ist der Fall; die Sensoren, über die die elektronischen Komponenten ihre Informationen erhalten, benötigen exakt geführte Räder. Die Hersteller von Stoßdämpfern empfehlen, ab 50.000 bzw. 80.000 Kilometern die Dämpfer im Auge zu behalten. Eine Anfrage bei den Autoherstellern und -importeuren ergab, dass es keine zeitlich fixierten Wartungsintervalle für Stoßdämpfer gibt.

Nur selten werden Stoßdämpfer auch im Rahmen der Wartungsdiagnose getestet. Obwohl Stoßdämpfer zu den elementaren Fahrwerkskomponenten gehören, beschränkt sich ihre Überprüfung im Rahmen einer Inspektion in der Regel auf eine Sichtprüfung. Darauf zu vertrauen, dass bei einer optischen Kontrolle der Dämpfer keine Ölspuren sichtbar sind und somit die Dämpfer in Ordnung sind, kann in die Irre führen. Denn ein Dämpfer kann auch Ermüdungserscheinungen aufweisen, wenn er nicht leckt.  

Zum Selbsttest empfiehlt Dämpferhersteller Monroe, das Fahrzeug aus langsamer Geschwindigkeit mit einer kräftigen Bremsung zum Stehen zu bringen und die Anzahl der Nickbewegungen zu zählen. Alles, was über eineinhalb Mal Nachschwingen hinausgeht, gilt als kritisch. Für eine richtige und aussagekräftige Überprüfung, braucht es allerdings einen Fachmann mit entsprechenden Prüfgeräten. Mit dem Shocktester wird das Dämpfungsverhalten des gesamten Fahrwerks gemessen und in einem Prüfprotokoll aufgezeigt.

Äußerlich erkennbar ist ein defekter Dämpfer oft am Zustand der Reifen. Das Profil weist Auswaschungen auf, die der Lauffläche die Gestalt einer Hügellandschaft geben. Wie teuer ein Austausch der Stoßdämpfer wird, hängt stark vom technischen Standard des Originalteils ab. Grundsätzlich sollten bei einem Wechsel beide Dämpfer einer Achse ausgetauscht werden. Damit ist  eine gleichmäßige Dämpfung beider Fahrzeugseiten  gewährleistet.  

Übrigens, auch eine Tieferlegung von Fahrzeugen nur mit kürzeren Federn kann die Serienstoßdämpfer zerstören.

Wer sicher gehen will, sollte in regelmäßigen Abständen die Dämpfer auf einem speziellen Prüfstand überprüfen lassen. Möglichkeiten hierzu bieten alle gut ausgerüstete Werkstätten, aber auch die Überwachungsvereine bieten diesen Service für kleines Geld. Sie garantieren beim Test der Stoßdämpfer auch das nötige Maß an Unabhängigkeit; TÜV&Co verfolgen nämlich im Unterschied zu einer Kfz-Werkstatt vordergründig keine wirtschaftlichen Interessen. Sie testen nur. Verkauft und montiert werden Dämpfer von Werkstätten.

Partikelfilter
Förderung von Rußpartikelfiltern

Wird die Nachrüstung von Rußpartikelfiltern immer noch staatlich gefördert?

Die Förderung von Nachrüstungen von Dieselfahrzeugen mit einem Rußpartikelfilter wird 2016 fortgesetzt. Wer sein Diesel-Fahrzeug mit einem Rußpartikelfilter nachrüstet, kann dafür voraussichtlich 260 Euro staatliche Förderung erhalten. Die Antragstellung für Nachrüstungen in 2016 ist nur möglich, solange die Mittel ausreichen. Mehr Informationen zur Förderung und zum Antragsverfahren finden Sie hier: Förderung von Partikelminderungssystemen bei Dieselfahrzeugen

Fahrzeug mit Katalysator

Ich habe ein Fahrzeug das bereits mit einem Katalysator ausgerüstet ist, bleibt dieser erhalten?
Julian M., Marbach am Neckar

Wird ein Partikelfilter zusätzlich zum vorhandenen Katalysator in die Abgasanlage eingebaut, muss entsprechend den gesetzlichen Vorschriften der vorgeschaltete Katalysator vor der Nachrüstung erneuert werden, sofern dieser länger als fünf Jahre oder für mehr als 80.000 Kilometer im Fahrzeug verbaut war.

Leistungsminderung durch Filter?

Ich fahre einen Kleinwagen mit Dieselmotor. Ich habe noch keinen Partikelfilter. Man hat mir erzählt, die Motorleistung gehe durch einen Filter spürbar zurück. Stimmt das?
Peter M., Backnang

Der Einbau eines Diesel-Partikelfilters hat keine messbare Leistungsminderung bzw. Mehrverbrauch zur Folge, da bei normalem Fahrverhalten nur ein geringer zusätzlicher Abgasgegendruck entsteht. Laut Angabe der Filterhersteller sind die Nachrüst-Partikelfilter wartungsfrei und halten im normalen Betrieb ein Fahrzeugleben lang.

 

Reifen
Alte Reifen als neu verkauft

Ich möchte mir neue Reifen kaufen. Mein Händler um die Ecke bietet "Auslaufmodelle" zum Sonderpreis an. Kann ich diese unbesorgt kaufen?
Manfred L., Hannover

Achten Sie darauf, dass bei Kauf von Pkw-Reifen das Produktionsdatum nicht länger als fünf Jahre zurück liegt! Das heißt im Umkehrschluss, das ein ungebrauchter Reifen - sachgemäße Lagerung natürlich vorausgesetzt - bis zu fünf Jahre ab Produktionsdatum noch als neuwertig gilt und insofern auch als Neureifen verkauft werden darf.
Unabhängig vom Herstelldatum beginnt die gesetzliche Gewährleistungspflicht übrigens grundsätzlich erst mit dem Kauf des Reifens.

Falscher Luftdruck

Stimmt es eigentlich, dass falscher Luftdruck die Reifen kaputt macht?
Manuela R., Stuttgart

Viele Reifenschäden und Unfälle werden durch einen falschen Reifenfülldruck ausgelöst. Doch der Luftdruck hat auch entscheidenden Einfluss auf den Reifenverschleiß und den Kraftstoffverbrauch. Ein um 0,2 bar geringerer Druck hat ein Prozent mehr Spritverbrauch und eine um 10 Prozent geringere Reifenlebensdauer zur Folge. Bei 0,4 bar weniger erhöht sich der Spritverbrauch um zwei Prozent und die Lebensdauer verringert sich um 25 Prozent.
0,6 bar Minderdruck erhöht den Benzinverbrauch um vier Prozent und reduziert gleichzeitig die Lebensdauer des Reifens um 45 Prozent.
Zu geringer Luftdruck verstärkt die Walkarbeit des Reifens. Dadurch erhitzt er sich übermäßig und kann im Bereich der Karkasse (des Reifenunterbaus) bis zu 130 °C heiß werden, im schlimmsten Fall kann es zum Platzen des Reifens führen. Es wird empfohlen, die Reifen mit 0,2 bar mehr als vom Autohersteller angegeben zu befüllen.

Ganzjahresreifen

Ich fahre seit zwei Jahren Ganzjahresreifen und hatte bisher auch keine Probleme damit. Ein Bekannter hat mir erzählt, so richtig sicher seien im Winter aber nur Winterreifen. Stimmt das?
Melanie S., München

Selbstverständlich haben echte Ganzjahresreifen eine Gummimischung, die bis zu 50 Grad minus flexibel bleibt und außerdem bei hohen Plusgraden wie ein Sommerreifen eingesetzt werden kann.
Wie sämtliche einschlägigen Tests immer wieder dokumentieren, bringen Ganzjahresreifen weder die Spitzenleistungen der Winter- noch der Sommerreifen.
Sie stellen nun mal eine Kompromisslösung dar. Bei Fahrkomfort und Laufruhe hingegen brauchen sich die Allwetterkandidaten nicht mehr zu verstecken. Hier sind keine grundsätzlichen Unterschiede zum Sommerreifen auszumachen. Bei der Rollwiderstandsmessung auf dem Prüfstand hat mancher Sommerreifen sogar das Nachsehen - mittlerweile fährt man auf Reifen mit M+S Kennung sogar oft spritsparender.

Bei der Schneetauglichkeit reichen die Ganzjahresreifen zwar nicht an die Leistung des Winterreifens heran, trotzdem ist man mit ihnen auch im Schnee sicher unterwegs. Doch für diese besondere Eignung müssen Ganzjahresreifen, genau wie Winterreifen auch, Kompromisse eingehen. Und die gehen zu Lasten ihrer Nass- und Trocken-Eigenschaften. Ihr leicht schwammiges Lenk- und Fahrverhalten kann dabei noch akzeptiert werden. Doch es gibt auch ein gravierendes Sicherheitsmanko: Beim Bremsen auf nasser wie trockener Piste brauchen Ganzjahresreifen mindestens eine Wagenlänge mehr als Sommerreifen, um zum Stehen zu kommen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, wechselt deshalb weiterhin zweimal im Jahr die Reifen. Nur wer unbedingt ohne Wechsel über die Runden kommen möchte und auch bei Schnee nicht auf sein Fahrzeug verzichten kann, sollte zum Ganzjahresreifen greifen.

Geschwindigkeitsindex bei Ganzjahresreifen

 Darf ich Ganzjahresreifen mit geringerem Geschwindigkeitsindex als der im Fahrzeugschein eingetragene fahren?
Tillman H., Stuttgart

Sie dürfen Ganzjahresreifen mit einem geringeren Geschwindigkeitsindex als die zulässige Höchstgeschwindigkeit Ihres Fahrzeuges fahren, wenn im Sichtbereich für die entsprechende Höchstgeschwindigkeit des Reifen ein Aufkleber vorhanden ist. Im § 36 Absatz 1 der StZVO ist das eindeutig geregelt, wichtig ist die Bezeichnung M&S oder M+S auf der Reifenflanke des Reifen.

Lagerhaltung

Ist es egal, in welcher Reihenfolge die Reifen im nächsten Jahr montiert werden? Kann ich sie im Keller einlagern?
Martin W., Marburg

Sie sollten die Reifen vor dem Abnehmen immer markieren, z.B. die Laufrichtung und die Position. VR = vorne rechts,  VL = vorne links, HR = hinten rechts HL = hinten links. Im folgenden Jahr können Sie die Reifen achsweise tauschen, das heißt der Reifen von hinten links kommt nach vorne links. Der Reifen vorne rechts nach hinten rechts usw. Achten Sie immer darauf, ob Sie laufrichtugnsgebundene Reifen haben, die können Sie beispielsweise nicht einfach von links nach rechts tauschen. Und bei Mischbereifung (unterschiedliche Reifenbreite vorne/hinten) können Sie die Reifen ebenfalls nicht achsweise tauschen.
Nach der Montage sollten Sie die abgenommenen Reifen reinigen und Steinchen aus den Profilrillen entfernen. Wählen Sie einen trockenen und kühlen Lagerraum, er sollte frei von Benzin, Öl, Fett oder Chemikalien sein. Reifen auf Felgen sollten Sie liegend lagern, am besten ist ein "Felgenbaum". Reifen ohne Felgen sollten senkrecht gestellt und von Zeit zu Zeit gedreht werden.

Nutzungsdauer

Meine Sommerreifen sind schon sechs Jahre alt. Soll ich mir lieber neue kaufen?
Birgit K., Albstadt

Hier empfiehlt die Reifenindustrie, maximal nach zehn Jahren sollte Schluss sein. Ältere Pkw-Reifen sollten grundsätzlich nur noch benutzt werden, wenn sie vorher unter normalen Bedingungen gefahren wurden. Sie sollten auch nicht mehr ummontiert, sondern nur noch im laufenden Betrieb abgefahren werden.
Reifen an Wohnwagen, Anhängern oder anderen so genannten Standfahrzeugen, die nicht regelmäßig bewegt werden, altern schneller.
Bei Gespannen aus PKW mit Anhänger, die nach § 18 StVO eine 100 km/h-Zulassung besitzen, schreibt der Gesetzgeber als Höchstalter von sechs Jahren für die Reifen vor.

Reparatur

Einer meiner Reifen hat ein Loch - ich bin offenbar in einen Nagel gefahren. Die Reifen sind fast neu. Kann ich den kaputten Reifen reparieren lassen?
Annika D., Bietigheim

Bei Reifenschäden ist oft eine Reparatur möglich und spart Geld und Ressourcen. Doch man kann nicht pauschal sagen, welche Verletzungen reparabel sind, ohne Abstriche bei der Sicherheit des Fahrzeugs zu machen. Häufig ist allerdings ein Austausch des defekten Reifens unumgänglich.
Grundsätzlich sagt die Richtlinie B3620 und der §36 StVZO nichts zum Thema Geschwindigkeitsindex der reparierten Reifen aus. Das bedeutet es gibt keine gesetzliche Beschränkung in dieser Hinsicht.
Es wird empfohlen, keine ultra-leistungsstarken Reifen (W, Y und ZR) zu reparieren.
Beurteilen kann dies letztendlich nur der Fachmann.

Speedindex

Jemand hat mir erzählt, man könne an den Reifen erkennen, wie schnell man damit fahren darf. Wie funktioniert das?
Matthias S., Weilimdorf

Die Reifenkennzeichnung auf der Flanke hat unter anderem auch Buchstaben, der eine bezeichnet die Bauart des Reifen "R" Radialreifen. Der Zweite Buchstabe gibt Aufschluss über die zulässige Höchstgeschwindigkeit für die der Reifen ausgelegt ist.
z.B. 195/65 R 15 H — das H steht für "zugelassen bis 210 km/h"

Die am häufigsten im PKW Bereich auftretenden Bezeichnungen:
Q = 160 km/h R = 170 km/h
S = 180 km/h T = 190 km/h
H = 210 km/h V = 240 km/h
W = 270 km/h Y = 300 km/h
ZR = über 240 km/h

 

Winterreifen im Sommer

Kann ich meine Winterreifen im Sommer noch abfahren?

Matthias B., Aspach

Verboten ist es nicht, mit Winterreifen auch im Sommer zu fahren. Auf jeden Fall nicht, wenn der Luftdruck regelmäßig kontrolliert und die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit der Reifen nicht überschritten wird. Allerdings wird das Gummi der Winterreifen durch die wärmeren Temperaturen sehr weich. Dadurch ergibt sich ein hoher Abrieb und Verschleiß. Des Weiteren werden auch die tiefen Lamellen der Winterreifen bei hohen Temperaturen unstabil. Die Lenkung ist dadurch nicht mehr so direkt. Das Ausweichen vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis wird unpräzise. Am meisten leidet allerdings der Bremsweg. Denn die weichen Reifen können die Bremskraft nicht so gut auf die Straße bringen.
Durch die Änderung des §2 Abs.3a der StVO kann es bei Behinderungen oder Unfällen dazu kommen, dass Ihnen eine Strafe droht, sollten Sie mit Winterreifen im Sommer unterwegs sein.
Wenn Sie mit Winterreifen durch den Sommer fahren wollen, müssen Sie vorsichtig sein.
Am besten ist allerdings der Wechsel der Reifen. Denn seinen Bremsweg sollte man nicht freiwillig verlängern.